JOURNAL  KINDER/JUGENDARMUT

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Interview mit Hans-Günter Schwalm

„Demokratie muss man lernen“

07.03.2017 2 Kommentare
Hans-Günter Schwalm - Bremische Kinder- und Jugendstiftung
Hans-Günter Schwalm - Bremische Kinder- und Jugendstiftung (Christina Kuhaupt)

Die Bremische Kinder- und Jugendstiftung unterstützt Projekte, die Mitbestimmung fördern. Wollen Kinder und Jugendliche denn überhaupt Verantwortung übernehmen?

Hans-Günter Schwalm: Ja, das steckt in uns drin. Wenn uns das nicht ausgetrieben wird, dann wollen wir das. Im Kindergarten lässt sich das wunderbar beobachten. Kinder wollen zu einem gelungenen Tagesablauf beitragen. Und sie wollen nicht nur so Kinderkram machen, sondern die Erwachsenenarbeiten. Wenn man sie lässt, wollen sie Obst und Gemüse schnibbeln und sie wollen ihre Sachen am nächsten Tag auch wiederfinden. Gut, ihr Ordnungssystem ist nicht unbedingt unseres. Da muss man halt in den Dialog gehen und sich verständigen. Aber bitte schön mit dem Ziel, die Kinder selbstständig und selbstbewusst zu machen.

Wie kann das zum Beispiel funktionieren?

Der erste Schritt ist die partizipative Haltung aller Erwachsenen. Der zweite besteht in der strukturellen Verankerung der Mitbestimmung der Kinder und Jugendlichen. Im Kinder- und Familienzentrum Betty-Gleim-Haus gibt es alle zwei Wochen in jeder Gruppe eine Kinderkonferenz. Dort wird das beraten, was die Kinder betrifft. Da geht es mal um ein neues Lied, das die Kinder singen wollen, oder auch um die Zutaten des gemeinsamen Frühstücks. Einer wollte Spaghetti, das wurde beschlossen, und dann gab es Spaghetti zum Frühstück. Die Frage ist, sind wir bereit, die Kinder ernst zu nehmen oder nicht? Und warum denn nicht Spaghetti zum Frühstück? Da verhungert keiner, da verdirbt sich keiner den Magen. Und die Kinder spüren: Wir werden ernst genommen.

Das Ansinnen der Stiftung ist es also, solche Projekte zu unterstützen, die Kinder ermutigen, selbst Entscheidungen zu treffen?

Ja, das Geld soll in Projekte fließen, in denen die Wünsche und Ideen von Kindern und Jugendlichen sichtbar werden, im Sinne von gelebter Demokratie. Wir kriegen jede Menge Anträge von Menschen, die etwas für Kinder machen wollen. Das sind oft auch gute Ideen. Aber wir wollen, dass etwas mit Kindern und Jugendlichen gemacht wird. Am tollsten wäre es, wenn Kinder und Jugendliche sich direkt mit Anträgen an uns wenden. Wir sind keine Behörde. Wir finden einen Weg, wie das Geld auf einem Konto ankommt, um für die Kinder und Jugendlichen verwendet zu werden.

Bei einem der Projekte ging es um einen Spielplatz, der umgestaltet werden sollte.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Umgestaltung von Spielplätzen ist inzwischen in Bremen Standard, denn sie sind die Experten für ihre Wünsche und Bedürfnisse und dann sollen sie auch maßgeblich entscheiden, wie ihre Spiel- und Erlebnisräume gestaltet werden. Das klappt in Bremen gut: Wenn ein öffentlicher Spielplatz verändert wird, werden Kinder und Jugendliche in die Planung mit einbezogen. Dazu gab es entsprechende Qualifizierungen, die unsere Stiftung mitfinanziert hat.

Für viele Planer ist das inzwischen selbstverständlich. Zuerst glauben Kinder gar nicht, dass sie wirklich ernst genommen werden. Aber wenn sie dann sehen, es hat geklappt, dann entwickeln sie Vertrauen. Es sollte allerdings nicht mehrere Jahre dauern, bis solche Projekte dann umgesetzt werden. Kinder sollen das Ergebnis auch sehen und verstehen: Daran war ich beteiligt. Es ist doch wunderbar, wenn Kinder schon im Kindergarten Gemeinsamkeiten entdecken und verfolgen, wenn sie etwas zusammen erreichen und so Selbstwirksamkeit erfahren.

Wie vermittelt man Kindern, dass sie ernst genommen werden?

Indem es im Alltag gelebt wird. Und das beginnt bei Krippenkindern. Wenn ein Kind die Windel voll hat, dann kann ich seine Zustimmung einholen, bevor ich ihm die Windel wechsle, indem ich Blickkontakt herstelle. Ich vergewissere mich, ob das Kind damit einverstanden ist. Wenn es das in dem Moment nicht will, kann ich etwas warten oder vielleicht möchte es von jemandem anderen gewickelt werden. Viele solcher kleinen Beispiele machen Demokratie als Lebensform aus.

Und damit werden Grundlagen geschaffen für Demokratie als Gesellschafts- und Herrschaftsform. Wenn es um Demokratie als Herrschaftsform geht, dann heißt das für uns, Macht abzugeben. Im Kindergarten, in der Schule, im Jugendzentrum, Verband oder Verein und bei der Spielplatz- und Stadtplanung insgesamt. Solange es die Sicherheit nicht gefährdet – warum sollten wir nicht das machen beziehungsweise einbeziehen, was Kinder und Jugendliche sich wünschen?

Wie sieht das denn aus, wenn sich Kinder bei der Spielplatz-Planung einbringen?

In Blockdiek gab es ein schönes Beispiel. Der Favorit der Kinder war eine hohe, schnelle und gebogene Tunnelrutsche. Eine, bei der man oben nicht sieht, wo man unten rauskommt. Für die Kleinen wollten sie eine Breitrutsche, damit zwei oder drei auf einmal rutschen können, wenn sich einer noch nicht so traut. Das Problem war: Für beide Rutschen hat das Geld nicht gereicht, weil eine Tunnelrutsche  teuer ist.

