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PAARUNGEN

Kunst- und kulturkritische Beiträge

 

 

 

11. März 2010

Kulturverfall in der Bremer Internet-Kommunikation

von Katharina Loewe

 

Es rauscht im Bremer Äther. Eine Unzahl von E-Mails, elektronischen Kommentaren und Anzeigen fliegen unkontrolliert und chaotisch durch die Gegend. Die Absender und Absenderinnen der Botschaften  können ungezügelt mit allem um sich werfen, was die Tastaturen so hergeben. Als Empfängerinnen und Empfänger der Botschaften anderer widerum sind sie deren Wurfgeschossen ebenfalls wehrlos ausgesetzt.  Die Akteure sind nicht zu identifizieren, da sie sich leicht hinter Pseudonymen,  Niknames und künstlichen Adressen verstecken können. Sie nennen sich Hans-Hermann, Zorro, der Heinz, die schlaue Erika, Wuppi usw.usw. In der Regel vernichten sich die Akteure nach ein, zwei Aktionen dann wieder selbst, indem sie sich selbst weglöschen und sich im gleichen Moment mit neuen Etiketten neu erfinden. Andere kultivieren ihre falsche Identität und terrorisieren damit nicht nur das Bremer Netz, sondern das weltweite. Eine dialogische Kommunikation, ein Austausch von Für und Wider, ein Hin und Her von Meinungen oder Argumenten findet nicht statt. Ein Aufbau kommunikativer Beziehung, Begegnung findet schon gar nicht statt, ganz zu schweigen von Sympathie oder gar Freundschaft. Stattdessen:  beleidigen, niedermachen, lächerlich machen, verachten, entwürdigen. Könnte man über den Äther Messer werfen oder hinter Hecken versteckt schießen, würde es nicht nur psychische Opfer geben, sondern auch körperliche. Es ist unerträglich. Leider ist wohl kein Kraut dagegen gewachsen bis auf die Möglichkeit, sie einfach weg zu drücken, sie zu löschen oder sie kurzfristig mit Auftrittsverbot zu belegen, das aber meistens nicht länger hält als 10 Minuten - denn dann sind sie mit neuen Namen und Adressen wieder auf "Sendung" und treiben ihr Unwesen wie gehabt weiter. Bestes Beispiel dafür ist das Forum bremen.online. Hier toben sich regelmäßig Leute aus, die nicht verstanden haben, dass auch die Internet-Kommunikation den Regeln des fairen und anständigen  Umgangs miteinander unterliegen. Ich plädiere für eine weitere Verschärfung der Zugangsmöglichkeiten zu solchen Foren wie bei bremen.online, zumal diese öffentlich und staatlich gewollt für alle aus Steuermitteln, also aus Mitteln, die wir alle aufbringen, gefördert werden. Bei den privaten kann man sich ja locker ausklinken, oder gar nicht erst reingehen, wenn man erkennt, dass es dort auch unkontrolliert und menschenfeindlich zugeht. 

Und was ist mit diesen E-Mail-Fluten? Gut wir haben Spam und Junk, wo ja bereits einiges landet. Aber was machen wir gegen diese Anjas, Patricias und Maltes, die dir schreiben, sich bei dir bewerben, die sich anmelden möchten, die dir einmal ihre Meinung sagen wollen, die deine Einträge kommentieren möchten, die dir sagen wollen, wie blöd du bist, die dir vielleicht auch etwas Sympathisches mitteilen möchten - und die es einfach nicht hinbekommen, ihren wirklichen Namen zu benennen, ihre Adresse und Telefonnummer mitzuteilen, ihr Studienfach oder ihren Beruf zu benennen, ihren Familienstand einfach zu benennen und sonstige Mitteilungen von sich zu geben. Es ist eine Katastrophe. Man hat nur noch mit gesichtslosen und eigentlich leblosen E-Mail-Wesen zu tun, die manchmal sogar auch noch den Anspruch formulieren, dass man ihnen antwortet. 

Da bleibe ich ganz cool und gehe auf solche E-Mails nicht ein. Da gibt es nur eins: E-Mail-Müll-Eimer.  

 

 

 

12. März 2010

"Scheiße gebaut" - Lars im Nordwest-Radio

von Katharina Loewe

Gesprächszeit von 9 - 10 morgens im Nordwest-Radio, Frequenz 88,3.

Einmal gesendet, dann mindestens 7 - 13 Wiederholungen im Laufe des Jahres. In der Regel werden wichtige und berühmte Leute vors Mikrofon geholt: zuletzt Dr. Drewermann, Dr. Glaeske, Dr. Hüther, Dr. Sommer, Dr. Braungart, Dr. Loske, Dr.Martin Walser als alterspotenter Literat, Dr. Senta Berger als allgegenwärtige Fernsehtante (Nachfolgerin von Inge Meysel) und viele andere Prominente mehr. Und nun heute Lars von der Hoppenbank. Inzwischen 40 Jahre alt, 14 Jahre Knasterfahrung und mehrere Jahre Heime, Erziehungshilfen, Straffälligenhilfen, Jugendgerichtshilfen, Bewährungshilfen. Das war doch einmal echt erfrischend, wie unprätentiös und unkünstlich hier jemand in dieser Sendereihe zu Wort kam. Einfach aus dem Leben erzählt, so wie es war und wie es ist. Grandios auch die Frageweise des Moderators. Nicht das verkrampfte Bemühen um ausdifferenzierte Artikulationen, wie es sonst in dieser Reihe üblich ist, sondern frei von der Leber erzählt und berichtet. Dabei auch keine Scheu davor, das bei ehemaligen und aktiven Straffälligen so beliebte "Scheiße gebaut" mehrfach zu verwenden. "Scheiße gebaut" ist das Synonym für "Pech gehabt", oder auch für "ich hab's getan - aber leider erwischt", oder auch für "ich habe gegen Gesetze verstoßen". Bleibt zu wünschen, daß Lars, wie er sich in der Sendung nannte, den Weg, den er eingeschlagen hat, weiter gehen wird. Kein Scheiße bauen mehr, keine Drogen, nie wieder Knast. Alles Gute dafür.

höre auch: http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/gespraechszeit/lars102.html

 

 

 

 

19. April 2010

Die Oper als Doofenschule

Don Giovanni, Mozart, Pelz und andere

von Katharina Loewe

 

Mein Gott, hatte ich Lampenfieber vor meinem Auftritt in meinem neuen Abendkleid letzten Freitag im Theater am Goetheplatz. Würde es auch genug Beachtung finden, immerhin hat es ja 189 Euro gekostet. Würde ich mithalten können mit den Garderoben der feinen Damen und Herren im Opernfoyer? War ich elegant genug und opernwürdig? Es wurde ja schließlich nicht irgend etwas Beliebiges gespielt,sondern Mozarts Don Giovanni - eine der besten Opern der Welt, wie man nachlesen kann. Da will man ja nicht als Provinznudel auffallen in Sachen Opernkleidung. Meine Begleitung hatte sich entsprechend heraus geputzt. Mein letzter Opernbesuch lag einige Zeit zurück. Ich war nicht mehr auf dem neuesten Stand, was Opernauftritte betrifft. Also mit Herzklopfen hinein in die Opernarena Theater am Goetheplatz, Don Giovanni, Mozart.

Dann die enttäuschende Overture im Foyer. Nix Eleganz und feine Opernwelt. Kein Schwein, geschweige denn Mann, drehte sich nach mir und meinem Dunkelblauen um, meine ebenso neuen Stöckelschuhe klapperten völlig unbeobachtet über den Theaterflur. Meine langsamen körperschwingenden Flanierbewegungen verpufften im Getümmel von ländlichen Abonnementsbesuchern, die wohl, wie ich, lange nicht mehr im Theater waren. Aufgeregt zur Garderobe, aufgeregt schnell noch einmal auf Klo, aufgeregt in den Handtaschen nach den Taschentüchern wühlend, aufgeregt den lahmenden Mann in den Ärmel genommen und zum Platze führend. Alle nur mit sich selbst beschäftigt, pärchenweise. Kein Blick für die Umwelt. Überwiegend ältere Paare, ordentlich gekleidet, zum Teil in Schlips und Kragen - könnte auch die Jahreshauptversammlung des Landvolkes gewesen sein. Und dazwischen hüpften ein paar Junge herum, wahrscheinlich Studenten der Musik. Ganz locker. Turnschuhe, Ringelpullover, Rucksäcke, Schlabberlook. Das soll Oper sein? 

