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Dienstag 27.September 2011
SENSATION
Es gibt ihn tatsächlich auch noch in Deutschlan
DER UPUPA LEBT
http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,786664,00.html
Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der bringt der Braut 'nen Blumentopf, fiderallala, fiderallala, fiderallalallala. Der in der "Vogelhochzeit" besungene Wiedehopf hat weit mehr zu bieten als einen Blumentopf. Ein ziemlich beeindruckendes Aussehen nämlich. Mit seinem langem Schnabel, dem rötlichen Oberkörper, den schwarz-weißen Streifen an Flügel....mehr lesen bei SPIEGEL.ONLINE
Wir wurden von Manfred Willi Reichert aus Visselhövede über facebook auf den Artikel bei SPIEGEL.ONLINE aufmerksam gemacht. Dafür ein Herzliches Dankeschön. Wir haben uns in der Redaktion spontan entschieden, sofort im nächsten Frühjahr zum Kaiserstuhl zu fahren, um unseren "Symbolvogel" in Augenschein zu nehmen, ihn zu fotografieren und ihn, wenn möglich, auch zu interviewen. Das Interview soll Josef Fellstein vornehmen, er kann Vogelstimmen. Auch freuen wir uns bereits jetzt auf eine schöne Runde in einem dieser kleinen Weinstübchen im Kaiserstuhl. Wir wollen Manfred Willi Reichert aus Visselhövede einladen, an der Wiedehopf- und Weinreise teilzunehmen.
Uli Pelz (upz)
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Dienstag 22. März 2011
Mein Zelt, mein Zelt, mein großes grünes Zelt
oder: Bitte schmeißt mir keine Bombe rein
Gerade an Herrn Wecker in München folgenden Kommentar zum unten stehenden Beitrag gepostet:
Lieber Herr Wecker, wie wär's mit folgendem Lied:
Mein Zelt, mein Zelt, mein großes grünes Zelt -
von hier aus, bitte schön, verarsche ich die ganze Welt.
Nur bitte, ich bitt' euch liebe Leut',
schmeißt mir keine Bombe rein,
das könnte dann mein Ende sein.
2.Strophe: Mein ...Volk, mein Volk, mein dummes grünes Volk -
das ist mir, bei Allah, so was von muhmuh und lala.
Refrain: Nur bitte, ich bitt' euch liebe Leut',
schmeißt mir keine Bombe rein,
das könnte dann mein Ende sein...
Liebe Grüße Ulrich Pelz, Bremen
Konstantin Wecker
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Dienstag 08. Februar 2011
ALTE KAISER
Konstantin Wecker zu den Ereignissen in Ägypten
heute auf facebookgypten
Ja, es ist soweit. Darauf haben wir lange gewartet. Endlich einmal wieder schöne Volksaufstände überall. Seit 89, dem "Wir sind das Volk" in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone, mussten wir schmachten und uns mit Liebesliedern, Kinderopern, belanglosen Filmmusiken und Operetten über Wasser halten. Jetzt können wir wieder revolu...tionär loslegen, die alten Kaiser herausholen und neue Kampflieder für das ägyptische, tunesische, jemenitische, algerische Volk trällern. Und hoffentlich bald auch für den gesamten Rest des arabischen und afrikanischen Teils der Erde. Darauf haben diese Menschen doch nur gewartet, dass wir Ihnen in ihrem Freiheitsdrang mit unseren Liedern unter die Arme greifen! Oder? Oder sollten wir vielleicht die Finger davon lassen? Haben die nicht ihre eigenen Lieder dort, wo sie auf die Straße gehen? Haben die möglicherweise ncht sogar intelligente Lyriker und Schriftsteller, Kulturschaffende - Menschen, die ihre eigenen Freiheitstexte und Freiheitslieder herstellen können?
Ulrich Pelz
heute auf facebook
(ÄGYPTEN & WIR)
Liebe Freunde!