Für eine einfache höhere Rutsche und die Breitrutsche hätte es aber gereicht. Die Kinder haben dann entschieden: Es geht nicht, dass die Kleinen keine Rutsche bekommen, also verzichten wir auf die Tunnelrutsche. Und bauen von dem Geld lieber eine einfache hohe Rutsche und eine Breitrutsche. Darauf sind die Kinder selbst gekommen, die pädagogischen Fachkräfte und Erzieherinnen haben nur die entsprechenden Möglichkeiten aufgezeigt und Fragen gestellt.

Die Erwachsenen helfen also schon mit bei den Entscheidungen.

Ja, sie müssen das moderieren und die Verantwortung für den Prozess übernehmen, in dem die Wünsche der Kinder ermittelt und  nachvollziehbar umgesetzt werden.

Und wie motiviert sind Jugendliche, sich für andere einzusetzen?

Jugendliche sind mal total motiviert und im nächsten Moment nicht mehr interessiert, das ist normal. Mal sind sie begeistert in einer Weise, die wir kaum fassen können, und im nächsten Moment ist wieder etwas ganz anderes wichtiger. Zum Beispiel die neue Freundin oder die Mathearbeit. Wir haben ein paar Freizeithäuser, dort wird die Beteiligung von Jugendlichen gelebt. Dort bieten sie jedes Jahr eine von uns finanzierte Jugendleiter-Ausbildung an.

Wer die geschafft hat, zeigt, dass er Verantwortung übernehmen kann bis hin zur Selbstöffnung. Und diese Jugendlichen übernehmen dann Aufgaben in der Einrichtung. Ein ähnliches Projekt gibt es auch für Schüler, das macht die Naturfreundejugend gemeinsam mit dem Mädchenkulturhaus: Bei Projekten mit Jugendlichen muss man damit rechnen, dass von einem Tag auf den nächsten alles zusammenbricht, weil eine Gruppe rauswächst. Und dann muss man was Neues aufbauen.

Ist das nicht frustrierend?

Erfreulich ist es nicht, aber immerhin: Diese Erfahrung kann ihnen niemand nehmen. Demokratie muss man lernen. Partizipationsbereitschaft und Partizipationsfähigkeit können nicht lehrend vermittelt, sondern nur handelnd erworben werden. Demokratie lernt man, indem man sie praktiziert. Man kann sich nicht darauf beschränken, alle vier Jahre bei einer Wahl ein Kreuzchen zu machen. In einer Demokratie geht es darum, Meinungs- und Interessensunterschiede friedlich zu lösen.

Und damit kann man gar nicht früh genug  anfangen. Bremen könnte da noch mehr machen. Es könnte ein Demokratielabor, beginnend in Krippe und Kindergarten- sein. Hier könnte man experimentieren und Sachen ausprobieren, die Relevanz für alle Städte haben. Aber leider ist der Föderalismus zum Verteilungsmechanismus nach dem Rechenschieberprinzip verkommen.

 

Die Fragen stellte Kathrin Aldenhoff.

 

15.09.16 LiLi  -   Literatur und Links

LITERATUR

 

 

Ulrich Schneider

 

MEHR MENSCH - GEGEN DIE ÖKONOMISIERUNG DES SOZIALEN

Westend Verlag / Frankfurt/Main 2014

 

Auszüge:

 

Die  Wohlfahrtspflege hat sich im letzten halben Jahrhundert sehr verändert...

 

Wir können in der Ökonomisierung des Sozialen in der Bundesrepublik drei Phasen unterscheiden:

 

- Es waren die 1960er und die 1970er Jahre, als soziale Arbeit von ihren Finanziers, nämlich den öffentlichen Kassen, aber auch von einer kritisch werdender Öffentlichkeit zunehmend hinsichtlich ihrer Effektivität hinterfragt wurde: "Was genau macht ihr da eigentlich? Erreicht ihr überhaupt etwas? Seid ihr überhaupt erfolgreich?

 

- In einer zweiten Phase, die Anfang der 1980er Jahre begann, kam schließlich die Frage auf, die uns mittlerweile  in Fleisch und Blut übergegangen zu sein scheint: "Geht es auch billiger? Seid ihr wirklich wirtschaftlich?" Es war die Frage nach der Effizienz des Sozialen.

 

- Und schließlich, seit den 1990ern, wurde zunehmend die Frage nach dem Mehrwert des Sozialen gestellt. "Was haben wir eigentlich von eurer Wohltätigkeit; wir, die wir selber gar nicht betroffen sind und eure Hilfe gar nicht brauchen?"

 

 

Ende der 1980er stand der Sozialsektor zwar in Blüte, doch der bundesrepublikanische Sozialstaat war in keiner guten Verfassung... Über zwei Millionen registrierte Arbeitslose wurden Ende der 1980er gezählt...

 

Schon 1963 wurde dieser Rat eingerichtet (Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung) , der die Bundesregierung künftig in allen wichtigen wirtschaftlichen Fragen  beraten sollte...(vom Bundespräsidenten berufen, nicht von der Bundesregierung!)

 

Wie Poesie klang es damals noch, wenn die Volkswirte (Sachverständigenrat) beispielsweise über einen Staat sinnierten, der sich geradezu gegen die Natur verhalte, wenn er ...

 

"...in ausgreifend genutzter Allzuständigekt,

begünstigend hier, hemmend dort,

meist mit neuen und zu komplizierten Regelwerken,

allemal  im Ganzen die Last der Abgaben und Auflagen erhöhend, sich auf die Tatkraft des Einzelnen legt

und vielleicht diejenigen  zu stark bedrückt,

die etwas aufspüren,

etwa wagen,

etwas unternehmen wollen,

nun aber sehen müssen,dass zumindest für sie

der moderne Staat nicht hilfreich ist,

weil er den Abstand künstlich vergrößert,

den die Natur zwischen die Pläne eines Menschen

und deren Verwirklichung gelegt hat." 

 

Es waren nicht nur Bahn, Post, Bundesdruckerei und kommunale Betriebe, die ab Mitte der 1990er Jahre umgekrempelt wurden. Es passte einfach in die Zeit und zur Marktgläubigkeit, dass politisch dafür gesorgt wurde, dass auch weite Teile der Wohlfahrtspflege freigeräumt wurden für private Unternehmer und Firmen, die hier ihre Geschäfte und Gewinne machen wollten. Das Trojanische Pferd, das der Wohlfahrtspflege vor ihre Mauern gestellt wurde, hieß Pflegeversicherung.