Dann das Stück. Das fing ja auch gut an: der Sänger vom Leporello saß in Rom fest wegen des isländischen Vulkans und musste durch einen Ersatzsänger von der Hamburger Staatsoper ersetzt werden. Das war schon einmal symbolisch für die gesamte Aufführung. Irgenwie kam das alles nach 2.Wahl oder nach 3.Aufguss rüber.

Weder die als so herrlich gepriesene Mozartmusik noch die Handlung und schon gar nicht die Ausführenden kamen mit dem Esprit rüber, der für dieses lange, wenn nicht überlange Stück notwendig gewesen wäre, um echte Opernfreude und musikalische Glückseeeligkeit aufkeimen zu lassen. Alles sah irgendwie nach Routine und arbeitsvertraglicher Pflichterfüllung aus. Meinem Begleiter jedenfalls mußte ich mehrere Male leichte Seitenhiebe verpassen, damit er ins Geschehen zurück kehrte. Und dann diese auf Modern getrimmte Handlung (Uraufführung 1786). Schrecklich. Ein Mantel- und Degenstück aus dem Spätbarock mit den entsprechenden Moralvorstellungen und Geisteshaltungen 1:1 transportiert in ein Pelzmantel- und Ballermannstück des 21.Jahrhunderts. Schrecklich. Menschen im Hotel, die sich die Frauen nach Belieben greifen, die morden, die rachesüchtig sind, die skrupellos sind, die mal hier mal da, die die Kleider tauschen. Es sieht  teilweise so albern und lächerlich aus. Und wenn man dann noch die zum Glück in italienisch gesungenen Texte in der deutschen Übersetzung oben auf dem elektronischen Laufband verfolgt, dann kommt man sich vor wie in der "Doofenschule". Schade, auch die schönen Arien verpufften im Getümmel dieser Inszenierung, abgesungen - mehr nicht. Die Emotionen, die oben vorgespielt wurden, kamen unten im Zuschauerraum nicht an - jedenfalls bei mir nicht, und bei meinem Begleiter schon gar nicht, denn ich mußte ihm, als im zweiten Akt zum Schluß der Wüstling Don Giovanni dem Tode durch Erschießen zugeführt wurde, zweimal kräftig in die Seite knuffen. Erst beim anschließenden Rotwein (nach 3 ein Viertel Stunden) im Theaterrestaurant wurde er wieder ein wenig wach. Typisch Mann!  In der Oper einschlafen, aber danach den Don Giovanni machen. Das haben wir Frauen ja so gerne!

Die Frage übrigens, was diese PELZ-Schilder in dem Stück für eine Bedeutung hatten, ist geklärt: Sie haben keinerlei Beziehung zu Pelz, den wir ja von dieser Zeitung her kennen, sondern sie sollten allen Doofen im Zuschauerraum verdeutlichen, dass es sich um Pelzmäntel handelte, die die männlichen Protagonisten dort trugen.

 

 

 

 

 

 

 

3. Mai 2010

Tanz in den Mai und Walpurgisnacht bei Heike und Marlene, oder: Frida Kahlo lässt grüßen

Katharina Loewe war bei einer Weiberfete eingeladen

 

Heike und Marlene sind zwei nette Freundinnen. Sie wohnen als 2er-WG in einer schönen großen Wohnung am Buntentorsteinweg, Höhe Deichschart. In diesem Jahr hatten sie zum Tanz in den Mai und zur Walpurgisnacht zu sich in die Wohnung eingeladen mit Überraschungsprogramm. Männer mussten, wie immer in unserem Freundinnenkreis, leider draußen bleiben. Jede der Eingeladenen sollte etwas Leckeres zu Essen mitbringen. Darüber hinaus war gewünscht von Heike und Marlene, dass alle, wie immer zur Walpurgisnacht, als Hexen geschminkt und verkleidet erscheinen. Auch war draußen etwas geplant, deshalb sollte nach Wetterlage auch entsprechende wetterfeste Kleidung mitgebracht werden. Und ein reitbarer Besen. Gesagt, getan. Ich bereitete einen herrlichen Nudelsalat zu, holte fetzige alte Klamotten aus dem Schrank und schminkte mich – dabei glaubte ich sehr originell zu sein – hexig fridakahlomäßig. Ist ja schließlich ihr 100.Geburtstag in diesem Jahr. Das wird, so dachte ich, bestimmt kulturellen Eindruck bei den Anderen hinterlassen und zu guten Gesprächen animieren. Als Besen nahm ich den alten Weidenrutenbesen aus dem Schuppen mit. Ich also los zu Heike und Marlene, wie immer zu spät. Bei meiner Ankunft war die ganze Wohnung schon voll, einige der Freundinnen aßen bereits. Mein Nudelsalat wurde mir quasi aus den Händen gerissen. Andere verkleidete Hexen tanzten bereits stampfende Hexentänze auf dem edlen, freigeräumten  Laminattanzboden, dass es nur so schepperte. Und, o Gott, bei näherem Hinschauen in die Hexengesichter meiner Freundinnen: sie hatten sich in diesem Jahr fast alle fridakahlomäßig angemalt. Peinlich, Peinlich. Ich verkrümelte mich erst einmal in die Küche, um anzukommen. In der Küche hatten es sich 3 weitere Fridas bei kühlem Weißwein gemütlich gemacht, und sie luden mich ein, ein Gläschen mitzutrinken. Wir bestätigten uns gegenseitig, wie nett doch alles ist und wie sensibel sich alle als Hexen zurechtgemacht hätten. Darüber, dass wir alle gleich aussahen, wurde allerdings kein Wort verloren. Und so wurden aus dem einen Gläschen dann weitere bis zum Höhepunkt des Abends. Gegen halb zwölf riefen Heike und Marlene zur Überraschungsevent auf. Wir alle sollten unsere Besen greifen und uns für eine kleine Outdooraktion fertig machen. Wir verließen das Haus in Hexenformation von ca. 16 – 20 Frida-Kahlo-Hexen, durchquerten den Deichschart und überquerten die Deichschartbrücke in Richtung Krähenberg, auf dem bereits ein kleines Walpurgisnachtfeuer brannte. Nun waren wir nicht mehr zu halten und umtanzten fast ekstatisch das Feuer auf unseren Besen reitend immer und immer wieder. Dabei wurden geheimnisvolle Hexenlieder intoniert, die Heike und Marlene vorher einstudiert hatten. Es war einfach schön, so aus sich heraus kommen zu können und einmal „die Sau“ raus zulassen. Der absolute Höhepunkt sollte aber noch kommen. Und Sie werden es nicht glauben, liebe F&U-Leserinnen und Leser, Heike und Marlene wollten uns den Hexenflug über den Werdersee vorführen. Bei aller Walpurgisnachtekstase, so dachten wir anderen Fridas, das ist doch nun wirklich Spökenkiekerei, das geht doch nicht, und wir wollten die Beiden von ihrem Vorhaben abbringen. Aber vergebens! Sie forderten uns auf eine engumschlungene Walpurgisgasse aus unseren Körpern zu bilden, aus der heraus sie jetzt den Abflug starten würden. Und tatsächlich, das Feuer lodert vor sich hin, wir bildeten die Abfluggasse und sangen leise mythische Töne: Heike und Marlene, ihre Fluggeräte unter die Beine geklemmt, nahmen ca. 11 Meter Anlauf und hoben auf dem Scheitel des Krähenberges ab in die Lüfte Richtung Werdersee und Habenhausen. Wir trauten unseren Augen nicht und sahen die beiden Freundinnen entschweben Richtung Erdbeerbrücke. Wie wir später erfuhren, sollen sie kurz hinter der Erdbeerbrücke in Höhe Schulz auf dem Dach eines Haake-Beck-Bierstandes gelandet sein, der zum Zeitpunkt der Landung rund herum vollgestellt gewesen sein soll von Bier und Korn trinkenden Habenhausenern. Sie sollen reichlich verdutzt gewesen sein, als unsere beiden Freundinnen vom Dach rutschten. Näheres soll Fellstein wissen.