Hier meine Notizen zu den großartigen Ereignissen in Ägypten, speziell dazu, was das eigentlich mit uns im Westen zu tun hat. Währenddessen wird in Kairo schon wieder massenhaft demonstriert! Ich
hoffe, die Leute machen weiter, bis Mubarak endlich weg ist - und... wir machen bald mit!
Servus, Euer Konstantin
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Montag 31. Januar 20111
AMÜSIERFASCHISMUS
Gott sei Dank. Die Woche fängt gut an für mich. Mein Medienberater, der mir regelmäßig gleich am Anfang der Woche montags um kurz nach 8 im Nordwestradio sagt, was gut war und was schlecht war in den Medien, hat mich heute früh freigesprochen von jeglicher Mitschuld am Amüsierfaschismus. Denn ich habe mir nicht eine Sekunde Dschungelcamp angeschaut. Weiß also gar nicht, worum es geht. Ich hab' damit nichts zu tun, ich bin fein raus!
Alle anderen, die sich schämen sollten, können sich ja einmal nachträglich anhören, was unser Medienexperte an Abscheu und Ekel über die Welle gebracht hat. Besonders gut zuhören sollten die so genannten seriösen Journalisten des Feuilletons, denen Herr Hörisch den Vorwurf des Mangels an klarem Bekenntnis gegen die Dschungelsendung macht, und die sich von ihm die Frage gefallen lassen müssen, weshalb sie sich überhaupt mit diesem Dreck beschäftigen. Hörisch sagt klipp und klar, dass das, was da gezeigt wird, sich einfach nicht gehört, und dass es keinen Grund für Journalisten gibt, darüber auch noch zu berichten! Aber hört selbst, hier:
http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?sendereihe=54
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Montag 24.Januar 2011
KOMPONISTEN OHNE KOPF UND DIE AMERIKANISCHE OPER
wie Krach zu Musik wird
Axel Brüggemann erklärt es
"Schon das Urzeitbaby hat wahrscheinlich genauso nach seiner Ma-ma gerufen wie wir alle. Wenn Menschen Namen rufen, tun sie das nämlich meist mit den gleichen Tönen. Wenn du auf dem Schulhof Pe-ter oder Ma-rie schreist, benutzt du automatisch den gleichen Tonabstand zwischen den einzelnen Silben. In der Sprache der Musik nennt man den Abstand zwischen zwei Tönen Intervall." (A.Brüggemann)
Der Buchbesprecher hat schon beim Anfassen des Buches und beim ersten Durchblättern einen guten Eindruck von dem Buch. Die Einbanddeckel sind sehr stabil, ja fast hart. Sie sollen ja auch wohl mehrere nächste Generationen durch wechselnde Schülerhände gehen. Innen schönes Papier mit gutem Zeilenabstand und lustigen graphischen Auflockerungen. Genau richtig gemacht für die Augen von Kindern und Jugendlichen. Ja, es ist ein Lehrbuch, ein Musikgeschichtsbuch für Musikschülerinnen und Musikschüler. Liebevoll gemacht und mit einer kind- und jugendgerechten Sprache. Der erwachsene Musiklaie denkt sofort: ach hätte es doch früher in der Mittelschule Achim so ein wunderbares Buch gegeben, dann hätte Wilhelm Petersen in seinem primbesudelten Anzug mit der Geige in der Hand beim Einstudieren von Das Wandern Ist Des Müllers Lust nicht immer rufen