 

Es ist ein gefährlicher, völlig inakzeptabler Keil , der da  - von den einen bewußt, von anderen unbewußt - zwischen die Menschen getrieben wird. Und dieser Keil heißr "ökonomische Verwertbarkeit" oder auch "Humankapital". Wer sich auf eine solche Argumentation einläßt, der treibt ein gefährliches Spiel und spielt letztendlich seinen Widersachern in die Hände. Denn am Ende eines solchen Weges kann nur Ausgrenzung stehen.

 

Genau das passierte aber: Als am 1.Januar 2005 Hartz IV  in Kraft trat, waren es 4,5 Millionen erwerbsfähige Hilfebezieher, die die Statistik der Nürnberger Bundesagentur aufführte und die man ja nun  eigentlich "fit machen"  und vermitteln wollte. 4,9 Millionen waren es zum Jahreswechsel 2009 / 2010. Damit dämmerte zum 

zum fünfjährigen Hartz-IV-Jubiläum auch dem Allerletzten: Hartz IV war, zumindest was die vollmundigen Versprechungen zur Vermittlung in Arbeit anbelangte, gescheitert. Als "Sprungbrett" auf den ersten Arbeitsmarkt angekündigt, entpuppte sich Hartz IV bestenfalls als Hüpfburg, das Förderungsinstrumentarium unter Mehrwert- und  Verwertungslogik als teures Investment ohne Rendite. "Null social profit" sozusagen. Also: Weg damit.

LINKS

 

 

https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2016/september/kinderarmut-in-deutschland-waechst-weiter-mit-folgen-fuers-ganze-leben/

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http://www.der-paritaetische.de/armutsbericht/Armutsbericht 2016 DER PARITÄTISCHE

 

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http://www.deutschlandradiokultur.de/armutsbericht-2016-sozialforscherin-warnt-vor.1008.de.html?dram:article_id=346487

 

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http://www.nwzonline.de/bremen/der-traurige-bremer-rekord_a_31,0,912492538.html

 

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https://www.dkhw.de/unsere-arbeit/schwerpunkte/kinderarmut-in-deutschland/armutsbericht-2016/

 

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https://images.dkhw.de/fileadmin/Redaktion/1_Unsere_Arbeit/1_Schwerpunkte/1_Kinderarmut/1.2_Armutsbericht_2016/Armutsbericht_2016_Statement_Thomas_Krueger.pdf?_ga=1.12028724.1828917805.1473857692

 

 

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http://www.sozialpolitik.com/files/64/Schaubild_Kinderarmut.pdf

 

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kinder-undjugendarbeit.de/fileadmin/download/2014/4_2014/Butterwegge_4_2014.pdf

 

 

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WIRD FORTGESETZ

 

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Schröder, oder ist es Hartz? Egal!
Schröder, oder ist es Hartz? Egal!


15.September 2016

SCHLAGZEILEN der letzten Monate und Jahre

 

Armut unter jungen Menschen zieht eine Grenze durch unser Land

(Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit)

Alarmierende Situation: Jugendliche haben die höchste Armutsquote in Deutschland

(Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit)

Aus der Sicht dieser jungen Menschen bedeutet arm zu sein nicht nur über weniger finanzielle Mittel zu verfügen, sondern zugleich über mangelnde Chancen zu sozialer und kultureller Teilhabe.

(Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit)

Jeder 10. Jugendliche braucht Hartz IV zum Überleben

(Bild.de)

Fast jeder zehnte Jugendliche in Deutschland braucht Hartz IV zum Überleben. Im Sommer 2008 waren es fast eine Million Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren. Das geht aus einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor.

(Bild.de)

Diese Jugendlichen wachsen im Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft auf

(DGB)

Besonders groß ist das Risiko einer Armutskarriere bei alleinerziehenden Müttern und Jugendlichen ohne Schulabschluss.

(DGB)

Was ist eigentlich Armut in Deutschland?

Armut beschreibt zunächst einen Mangel an lebenswichtigen Gütern. Sowohl materielle, als auch immaterielle. So sprechen wir nicht nur von Einkommens- oder Ernährungsarmut, sondern auch von Bildungsarmut und Teilhabearmut.

Arm in einem reichen Land - Kinder- und Jugendarmut in Deutschland

(Hessischer Jugendring)

Handwerkskammer Osnabrück engagiert sich gegen Kinder- und Jugendarmut.

(Handwerkskammer Osnabrück) 

Die Handwerkskammer und das Netzwerk „ Allen Kindern Zukunft geben! Das schaffen wir in Osnabrück gemeinsam!“ wollen bei der Überwindung der Folgen der Kinder- und Jugendarmut in Osnabrück zusammenarbeiten.

(Handwerkskammer Osnabrück)

Dramatischer Anstieg der Kinder- und Jugendarmut seit der Einführung von Hartz IV

(Sozialforum Dortmund)

Das Ausmaß der Kinder- und Jugendarmut ist dem Deutschen Kinderhilfswerk zufolge noch größer als bisher bekannt. Demnach gelten in Deutschland drei Millionen Kinder und Jugendliche als arm.

(Focus)

Schweiz: Kinder- und Jugendarmut ist eine Zeitbombe

Basler Zeitung - 29. Aug. 2007

Bern. Fast 45 Prozent der Armen in der Schweiz sind Kinder und Jugendliche. Hauptrisikogruppen seien Kinder arbeitsloser Eltern und Alleinerziehender, Migrantenkinder und Kinder mit mehr als zwei Geschwistern...

 

Jugendarmut
„Wir können das soziale Netz auf Dauer nicht durch Gefängnisgitter ersetzen.“
(Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung)

Österreich ist reich - Trotzdem leben 130.000 Kinder und Jugendliche unter der Armutsgrenze

(derStandard.at)

Jugendarmut nicht verschweigen

Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit Berlin

Junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren gehören zu den Gesellschaftsgruppen, die am stärksten von Einkommensarmut betroffen sind

(Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW)

Jugendarmut dramatischer als Kinderarmut

(AGJ Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe)

Jeder 4. Jugendliche lebt in Armut

(AGJ Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe)

Die staatliche und verbandliche Jugendhilfe ist nicht in der Lage, die Probleme der Jugendarmut in Deutschland komplett zu lösen.