 

 

 

1. Juli 2010

Gitarre trifft auf Klavier

Veteranentreffen mit Seele

Wecker und Wader im Musical-Theater

Gestern in Bremen. Die 12-49jährigen jungen Bremer und Bremerinnen strömen auf die Osterdeichwiesen zur Eröffnung der Breminale 2010. Und genau zum richtigen Zeitpunkt wurde uns Älteren zwischen 50-99 die richtige Alternative zur Breminale geboten: Hannes Wader und Konstantin Wecker gemeinsam im Musical-Theater. Und so strömten wir alten DKP-Maizelt-Veteranen und wir alten Konstantin-Wecker-Süchtigen, die kein Konzert der beiden im Zelt oder in der Glocke verpasst hatten, in die Musical-Halle. Alle waren wir anzutreffen, die in den vergangenen 40 Jahren revolutionäres und linkes Gesangsgut der Barden in uns aufgesogen haben. Wir waren doch alle dabei, als Hannes Wader noch mit Finkenwarder Arbeiterhemd, rotem Halstuch und Schiffermütze im Zelt seine proletarischen Kampflieder trällerte. Waren wir nicht auch dabei, als Konstantin Wecker körperlich schon schwer angeschlagen in der Glocke weintrinkend seine halluzinatorischen Liebeslieder leierte. Haben wir nicht die Plakate der Liedgötter in unseren Arbeitszimmern zu Hause und sogar in unseren Büros aufgehängt? Haben wir nicht alle Platten und alle Bücher der beiden, egal was drin stand und was gesungen wurde, gesammelt und stolz in unsere Ikearegale gestellt. Wie Konstantin sein Haus in der Toskana gebaut hat mit seiner WG, und wie er immer runter gegangen ist ins toskanische Dorf, um mit der einheimischen italienischen Dorfbevölkerung in der Bar Wein zu trinken. Wie süchtig er war nach dem Strand und der Sonne - von dem anderen Zeugs keine Rede. Und die schönen Geschichten vom vernachlässigten Arbeiterkind Hannes, und dann die Geschichten von der Mühle in Schleswig-Holstein und was da im einzelnen so abging. Heute hier, morgen da. Ja, unsere ganze Gemeinde war versammelt. Überragende Farbe war grau, Durchschnittsalter mindestens 65. Egal, ob ehemaliger SPD-Senator, ob ehemaliger Gesamtpersonalratsvorsitzender, egal, ob ehemalige Jugendbildungsreferentin, ob Obergenosse der DKP, ob Grünen-Aktivist oder Behördenleiter usw.usw. - alle waren wir da.  Häufig ein: ach, Du auch hier?  Häufig ein verschämtes Wegkucken, häufig ein Nichtmehrkennen, Nichtmehrgrüssen. All die Jahre sind ja schließlich nicht spurlos an uns vorber gegangen. Uns ist ja genau so gegangen, wie unseren beiden Liedgöttern: Erfolge, Abstürze, politische Wendehalsereien, Gewinn und Verrat - alles lag doch für uns alle - einschließlich unserer Sänger - immer ganz nahe beisammen. 

Also - ein Veteranentreffen mit grossen Solidarisierungseffekten von vorne herein. Auf grosse künstlerische Leistungen kam es doch von Anfang an gar nicht erst an. Bei den ersten Akkorden, die Conni auf dem Klavier oder Hannes auf der Gitarre anschlugen, wussten wir was kommt - und der Applaus brandete sofort auf. Es hätte bei den ersten Akkorden oder bei den ersten Liedversen bleiben können, um auch Zeit zu sparen, wir hätten die Melodien und die Texte selber singen können, so wie es zum Schluss bei " Kumm' bi de Nacht" , von Wader auf plattdeutsch vorgetragen  und von  Wecker auf bayerisch übertragen, dann ja seelenrührig auch geschehen ist. Ach, war das schön. Mir persönlich als altem Jahrgangsgenossen, biographischem Begleiter und Verehrer von Wecker gefiel Wader, den ich früher schon allein wegen seiner DKP-Mitgliedschaft nicht so geschätzt habe, ausserordentlich gut. Sehr professioneller Auftritt, starke Persönlichkeit, unpretentiöse Auftritte und klares Gitarrenspiel mit charismatischer  Stimme. Da war ich schon sehr beeindruckt. Alles in allem: ein lockerer Veteranenabend mit schönen, bekannten Liedern. Gut, dass wir uns einmal wieder gesehen haben!      

 

 

 

 

 

 

09. August 2010

Katharina Loewe (links) kämpft mit den Tränen

Judith Rakers (rechts) ist die neue 3nach9-Moderatorin

Gibt es denn keinen Bremer Lokalpatriotismus mehr?

 

Ein Kommentar  zur 3nach9-Moderatorinnenentscheidung

Von Josef Fellstein

 

Das ist einmal wieder typisch bremisch. Da wird eine neue Moderatorin für die Bremer Sendung 3nach9 gesucht, und wer wird genommen? Eine Auswärtige, und dazu auch noch eine Ostwestfälin!

Sind wir denn in Bremen nicht schon gestraft genug durch ostwestfälische Umweltsenatoren, durch ostwestfälische Jugendhelfer und durch ostwestfälische Spielplatztanten? Muss das denn sein, dass unsere einzige überregionale Fernsehsendung nun auch noch von einer Nichtbremerin moderiert wird? Reicht das denn nicht, dass der Chef ein Hamburger ist, der ja eigentlich aus Italien kommt? Warum denn nun auch noch diese zweite Hamburgerin, die ja eigentlich aus Ostwestfalen ist? Das deutet doch alles darauf hin, dass unser Heimatsender Radio Bremen eigentlich schon längst in der Hand des NDR ist. Das ist doch für uns Bremer genauso, als würde das Trainingskonzept und die Mannschaftsaufstellung unseres ruhmreichen SVW aus der Direktionszentrale des HSV gesteuert werden. Gibt es denn keinen Lokalpatriotismus mehr in Bremen und im neuen Funkhaus hinter der Mauer? Wir haben doch genügend eigene qualifizierte Leute in Bremen. Warum wird  nicht eine oder einer von unseren engagierten Grünen aus der Neustadt Senator oder Senatorin? Warum dieser Import aus Ostwestfalen? Unsere Hochschule ist voll mit Bremer Studentinnen und Studenten, die Jobs werden aber an Absolventen aus Lippstadt, Herford, Lemgo, Bad Pyrmont und im Härtefall sogar aus Paderborn vergeben! Muss das denn sein? Die Motivation, gute Leistungen von Bremerinnen und Bremern für Bremen zu erbringen, kann doch bei dieser Personalpolitik nicht wachsen! Für 3nach9 hätten wir doch auch gute eigene Bremer Journalistinnen gehabt. Denken wir doch an die vielen smarten kulturwissenschaftlich ausgebildeten Moderatorinnen z.B. beim Nordwestradio. Gut, das Nordwestradio ist ja eigentlich auch NDR, aber zumindest hat es seinen Sitz hinter der Mauer in Bremen. Oder denken wir an die netten kameraerfahrenen Mädels von buten & binnen, wäre denn da nicht eine dabei, die neben Giovanni aus Hamburg den Bremenpart hätte übernehmen können? Oder denken wir an unsere Kollegin Katharina Loewe, eine waschechte Bremerin, die sich auch um den 3nach9-Job beworben hatte, und die sich im Vorfeld der Entscheidung siegessicher bereits auf ihre erste Sendung mit Giovanni am 3.Septembder mental vorbereitet hatte. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie fertig Katharina nach der Bekanntgabe der Entscheidung für Judith Rakers war. Wir anderen von F & U hatten echt viel zu tun, um sie zu beruhigen (siehe Bild oben). So werden hochqualifizierte junge Nachwuchskräfte aus Bremen in Bremen systematisch ins Abseits gestellt! Hier sollten sich die Politiker und die Medienleute  wirklich einmal überlegen, ob diese Blicke nach Hamburg und nach Ostwestfalen langfristig positiv zur Selbständigkeit Bremens beitragen. Wir sollten uns nicht wundern, wenn wir eines schönen Tages vom Erzbistum Paderborn aus regiert werden. O Gott, o Gott, alleine die Vorstellung! Dann doch lieber von Hamburg aus.

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag 22.August 2010

F&U am Sonntag

EVVIVA IL COLTELLINO

Große Nachtmusik beim Musikfest Bremen 2010

 

Es lebe das Messerchen -

Evviva il coltellino

Meine Kulturberaterin und ich waren einmal wieder bei der Großen Nachtmusik zur Eröffnung des Musikfestes Bremen. Es war eine schöne sommerliche Stimmung in der Stadt, da gleichzeitig lange Einkaufsnacht war. Weil es so gerammelt voll war, war es auch ausserordentlich schwierig in den Pausen an gekühlte Getränke heranzukommen. So mussten meine Beraterin und ich in der Pause zwischen den ersten beiden Konzerten auf ein Gläschen lauwarmen Riesling vom Fischgeschäft Nordsee zurückgreifen. Kulturlos? Oder? Immerhin kostengünstiger als an den aufgeblasenen Weinständen, an denen sich kilometerlange dürstelnde Warteschlangen gebildet hatten.  