müssen: Uli, du brummst, hör' auf zu singen - oder raus! Auch denkt der Musikdilletant sofort beim Queranschauen des Buches: ach, so war das mit der Entwicklung der Musik in den letzten Jahrhunderten. Der Dilletant ist ja ein heimlicher Musikliebhaber, ja fast ein Romantiker der Musik, denn bei schönen Melodien, die ihm gefallen - egal, ob Rock, Klassik, Indipendent, Fado oder Blasmusik von La Brassbanda - kommen ihm die Tränen. Ist das nicht furchtbar? Und hier in diesem Buch wird das nun alles erklärt. Die Emotionen der Musik, die Techniken, die Kommerzialisierungen, die Künstler, das Studium und das Üben, Üben, Üben. Also, das Buch ist schön und der Musiklaie hier, auch der erwachsene, wird beim Lesen noch einmal zum Musikschüler. Das wird ihm auch verwandtschaftlich bei den nächsten Familientreffen weiterhelfen. Denn nach dem kompletten Studium des Buches wird er sicherlich mit der Schwägerin Nr.1, einer Opernsängerin, Kirchenmusikerin (im ländlichen Hemelingen), Hochschullehrerin für Musik und Chorleiterin besser und schlauer musiktheoretisch smalltalken können. Auch wird er vor der Schwägerin Nr. 2, einer äußerst aktiven Klavierlehrerin (im ländlichen Ottersberg) nicht mehr so blöd dastehen, wenn es um Liszt und Chopin geht. Wer von den beiden hatte denn nun was mit George Sands auf Mallorca? Ich muß noch einmal nachschlagen bei Axel B. Und zu guter Letzt werde ich nach der Lektüre des Buches nun auch meinem Schwager Nr.1, einem Konzertgitarristen und Musiklehrer an der Waldorfschule ( im ländlichen Osterholz-Tenever) Paroli bieten können, wenn er mir verklüsern will, dass Cervantes einer der größten Flamenco-Gitarristen des Spanischen Königreiches war. Nun gut, bei anderer Gelegenheit auf einem anderen Sender (fängt mit einem kleinen f an) wurde vom Musiklaien ja bereits die Frage gestellt, ob die unterpriveligierten und unterversorgten Jungs und Mädels, die jetzt ja von Uschi von der Leyen demnächst alle Musik und Sport verordnet und bezahlt bekommen sollen, mit diesem Buch auch etwas anfangen können. Der Laie sagt: in Einzelfällen sicher, für die Jugendlichen aus diesem gesellschaftlichen Armuts-Spektrum, die mit Musik und Kultur in Berührung gekommen sind. Der Großteil dieser Gruppe allerdings, lieber Axel, der den Zugang zu Büchern bisher überhaupt noch nicht gelernt hat; der nicht weiß, wie er den Monat existenziell überstehen soll, wie es in der Zukunft weitergehen soll - dieser Großteil der armen Kinder und Jugendlichen (und Bremen liegt hier im Gegensatz zu Pisa ganz oben an der Spitze) wird sich wohl kaum für dieses schöne Buch interessieren lassen. Schade, aber das ist die gesellschaftliche Wahrheit bei uns! Der musikalische Laie und Dilletant wird wohl das Buch eher seiner Schwipp-Verwandtschaft empfehlen, damit sie es selber lesen und damit sie es ihren Schülern weiterempfehlen können, und damit die Kunst, die Musik und die Kultur in diesen teils heiteren und teils finsteren Zeiten nicht untergehen!
