LESEBUCH

MIT ESELSOHREN UND MAUERSEGLERN
JULI BIS DEZEMBER 
2023

1.Juli 2023

 

Radfahrerlehrfilm - die Tour ist eröffnet
Endlich. Darauf haben Millionen, wenn nicht sogar Milliarden von Radfahrerinnen und Radfahrern auf der ganzen Welt gewartet: auf den Startschuss zur Tour de France 2023. Alles wird detailliert  weltweit im Fernsehen gezeigt. Besonders in den Hochburgen des ländlichen und städtischen Fahrradfahrens, beispielsweise in den Niederlanden, in Dänemark, im Münsterland, in Spanien und England, sowie in Bremen-Schwachhausen, sitzen die Gläubigen in den Trikots der an der Tour  beteiligten weltweiten Unternehmen vor den Apparaten und lassen sich von den neuesten Erkenntnissen und Methoden des Radfahrens inspirieren. Unsere deutschen Radfahrgläubigen sitzen natürlich im Trikot unserer deutschen Kochstellenfirma davor, obwohl unser Fischerhuder Jung in diesem Jahr gar nicht mitfahrt. Mit Faszination und Glanz in den Augen lernen die Fahrradenthusiasten bei den Etappen immer wieder, dass das mit den gepredigten Abständen zwischen den Verkehrsteilnehmer*innen völliger Blödsinn ist. Nein, es muss mit hohem Tempo Körper an Körper gefahren werden, wobei leichte Ellenbogenschläge durchaus erlaubt sind. Auch ist für den gewöhnlichen Stadtradfahrer immer wieder schön zu sehen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer*innen, die nicht auf den Rädern mitfahren, keine Rechte haben. Die Autos müssen zur Freude der Gläubigen am Endes des Corsos hinterherfahren. Sie dürfen nur nach vorne in den Konvoi, wenn einer der Radfahrathleten den Arm erhebt und um Wasser und anderes Trinkbares bettelt. Dann darf sich das Auto um weniger als 1,50m dem Rennradfahrer nähern, um ihn aus dem offenen Autofenster mit Flüssigkeiten zu versorgen. Was in den unzähligen Dosen, die sich die Athleten artistisch unter die Rennhemden und in die Rennhosen stecken, das bleibt das Geheimnis der Kochstellenunternehmen. Fußgänger, Fußvolk. Da lachen doch die Hühner. Genau so wie die Hühner haben die Fußlahmen auf der Fahrradstrecke nichts zu suchen. Bevor sie weggeklingelt oder weggeschrien werden müssen, werden sie an den Rändern der Strecke hinter meterhohen Drahtverhauen wie die Hühner weggesperrt. Sollte tatsächlich mal ein Huhn ausbrechen aus dem Käfig auf die Rennstrecke, so muss es damit rechnen umgefahren zu werden. Wie schön zu sehen, dass es doch überhaupt keinen Sinn macht, sich an irgendeine Straßenverkehrsordnung zu halten. Rechts vor links - was für ein Unsinn. Wer zuerst da ist, fährt zu erst, Hase und Igel. Kreisverkehr immer rechts rum. Lächerlich. Der kürzeste Weg kann genommen werden. Je kürzer der Weg, desto schneller bist du in der Geschäftsstelle des ADFC. Lehrreich für die alltäglich Fahrradnutzer immer wieder auch zu sehen, was bei Unfällen zu tun ist. Kein großes Gejammer, Dreck und Blut von den beschädigten Körperteilen entfernen, das kaputte Fahrrad in den Straßengraben, ein nächstbestes nehmen und wieder ab die Post. Schön auch zu sehen, wie an den Aufstiegen und an den Bergen gefahren werden muss: hoch - Hemd oder Bluse vorne auf und volle Kanne in die Pedale treten bis die Suppe nur so runter läuft, runter: Arsch hoch vom Sattel, Körper über den Lenker, Kopf über das Vorderrad legen, Augen zu, und ab mit Schweinegeschwindigkeit ins Tal. Was wundern wir uns eigentlich noch darüber, wie so manche Radgläubigen von der Deichschartbrücke ohne Rücksicht auf die Verkehrssituation runter auf den Buntentorsteinweg brettern? Ampel, Straßenbahnhaltestelle, 30er-Zone - was ist das denn? Motto: Wenn ich das Bergtrikot mit den roten Punkten haben will, dann kann ich leider keine Rücksicht auf Kinder, Mütter, Rentner und anderes Geläuf nehmen! Die Tour ist eröffnet. Es kann wieder losgehen auf den Bürgersteigen..
upz