 

6 Messerchen                                   7 Messerchen                          5 Messerchen

von 7 möglichen                             von 7 möglichen                   von 7 möglichen

 

I SOLISTI DEL VENTO                   FRANCO FAGIOLI                 ORCHESTRE

                                                                & TRIO                                        LES SIÈCLES

                                                                                                                      + RINAT SHAHAM

Belgian Brass                                       Countertenor                            Junges Pariser Orchester 

im Haus der Bürgerschgaft             in der Liebfrauenkirche        mit Mezzosopranistin 

                                                                                                                       in der Glocke  

 

Meine Beraterin und ich hatten von den 7 Kombinationsmöglichkeiten die oben angezeigte in der Reihenfolge von links nach rechts ausgewählt. 

Die belgischen Bläser eröffneten unseren Musikabend mit der Bläserserenade B-Dur "Gran Partita" von Wolfgang Amadeus Mozart. 13 hervorragende Ensemblemitglieder spielten nach unserer Meinung sehr sauber und sehr abgestimmt. Einzige kleine Einschränkung: der Raum da oben im Haus der Bürgerschaft ist für musikalische Darbietungen eigentlich nicht geeignet. Offenes Treppenhaus, schallschluckende Teppiche, verwinkelte Fenster - Gift für jede gute Akkustik. Schade, die hätten es verdient gehabt, einen besseren Spielort vorzufinden. Eine sehr gute Gruppe mit schöner Blasmusik.  6 Messerchen.

Dann durch das Gewühl der Trinkfreudigen auf dem  Marktplatz und dem Rathausvorplatz hinüber zum Liebfrauenkirchhof. Wie gesagt: alle Aussentrinkplätze besetzt und lange Warteschlangen vor den Getränkeausgabepavillons. Und wie gesagt: Nordee! Riesling! Lauwarm! Das echte Lesmonagefühl wollte dabei nicht aufkommen. Aprospos Lesmona. Ist dieser Aufmarsch bei der Großen Nachtmusik nicht inzwischen so etwas geworden wie Lesmona ohne Picknick? Meine Kulturberaterin und ich befürchten, wenn es zugelassen würde, Essen und Trinken mitzubringen zu den Konzerten, dann würde mindestens die Hälfte der Besucher sicherlich gerne davon Gebrauch machen, inklusive Klappstühlen und Tischen. So wurde beispielsweise im Bläserkonzert leise zwei Reihen hinter uns vom zwangsverpflichteten Vati der Mutti zugewandt gefragt:  Wie lange noch?

Lesmona hin, Lesmona her, jetzt unsere 2. Station: Liebfrauenkirche, Monteverdi, Vivaldi, Händel, leise Laute, leises Cello, leises Spinett, und im Mittelpunkt ein kleiner Sänger im grauen Anzug mit einer gewissen Ähnlichkeit zu Rowan Atkinson - der Countertenor Franco Fagioli aus Argentinien. Weltspitze. Unglaublich, was der Mann an klarer Sopranstimme und manchmal auch Mezzosopranstimme in den Kirchenraum zauberte. Farinelli und alle anderen Castrati ließen grüßen. So schön und so anrührend haben meine Beraterin und ich solche Lieder zuletzt nur auf der CD Sacrificium von Cecilia Bartoli gehört. Das war ein wirklich großartiges musikalisches Erlebnis. 7 Messerchen.

Nachtrag: Heutzutage benutzt man die Messerchen nicht mehr bei der Ausbildung von Countertenören! Damit da nicht etwas in den falschen Hals kommt!  

Schlusspunkt: Glocke. Im Foyer endlich einen kühlen Weißen erwischt, doppelt so teuer wie im Fischgeschäft, aber lecker! Viel Prominenz an den Champagnerständen, der Bürgermeister persönlich, Ex-Senatoren mit ihrer Elke an der Seite, Wirtschaftsprominenz, Kulturprominenz. In der zweiten Reihe hinten an den Fenstern eher Zuarbeiter und Möchtegerns. Egal, kommen wir zum Konzert. Das Orchestre les Siècles aus Paris spielt Bizet, Ravel, Chabrier - ebenfalls alles Franzosen. Ein großes junges Orchester. Junge Musiker aus ganz Frankreich sollen hier versammelt sein. Sie legen los und bringen das Publikum nach den ersten beiden Stücken sofort auf die Bravoseite. Beim 2.Stück mußte der Dirigent Francois-Xaver Roth, der, wie meine Beraterin feststellte, eine gewisse Ähnlichkeit mit Jack Nicholsen in dem Film Kuckucksnest haben sollte, was ich allerdings nicht unbedingt bestätigen will, das Bravo ein wenig selbst anklatschen, da wir alle nicht begriffen hatten, dass das Stück schon zu Ende war. Dann ganz in Rot eine schwarzhaarige Schönheit: die israelische Mezzosopranistin Rinat Shaham. Sie singt 3 - 4 Arien aus der Oper Carmen von Georg Bizet. Der Aufzug passte sehr gut, die Stimme ausgezeichnet mit dem gewissen spanischen  Temperament. Alles schöne Opern-Gassenhauer, der rechte Fuß wippte mit. Populäre Musik, die den meisten sofort ins Blut überging. Entsprechend der Bravo-Enthusiasmus, Lesmona ließ schon wieder grüßen. Danach der Höhepunkt dieses Endabschnittes: Der Bolero von Ravel. Hier holten die jungen Musiker alles aus sich heraus, die Steigerung von ganz leise bis ganz laut gelang sehr gut. Sehr gut der Trommler, sehr gut die Bläserpartien. Meine Beraterin und ich sind ja keine Musikexperten, wir hatten dennoch zum Schluß die Frage, ob der Schluß vom Bolero mit so viel Remmi Demmi geboten werden muß, wie das hier geschehen ist. Fazit für den Bolero nach unseren Ohren: Am Anfang schön differenziert, zum Schluß überschlugen sich die Geister.

Wir wollen ja nicht böse sein, aber diese letzte Abschnitt in der Glocke hätte auch gut firmieren können unter der Rubrik: Hitparade der volkstümlichen französischen Klassik. 5 Messerchen von 7

Zum Ende der Nacht dann endlich ein schöner trockner Riesling in der Weinaussenausgabestelle des Ratskellers mit den lichtbestrahlten Gebäuden rings um den Marktplatz. Sehr schön!  8 Messerchen von 7

 

 

 

Dienstag 07.September 2010

ROBERT SCHUMANN

Musikfest Bremen

Das war ein schönes Konzert gestern Abend in der Glocke: Die Deutsche Kammerphilharmonie unter der Leitung von Paavo Järvi hat uns zwei Sinfonien und ein Klavierkonzert von Robert Schumann präsentiert. Am Klavier die international bekannte französische Pianistin Helene Grimaud. Zwei weitere Sinfonien und die Manfred-Ouvertüre folgen heute Abend. Nach Beethoven entdeckt die Kammerphilharmonie nun Schumann für uns Musikkonsumenten neu. Im ausverkauften Saal der Glocke gab es große Begeisterung für den Vortrag der Künstler und Künstlerinnen. Helene Grimaud wurde stürmisch gefeiert, ebenso die Kammerphilharmonie. Für mich und meine Konzertagentin war Schumann, den wir bisher immer nur zufällig im Radio gehört hatten, ein völlig neues Hörerlebnis. Jedenfalls hat es uns als "Sinfonielaien" ausserordentlich gut gefallen. Schöne Musik! Das Bremer Klassik-Publikum wie immer: im Foyer viel weibliche Kulturaristokratie in Herrenbegleitung. Die Herren meist sehr steif in Konzertanzüge gepresst und mit Konzertkrawatten bestückt -  im Saal enthusiastisch, ja fast wie bei einem Popkonzert: rythmisches Klatschen und Parkettgetrampel! Einige der Herren sind sogar geschult in lautem Saalrufen wie z.B. Brava, Bravo usw. Andere können sogar das Indianergeheul, das sie mit Hand, Mund und Stimmbändern herausjodeln in den Saal. Diese Bremer Klassik-Kultur-Szene: einfach eine Sinfonie für sich!!