Uli Pelz (aus dem ländlichen Pusdorf)
Das Fernsehprogramm von heute
00:20 Uhr 3Sat

Sonntag 05. Dezember 2010
F & U am Sonntag
STILLE BEDTRACHTUNGEN ZUM VORWEIHNACHTLICHEN HÄUSER- UND FENSTERLICHTERGLANZ
von der Lyrikerin unserer Redaktion: Katharina Loewe
DANKE DIR ELEKTROHIRSCH
Ach ist das gut
Wenn allerorts
Das Herz
Sich öffnen tut
Wenn in den Fenstern
Und an Fassaden
Lichterspiel und
Weihnachtliches Leuchten
Uns' Augen tun befeuchten
Wie schön ist doch
Zu sehen und zu spüren
Dass bald nun Jesum
Stehet vor den Türen
Vor dem Hause
In der Reihe
Brunfet nun in aller Pracht
Ein Leuchtehirsch
Mit seihenem Geweihe
Im Garten hinten
Überdisimensional
Nikolas der Weihnachtsmann
Und locket alle Blicke an
Und drinnen in den Weihnachtsstuben
Weilen brave Mädels
Und auch Buben
Nüsschen tun sie hacken
Wollen Plätzchen für die Mutti backen
Ach, ganze Häuser
Finden sich im Lichterkleid
Himmlisch eingehüllt in
Tausende von Lumen
Leuchten sie für alle
Menschen weit und breit
In Habenhausen und woanders
Stehen staunend
Tausend von Passanten
Vor den schönsten
Der Benannten
Ach, Seele du
Die in mir ruhet
Erfreue Dich des Glanzes
Danke Dir Elektrohirsch
Und Danke Dir
Du roter Stern
Ach wie hab'
Ich doch
Die Weihnachtzeit
So gern
Mittwoch 10. November 2010
MARIZA VERZAUBERT IN LEVERKUSEN
Katharina Loewe berichtet von den Leverkusener Jazztagen
Oh, gente da minha terra
Zum erst Mal in meinem Leben reise ich nach Leverkusen. Leverkusen, was dachte ich immer dabei? Eigentlich immer nur: Bayer Leverkusen, Aspirin. Oder: Bayer Leverkusen, Rudi Völler und Rainer Calmund. Leverkusen, das stand bisher auch immer für: Vorsicht an Gleis 5 oder Vorsicht an Gleis 2, Schnelldurchfahrt eines Fernzuges. Auf den Fahrten nach Köln oder weiter in den Süden immer volles Tempo mit dem ICE oder dem IC durchgerauscht. Im Blick zurück blieben immer die riesigen Straßenbeleuchtungen für das Autobahnkreuz, die Flutlichtmasten für das Stadion und dieses überdimensionale Bayerkreuz vor den Bayerwerken.
Nun also bin ich nach dem Umsteigen in Düsseldorf ausgestiegen in Leverkusen. Mein Ziel: die 31. Leverkusener Jazztage und der Auftritt der inzwischen zur Portugiesischen Nationalheiligen gewordenen Sängerin Mariza, der legitimen Nachfolgerin der legendären Amalia Rodrigues. Und tatsächlich: schon kurz nach dem Aussteigen aus der S6 wieder dieser Warnruf durch die Lautsprecher des kleinen Leverkusener Bahnhofs. Vorsicht an Gleis 5, Schnelldurchfahrt eines Fernzuges. Und schon rauscht wie ein Pfeil der nächste ICE nach Köln durch. Also, ich war abgestiegen in der tiefsten Rheinischen Provinz. Mein Fußweg durch die „Innenstadt“ vom Bahnhof zu meinem Hotel bestätigte den Provinzeindruck. Nichts städtisch Gewachsenes, alles neu und künstlich, irgendwie ohne Charme, ohne Flair. Ganz Leverkusen eine künstliche Einkaufsstadt, nicht viel anders als andere deutsche Provinzstädte. Eine Einschränkung: Der Italiener, bei dem ich nach meinem Hotelbezug aß, Mille Lire, mitten drin in dieser Einkaufsstadt, große Klasse. Mein Herausgeber würde urteilen: mindestens 6 von 7 möglichen Gummiadlern. Aber wir wollen hier ja nicht über Gummiadler reflektieren, sondern über die Jazztage und über Mariza.
Wie passt das zusammen: Jazztage und Portugiesischer Fadogesang? Ganz einfach: Die Leverkusener Jazztage, die seit 30 Jahren von einem eifrigen Verein, von vielen potenten Sponsoren – natürlich unter anderen auch Bayer – und dem WDR, der alles aufzeichnet, in dieser Rheinischen Kleinstadt veranstaltet werden, stellen die 10 Jazztage, die immer im November stattfinden, jedes Jahr unter ein anderes Thema. In diesem Jahr stand die Gitarre im Mittelpunkt. Und wer die Musik von Mariza kennt, der weiß natürlich sofort, dass neben der grandiosen Stimme die wunderbaren Portugiesischen Gitarren die Schönheit dieser Musik ausmachen. So traten dann am Tag vor dem Auftritt von Mariza, also an meinem Ankunftstag in Leverkusen, die ehemaligen und vielleicht ja auch noch jetzigen Gitarrengötter Paco di Lucia & Band sowie Al Di Meola & Band im Forum Leverkusen, dem Veranstaltungsort, auf. Bereits hier konnte ich beobachten, dass die Konzertbesucher aus allen Teilen des Westens nach Leverkusen anreisen, sogar Nummernschilder aus Holland, Belgien und Frankreich waren zu sehen!
