Der Wiedehopf

Literatur. Texte. Prosa. Lyrik. AurorInnen. Besprechungen. Ankündigungen. Berichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hilda Pelz (91)
Hilda Pelz (91)

13/24

Sonntag, 7.Juli 2013

SONNTAGSGEDANKEN

zu Hilda (91), der Schneiderin aus Ostpreußen

 

 

SONNTAGSGEDANKEN

Ich mache mir heute, am Sonntag, heftige Gedanken darüber, wie es wohl weitergehen soll mit meiner Mutter. Sie befindet sich zum wiederholten Male mit schweren Verletzungen, die sie sich im Altenpflegeheim, Abteilung Demenz, zugezogen hat, im Krankenhaus. Ich begreife nicht, wie es zum wiederholten Male geschehen kann, dass trotz angesagter besonderer Intensivpflege eine 91jährige demente Bewohnerin einer Altenpflegeeinrichtung, die sich auf ihren zwei Beinen selbständig schon seit langem nicht mehr fortbewegen kann und im Rollstuhl transportiert werden muss, beim Toilettengang vorneüber fällt und sich Rippenbrüche und schwere Hämatome im Gesicht und am Kopf einhandelt. Und dann mache ich mir heftige Gedanken darüber, weshalb Altenpflegeeinrichtungen es programmatisch und personell nicht organisieren können, für solche Fälle, in denen BewohnerInnen, die aus den Einrichtungen in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen, die betreffenden BewohnerInnen mit nach außen hin zugehenden, betreuenden personellen Ressourcen zu begleiten, und diese Aufgabe nicht den Angehörigen überlassen – wenn denn welche da sind? Verschärft werden die heftigen Gedankenspiele noch durch die persönlichen Vorerfahrungen in vier bis sechs ähnlichen Fällen in den Vorjahren, dass das Krankenhauspersonal auf die fachgerechte Versorgung von dementen, artikulationsunfähigen und unruhigen Patientinnen überhaupt nicht eingestellt ist. Was im Endeffekt bedeutet, dass die eingelieferten Patienten und Patientinnen dem nichtkorrespondierenden Nichtsystem zwischen Altenpflege und Krankenhaus hilflos ausgeliefert sind. Dabei kann es passieren, dass sie nicht gefüttert werden. Dabei kann es passieren, dass ihnen mittags Hähnchenkeulen mit spitzen Hähnchenkeulenknochen hingestellt werden und nicht die angesagte passierte Kost. Dabei kann es auch passieren, dass das Krankenhauspersonal sich lustig macht über die ständigen, ängstlichen Aufschreie der Patientinnen! Es ist eine riesige Sauerei, die da abläuft – und es ist eine riesige Versorgungslücke im gesamten Pflege- und Gesundheitssystem.  Und meine Sonntagsfragen werden noch heftiger und aggressiver vor dem Hintergrund, dass ich mich an den monatlichen Kosten für das Wohnen der Mutter im Altenpflegeheim nicht unerheblich beteilige! Und dann mache ich mir heute, am Sonntag, heftige Gedanken darüber, ob ich es verantworten kann, dieses Mal die Mutter nicht im Krankenhaus zu besuchen, um stundenlang neben ihr im Krankenzimmer zu stehen, ohne dass sie in der Lage ist, mich tatsächlich wahrzunehmen und zu registrieren. Doch, ich kann es verantworten, da ich weiß , dass die amtsgerichtlich bestellte Betreuerin der Mutter - der ich übrigens nicht über den Weg laufen möchte, auch nicht im Krankenhaus – ihrer Betreuungsaufgabe voll und ganz gerecht werden wird.  Da mir ja von ihr bescheinigt wurde, dass ich keinerlei Verantwortung für die Mutter trage, halte ich mich in der Krankenhausbetreuung zurück und überlasse diese Aufgabe den Fachkräften. Dabei hoffe ich auf ein insgesamt gutes Ende für alle. Dem Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland wünsche ich eine grundlegende Reform. Dem amtsgerichtlich bestellten Betreuungswesen in Deutschland wünsche ich immer die richtigen Entscheidungen. Mir selbst wünsche ich noch einen geruhsamen Sonntagssommerabend. Und meiner Mutter wünsche ich endlich eine friedliche Erlösung. Warum muss sie sich in hohem Alter noch so quälen – sie hat ja so viel in ihrem Leben geleistet: Flucht aus der Heimat, einen Schneider aus Sachsen geheiratet, 4 Kinder geboren, davon eines früh gestorben, Armut, Krankheiten, Sucht, Demenz…Das reicht ja wohl? Oder?