 

 

Dienstag 21. September 2010

Heute: 150. Todestag von Schopenhauer

Die Rasur ist das Abzeichen höherer Zivilisation

oder: Trommle mir bitte keinen Rap

 

"Als Zweck unseres Daseins ist in der Tat nichts anderes anzugeben als die Erkenntnis, daß wir besser nicht da wären". Unser Arthur hatte zeit seines Lebens für alle Lebenslagen immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Der als Misanthrop bezeichnete Danziger, der später in Frankfurt lebte und starb, ist wohl als der pessimistischste Philosoph unter den großen deutschen Philosophen zu bezeichnen. Ein Lächeln kam selten über seine Lippen, er sah eher verkniffen in die Gegend - da half wohl auch kein Äppelwoi und kein Handkäs mit Musik.

 

Dennoch: er hat viele Lebenssituationen, die die Menschen erfassen können, richtig vorhergesagt, wie aktuelle Beispiele zeigen. Hier ein paar davon, voran gestellt ist immer das Zitat von unserem Arthur, danach folgt dann der konkrete Fall:

 

ANTLITZ

"Alles Behaartsein ist tierisch. Die Rasur ist das Abzeichen höherer Zivilisation."

Politiker- selbst Angela-, Manager der Atomindustrie, Bankschalterbeamte, Fondsmanager, Fernsehansager, Versicherungsagenten, Altkanzler: alle schön glatt rasiert!

Dagegen: Gorleben-Demonstranten, Lehrer, Nett-Wild-Zeitung-Schreiber, Undercoveragenten, Professoren, Jugendhelfer, Penner: verlaust, langhaarig, bärtig!

 

GENUSS

"Der Tor läuft den Genüssen des Lebens nach und sieht sich betrogen. Der Weise vermeidet die Übel".

Der berühmteste Fall hierfür ist doch die Geschichte, wie Charles Bukowski einmal an eine magersüchtige Prostituierte geriet, die ihm das Rezept für vegetarischen Bremer Braunkohl schmackhaft machen wollte. Unser hohlwangiger, dünner, gottesfürchtiger  Exbewährungshelfer aus der Neustadt dagegen ißt überhaupt keinen Grünkohl, geschweige denn den Bremer Braunkohl. Ihm, dem Moralisten, ist deshalb auch nie übel!

 

DUMMHEIT

"Es gibt Kamele mit einem Höcker und welche mit zweien. Aber die größten haben gar keinen".

In einem Jugendheim in der Neustadt stritten kürzlich zwei Jugendhelfer über die Frage, ob ein renitenter Heimzögling mit Migrationshintergrund eher mit Nahrungsentzug oder eher mit Peitschenhieben pädagogisch zu bestrafen sei. Als es zu keiner Einigung kam, kam der Erziehungsanstaltsleiter und ordnete an, dass der Pappenheimer sowohl vom Abendessen auszuschliessen sei und vor dem Zubettegehen auch noch zum pädagogischen Peitschen anzutreten habe.     

 

SCHWEIGEN

"Auch wird man einsehen, daß Dummköpfen und Narren gegenüber es nur einen Weg gibt, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, daß man mit ihnen nicht redet".

Vor kurzem begab sich ein Musiker aus der Provinz in die Stadt, um an einer Versammlung von Nichtmusikern teilzunehmen. Der Musiker reiste mit der Absicht in die Stadt, den städtischen Nichtmusikern einmal zu trommeln, wie getrommelt wird. Er dozierte und trommelte unaufgefordert vor der versammelten Mannschaft und vor der Presse, die auch anwesend war, dass selbst auf Eimern getrommelt werden könne. Der Höhepunkt: der Musiker ergriff  vor den versammelten Nichtmusikern einen im Versammlungsraum stehenden Papierkorb und trommelte darauf einen Rap. Das reichte dem städtischen Versammlungsleiter, der völlig unmusikalisch daraufhin die Vorführung beendete und die Versammlung der Nichtmusiker vertagte. Mit dem Künstler aus der Provinz spricht er seit dem kein einziges Wort mehr.

 

 

 

 

Dienstag 02. November 2010

WARUM DER NEID, HERR BRÜGGEMANN?

Ein Kulturkommentar zum Kulturkommentar

von unserer Kulturredakteurin Katharina Loewe

Heute in unserer Heimatzeitung: Unter dem despektierlichen Titel "Der Stehgeiger des Boulevards" zerschmettert unser Klassikkulturbeauftragter Axel Brüggemann die Erfolge unseres derzeitigen Nationalgeigers David Garrett. Als habe David Garrett bereits das Niveau von Helmut Zacharias erreicht, degradiert Herr Brüggemann unseren allseits verehrten David zum Popstar, nur weil er mehr Platten verkauft hat als die die anderen Geiger und Geigerinnen. In seiner unverwechselbaren Art Klassische Musik zu überhöhen und zu mystifizieren findet Herr Brüggemann es schlimm, wenn ein Klassischer Musiker endlich einmal ankommt bei den Massen. Ja, und? War das denn nicht schön letztens in der Überseestadt, wie David für uns aufgespielt hat - ja, sogar die Nationalhymne spielte er für uns alle.  Soll sich denn David verstecken in den muffigen Salons der verstaubten Kammermusik, soll er denn nur den höheren Klassen vorspielen, will denn Axel Brüggemenn tatsächlich die musikalische Teilung der Gesellschaft in die elitären Genießer der reinen klassischen Töne und den proletarischen, ungebildeten Poprest, der von Tuten und Blasen  keine Ahnung hat. Gilt denn musikalisch nur noch einer was, wenn er auf dem Grünen Hügel mit geliehenen Hosen herumwagnert und 7 Stunden in der muffigen Wagnerbude den "heiligen Tönen" lauscht.  Nein, das kann Herr Brüggemenn nicht im Ernst meinen - er hat letztens doch selbst Lady Gaga angehimmelt. Ich glaube, dass etwas anderes dahinter steckt. Herr Brüggemann ist offensichtlich neidisch darauf, dass David vier bis sieben gleichzeitige Frauen hat. Und weil er immer noch nicht verknusen kann, dass Carla Bruni statt mit ihm mit Sarkozy geht, macht er einerseits alle Schlagersängerinnen und andererseits alle männlichen Geiger fertig. Dabei gibt es doch überhaupt keinen Grund für Neid Herr Brüggemann. Carla liebt Sie doch nach wie vor noch! Das mit Sarkozy macht sie doch nur, um Angela eifersüchtig zu machen. Und das mit den vielen Frauen von David müssen Sie doch so sehen: denen spielt er doch immer nur den Hummelflug vor und lässt von den Damen die Zeit dabei stoppen. So können Sie sich also beruhigen Herr Brüggemann wegen der Mädels von David: das sind keine Geliebten, das sind Kampfrichterinnen. Also, wir sehen uns demnächst in der Oper Herr Brüggemann, ich sehe so ähnlich aus wie Cecilia Bartoli als Marisa dos Reis Nunes. Oder soll ich mich wie Ann-Sophie von Mutter zurechtmachen?

 

Nr. 15/12

Mittwoch, 18.Juli 2012

VERSCHIEDENES ÜBER CABRIOLETS

eine kleine Zusammenfassung von Uli Pelz, neidischer Golf-Schiebedach-Fahrer

 

DAS OFFENE CABRIOLET ist uns seit der Steinzeit bekannt. Das Cabriolet ist quasi die Urmutter aller Automobile, auch wenn in der Steinzeit der Antrieb noch mit den Füßen und mit eigener körperlicher Kraft organisiert werden mußte. Gut, dass seit der Steinzeit immer eine weibliche Begleitung dabei ist. Wenn er, der Fahrer, nicht mehr kann, dann kann sie, die Beifahrerin, locker übernehmen.

DAS STEINZEITLICHE CABRIOMODELL ist dann später bei der touristischen Erschließung unserer Eiszeit-Seen und noch später bei der Randbesiedlung unserer Baggerseen für Wasserfahrzeuge übernommen worden - genannt: Tretboot. Das Tretboot kann ohne weiteres als größter emanzipatorischer Fortschritt in der Geschichte der Mobilität  betrachtet werden, da hier zum ersten Male die Beifahrerin mittreten durfte; was ihr, wie man sieht, große Freude bereitet.