(Ulrich Pelz, JUNOStiftung in Gründung)

Auf ergänzendes Bürgerschaftliches Engagement in der Jugendhilfe kann nicht verzichtet werden

(Ulrich Pelz, JUNOStiftung in Gründung)

 



Impressions

Armutsfamilie in den 50er - 60er Jahren


Presse

 

 

taz Bremen vom 24.2.2006, S. 22, 68 Z. (TAZ-Bericht), jr

Bildung ist Strafe
Hartz IV drängt Jugendliche in 1-Euro-Jobs statt zur Lehre
Bremen taz Hartz IV motiviert Jugendliche, eher in 1-Euro-Jobs zu arbeiten, als eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen. Darauf hat gestern die Solidarische Hilfe Bremen e.V. hingewiesen. Grund ist die erhebliche finanzielle Benachteiligung von Familien mit Kindern in der Ausbildung. "Diese Entwicklung lässt die Armutsbevölkerung wuchern", kritisierte Herbert Thomsen.
Derzeit bekommen Jugendliche aus Familien, die Hartz IV beziehen, kein ALG II mehr, sobald sie volljährig sind. Dieses Geld, so Thomsens Erfahrung, fehle dann der Familie - und sei durch BAföG oder Ausbildungsentlohnung kaum zu kompensieren. So entfalle beispielsweise der Anspruch auf Erstattung der Unterkunftskosten, während zugleich das Kindergeld als "Einkommen" der Eltern abgezogen werde. In den Genuss eines Mietzuschusses vom BAföG-Amt wiederum kommen allerdings nur Auszubildende und Studierende, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen können - weil sie etwa an einem anderen Ort lernen oder studieren.
In zwei Bremer Fällen, berichtete Thomsen gestern, hätten die finanziellen Einbrüche bereits zu einer Räumungsklage geführt. Und bisher habe die BAgIS, was volljährige Kinder angehe, alle Härtefall-Anträge abgelehnt - als unbegründet.
Thomsen empört das. Einer Familie mit drei Kindern, hat er ausgerechnet, stünden monatlich 450 Euro weniger zur Verfügung, wenn ihre Sprösslinge eine Ausbildung machten, die mit einem durchschnittlichen Gehalt von 312 Euro vergütet werde. Eine Lösung, so Thomsen, könnte die Erhöhung des BAföG-Höchstsatzes sein - nach den vorangegangenen Kürzungen in der Bildungspolitik wohl eher utopisch. Die Solidarische Hilfe fordert daher eine Gesetzesänderung im SGB II, die Auszubildende und Studierende mit dem 18. Geburtstag nicht mehr wie bisher aus dem Rahmen der Hilfebedürftigen fallen lasse. Ihnen müssten stattdessen sowohl Kindergeld wie auch eventuelle weitere Leistungen wie Unterkunftsbeihilfen direkt zukommen. jr

 

Herbert Masslau

 

 


Alg II – der U-25-Terror (Auszüge) (27. Februar 2006)
Die Entmündigung der mit vollen Bürgerrechten ausgestatteten jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren, soweit sie beziehungsweise ihre Eltern nicht über entsprechendes Vermögen verfügen, ist nur logische Konsequenz und nur ein weiteres Mosaiksteinchen in diesem Spiel.
Nachdem also gemäß § 31 Abs. 5 SGB II 15- bis 25-Jährige schon einer härteren Sonderbestrafung unterliegen, stellt die jetzt in Kraft getretene Entmündigung, die 18- bis 25-Jährige vor die Wahl stellt, entweder zu Hause bei den Eltern wohnen zu bleiben oder keine Leistungen zu bekommen, mithin eine echte Nicht-Wahlmöglichkeit, die logische Fortsetzung der häppchenweise servierten Schaffung einer neuen Form von „Hörigen“ dar.
Andererseits: In anderen Ländern, z.B. Italien, funktioniert das ganz von selbst. Dort ist es mittlerweile üblich, daß 30-Jährige noch bei Mama und Papa wohnen, weil das bißchen Arbeitslosengeld, was es in den 1990er-Jahren mal für ein paar Jahre gab, längst wieder abgeschafft ist, es ansonsten keine staatliche Unterstützung in Form von Sozialleistungen gibt, also der Zwang, Miete zu sparen, sich geradezu ergibt, zumal die pensioneri noch die Einzigen sind, die als breite Bevölkerungsschicht über ein erträgliches Einkommen verfügen, von welchem andere Familienmitglieder noch mit durchgefüttert werden können. Zukünftig gibt es auch in Italien keine Rente mehr, jedenfalls keine, von der Nahrung, Kleidung und Wohnung bezahlbar wären.
Wohin die Reise insgesamt gehen wird, deuten das Auszugs-Verbot für Erwachsene unter 25 Jahren, die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und die Besetzung regulärer Gärtner-, Hausmeister- und sonstiger Posten durch sogenannte „Ein-Euro-Jobber“ schon an.
Der Zynismus der Kapitalisten konnte am 15. Februar 2006 in einem Online-Bericht von „Focus“ nachgelesen werden [http://focus.msn.de/hps/fol/newsausgabe/newsausgabe.htm?id=24938]. Auf einer Sitzung der „Hanns Martin Schleyer-Stiftung“ schlugen verschiedene sogenannte Wissenschaftler u.a. vor, analog e-bay sollten die Sozialämter Arbeitslose als Arbeitskräfte ausschreiben für Unternehmen wie für Privathaushalte, der Meistbietende erhalte den Zuschlag, die Arbeitslosen erhielten nur ihr Alg II weiter, das dann durch die Einnahmen für den Staat billiger werde, so der Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Bonner IZA-Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Hilmar Schneider. Oder der Geschäftsführer des Otto-Wolff-Instituts für Wirtschaftsforschung, Steffen Roth: Wer sich „fair verhalten“ (Zitat) und für sein Alg II eine Gegenleistung erbringen möchte, solle dies tun können, wobei die Wochenarbeitszeit und die Art der Tätigkeit keinerlei Einschränkungen wie derzeit bei den sog. „Ein-Euro-Jobs“ unterliegen sollten. Letzteres meint wohl Vollzeitarbeit gegen Kost und Logis, denn mehr ist Alg II ja nicht, womit wir dann auch in Deutschland Elemente der Sklavenhalter-Gesellschaft wieder eingeführt hätten – nur, vielen Sklaven im Alten Rom ging es da besser, weil es zum Statussymbol der Herren gehörte, der Öffentlichkeit zwecks Darstellung des eigenen Reichtums einen wohl gekleideten und gut ernährten Sklaven zu präsentieren.
Dienstmädchen, das gab es ja noch im Kaiserreich und der Weimarer Republik; die heute 80-Jährigen können davon noch erzählen. Wie hieß das auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg: lern erstmal dienen, dann kannst du den Mund aufmachen.
Daß schon mit der Sonderbestrafung gemäß § 31 Abs. 5 SGB II die U-25 im Gegensatz zu den Älteren, die vor Mitte der 1980er-Jahre noch andere Zeiten kennengelernt haben, frisch erzogen werden sollen für ein neues Duckmäusertum – jeder Weltkrieg braucht seine sozialpolitische Vorlaufphase – , war schon der erste Schritt. Jetzt kommt mit dem Auszugs-Verbot der nächste, und dann irgendwann werden sich, wie das heute schon bei vielen US-Soldaten im Irak-Krieg der Fall ist, die jungen Menschen freiwillig für den Krieg melden, weil das die einzige Art ist, einen bezahlten Job zu bekommen. Ach ja, weil wir gerade beim Thema Ausblick sind: Rente ist dann ohnehin abgeschafft für den, der nicht beizeiten was auf die hohe Kante legen konnte.
URL: http://www.HerbertMasslau.de/
Copyright by Herbert Masslau 2006. Frei zum nicht-kommerziellen Gebrauch.