Uli Pelz

 

 

 

 

 

 

 

Uli Pelz 2011
Uli Pelz 2011

13/28

Freitag, 7.Juni 2013

FREITAGSFRÜHGEDANKEN

 

von Uli Pelz

 

Im Radio der Preußische Ikarus

Seit Köln 76  gemeinsam alt geworden

Zuckerkampf mit 14 Litern Insulin

Bioalpenkräuterkäsebrot mit Erdbeerscheibchen

Und Kanne Kaffee schwarz

Das Lokalblatt von vorne bis hinten

Wenig Tote, stattdessen viele Verlobungen

Schönes Buch von Ortheil quergelesen

Die Insel der Dolci

Wenn schon kein Zucker, dann wenigstens

Ein süßes Buch mit herrlichen Kuchenfotos

Ob wohl die Vogelkarte angekommen ist

Und die Frage, wer sie der Mutter vorliest

Bewegt die Gedanken

Fischbratgerüche entströmen

Den Ablüftern der Kantinen

Die Katzen lauern unter den Küchenfenstern

Auf das Hinauswerfen der inneren Werte

Was wohl das Wochenende außer Sommerwetter bringt

Im Garten noch Ruhe vor dem Sturm

Bald nun wieder  Holz und Stein

Und Rauchschwaden

Von den verkohlten Grillstationen?

 

 

 

 

 

 

 

 

Nr.24/12

Dienstag 20.November 2012

BUSS- UND BETTAG 2012

 

Morgen ist Buß- und Bettag. Wir haben bereits die Liste unserer 7 Untaten eingereicht und hoffen auf die Absolution. Hier unser Sündenregister:

1. Den glorreichen Heimwerker- und Selbstbauaktivitäten der männlichen Nachbarn nicht genügend Beachtung und Lob geschenkt

2. Den ärztlichen Hinweisen zuwider zu wenig Fahrrad gefahren und zu wenig Nordic Walking mit Stöcken hinterherziehen betrieben. Stattdessen zu fett gegessen!


3. Die Bemühungen der Bremer GRÜNEN um eine fahrradgerechte Stadt verächtlich gemacht und nie an der Fahrradzählstation vorbeigefahren. Auch die Ponykarussells nicht boykottiert, was uns nachträglich noch leid tut, da inzwischen ein Pony tot ist.

4. Einer amtsgerichtlich bestellten Betreuerin für eine pflegebedürftige ältere, demente Dame nicht den ausreichenden Respekt gegenübergebracht und keinerlei eigene Verantwortung übernommen. Stattdessen nur respektlose Bemerkungen und Kommentare!

5. Die Resolution der IWG Woltmershausen gegen die Schließung von Polizeirevieren in Bremen nicht unterschrieben mit der Begründung, dass die Menge von Polizeirevieren keinen Einfluss auf die Menge von Straftaten habe. Auch den Zusatz: "Wir wollen ja schließlich nicht in einem Polizeistaat leben" hätten wir uns durchaus ersparen können!

6. Sozialdemokratischen Ortsamtsleitern, Beiratsmitgliedern und Abgeordneten wegen ihrer Auftritte in den Sozialen Netzwerken kritisch gegenübergestanden. Wir haben dabei leider die Regel missachtet, dass Sozialdemokraten in Bremen machen können, was sie wollen - und sei es sexistisch oder rassistisch im Internet posten!

7. Bereits nach Ablauf der Saison 2011/2012 für eine Veränderung des Managements beim glorreichen Sportverein Werder Bremen plädiert. Und was ist dabei herausgekommen: Arnautovic, Elias, Allofs...Wir schämen uns und bitten um Vergebung!

 

 

 

 

 

 


 
 

 

Nr. 13/12

Dienstag 03.Juli 2012

STUNDENGEDICHT ZWISCHEN 11 und 12

von Uli Pelz

 

 

 

Eine E-Mail kommt an aus Unna

Die Mutter ist doll krank

Was Wunna bei Blut Zweihunna

Auch mit den Küchen

Ist es absolut zum Flüchen

Der Kunde ist mal wieder König

Für den Profit da nutzt das wönig

Wir machen Urlaub auf dem Schiff

Und hoffen auf kein Riff

 

Ein Anruf kommt an aus Gütersloh

Ich hätte noch kein Buch bestell

Zur Strafe schicken sie mit DHL

Lektüre für das Wasser-Klo

So ginge das mit mir nicht weiter

Als Mitglied  sollt ich sein konsumbereiter

Hab dann gleich, quasi aus dem Stand

Angefordert diesen populären Band:

Kochen und Backen wie auf dem Land

 

Ein Brief kommt an aus Pinneberg

Die Lieferung wird sich verzögern

Wir bitten um Entschuldigung

Der menschengroße Gartenzwerg

Erfährt die allergrößte Huldigung

Engpass, Stau und Frust im Zwergenwerk

Sind leider nun die log'schen Folgen

So dass Ulli, der bestellte Zipfelmützenmann

Bei Ihnen kommt wohl später an

 

 

 

 

 

 

 

 

 

28/11

Dienstag 27.September 2011

SENSATION

Es gibt ihn tatsächlich auch noch in Deutschlan

DER UPUPA LEBT

 

http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,786664,00.html

 

Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der bringt der Braut 'nen Blumentopf, fiderallala, fiderallala, fiderallalallala. Der in der "Vogelhochzeit" besungene Wiedehopf hat weit mehr zu bieten als einen Blumentopf. Ein ziemlich beeindruckendes Aussehen nämlich. Mit seinem langem Schnabel, dem rötlichen Oberkörper, den schwarz-weißen Streifen an Flügel....mehr lesen bei SPIEGEL.ONLINE

 

Wir wurden von Manfred Willi Reichert  aus Visselhövede über facebook auf den Artikel bei SPIEGEL.ONLINE aufmerksam gemacht. Dafür ein Herzliches Dankeschön. Wir haben uns in der Redaktion spontan entschieden, sofort im nächsten Frühjahr zum Kaiserstuhl zu fahren, um unseren "Symbolvogel" in Augenschein zu nehmen, ihn zu fotografieren und ihn, wenn möglich, auch zu interviewen. Das Interview soll Josef Fellstein vornehmen, er kann Vogelstimmen. Auch freuen wir uns bereits jetzt auf eine schöne Runde in einem dieser kleinen Weinstübchen im Kaiserstuhl. Wir wollen Manfred Willi Reichert aus Visselhövede einladen, an der Wiedehopf- und Weinreise teilzunehmen.

 

Uli Pelz (upz)

 

 

 

 

 

 

 

16/11

 

Dienstag 22. März 2011

facebook

 

Mein Zelt, mein Zelt, mein großes grünes Zelt

oder: Bitte schmeißt mir keine Bombe rein

 

Gerade an Herrn Wecker in München folgenden Kommentar zum unten stehenden Beitrag gepostet:

 

Lieber Herr Wecker, wie wär's mit folgendem Lied:

 

 

Mein Zelt, mein Zelt, mein großes grünes Zelt -

von hier aus, bitte schön, verarsche ich die ganze Welt.

Nur bitte, ich bitt' euch liebe Leut',

schmeißt mir keine Bombe rein,

das könnte dann mein Ende sein.

 

2.Strophe: Mein ...Volk, mein Volk, mein dummes grünes Volk -

das ist mir, bei Allah, so was von muhmuh und lala.

Refrain: Nur bitte, ich bitt' euch liebe Leut',

schmeißt mir keine Bombe rein,

das könnte dann mein Ende sein...

 

Liebe Grüße Ulrich Pelz, Bremen

 

 

 

Konstantin Wecker

Liebe Freunde
Bin auf dem Weg nach Wien und fand diesen Artikel sehr interessant - als Kontrapunkt zur allgemeinen Berichterstattung
www.hintergrund.de
Von REDAKTION, 21. März 2011 - Mit der wachsenden Zahl ziviler Opfer wächst auch die internationale Kritik an den Luftangriffen westlicher Staaten auf Libyen. Nach Angaben der libyschen Führung war...

 

 

 

 

 

 

Konstantin Wecker
Konstantin Wecker

11/11

Dienstag 08. Februar 2011

ALTE KAISER

Konstantin Wecker zu den Ereignissen in Ägypten

 

 

heute auf facebookgypten

Ja, es ist soweit. Darauf haben wir lange gewartet. Endlich einmal wieder schöne Volksaufstände überall. Seit 89, dem "Wir sind das Volk" in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone, mussten wir schmachten und uns mit Liebesliedern, Kinderopern, belanglosen Filmmusiken und Operetten über Wasser halten. Jetzt können wir wieder revolu...tionär loslegen, die alten Kaiser herausholen und neue Kampflieder für das ägyptische, tunesische, jemenitische, algerische Volk trällern. Und hoffentlich bald auch für den gesamten Rest des arabischen und afrikanischen Teils der Erde. Darauf haben diese Menschen doch nur gewartet, dass wir Ihnen in ihrem Freiheitsdrang mit unseren Liedern unter die Arme greifen! Oder? Oder sollten wir vielleicht die Finger davon lassen? Haben die nicht ihre eigenen Lieder dort, wo sie auf die Straße gehen? Haben die möglicherweise ncht sogar intelligente Lyriker und Schriftsteller, Kulturschaffende - Menschen, die ihre eigenen Freiheitstexte und Freiheitslieder herstellen können?

Ulrich Pelz

 


heute auf facebook

Konstantin Wecker

(ÄGYPTEN & WIR)
Liebe Freunde!
Hier meine Notizen zu den großartigen Ereignissen in Ägypten, speziell dazu, was das eigentlich mit uns im Westen zu tun hat. Währenddessen wird in Kairo schon wieder massenhaft demonstriert! Ich hoffe, die Leute machen weiter, bis Mubarak endlich weg ist - und... wir machen bald mit!
Servus, Euer Konstantin
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Konstantin Wecker

wecker.de

 

 

 

 

 

 

Jochen Hörisch
Jochen Hörisch

8/11

Montag 31. Januar 2011

AMÜSIERFASCHISMUS

 

Gott sei Dank. Die Woche fängt gut an für mich. Mein Medienberater, der mir regelmäßig gleich am Anfang der Woche montags um kurz nach 8 im Nordwestradio sagt, was gut war und was schlecht war in den Medien, hat mich heute früh freigesprochen von jeglicher Mitschuld am Amüsierfaschismus. Denn ich habe mir nicht eine Sekunde Dschungelcamp angeschaut. Weiß also gar nicht, worum es geht. Ich hab' damit nichts zu tun, ich bin fein raus!