Die Entwicklung der heutigen Autos mit einem Verbrennungsmotor als Antrieb kam 1886 in Deutschland einen Schritt weiter: Als die Geburtsstunde des modernen Automobils gilt der Motorwagen, den Carl Benz 1886 gebaut und  zum Patent angemeldet hatte.. Kurz danach folgten unabhängig davon in Canstatt bei Stuttgart Gottlieb Däumler (später Namensänderung in Daimler) und Wilhelm Maybach sowie Siegfried Marcus in Wien mit weiteren Fahrzeugen. Alle hatten damals bereits ein gemeinsames Kennzeichen: Es waren Offene Cabriolets ohne Verdeck für 2 Personen, also für  den Fahrer und die Beifahrerin. Sie konnten somit nur bei trockenem Wetter fahren. Bei Regen mussten sie ins Haus oder in die Scheune oder in die Rathäuser.

ANFANG DES 20. JAHRHUNDERTS, so in der Zeit zwischen den beiden von Deutschland initiierten Weltkriegen 1918 - 1939, verlief die Entwicklung des Cabriolets rasant. Das Fahrgestell wurde jetzt in eine Karosserie gepackt, bestehend zuerst aus Wolle, dann später aus Pappe, dann zuletzt aus Blech. Bei den  privelegierten Fahrzeugnutzern, wie dem Kaiser, dem  Reichspräsidenten oder dem späteren Reichsführer, bestand die Karosserie selbstverständlich aus Blei oder Krupp-Stahl. Auch wurde in dieser Zeit das flexible Cabrio-Verdeck entwickelt. Bei Sonne offen mit Ledermütze und Sonnenbrille, bei Regen und Starkwind geschlossen, aber immerhin noch mit Sonnenbrille. So hat die Sonnenbrille sich im Laufe der Auto-Geschichte zu einem obligatorischen Accessoire des Autofahrens entwickelt. Egal, Adolf Hitler sah auf jeden Fall mit oder ohne Sonnenbrille immer Scheiße aus!

DER KÜBELWAGEN. Das Cabrio wurde im Laufe der Geschichte dann nicht nur zivil genutzt. In der Vorbereitung auf den Krieg wurde die Deutsche Wehrmacht in den späten 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit dem Volkswagen-Kübelwagen ausgestattet. Viele dieser Modelle waren sogar schwimmfähig, damit auf den Feldzügen nach Frankreich oder Russland, oder nach Holland oder Afrika auch  größere Wasserhindernisse überwunden werden konnten. Dieses Cabrio, das muss man leider sagen, hat dann seit 39 unendlich viel Leid über die Menschheit gebracht - egal ob mit geschlossenem oder geöffnetem Verdeck.

NACH DEM KRIEG wurde dann cabriomäßig alles runder. Die Kübelwagen wurden in Käfer verwandelt - besonders schick und elitär: der Käfer als Cabrio. Das Deutsche Wirtschaftswunder kam, und wer von den Gewinnern und Überlebenden des Krieges etwas auf sich hielt und genügend Deutsche Mark zur Verfügung hatte, der zwängte sich nicht in einen Lloyd oder Goliath, auch nicht in ein Gogomobil oder in einen Messerschmidt Kabinenroller(in den man ja von oben einsteigen mußte) - nein, der fuhr Käfer de Luxe, das Cabrio. Noch heute, so sagt man, ist das Fahren mit dem VW-Käfer-Cabrio das non-plus-ultra allen Cabriofahrens. Gut,  auch im Fiat, dem Volkswagen der Italiener, soll es nicht schlecht sein - aber Käferfahren hat eben immer noch so etwas von diesem  früheren Kübelwagenfahrgefühl!

ES GIBT AUCH ANDERE SCHICKE CABRIOMARKEN. Hier sehen wir so einModell der Luxusklasse. Mercedes-Benz. Für gewisse geschäftliche Verrichtungen reicht das Käfer-Cabrio eben nicht aus. Besonders wenn man vorfahren muß und repräsentieren muß oder Ware anbieten muß, sei es auch nur sich selbst, dann muß schon ein Stern her, oder dieses blau-weiße bayerische Zeichen, oder die vier ineinanderverhakten Ringe - und wenn es ganz hohe Klasse sein soll, dann mußt du schon auf den schwarzen springenden Hengst zurückgreifen!

REVOLUTION! Seitenwechsel. Fahrerwechsel.  Zum ersten Mal in der Cabrio-Geschichte übernimmt eine sonstige Beifahrerin das Steuer als Hauptfahrerin. Cary Grant hatte sich in der Bar nach dem 23. Brandy mit dem Kopf auf den Tresen gelegt und dem Barkeeper zugelallt: Ich kann nich' mehr, bitte holt Grace Kelly, sie soll fahren! So lernte sie Cabriofahren und kurvte jahrelang, den linken Arm immer auf der Cabriokante, durch Südfrankreich, Monaco, Norditalien und die Schweiz. Bei der Heimfahrt aus der Sommerresidenz Roc Agel am Vormittag des 13. September 1982 saß Gracia Patricia, wie sie später als Gattin des Fürsten Rainer von Monaco hieß,  an der Seite ihrer Tochter Stéphanie am Steuer ihres zehn Jahre alten Rover 3500. Auf der Route de La Turbie am Ortseingang von Cap-dÀil  kam sie in einer Haarnadelkurve  aus ungeklärten Gründen von der Straße ab und stürzte 40 Meter tief einen Abhang hinunter. Gott o Gott - warum fuhr sie denn nur  so ein englisches Cabrio-Modell? Es gab und gibt doch auch andere schöne, sichere Cabrios. Sie hätte doch zum Beispiel ein Fiat-Cabrio nehmen können!

WAS SOLL'S ? Neueste soziologische Milieustudien belegen,  dass Cabriofahrer und Cabriofahrerinnen keineswegs, wie häufig behauptet wird, überwiegend von extrovertierten, egozentrischen  Charaktereigenschaften geprägt sind, sondern dass sie durchaus Soziale Verhaltensweisen an den Tag legen. So wurde wissenschaftlich festgestellt, dass die Gruppe der Cabrionisten gerne auch mal im offenen Wagen winkend am Heim für gefährdete Jugendliche  vorbeifährt . Auch haben sie ein Herz für Kinder durch das unermüdliche Lesen der BILD.

 

Sie bremsen, so die Studie, wie selbstverständlich vor den Zebrastreifen, wenn dort ältere Mitbürger mit Rollatoren längere Zeit für die Überquerung benötigen. Ihre offenen Abendfahrten bei schöner Abendsonne, natürlich mit Sonnenbrille,  durch die beliebtesten Boulevards der Städte sollen, so die Wissenschaftler, den einzigen appellativen Sozialen Zweck haben: Liebe Weinschlürfende und Austernschlürfende - bitte denkt auch an die Armen und Benachteiligten, die jetzt bei Harzer 4 und Weißbrot von Netto am faden Küchentisch sitzen und RTL 2 kucken. Nobel, oder?         

 

 

 

 

 

13/30

Montag, 29.April 2013

BALLSAISON

oder: ...man kann ja nicht auf allen Hochzeiten tanzen...

Betrachtungen des Nichttänzers Josef Fellstein

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendeine Einladung zu irgendeinem Ball in die Redaktion flattert. Einladungen zu Berufsständischen Bällen wie zum Ärzteball oder zum Juristenball sind darunter. Einladungen zu Vereinsbällen wie zum Turnvereinsball oder zum Jugendhilfevereinsball oder zum Kaninchenzüchtervereinsball geben sich die Ehre. Dann noch Einladungen zu Verbandsbällen, wie zum Beispiel zum Ball des Verbandes Deutscher Reihenhausbesitzer, oder zum Traditionsball des Verbandes Niedersächsischer Weidebauern (auch genannt: Melkerball), nicht zu vergessen die jährliche Einladung zum "Frühlingsball" des Bremischen Verbandes der Heimatvertriebenenvereine. Gerne lesen wir auch die Einladungen zu den diversen Handwerkerinnungsbällen. Dabei freuen wir uns immer besonders auf die Einladung zum Bäckerball, weil es dort immer reichlich Sahnetorten und Butterkuchen zu essen gibt. Aber auch bei den Einladungen der Dachdeckerinnung, der Malerinnung und der Klempner- und Installateurinnung und anderer gehen nicht ungelesen an uns vorbei. Nun gut, wir können ja nicht "auf allen Hochzeiten" tanzen und müssen deshalb schon eine Auswahl treffen, an welchem Ball wir teilnehmen wollen und an welchem nicht. So gehen wir zum Beispiel nicht gerne zum Juristenball, weil uns die stundenlangen Walzer-Tanz-Vorführungen der jungen juristischen Novizen und Novizinnen vor der Eröffnung des Buffets nerven. Gerade einmal so eben das Juristische Staatsexamen geschafft, glauben die Jungsjuristen gleich einmal eine flotte Walzersohle aufs Parkett legen zu dürfen. Und nach den Walzervorführungen dann schmeißen sich die dünnen Novizinnen, ohne etwas vom Bufett genommen zu haben,  an die Präsidenten und Juristischen Althirsche ran wegen der schönen Posten bei Gericht und in den Kanzleien. Das alles mitansehen zu müssen ist nicht besonders schön. Auch will man ja bei so einer eigentlich gutgedachten Festverannstaltung  nicht unbedingt diesem 3.klassigen Rechtsanwalt übern Weg laufen, der dir als Insolvenzverwalter deine berufliche Zukunft im besten Alter von Mitte 50  nach über 24 Jahren Betriebszugehörigkeit zerstört hat. Das muss ja nicht sein. Nein, der Juristenball ist für mich persönlich nicht der richtige Ball, zumal ich ja im Altag bereits ausreichend von netten Juristen und Juristinnen umzingelt bin. Eine davon, aus unserer Straße hier, ist sogar Parlamentsabgeordnete - das will ja wohl was heißen.  Da halte ich mich doch lieber am Grillbufett beim Sportvereinsball wohlfeil oder beim Melkerball, wo es eben nicht nur Milch zu trinken gibt. Schön sind auch immer die Heimatvertriebenenbälle, besonders dann, wenn Ännchen von Tharau oder das Lied der Schlesier angestimmt wird.
Josef Fellstein