Das Forum Leverkusen. Offensichtlich auch ein Ding von Bayer. Ein schwarzer Rundbau direkt an der Autobahn und an der Bahnstrecke. Direkt nebenan das Hotel Best Western, in dem ich gewohnt habe für zwei Nächte. Über dieses Hotel hätte ich einen eigenen Bericht anfertigen können, will darauf aber verzichten zu Gunsten des freundlichen und bemühten Rezeptionsmitarbeiters, der mittags dort war, der abends dort war, und der am nächsten Morgen wieder da war. Auf jeden Fall bin ich heil wieder herausgekommen aus dem Hotel und hatte sogar noch das Vergnügen, am Abreisetag der Künstlerin, die auch in dem „Hotel“ wohnte, am Frühstücksbufett zu begegnen. Kommen wir zurück zum Forum Leverkusen. Dieser Mehrzweckbau, in dem auch die Leverkusener VHS und weitere Einrichtungen untergebracht sind, ist ein tolles Konzertgebäude. Im Zentrum ein unbestuhltes Terrassenforum, in dem die Hauptkonzerte stattfinden, daneben mehrere kleine Clubräume für kleinere Events.
Im Forumssaal auch Gastronomie, alles was das Herz begehrt. Von einer geordneten Konzertorganisation, sagen wir einmal: wie in der Bremer Glocke, kann hier nicht die Rede sein. Vorne die hochprofessionelle Bühne, dann terrassenartig Stehplätze für ca. 2000 Besucher, hinten und seitlich: Sekt, Bier, Wein, Brezel und Brötchen. Alles läuft durcheinander, alles quatscht durcheinander, alles fließt, alles ist in Bewegung. Wie soll hier ein Konzert eines Weltstars ordentlich ablaufen?
Dafür sorgt die Künstlerin selbst. Nach dem Vorkonzert von Carmen Souza von den Kapverdischen Inseln, jetzt Mariza. Sie zieht sofort alle Blicke und alle Aufmerksamkeit auf sich allein durch ihren Auftritt. Eine kleine, schmächtige Frau, die sich auf hohe Plateauschuhe stellt und sich in weite Kleider hüllt. Die Haare kurz geschnitten und lockig blond gefärbt. Die ersten Töne, die sie durch die hervorragende Tontechnik in das Forum hinüber, herunter, hinein singt, fesseln alle sofort. Die Gitarrenklänge ihrer drei Spitzengitarristen untermalen von Anfang an mit diffiziler Intensität den unvergleichlichen Gesang dieser Sängerin. Alle, wie ich, die ihre letzte CD in- und auswendig kennen, waren sofort ergriffen von den Liedern. In den ersten Reihen standen offensichtlich viele junge Portugiesinnen und Portugiesen, die sofort auf Portugiesisch mit ihrem Heiligtum kommunizierten. Es fehlte eigentlich nur noch die Nationalflagge, und alles wäre gewesen wie bei dem großen Konzert vor einigen Jahren im Nationalpark von Lissabon. Über zwei Stunden wunderbare Musik, perfekt vorgetragen mit großem technischen Aufwand, wohl eine Notwendigkeit bei Fernsehaufzeichnungen. Alles ist demnächst im WDR zu sehen. Ich werde es mir sicherlich anschauen, ich kann von dieser „Volksmusik“ nicht genug bekommen. Ich könnte nach diesem Konzerterlebnis doch glatt zur Portugiesin werden und demnächst mitsingen, wenn es von Mariza wieder heißt: „ Oh, gente da minha terra“ (Oh, Menschen meines Landes“).