Alle anderen, die sich schämen sollten, können sich ja einmal nachträglich anhören, was unser Medienexperte an Abscheu und Ekel über die Welle gebracht hat. Besonders gut zuhören sollten die so genannten seriösen Journalisten des Feuilletons, denen Herr Hörisch den Vorwurf des Mangels an klarem Bekenntnis gegen die Dschungelsendung macht, und die sich von ihm die Frage gefallen lassen müssen, weshalb sie sich überhaupt mit diesem Dreck beschäftigen. Hörisch sagt klipp und klar, dass das, was da gezeigt wird, sich einfach nicht gehört, und dass es keinen Grund für Journalisten gibt, darüber auch noch zu berichten! Aber hört selbst, hier:

 

http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?sendereihe=54  

 

 

 

 

 

 

 

5/11

Montag 24.Januar 2011

KOMPONISTEN OHNE KOPF UND DIE AMERIKANISCHE OPER 

wie Krach zu Musik wird

Axel Brüggemann erklärt es

 

"Schon das Urzeitbaby hat wahrscheinlich genauso nach seiner Ma-ma gerufen wie wir alle. Wenn Menschen Namen rufen, tun sie das nämlich meist mit den gleichen Tönen. Wenn du auf dem Schulhof Pe-ter oder Ma-rie schreist, benutzt du automatisch den gleichen Tonabstand zwischen den einzelnen Silben. In der Sprache der Musik nennt man den Abstand zwischen zwei Tönen Intervall."  (A.Brüggemann)

 

 

 

Der Buchbesprecher hat schon beim Anfassen des Buches und beim ersten Durchblättern einen guten Eindruck von dem Buch. Die Einbanddeckel sind sehr stabil, ja fast hart. Sie sollen ja auch wohl mehrere nächste Generationen durch wechselnde Schülerhände gehen. Innen schönes Papier mit gutem Zeilenabstand und lustigen graphischen Auflockerungen. Genau richtig gemacht für die Augen von Kindern und Jugendlichen. Ja, es ist ein Lehrbuch, ein Musikgeschichtsbuch für Musikschülerinnen und Musikschüler. Liebevoll gemacht und mit einer kind- und jugendgerechten Sprache. Der erwachsene Musiklaie denkt sofort: ach hätte es doch früher in der Mittelschule Achim so ein wunderbares Buch gegeben, dann hätte Wilhelm Petersen in seinem primbesudelten Anzug mit der Geige in der Hand beim Einstudieren von Das Wandern Ist Des Müllers Lust nicht immer rufen müssen: Uli, du brummst, hör' auf zu singen - oder raus! Auch denkt der Musikdilletant sofort beim Queranschauen des Buches: ach, so war das mit der Entwicklung der Musik in den letzten Jahrhunderten. Der Dilletant ist ja ein heimlicher Musikliebhaber, ja fast ein Romantiker der Musik, denn bei schönen Melodien, die ihm gefallen - egal, ob Rock, Klassik, Indipendent, Fado  oder Blasmusik von La Brassbanda - kommen ihm die Tränen. Ist das nicht furchtbar?  Und hier in diesem Buch wird das nun alles erklärt. Die Emotionen der Musik, die Techniken, die Kommerzialisierungen, die Künstler, das Studium und das Üben, Üben, Üben. Also, das Buch ist schön und der Musiklaie hier, auch der erwachsene, wird beim Lesen noch einmal zum Musikschüler. Das wird ihm auch verwandtschaftlich bei den nächsten Familientreffen weiterhelfen. Denn nach dem kompletten Studium des Buches wird er sicherlich mit der Schwägerin Nr.1, einer Opernsängerin, Kirchenmusikerin (im ländlichen Hemelingen), Hochschullehrerin für Musik und Chorleiterin besser und schlauer musiktheoretisch smalltalken können. Auch wird er vor der Schwägerin Nr. 2, einer äußerst aktiven Klavierlehrerin (im ländlichen Ottersberg)  nicht mehr so blöd dastehen, wenn es um Liszt und Chopin geht. Wer von den beiden hatte denn nun was mit George Sands auf Mallorca? Ich muß noch einmal nachschlagen bei Axel B. Und zu guter Letzt werde ich nach der Lektüre des Buches nun auch meinem Schwager Nr.1, einem Konzertgitarristen und Musiklehrer an der Waldorfschule ( im ländlichen Osterholz-Tenever) Paroli bieten können, wenn er mir verklüsern will, dass Cervantes einer der größten Flamenco-Gitarristen  des Spanischen Königreiches  war. Nun gut, bei anderer Gelegenheit auf einem anderen Sender (fängt mit einem kleinen f an) wurde vom Musiklaien ja bereits die Frage gestellt, ob die unterpriveligierten und unterversorgten  Jungs und Mädels, die jetzt ja von Uschi von der Leyen demnächst alle Musik und Sport verordnet und bezahlt bekommen sollen, mit diesem Buch auch etwas anfangen können. Der Laie sagt: in Einzelfällen sicher, für die Jugendlichen aus diesem gesellschaftlichen Armuts-Spektrum, die mit Musik und Kultur in Berührung gekommen sind. Der Großteil dieser Gruppe allerdings, lieber Axel, der den Zugang zu Büchern bisher überhaupt noch nicht gelernt hat; der nicht weiß, wie er den Monat existenziell überstehen soll, wie es in der Zukunft weitergehen soll - dieser Großteil der armen Kinder und Jugendlichen (und Bremen liegt hier im Gegensatz zu Pisa ganz oben an der Spitze) wird sich wohl kaum für dieses schöne Buch interessieren lassen. Schade, aber das ist die gesellschaftliche Wahrheit bei uns! Der musikalische Laie und Dilletant wird wohl das Buch eher seiner Schwipp-Verwandtschaft empfehlen, damit sie es selber lesen und damit sie es ihren Schülern weiterempfehlen können, und damit die Kunst, die Musik und die Kultur in diesen teils heiteren und teils finsteren Zeiten nicht untergehen!