 

 

 

 

 

Betreutes Fahren

Donnerstag, 29. April 2010

Josef Fellstein interviewt Jugendliche zum Thema Führerschein mit 17

Josef Fellstein hat in Bremen-Woltmershausen Jugendlichen aufgelauert, um sie nach ihrer Meinung zum Für und Wider des Führerscheins mit 17 zu befragen. Vor der Schule an der Butjadinger Straße sprach er 13 - 16 jährige Schülerinnen und Schüler an.  Die stereotype Frage von Fellstein war: Ab 1.1.2011 soll in ganz Deutschland der Führerschein mit 17 eingeführt werden. Dann kannst Du schon mit 16-1/2 Deinen Lappen machen und Du kannst bis zu Deinem  18.Geburtstag zusammen mit einer Begleitperson Auto fahren, wenn Du bestanden hast und 17 bist. Was hältst Du davon?

Hier sind die Antworten der zukünftigen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer:

MANUEL (16):

Hör mal zu Alter, ich hab' Jugendstrafe, ich darf Führerschein nicht machen. Bewährung, verstehst Du. Extrem, oder? Egal, ich fahr sowieso! Mein Bruder läßt mich. Aber nicht verraten, hörst Du Alter?

JULY MICHELLE (15,5):

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich würde mir ja auch gar kein Auto leisten können, was soll ich dann mit dem Führerschein ab 17. Meine Mutter hat ja auch keinen. Mein Vater hat wohl ein Auto, aber der ist weit weg in Potsdam, der Arsch. Abgehauen. Ich weiß auch nicht...

ROY (15):

Führerschein? Ich hab' noch nicht einmal ein eigenes Fahrrad. Wenn ich mal eins brauche, dann nehme ich mir das Erstbeste. Das werde ich ja wohl mit den Autos nicht so machen können. Ich fahr' immer bei "Spritzer" mit in seinem alten Golf, da sind wir dann zu Fünft oder zu Sechst im Wagen - und dann geht die Post aber ab. Der bringt glatt noch seine 190. Meistens fahren wir über die Dörfer, Landstraße, Palette Frankenheimer, Wodka, alles dabei. Geil oy.

PAUL MARTIN (14,5):

Ich kann es schon gar nicht mehr abwarten. Meine Eltern haben mir das Geld für den Führerschein als Konfirmationsgeschenk schon auf ein zinsgünstiges Sparkonto gestellt. Ich kann gut fahren. Mein Vater läßt mich manchmal einige Runden auf dem Firmengelände, wo er Chef ist, fahren in seinem Mercedes. Tolles Gefühl. Ich glaube auch, dass man bei den Mädchen besser ankommt, wenn man ein Auto hat. Mein Traumwagen wäre ja ein schöner großer Audi.

ANJA (16):

Meine Eltern haben mich schon angemeldet bei der Fahrschule. In einem halben Jahr geht es los. Hoffentlich habe ich nicht so einen nervigen Fahrlehrer. Schrecklich diese Lehrer. Wenn ich sehe, wie die Anderen fahren, besonders die Alten, dann wird mir jetzt schon ganz schlecht. Mist auch, dass man im ersten Jahr bis 18 immer so jemand dabei haben muss, der dir sagen will: mach dies mach das.

Später werde ich einen Porsche Cayenne haben, das wird der schönste und größte Wagen im ganzen Wohngebiet sein. Was soll ich mit so einem Pöbelwagen wie Golf oder Ford oder so'n Spießerzeug?

YÜKSEL (16).

Führerschein? Was ist das? In der Türkei haben die meisten auch nicht. Wer ein Auto hat fährt. Am liebsten fahren wir mit Fahne und hupen. Wenn Türkei gewonnen hat. Oder bei Hochzeit. Kolonne.

Ich mach nicht! Scheiß Prüfung. Theoretische. Fahren kann ich, aber was soll ich Theorie?

 

 

15.03.2010

Onkel Willi erzählt

Onkel Willi erzählt …

…und unsere Heimatzeitung druckt es.

Schön und gut: jeder hat das Recht Bücher zu schreiben, uninteressante Internetseiten zu gestalten (siehe diese hier) oder von zu Hause zu erzählen. Die Frage ist doch aber, ob die Heimatzeitung, für die viele tausende Kunden teures Abo-Geld bezahlen, diese persönlichen Ablässe, bevor sie beispielsweise als Buch heraus kommen, vorab seitenweise abdrucken und den Lesern zumuten müssen. So geschehen jetzt mit dem Buch von Onkel Willi Lemke: Ein Bolzplatz für Bouake‘.

Heute, am 15.03., fast eine komplette Seite: Vertragsverlängerung im Rotlichtbezirk. Will denn wirklich jemand von den Leserinnen und Lesern der Heimatzeitung wissen, wie viele Werderspieler im Puff von Graz waren? Hat denn wirklich jemand Interesse daran zu erfahren, dass Onkel Willi nicht ganz nüchtern ins Bett gegangen ist nach dem Spiel? Und wie er sich am nächsten Morgen zum Frühstück im Frühstücksraum des Hotels, in dem er in der Nacht zuvor nicht ganz nüchtern ins Bett gegangen ist, aus dem er dann von den Werder-Spielern aus Jux in den Puff von Graz gerufen wurde, , mit Onkel Fischer und mit Onkel Böhmert traf, um ihnen einen gute und eine schlechte Nachricht zu überbringen. Wer will denn das wissen? Und wer will wissen, dass sich Onkel Böhmert ein Ei geköpft hat? Und dass ein Spieler noch im Puff seinen Vertrag mit Onkel Willi verlängert hat? Und wie Onkel Fischer ihn pädagogisch streng behandelt hat. O Gott o Gott, und dann auch noch Onkel Otto, der ja sooo anständig ist. Und dann Onkel Henning: wie er ihn fragte, ob es ihm bei Werder noch gefalle, oder ob er nicht lieber Bildungssenator werden wolle. Und dass er sich das, wie in Graz, dann aber nicht mehr erlauben könne. Und wie seine zweite Frau Heide, die er nicht in Österreich kennen gelernt hatte, keine Einwände erhob. Morgen soll der Vorabdruck fortgesetzt werden: wie Onkel Willi seine Amtszeit als Bildungssenator erlebte. Nein, ich mache das nicht weiter mit. Ich habe bereits angerufen bei der Heimatzeitung und die Lieferung für die Tage, an denen Onkel Willi wieder drinne steht, stornieren lassen. Wer an den Geschichten und den Selbstbeweihräucherungen von Onkel Willi interessiert ist, kann ja in Kürze sein Buch kaufen. Es ist allerdings nicht nachvollziehbar, aus welchem Grunde die Heimatzeitung diesen Sermon seinen Leserinnen und Lesern zumutet. Gibt es denn zu wenige andere Themen, über die aktuell berichtet werden könnte. Mir fiele da ad hoc die Bildungsmisere in Bremen ein, für die Onkel Willi und seine Genossen ja wohl auch Mitverantwortung tragen, oder das soziale Elend eines großen Teils unserer Kinder und Jugendlichen in Bremen. Oder kommt etwa auch noch ein Kapitel in der Heimatzeitung: wie Onkel Willi in Bremen die Bildungsnot beseitigt hat. Dann kündige ich mein Abo komplett!