Sonntag 12. September 2010
F & U am Sonntag
Gustav Falke
1853 - 1916
September
Der Dornbusch prangt im Schmuck der roten Beeren,
Die Dahlien in ihrer bunten Pracht,
Und Sonnenblumen mit den Strahlenspeere
Stehn stolz wie goldne Ritter auf der Wacht.
Die Wespe nascht um gelbe Butterbirnen,
Die Äpfel leuchten rot im Laub und glühn
Den Wangen gleich der muntren Bauerdirnen,
Die sich im Klee mit ihren Sicheln mühn.
Noch hauchen Rosen ihre süßen Düfte,
Und freuen Falter sich im Sonnenschein,
Und schießen Schwalben durch die lauen Lüfte,
Als könnt des Sommerspiels kein Ende sein.
Nur ab und an, kaum daß der Wind die Äste
Des Baumes rührt, löst leise sich ein Blatt,
Wie sich ein stiller Gast vom späten Feste
Heimlich nach Hause stiehlt, müde und satt.
Klabund
Freitag 27. August 2010
LYRIK
Klabund
Sommerbetrachtung
Klabund (eigtl. Alfred Henschke, 1890-1928)
Sommerbetrachtung
Hier saß ich oft. An diesem grünen Strauch.
Die Rosen blühen heute röter noch.
Die Fuchsien halten ihre Farbe auch.
Es bellt am Zaun der kahle Köter noch.
Die Espe zittert, weil es ihr Beruf.
Den roten Pilz betreut der Regenwurm.
Ein Einhorn scharrt versonnen mit dem Huf.
Die Sonne steht als Frau auf einem Turm.
Der Sommer herbstelt. Im geharkten Kies
Geht an der Krücke ein geborstner Greis.
Ein Kind spielt Mutter. Und es lächelt leis,
Als ich ihm eine offne Grube wies.
Bei jedem Schritte trifft man auf ein Grab
Von Leuten, die noch längst am Leben sind.
O liebstes Herz, dem meinen Leib ich gab:
Wie wohlig weht durch mein Skelett der Wind!.
Alberto Caeiro / Fernando Pessoa
Dienstag 17. August 2010
POESIE
heute: Alberto Caeiro
Der Hüter der Herden
XLIII
Lieber ein Vogel, der vorüberzieht und keine Spur hinterläßt,
Als ein Tier, dessen Spur sich dem Boden einprägt.
Der Vogel fliegt vorüber und vergißt, und so muß es sein.
Das Tier zeigt, auch wo es nicht mehr ist und daher nutzlos,
Daß es schon da war, was ebenfalls nutzlos ist.
Erinnern ist ein Verrat an der Natur,
Denn die Natur von gestern ist nicht Natur.
Was gestern war, ist heute nichts, und erinnern heißt nicht-sehen.
Zieh vorüber, Vogel, zieh vorüber und lehre mich vorüberziehen!
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Alberto Caeiro ist eines der Heteronyme von Fernando Pessoa
2 Rollen Absperrband in Bremen gefunden, oder: Honigpumpe am Arbeitsplatz
Von unserer Kunstredakteurin Katharina Loewe
Plötzlich lagen sie vor mir. 2 niegelnagelneue Rollen rot-weißes Absperrband, in Höhe Osterdeich / Altenwall. Nun kann man fragen: Ja, und? Was interessieren 2 Rollen Absperrband? Wird wohl jemand verloren haben! So einfach wollte ich mir die Sache aber nicht machen, zumal mir spontan einfiel, dass rot-weißes Absperrband ja wohl eine enorme gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung hat.