 

Uli Pelz  (aus dem ländlichen Pusdorf) 

 

 

 

 

 

 

Montag 20. Dezember 2010

Das Fernsehprogramm von heute

00:20 Uhr 3Sat

31. Leverkusener Jazztage 2010

Mariza


Mit Mariza (Gesang), Simon Wadsworth (Klavier, Trompete), Ângelo Freire (Gitarre), Diogo Clemente (Gitarre), Marino de Freitas (E-Bass) und Hugo Marques (Schlagzeug)

Erstausstrahlung

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Die 1973 in Mosambik geborene Sängerin Mariza holte den Fado zurück in die Bars und Kneipen des Hafenviertels von Lissabon. Sie verleiht ihrer Vision des Fado eine erotische Komponente, die von anderen Interpretinnen so nicht betont wurde. In Portugal schätzt man Mariza ...
(ARD/WDR/3sat)

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Die 1973 in Mosambik geborene Sängerin Mariza holte den Fado zurück in die Bars und Kneipen des Hafenviertels von Lissabon. Sie verleiht ihrer Vision des Fado eine erotische Komponente, die von anderen Interpretinnen so nicht betont wurde. In Portugal schätzt man Mariza schon länger, bereits im Jahr 2000 erhielt sie den Preis der besten Fado-Interpretin.
Drittes von vier Konzerten von den 31. Leverkusener Jazztagen.
(ARD/WDR/3sat)

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag 05. Dezember 2010

F & U am Sonntag

STILLE BEDTRACHTUNGEN ZUM VORWEIHNACHTLICHEN HÄUSER- UND FENSTERLICHTERGLANZ

 

von der Lyrikerin unserer Redaktion: Katharina Loewe

 

DANKE DIR ELEKTROHIRSCH

 

Ach ist das gut

Wenn allerorts

Das Herz

Sich öffnen tut

 

Wenn in den Fenstern

Und an Fassaden

Lichterspiel und

Weihnachtliches Leuchten

Uns' Augen tun befeuchten

 

Wie schön ist doch

Zu sehen und zu spüren

Dass bald nun Jesum

Stehet vor den Türen

 

Vor dem Hause

In der Reihe 

Brunfet nun in aller Pracht

Ein Leuchtehirsch

Mit seihenem Geweihe

 

Im Garten hinten

Überdisimensional

Nikolas der Weihnachtsmann

Und locket alle Blicke an

 

Und drinnen in den Weihnachtsstuben

Weilen brave Mädels

Und auch Buben

Nüsschen tun sie hacken

Wollen Plätzchen für die Mutti backen

 

Ach, ganze Häuser

Finden sich im Lichterkleid

Himmlisch eingehüllt in

Tausende von Lumen

Leuchten sie für alle

Menschen weit und breit

 

In Habenhausen und woanders

Stehen staunend

Tausend von Passanten

Vor den schönsten

Der Benannten

 

Ach, Seele du

Die in mir ruhet

Erfreue Dich des Glanzes

Danke Dir Elektrohirsch

Und Danke Dir

Du roter Stern

Ach wie hab'

Ich doch

Die Weihnachtzeit

So gern

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch 10. November 2010

MARIZA VERZAUBERT IN LEVERKUSEN

Katharina Loewe berichtet von den Leverkusener Jazztagen

Oh, gente da minha terra

 

 

Zum erst Mal in meinem Leben reise ich nach Leverkusen. Leverkusen, was dachte ich immer dabei? Eigentlich immer nur: Bayer Leverkusen, Aspirin. Oder: Bayer Leverkusen, Rudi Völler und Rainer Calmund. Leverkusen, das stand bisher auch immer für: Vorsicht an Gleis 5 oder Vorsicht an Gleis 2, Schnelldurchfahrt eines Fernzuges. Auf den Fahrten nach Köln oder weiter in den Süden immer volles Tempo mit dem ICE oder dem IC durchgerauscht. Im Blick zurück blieben immer die riesigen Straßenbeleuchtungen für das Autobahnkreuz, die Flutlichtmasten für das Stadion und dieses überdimensionale Bayerkreuz vor den Bayerwerken.