 

 

taz  [vom 20.04.05]

 

Phönix in Startphase
Neuer Verein will in den Bremer Weiterbildungsmarkt

 

Der Name lässt stutzen: Fenice. Sprich: Fenietsche - zu deutsch: Phönix. Dieser Phönix, der in Bremen Anfang März als Verein aus einer Asche stieg, um die es noch gehen wird, hat ein Thema, das auf den ersten Blick nur wenig passen will zu dem uralten Mythos von Unsterblichkeit und Auferstehung: Fenice e.V. will Weiterbildung und Qualifizierung für Arbeitslose anbieten, Beratung, Jobvermittlung, einen Treffpunkt. Noch steht von alledem nichts, nur die Ideen auf einer Seite im Internet (www.fenice-bremen.de). Der Markt, auf den Fenice strebt, ist umkämpft bis abgeschottet: Jede Menge Träger konkurrieren ums Geld, den Arbeitslosenberatungen droht das Aus, und Jobvermittlungen wären ja was Feines, wenn es denn Jobs gäbe. "Wir wollen niemanden verdrängen", sagt Ulrich Pelz, Italienfan, geistiger Vater und Vorsitzender von Fenice. "Innovativ" soll der Verein sein, den rund 20 Menschen ins Leben riefen - was das allerdings heißt, weiß man noch nicht genau: Man sei am Anfang, sammle Ideen und sehe dann, was umsetzbar sei. Um Selbstorganisation soll es gehen und auch darum, "es noch einmal zu wagen."

 

"Wir wollen den großen Mythos nicht strapazieren", sagt Ulrich Pelz, "aber für einzelne könnte es doch zutreffen." Wie für ihn selbst. Er sei "tief gestürzt", erzählt Pelz mit bemerkenswerter Offenheit. Als Geschäftsführer des insolvent gewordenen Vereins für Jugendhilfe und soziale Arbeit galt er als Verantwortlicher - seither ist der 57-Jährige arbeitslos. "Ich möchte mich noch nicht damit abfinden, dass ich zu nichts mehr nutze bin", sagt er. Und "spannend" werde es, wenn Fenice tatsächlich in den Markt geht, den Pelz aus früheren Jahren bereits kennt: "Mein Name ist da in gewisser Weise ja verbrannt."

 

"Keine Angst", erwidert darauf Peter Esser, 55, Pädagoge, erfahren in der Erwachsenenbildung, arbeitslos und im Vereinsvorstand. "Selbstwertverlust ohne Ende" bringe vielen die Arbeitslosigkeit, so Esser, "wer bei Fenice mitmacht, wird kein Gefühl von Sinnlosigkeit haben." Ein "Fenice-Club" soll das Miteinander fördern, eine "Academia" Weiterbildung anbieten. Es gehe um "kleine Brötchen", betont Pelz - mehr wäre ohnehin nicht drin: Dem jungen Verein fehlen Räume, Geld, Personal - all das, was die etablierten Träger in ihrer Etabliertheit hält. Aber der Weiterbildungs- und Beschäftigungsmarkt ist in Bewegung, und Fenice hofft auf ein Kuchenstück. "Wir kennen die Rahmenbedingungen und die Personen", sagt Peter Esser, "und wir hoffen, dass die Aussage, neue Träger sollen auch eine Chance haben, wirklich zutrifft." sgi

 

taz Bremen Nr. 7644 vom 20.4.2005, Seite 22, 86 TAZ-Bericht sgi

 

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Weser-Kurier vom 07.04.05 / Stadtteilkurier

 

Mit dem Feuervogel gegen Ausgrenzung
Von unserem Mitarbeiter
Gerwin Möller

 

BREMEN. Als erfolgreich bezeichnete Ulrich Pelz den Besuch der Gründungsversammlung eines neuen Vereins. Im Bürgerhaus Weserterrassen entschlossen sich kürzlich 17 Mitglieder, bei "Fenice" mitzuwirken. Der Name kommt aus dem Italienischen und bedeutet "Phönix". "Das Wort steht für Neuanfang, Veränderung, Wandel, Gestaltung, Beteiligung und Anteilnahme am ökonomischen und gesellschaftlichen Geschehen", sagt Pelz. Der rote Feuervogel soll Frauen und Männer erreichen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

 

Pelz ist selbst arbeitslos geworden, nachdem er vor knapp einem Jahr als Geschäftsführer des Bremer Vereins für Jugendhilfe Insolvenz anmelden musste. Jetzt möchte er Menschen um sich versammeln, "die als Arbeitsplatzbesitzer oder als Berufserfahrene ihr Wissen und ihre Erfahrungen in solidarischer Weise als Berater, als Förderer und als Experten einbringen wollen".