Welcher Schaden könnte möglicherweise entstehen, wenn ich die beiden Rollen einfach liegen lasse und sie nicht als Fundsache melde, so ging es mir durch den Kopf. Also griff ich mir die Fundstücke und verstaute sie erst einmal in meinem Rucksack mit der großen Wolfstatze drauf – nicht um sie mir heimlich anzueignen, sondern um zu Hause in Ruhe darüber nachzudenken, wie ich mit den Dingern weiter verfahren will. Gesagt, getan. In meiner Single-Wohn- Küche legte ich die beiden Schmuckstücke auf den Wohnküchentisch und betrachtete sie still und kontemplativ. Sofort erfüllten mich die beiden Rollen mit sehr assoziativen Bildern. Dieses Rot und dieses Weiß in unterschiedlich zusammen gelegten Positionen erzeugt in der Tat heftige Farbphantasien, und nicht nur diese. Wie würde es sein, wenn sie nun auch noch ausgepackt und ausgerollt vor mir lägen – wäre die Sinnlichkeit dann nicht noch um ein Weiteres gesteigert. Ich musste mich sehr beherrschen, es nicht zu tun. Nun erinnerte ich mich wieder an meine sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen als Finderin von Fundstücken. Du musst die Bänder abgeben, so disziplinierte ich mich selbst. Nur wo, bei wem? Ich rief, nachdem ich die Telefonnummer in dem roten Bremer Behördentelefonbuch, das ich kurzfristig meiner Bekannten Claudia ausgeliehen hatte (nach 8 Monaten hatte sie es mir zurück gegeben), gefunden hatte, noch von meinem Wohnküchentisch aus mit meinem mobilen Telefon beim Fundamt an und meldete die Fundsache. Hier wurde ich allerdings in sehr unästhetischer, verständnisloser Weise abgefertigt. Ich könne die Rollen ja vorbei bringen, „wir legen die dann in der Kammer Kleinfunde ab, wo die Sachen jahrelang nicht abgeholt werden“. Ob es nicht besser sei, so die Fundbeamtin, die „Plastikdinger“, wie sie die Bänder respektlos nannte, einfach in den gelben Sack zu packen und von der Abfuhr mitnehmen zu lassen. Eine andere Möglichkeit sei, dass ich eigene Ermittlungen aufnehme bei relevanten Absperrbandnutzern. Sie nannte als mögliche Adressen: Polizei, Parkplätze (z.B. Weser-Stadion), Baustellen und andere schnöde Adressen. Ich beendete das schnöde Amtgespräch mit den Worten: ja, ja, will mal sehen. Und dabei schoss mir wie eine göttliche Eingebung in den Kopf, dass wir in Bremen doch einen Rot-Weißes-Absperrband-Künstler unser eigen nennen können. Jetzt sah ich die Events des Künstlers wieder vor mir – ich hatte sogar vor Jahren in dieser Zeitung darüber geschrieben. Nur sein Name wollte mir so schnell nicht ins Gedächtnis kommen, obwohl ich doch für mich in Anspruch nehmen kann, die Kunstszene hier in Bremen einigermaßen gut zu kennen. Gab es nicht irgendein besonders äußeres Kennzeichen, das mir die Namensfindung erleichtern könnte. Nein, lange grübelte ich, mir erschien nichts. Dann am nächsten Morgen der persönliche Aha-Effekt: Fahrrad, Mütze, Aktentasche, Jackett. Ich rief ihn sofort an. Kann schon sein, dass ich die Dinger verloren habe, so sein Reflex – wahrscheinlich auf dem Weg Baustelle Weser-Stadion zurück mit dem Fahrrad auf dem Osterdeich in mein Heimatdorf. Er habe an der Ampel Altenwall scharf bremsen müssen, weil gerade der Bus mit der Marine-Kapelle aus Wilhelmshaven vorbei fuhr. Dabei seien ihm die Rollen wohl aus der offenen Gepäcktasche gehüpft. Er habe den Verlust gar nicht bemerkt, weil er inzwischen so viele Rollen zu Hause lagerte, da käme es auf ein oder zwei nicht an. Ich solle doch selbst damit etwas Künstlerisches machen. Denn schließlich habe Josef Beuys schon gesagt: Alles ist Kunst, sogar die Honigpumpe am Arbeitsplatz. Bitte?
Honigpumpe
Fotos: Josef Fellstein Bremen