 

Nun also bin ich nach dem Umsteigen in Düsseldorf ausgestiegen in Leverkusen. Mein Ziel: die 31. Leverkusener Jazztage und der Auftritt der inzwischen zur Portugiesischen Nationalheiligen gewordenen Sängerin Mariza, der legitimen Nachfolgerin der legendären Amalia Rodrigues. Und tatsächlich: schon kurz nach dem Aussteigen aus der S6 wieder dieser Warnruf durch die Lautsprecher des kleinen Leverkusener Bahnhofs. Vorsicht an Gleis 5, Schnelldurchfahrt eines Fernzuges. Und schon rauscht wie ein Pfeil der nächste ICE nach Köln durch. Also, ich war  abgestiegen in der tiefsten Rheinischen Provinz. Mein Fußweg durch die „Innenstadt“ vom Bahnhof zu meinem Hotel bestätigte den Provinzeindruck. Nichts städtisch Gewachsenes, alles neu und künstlich, irgendwie ohne Charme, ohne Flair. Ganz Leverkusen eine künstliche Einkaufsstadt, nicht viel anders als andere deutsche Provinzstädte. Eine Einschränkung: Der Italiener, bei dem ich nach meinem Hotelbezug aß, Mille Lire, mitten drin in dieser Einkaufsstadt, große Klasse. Mein Herausgeber würde urteilen: mindestens 6 von 7 möglichen Gummiadlern. Aber wir wollen hier ja nicht über Gummiadler reflektieren, sondern über die Jazztage und über Mariza.

 

Wie passt das zusammen: Jazztage und Portugiesischer Fadogesang? Ganz einfach: Die Leverkusener Jazztage, die seit 30 Jahren von einem eifrigen Verein, von vielen potenten Sponsoren – natürlich unter anderen auch Bayer – und dem WDR, der alles aufzeichnet, in dieser Rheinischen Kleinstadt veranstaltet werden, stellen die 10 Jazztage, die immer im November stattfinden, jedes Jahr unter ein anderes Thema. In diesem Jahr stand die Gitarre im Mittelpunkt. Und wer die Musik von Mariza kennt, der weiß natürlich sofort, dass neben der grandiosen Stimme die wunderbaren Portugiesischen Gitarren die Schönheit dieser Musik ausmachen. So traten dann am Tag vor dem Auftritt von Mariza, also an meinem Ankunftstag in Leverkusen, die ehemaligen und vielleicht ja auch noch jetzigen Gitarrengötter Paco di Lucia & Band sowie Al Di Meola & Band im Forum Leverkusen, dem Veranstaltungsort, auf. Bereits hier konnte ich beobachten, dass die Konzertbesucher aus allen Teilen des Westens nach Leverkusen anreisen, sogar Nummernschilder aus Holland, Belgien und Frankreich waren zu sehen!

 

Das Forum Leverkusen. Offensichtlich auch ein Ding von Bayer. Ein schwarzer Rundbau direkt an der Autobahn und an der Bahnstrecke. Direkt nebenan das Hotel Best Western, in dem ich gewohnt habe für zwei Nächte. Über dieses Hotel hätte ich einen eigenen Bericht anfertigen können, will darauf aber verzichten zu Gunsten des freundlichen und bemühten Rezeptionsmitarbeiters, der mittags dort war, der abends dort war, und der am nächsten Morgen wieder da war. Auf jeden Fall bin ich heil wieder herausgekommen aus dem Hotel und hatte sogar noch das Vergnügen, am Abreisetag der Künstlerin, die auch in dem „Hotel“ wohnte, am  Frühstücksbufett zu begegnen.  Kommen wir zurück zum Forum Leverkusen. Dieser Mehrzweckbau, in dem auch die Leverkusener VHS und weitere Einrichtungen untergebracht sind, ist ein tolles Konzertgebäude. Im Zentrum ein unbestuhltes Terrassenforum, in dem die Hauptkonzerte stattfinden, daneben mehrere kleine Clubräume für kleinere Events.

Im Forumssaal auch Gastronomie, alles was das Herz begehrt. Von einer geordneten Konzertorganisation, sagen wir einmal: wie in der Bremer Glocke,  kann hier nicht die Rede sein. Vorne die hochprofessionelle Bühne, dann terrassenartig Stehplätze für ca. 2000 Besucher, hinten und seitlich: Sekt, Bier, Wein, Brezel und Brötchen.  Alles läuft durcheinander, alles quatscht durcheinander, alles fließt, alles ist in Bewegung. Wie soll hier ein Konzert eines Weltstars ordentlich ablaufen?