 

Geplant sind Angebote und Maßnahmen für jugendliche und erwachsene Arbeitslose. "Wir wollen der sozialen Ausgrenzung und dadurch verursachten Depression entgegen wirken", erklärt Pelz die Motivation.

 

Als zukünftige Aktivitäten kommen regelmäßige Treffen zwecks Erfahrungsaustausch, zur Kultur- und Freizeitgestaltung sowie zur Qualifikationen und Beratungen infrage. "Wir backen erstmal kleine Brötchen", sagt Pelz. "Fenice" werde in der Anfangszeit ohne öffentliche Förderung auskommen müssen. Nach Eintrag in das Vereinsregister sollen aber Spenden abzugsfähig sein.

 

Nichtsdestotrotz wünscht sich Pelz eigene Vereinsräume. "Es gibt in der Stadt viele Leerstände, vielleicht finden wir einen Gönner, der uns zunächst für ein Jahr kostenlos ein Büro überlässt", hofft der engagierte Bremer auf Unterstützung.

 

In den Vorstand wählte die Versammlung Peter Esser aus Vegesack, Ulrich Pelz aus Woltmershausen und Jörg Timmermann aus der Neustadt. Das Gremium wird von einem so genannten "Operativen Team" unterstützt. Erste Nachfolgetreffen fanden in diesen Tagen im Café Sand und im Bürgerhaus Weserterrassen statt.

 


Ulrich Pelz, Sprecher der Initiative zur Gründung des Vereins fenice e.v.

 

Auf dem Grünen 13, 28197 Bremen, Telefon 0421.547165, Mobil 0173.9183208, ulrich.pelz@gmx.de

 

 

 

fenice e.v. (in Gründung)

 

Verein für die Förderung von Bildung, Sozialer Integration und Arbeit in Norddeutschland ( in Gründung )

 

Mitteilung für die Presse 27.12.2004

 

 

 

Etwas tun gegen Arbeitslosigkeit und Soziale Ausgrenzung

 

Selbsthilfe, Selbstorganisation und Projektplanungen stehen im Mittelpunkt der zukünftigen Vereinsaktivitäten von „fenice e.v.“

 

Weitere Gründungsmitglieder gesucht

 

 

 

Zehn engagierte und zum Teil von Arbeitslosigkeit selbst betroffene Frauen und Männer fanden sich noch kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember 2004, in einer Tagungsstätte in Bremen-Woltmershausen zum ersten informellen Gründungs-Treffen zur Vorbereitung der Gründung des neuen Vereins „fenice e.v.“ zusammen.

 

Dabei ist hervorzuheben, dass „fenice e.v.“ keine Initiative ist, die ausschließlich BürgerInnen in Woltmershausen oder im Bremer Süden ansprechen will, sondern alle interessierten oder betroffenen BürgerInnen Bremens und darüber hinaus, denn im Untertitel des Vereins „fenice e.v.“ soll es heißen: Verein zur Förderung von Bildung , Sozialer Integration und Arbeit in Norddeutschland.

 

 

 

Unter dem Slogan: fördern & eingliedern, nachhaltig & innovativ chancen eröffnen sollen zukünftig Bürgerinnen und Bürger in dem Verein fenice e.v. (italienische Sprachvariante von: Phönix) eine Plattform finden, die im Sinne von Selbsthilfe und Selbstorganisation für die Entwicklung, Veränderung und Verbesserung der eigenen beruflichen Situation etwas tun wollen, und die andererseits an der Förderung von Bildung, Ausbildung, Arbeit, Sozialer Integration und der Innovation und Gestaltung entsprechender Projekte, Angebote und Massnahmen für jugendliche und erwachsene Betroffene mitwirken wollen. Der Verein will sich dabei als Ergänzung zu den bereits bestehenden Projekten, Massnahmen und Organisationen verstehen.

 

 

 

Im Januar des Neuen Jahres 2005 sollen nun die weiteren Schritte zur Vereinsgründung unternommen werden. Dabei stehen die Formulierung des Vereinszweckes und der Vereinssatzung und die Abstimmungen über die zukünftigen Tätigkeitsfelder des Vereins im Vordergrund.

 

 

 

Interessierte Frauen und Männer, ob jung oder schon älter, aus allen Stadtbereichen Bremens und dem norddeutschen Umfeld Bremens sind herzlich eingeladen, sich an der Initiative und der kommenden Vereinsgründung zu beteiligen. Dabei würden sich die Gründungsinitiatoren darüber freuen, wenn nicht nur Arbeitslose und Arbeitssuchende der Initiative beitreten würden, sondern auch Frauen und Männer, die mitten im Beruf stehen oder das berufliche Leben bereits hinter sich gebracht haben, und die mit guten Ideen und aktivem Handeln dazu beitragen möchten, die ökonomische Situation allgemein und für einzelne Betroffene zu verbessern. Die Gründungsinitiatoren sind sich sicher, dass alle, die der persönlichen oder der allgemeinen durch Arbeitslosigkeit und Sozialer Ausgrenzung verursachten Depression entgegen wirken wollen, bei „fenice e.v.“ eine geeignete Basis finden werden.

 

Nächster Grundungstermin: 19. Januar 2005, 18.00 Uhr

 

Weitere Informationen erteilt: Ulrich Pelz, Tel. 547165, E-Mail: ulrich.pelz@gmx.de

 

Bremen, 27.12.2004, Ulrich Pelz

 

 

 


Immer mehr junge Arbeitslose

 

Bremen dpa.

Bremen hat im September - gefolgt von Niedersachsen - die höchste Jugendarbeitslosenquote aller westlichen Bundesländer verzeichnet. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen stieg in Bremen binnen Jahresfrist von 11,8 auf 16,1 Prozent. In Niedersachsen lag die Quote bei 13,8 Prozent, nach 9,3 Prozent im Vorjahr.