 

Dafür sorgt die Künstlerin selbst. Nach dem Vorkonzert von Carmen Souza von den Kapverdischen Inseln, jetzt Mariza. Sie zieht sofort alle Blicke und alle Aufmerksamkeit auf sich allein durch ihren Auftritt. Eine kleine, schmächtige Frau, die sich auf hohe Plateauschuhe stellt und sich in weite Kleider hüllt. Die Haare kurz geschnitten und lockig blond gefärbt. Die ersten Töne, die sie durch die hervorragende Tontechnik in das Forum hinüber, herunter, hinein singt, fesseln alle sofort. Die Gitarrenklänge ihrer drei Spitzengitarristen untermalen von Anfang an mit diffiziler Intensität den unvergleichlichen Gesang dieser Sängerin.  Alle, wie ich, die ihre letzte CD in- und auswendig kennen, waren sofort ergriffen von den Liedern. In den ersten Reihen standen offensichtlich viele junge Portugiesinnen und Portugiesen, die sofort auf Portugiesisch mit ihrem Heiligtum kommunizierten. Es fehlte eigentlich nur noch die Nationalflagge, und alles wäre gewesen wie bei dem großen Konzert vor einigen Jahren im Nationalpark von Lissabon. Über zwei Stunden wunderbare Musik, perfekt vorgetragen mit großem technischen Aufwand, wohl eine Notwendigkeit bei Fernsehaufzeichnungen.  Alles ist demnächst im WDR zu sehen. Ich werde es mir sicherlich anschauen, ich kann von dieser „Volksmusik“ nicht genug bekommen. Ich könnte nach diesem Konzerterlebnis doch glatt zur Portugiesin werden und demnächst mitsingen, wenn es von Mariza wieder heißt: „ Oh, gente da minha terra“ (Oh, Menschen meines Landes“).  

 

 

 

 

 

 

Sonntag 12. September 2010

F & U am Sonntag

 

 

Gustav Falke

1853 - 1916

 

 

September

Der Dornbusch prangt im Schmuck der roten Beeren,
Die Dahlien in ihrer bunten Pracht,
Und Sonnenblumen mit den Strahlenspeere
Stehn stolz wie goldne Ritter auf der Wacht.

Die Wespe nascht um gelbe Butterbirnen,
Die Äpfel leuchten rot im Laub und glühn
Den Wangen gleich der muntren Bauerdirnen,
Die sich im Klee mit ihren Sicheln mühn.

Noch hauchen Rosen ihre süßen Düfte,
Und freuen Falter sich im Sonnenschein,
Und schießen Schwalben durch die lauen Lüfte,
Als könnt des Sommerspiels kein Ende sein.

Nur ab und an, kaum daß der Wind die Äste
Des Baumes rührt, löst leise sich ein Blatt,
Wie sich ein stiller Gast vom späten Feste
Heimlich nach Hause stiehlt, müde und satt.

 

 

 

 

 

Klabund
Klabund

Freitag 27. August 2010

LYRIK

Klabund

Sommerbetrachtung

 

Klabund (eigtl. Alfred Henschke, 1890-1928)

 


Sommerbetrachtung 

 

Hier saß ich oft. An diesem grünen Strauch.
Die Rosen blühen heute röter noch.
Die Fuchsien halten ihre Farbe auch.
Es bellt am Zaun der kahle Köter noch.


Die Espe zittert, weil es ihr Beruf.
Den roten Pilz betreut der Regenwurm.
Ein Einhorn scharrt versonnen mit dem Huf.
Die Sonne steht als Frau auf einem Turm.


Der Sommer herbstelt. Im geharkten Kies
Geht an der Krücke ein geborstner Greis.
Ein Kind spielt Mutter. Und es lächelt leis,
Als ich ihm eine offne Grube wies.


Bei jedem Schritte trifft man auf ein Grab
Von Leuten, die noch längst am Leben sind.
O liebstes Herz, dem meinen Leib ich gab:
Wie wohlig weht durch mein Skelett der Wind!.

 

 

 

 

 

 

Alberto Caeiro / Fernando Pessoa
Alberto Caeiro / Fernando Pessoa

Dienstag 17. August 2010

 

POESIE

heute: Alberto Caeiro

Der Hüter der Herden

XLIII

 

 

Lieber ein Vogel, der vorüberzieht und keine Spur hinterläßt,

Als ein Tier, dessen Spur sich dem Boden einprägt.

Der Vogel fliegt vorüber und vergißt, und so muß es sein.

Das Tier zeigt, auch wo es nicht mehr ist und daher nutzlos,

Daß es schon da war, was ebenfalls nutzlos ist.

 

Erinnern ist ein Verrat an der Natur,

Denn die Natur von gestern ist nicht Natur.

Was gestern war, ist heute nichts, und erinnern heißt nicht-sehen.

 

Zieh vorüber, Vogel, zieh vorüber und lehre mich vorüberziehen!


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Alberto Caeiro ist eines der Heteronyme von Fernando Pessoa

 


 

 

 

 

 

17. März 2010

  2 Rollen Absperrband in Bremen gefunden, oder: Honigpumpe am Arbeitsplatz

Von unserer Kunstredakteurin Katharina Loewe

 

Plötzlich lagen sie vor mir. 2 niegelnagelneue Rollen rot-weißes Absperrband, in Höhe Osterdeich / Altenwall. Nun kann man fragen: Ja, und? Was interessieren 2 Rollen Absperrband? Wird wohl jemand verloren haben! So einfach wollte ich mir die Sache aber nicht machen, zumal mir spontan einfiel, dass rot-weißes Absperrband ja wohl eine enorme gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung hat.

Welcher Schaden könnte möglicherweise entstehen, wenn ich die beiden Rollen einfach liegen lasse und sie nicht als Fundsache melde, so ging es mir durch den Kopf. Also griff ich mir die Fundstücke und verstaute sie erst einmal in meinem Rucksack mit der großen Wolfstatze drauf – nicht um sie mir heimlich anzueignen, sondern um zu Hause in Ruhe darüber nachzudenken, wie ich mit den Dingern weiter verfahren will. Gesagt, getan. In meiner Single-Wohn- Küche legte ich die beiden Schmuckstücke auf den Wohnküchentisch und betrachtete sie still und kontemplativ. Sofort erfüllten mich die beiden Rollen mit sehr assoziativen Bildern. Dieses Rot und dieses Weiß in unterschiedlich zusammen gelegten Positionen erzeugt in der Tat heftige Farbphantasien, und nicht nur diese. Wie würde es sein, wenn sie nun auch noch ausgepackt und ausgerollt vor mir lägen – wäre die Sinnlichkeit dann nicht noch um ein Weiteres gesteigert. Ich musste mich sehr beherrschen, es nicht zu tun. Nun erinnerte ich mich wieder an meine sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen als Finderin von Fundstücken. Du musst die Bänder abgeben, so disziplinierte ich mich selbst. Nur wo, bei wem? Ich rief, nachdem ich die Telefonnummer in dem roten Bremer Behördentelefonbuch, das ich kurzfristig meiner Bekannten Claudia ausgeliehen hatte (nach 8 Monaten hatte sie es mir zurück gegeben), gefunden hatte, noch von meinem Wohnküchentisch aus mit meinem mobilen Telefon beim Fundamt an und meldete die Fundsache. Hier wurde ich allerdings in sehr unästhetischer, verständnisloser Weise abgefertigt. Ich könne die Rollen ja vorbei bringen, „wir legen die dann in der Kammer Kleinfunde ab, wo die Sachen jahrelang nicht abgeholt werden“. Ob es nicht besser sei, so die Fundbeamtin, die „Plastikdinger“, wie sie die Bänder respektlos nannte, einfach in den gelben Sack zu packen und von der Abfuhr mitnehmen zu lassen. Eine andere Möglichkeit sei, dass ich eigene Ermittlungen aufnehme bei relevanten Absperrbandnutzern. Sie nannte als mögliche Adressen: Polizei, Parkplätze (z.B. Weser-Stadion), Baustellen und andere schnöde Adressen. Ich beendete das schnöde Amtgespräch mit den Worten: ja, ja, will mal sehen. Und dabei schoss mir wie eine göttliche Eingebung in den Kopf, dass wir in Bremen doch einen Rot-Weißes-Absperrband-Künstler unser eigen nennen können. Jetzt sah ich die Events des Künstlers wieder vor mir – ich hatte sogar vor Jahren in dieser Zeitung darüber geschrieben. Nur sein Name wollte mir so schnell nicht ins Gedächtnis kommen, obwohl ich doch für mich in Anspruch nehmen kann, die Kunstszene hier in Bremen einigermaßen gut zu kennen. Gab es nicht irgendein besonders äußeres Kennzeichen, das mir die Namensfindung erleichtern könnte. Nein, lange grübelte ich, mir erschien nichts. Dann am nächsten Morgen der persönliche Aha-Effekt: Fahrrad, Mütze, Aktentasche, Jackett. Ich rief ihn sofort an. Kann schon sein, dass ich die Dinger verloren habe, so sein Reflex – wahrscheinlich auf dem Weg Baustelle Weser-Stadion zurück mit dem Fahrrad auf dem Osterdeich in mein Heimatdorf. Er habe an der Ampel Altenwall scharf bremsen müssen, weil gerade der Bus mit der Marine-Kapelle aus Wilhelmshaven vorbei fuhr. Dabei seien ihm die Rollen wohl aus der offenen Gepäcktasche gehüpft. Er habe den Verlust gar nicht bemerkt, weil er inzwischen so viele Rollen zu Hause lagerte, da käme es auf ein oder zwei nicht an. Ich solle doch selbst damit etwas Künstlerisches machen. Denn schließlich habe Josef Beuys schon gesagt: Alles ist Kunst, sogar die Honigpumpe am Arbeitsplatz. Bitte?

Honigpumpe
Honigpumpe

 

 

 

 

 

Fotoimpressionen

Rostock und Warnemünde an der Ostseee Anfang März 2010