 

taz Bremen Nr. 7786 vom 6.10.2005, Seite 21, 13 Agentur

 


Hera / Juno
Hera / Juno

09.Juni 2008

 

 

 

Die Initiative JUNO lädt ein zur Informationsveranstaltung am 17.Juni 2008

 

 

 

Am 17. Juni fängt EM-Fußball erst um 20.45 Uhr an. Viel Zeit sich vorher mit anderen „wichtigen“ Dingen zu beschäftigen. Beispielsweise mit der Jugendhilfe-Initiative JUNO, die am 17.Juni um 18.00 Uhr ins Cafe Sand (Konferenzraum oben) zu einer Informationsveranstaltung einlädt. Die Info-Veranstaltung soll bis maximal 19.30 Uhr dauern, so dass ausreichend Zeit bleibt bis zum Fußball-Anstoß wieder zu Hause zu sein.

 

 

 

Den Anstoß für die JUNO-Initiative haben nicht zuletzt die bundesweiten Schreckensmeldungen der zurückliegenden Monate zum Thema Kinder- und Jugendarmut, um nicht zu sagen: Kinder- und Jugendelend, gegeben. Dabei steht Bremen, besonders auch unter dem Eindruck der Ereignisse um den Fall Kevin und den damit einhergehenden und offen gelegten Problemen in der staatlichen und privaten Kinder- und Jugendhilfe, exemplarisch für andere Gebiete in der Republik.

 

 

 

JUNO will und kann die bestehenden Jugendhilfestrukturen in Bremen nicht ersetzen oder gar zu ihnen in Konkurrenz treten. Juno-Ziel ist die Bereitstellung von ergänzenden Jugendhilfe-Angeboten in der Stadt, und zwar voll und ganz auf ehrenamtlicher, freiwilliger sozialer Basis. Die Informationsveranstaltung am 17.Juni soll dazu dienen, weitere Mitstreiter und Mitstreiterinnen für die Initiative zu gewinnen. JUNO wünscht sich, dass sich sozialengagierte und vielleicht sogar beruflich sozialerfahrene Frauen und Männer anschließen.

 

 

 

Bis zum 1. Oktober 2008 sollen die Initiativ-Ziele erreicht sein:

 

a) die Einrichtung eines JUNOBÜRO’s, das als Stütz- und Treffpunkt der Initiative agieren soll, und das als Anlauf- und Beratungsstelle für beratungs- und hilfebedürftige junge Menschen in unterversorgten und benachteiligten Lebenssituationen fungieren soll – und

 

b) . die Einrichtung eines JUNOPHON’s , mit dem Telefonberatungen  und telefonische Hilfestellungen organisiert werden sollen.

 

c) Darüber hinaus soll ein Redaktionsteam gebildet werden, das zukünftig die Jugend-in-Not-Web-Seite JUNOBLOG herausgeben wird.

 

 

 

Besonders wichtig aber wird die Planung und Durchführung  der Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für die Juno-Mitglieder sein. Geplant ist eine selbstorganisierte Seminarreihe mit einem Stundenumfang von ca. 100 – 140 Stunden. Hierfür sind die ersten Qualifizierungs- und Schulungsmodule entwickelt worden

 

Für die Schulung und Qualifizierung werden noch Moderatoren und Dozenten gesucht, die bereit sind, an der Ausbildung der ehrenamtlichen Juno-Mitarbeiter unentgeltlich mitzuwirken.

 

Nähere Informationen: Ulrich Pelz

 


2008

JUNO 13

oder:…ich lebe ganz sinnlos in den Tag hinein

Jugend in Not – in Bremen soll eine weitere Jugendhilfe-Stiftung gegründet werden

 

Die 16. Shell- Jugendstudie „Jugend 2010“ belegt es: Dem Großteil der Jugendlichen in Deutschland geht es gut, er sieht trotz aller wirtschaftlichen Krisen optimistisch in die Zukunft. Dreiviertel der Jugend im Allgemeinen ist zufrieden mit ihrem Leben. Ganz anders sieht es allerdings bei den Jugendlichen aus den so genannten unterprivilegierten Verhältnissen aus. Hier hat die Shell-Studie  2010 nur eine positive Lebenseinstellung von 40% feststellen können.

 

Die Situation ist ja nicht neu in Deutschland. Das reiche Land leistet sich seit jeher in den unteren Schichten und an den Rändern der Gesellschaft Unterversorgung und Armut von Menschen – besonders betroffen sind, so besonders auch in Bremen, Kinder und Jugendliche. Jedes  3. – 4. Kind, jeder 3.-4. Jugendliche in Deutschland ist als arm zu bezeichnen. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sind hier im „Ranking der Armut“ Spitzenreiter, Bremen nimmt nach Berlin den 2.Platz ein. Auf der anderen Seite der Medaille war erst kürzlich zu lesen, dass Bremen im „Ranking der Millionäre in Deutschland“ ebenfalls den 2. Platz einnimmt, knapp hinter Hamburg, wo die Pfeffersäcke wohl noch praller sind. Das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Reich und Arm in unserer Gesellschaft nimmt skandalöse Formen an. Die zurzeit herrschende Politik befördert diesen Skandal weiter: Steuervorteile für die Wohlbegüterten auf der einen Seite, Beschneidung, Reglementierung und Bevormundung der Unterversorgten – großzügige zusätzliche ganze 10 Euro monatlich mehr für Hartz-IV-Empfänger ab 1.1.2012 sind gerade vom Bundestag beschlossen worden, während der Beschluss zur höheren Besteuerung der Gutverdienenden und Reichen wohl auf sich warten lassen wird.

 

Was ist eigentlich Unterversorgung? Was ist eigentlich Armut? Während die politischen Wegseher ja behaupten, Armut in Deutschland gäbe es gar nicht und die prekären Lebenssituationen der Betroffenen seien selbstgemachte Leiden, verursacht durch Faulheit, Lustlosigkeit, Leistungsverweigerung, Suchtmittelgebrauch und Fernsehabhängigkeit, bemühen sich die Wohlfahrtsverbände –hervorzuheben sind hier der Paritätische und die AWO - seit Jahrzehnten um eine fundierte, wissenschaftlich gestützte Armutsberichterstattung. Demnach ist Armut und Unterversorgung kein reines monetäres Phänomen, sondern die Unterversorgung der armen Menschen ist komplex – sie bezieht die Unterversorgung an familiärer Sozialisation, an Bildung, an kultureller Teilhabe, an hygienischer Versorgung, an personenzahlgerechter Wohnung, an beruflicher Teilhabe sowie an Sozialer Teilhabe u.a.m. in den Armutskatalog mit ein. Und wenn der Katalog dann noch weiter ergänzt wird durch Gewalterfahrungen, durch Fremdplatzierung in Heimen und Anstalten, durch Knasterfahrungen und nicht zuletzt durch Erfahrungen im Gebrauch illegaler Drogen, dann sieht es für so manchen jungen Menschen ganz düster aus. Wobei betont werden muss, dass es den unmittelbaren Zusammenhang  arm = kriminell nicht gibt!!

 

Mehr als dreißigjährige professionelle und „ehrenamtliche“, heute sagen wir lieber: freiwillige bürgerschaftliche Erfahrungen mit dieser Gruppe von jungen Menschen haben mich nach meinem Ausscheiden aus dem beruflichen Leben beeinflusst, die Initiative zur Gründung einer Jugendhilfestiftung zu ergreifen. Sie soll den Namen tragen: STIFTUNG JUNO 13 – BREMER STIFTUNG FÜR JUGENDHILFE UND BÜRGERSCHAFTLICHES SOZIALES HANDELN.

 

Nun gut, werden einige einwenden, wozu? Die Jugendhilfelandschaft in Bremen ist doch breit aufgestellt. Von der Senatorin für Jugend und Soziales über das Landesjugendamt und das Jugendamt (welchen Sinn macht eigentlich dieses Doppelmoppel noch?), über die Freien Wohlfahrtsverbände, über die größeren bestehenden traditionellen Stiftungen (St. Petri, Alten Eichen, Hans-Wendt u.a.) und über eine Vielzahl von so genannten Freien Trägern (sie sind in Wahrheit unfrei, weil sie am Tropf der Mittelgeber hängen) bis hin zu kleineren Initiativen und Projekten finden wir ein großes Jugendhilfeangebot vor. Noch gar nicht mitgezählt sind dabei die vielen Arbeits- und Berufssförderungsprojekte, die die jungen Arbeitslosen morgens um 7 telefonisch aus den Betten schmeißen, um sie dann um 8 über die Spielplätze oder öffentlichen Straßen zum Saubermachen zu scheuchen. 13 Uhr Feierabend. Berufsvorbereitung! Berufsqualifizierung! Arbeitstraining! Wie auch immer?

 

„Ich lebe ganz sinnlos in den Tag hinein“ sagte einmal ein junger Mann auf die Frage, was er denn so mache den lieben langen Tag. Das ist ein guter Ansatz für die INITIATIVE und die spätere STIFTUNG JUNO 13. Nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten und Institutionen in Bremen treten, sondern ein spezielles, ergänzendes Jugendhilfeangebot in Bremen  installieren, das auf ganz individuelle Notlagen von jungen Menschen reagieren kann durch gezielte Hilfe, die entweder monetärer Art oder aber auch lebens- und alltagsunterstützender Art sein kann. Die vorläufigen Stiftungszwecke  (Auszug) weisen das aus:

 

*Die Stiftung fördert auf Antrag Jugendhilfemaßnahmen  und Jugendhilfeprojekte anderer nichtstaatlicher, gemeinnütziger Organisationen in Bremen und im angrenzenden Niedersachsen durch Geld und Sachzuwendungen, sowie durch Beratung und fachliche Begleitung.

 

*Die JUNOStiftung entwickelt eigenständige Jugendhilfemaßnahmen und Jugendhilfeprojekte und führt diese mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf freiwilliger, bürgerschaftlicher Basis durch.

Arbeitsvertragliche Beschäftigungsverhältnisse sind in der Stiftung nicht ausgeschlossen.

 

* Die JUNOStiftung bildet in Eigenregie ihre freiwilligen, bürgerschaftlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie auch externe aus anderen Organisationen für die fachgerechte Aufgabenwahrnehmung in der Jugendhilfe aus.

 

Als eigenständige Jugendhilfeprojekte der zukünftigen Stiftung sind geplant:

NOTBOX

Beratung und Kommunikation per Internet

MYWAY

Alltagsasssistenz, zugehende, lebensraumnahe Begleitung nach dem „Empowerment-Prinzip“ 

TUCAN

Soziales Lernen in kleinen Gruppen

 

Die klassische Vorstellung einer Stiftung ist, dass eine Einzelperson, eine Familie oder ein Unternehmen das Stiftungskapital zur Verfügung stellen. Daneben gibt es jedoch auch das Modell der Bürger- oder Gemeinschaftsstiftung. Anders als Stiftungen, die aus Einzelvermögen errichtet werden, führen Gemeinschaftsstiftungen das Engagement einer Vielzahl von Stifter/innen zusammen, um gemeinnützige Projekte in einer Region zu fördern.

 

Die Jugendhilfestiftung STIFTUNG JUNO 13 soll eine Gemeinschaftsstiftung, eine Bürgerstiftung werden. Um das Ziel zu erreichen, werden sozial engagierte Gründungsstifter und Gründungsstifterinnen gesucht, die zusammen mit mir das notwendige Gründungskapital von 50.000 € aufbringen, und die dann auch später am Stiftungsgeschehen aktiv, oder aber auch passiv, teilnehmen möchten. Erfahrene Stiftungsexperten empfehlen eine Mindestgründereinlage  von 500 €.

Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit Gründungspartnern und Gründungspartnerinnen aus Bremen und umzu, mit denen ich zusammen bis zum Jahre 2013 die STIFTUNG JUNO 13 (daher die 13 und auch wegen meiner Hausnummer in Bremen – Woltmershausen, wo ich gerade ein niegelnagelneues  JUNObüro eingerichtet habe: Auf dem Grünen 13). Rufen Sie doch einfach an, wir können dann einen Gesprächstermin hier in Pusdorf verabreden. Telefon 0421.547165. www.junobremen.de

 

Stiften gehen macht Spaß!

Uli Pelz