 

 

Leserbrief unveröffentlicht 08. März 2010

zum Thema: Unser Dorf soll schöner werden

Die Verdorfungsabsichten und die provinziellen Forderungen der Neustädter Grünen im Hinblick auf die zukünftige verkehrsstrukturelle Gestaltung der Bremer Neustadt gehen mir nicht weit genug. Es nützt doch nichts, nur die Geschwindigkeit dieser ekelhaften rollenden Autos zu drosseln und flächendeckend chromglänzende Fahrradständer zum Abstellen unserer zweirädrigen Klapperkisten hin zu stellen. Nein, ich plädiere für die komplette Stillegung des durchfließenden Autoverkehrs, damit wieder mehr Platz ist für die Hühnerhaltung und für die sonntäglichen Ausritte. Auch könnten die vielen Kinder, die uns die Neustädter Grünen bescheren, dann wieder sorglos in den Strassen und Gassen spielen, ohne von Feinstaub und gefährlichen elektronischen Wellen gefährdet zu sein. Es könnte wieder Vieh gehalten werden und schöner ökologisch hergestellter Rohmilchkäse unters Volks gebracht werden. Weg mit den Autos aus der Neustadt! Wer von den Neustädtern und Neustädterinnen trotz allem Car-Sharing und trotz BSAG nicht auf das eigene "Unding" verzichten kann, soll dieses dann aber bitte gefälligst außerhalb der Neustädter Dorfzone parken, z.B. in Woltmershausen oder in Huckelriede. Da kommt man problemlos gut entweder zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Schiff oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin. Ein guter Platz für den Dorfmisthaufen wäre der jetzige Delmemarkt. Den Discounter und die Marktstände brauchen wir dann ja nicht mehr, weil die Neustädter auf den ehemaligen städtischen Zufahrtsstraßen Langemarckstraße und Friedrich-Ebert-Straße jetzt ja alle ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen. Und die Pappelstraße? Die eignet sich doch bestens als Inline-Skating-Bahn. Ich sehe schon unsere aktiven grünen Neustädter Beiratsmitglieder, wie sie in ihren jungen Jahren auf ihren Inlinern die Pappelstraße cool hin und her flitzen. Und kein Auto, kein Bus, kein Lieferverkehr und kein Fahrrad - ja: kein Fahrrad, weil auf der Pappelstraße dann Fahrradverbot ist - stört sie dabei. Ist das nicht eine schöne Vision?

Ulrich Pelz, Bremen

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Mittwoch 18. August 2010

HOCHHAUS HORIZONTAL

oder: Hilfe, meine Nachbarinnen grüßen mich nicht!

 

Das achtstöckige Hochhaus, in dem ich nunmehr seit 27 Jahren lebe, ist flachgelegt. Unsere Hausgemeinschaft, sagen wir einmal: unsere Horizontale Siedlungsgemeinschaft, besteht aus 16 Parteien. Unser Fahrstuhl ist die verkehrsberuhigte Wohnstraße in der Mitte zwischen den Parteien links und rechts. Hinten haben wir Gärten. Die einen östlich ausgerichtet, die anderen dem entsprechend westlich. Ich lebe gartenmäßig westlich, arbeitszimmermäßig aber östlich, also zum Fahrstuhl, zur Straße hin. Über die Straße hinweg können wir uns gegenseitig in die Fenster schauen und gut wahrnehmen, was in den Hauseingängen, Garagen und Vorgärten so vor sich geht.

Das ist der Vorteil gegenüber einer vertikalen Wohnweise. Hier kann man z.B. aus der Wohnung des 2.Stockes nicht wahrnehmen, was im 7. passiert, es sei denn, es handelt sich um Verbrechen. Dann rast die Polizei mit ihren Einsatzkommandos das Treppenhaus hinauf und man wird zwangsläufig aufmerksam gemacht auf das nachbarschaftliche Geschehen im 7.Stock.

In unserer Horizontalen Siedlungsgemeinschaft geschehen keine Verbrechen, dennoch wissen wir immer, was in der Reihe oder gegenüber so vor sich geht. Auch haben wir Siedlungskommunikatoren, die mal hier mal da Informationen über die Straße hinweg austauschen. Sie sind über alles informiert und betätigen sich als Informationsboten. Auch dieses ist in der vertikalen Lebensweise komplizierter, da du ja immer über das Treppenhaus treppauf treppab müsstest, oder dich ständig im Fahrstuhl aufhalten. Gut, neuerdings, wo es verpönt ist, in den Wohnungen zu rauchen, stehen jetzt die Kommunikatoren der Vertikalen Wohnweise unten am Gemeinschaftsmüllhaus und tauschen während der Rauchvorgänge wichtige Hausinformationen aus.

Bei uns in der Horizontalen Siedlungsgemeinschaft haben wir zudem den Vorteil des demographischen Wandels. Unsere Rentner und Freigestellten, alles Männer, halten sich in ihren Blaumännern und Latzhosen überwiegend vorne zur Straße hin auf, da ja hinten im schmalen Garten alles schnell erledigt ist – es sei denn, ein neuer Geräteschuppen muss gebaut werden oder ein Gewächshaus für die Tomaten. Dauernd die Kürbisse bei ihrem Wachstum zu beobachten ist auf Dauer auch öde, also ab auf die andere Seite, zum Fahrstuhl, zur Straße. Hier rufen wir uns dann lauthals quer über die Straße verschiedene Dinge bezüglich des Wetters, bezüglich des Fußballsportes, bezüglich der Nachbarinnen usw. zu, was natürlich alle anderen, die nicht draußen stehen und rufen, mitbekommen. Soll ja auch.

Was so schön ist an unserer Horizontalen Lebensweise ist die enge Kommunikationsdichte. In der Vertikalen Lebensweise kann man leicht vereinsamen. Du hängst lustlos in der Mitte herum, gehst nicht raus, und du weißt nicht, was oben und unten passiert. Es sei denn, es geschieht einmal wieder ein Verbrechen im 3., dann guckst du natürlich automatisch im Treppenhaus neugierig vom 4. runter in den 3., wer nun wieder hat dran glauben müssen. Dann kommt sogar die Polizei zu dir rein in die Wohnung, um dich als Zeugen zu befragen, ob du etwas gehört hast, gesehen hast, gerochen hast und so weiter. Dann stehst du mitten im Geschehen.

Das ist bei uns Horizontalen alles nicht nötig. 1. weil keine Verbrechen geschehen, 2. weil wir überwiegend draußen stehen und alles mitbekommen. Und weil wir 3. alles gebildete, zivilisierte, teilweise sogar promovierte Menschen sind, die wissen, was sich gehört, und was nicht. Wir haben sogar Ärzte unter uns, Psychologen, Soziologen, Personalentwickler, Geschäftsführer, Fernsehleute. Nur vom Feinsten. Da ist es doch klar, und das unterscheidet uns doch von der anonymen rustikalen Vertikalen Lebensweise, dass hier bei uns geschliffene und zivilisierte Umgangsformen an der Tagesordnung sind. Man begegnet sich respektvoll, man kommuniziert locker über die Gartengrenzen hinweg, man begegnet sich bei gemeinsamem Essen & Trinken und organisiert das gemeinsame Spiel der Kinder, sofern noch welche da sind.

Und vor allem: man grüßt sich freundlich, wenn man sich begegnet. Das ist doch selbstverständlich unter Akademikern und sonstigen gebildeten Menschen. Nicht wie in der Vertikalen Lebensweise, wo der 3.Stock nicht weiß, wer da gerade aus der Wohnung im 5. gekommen ist und grußlos hastig an dir im Treppenhaus vorbei gerannt ist. Etwa wieder ein Verbrechen? Nein, bei uns in der Horizontalen geht uns immer ein nachbarschaftliches Guten Morgen, Moin, Guten Tag oder n’Abend über die Lippen! Manchmal sogar ein herzliches: Alles klar, oder: Na, geht’s gut und so ähnlich. Dadurch drücken wir unser Horizontales Gemeinschaftsgefühl mit Herz und Seele aus.

Gut: die Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt auch in unserer gediegenen Horizontalen Siedlungsgemeinschaft immer einmal Ausnahmen. So frage ich persönlich mich seit 2 – 3 Jahren, weshalb 3 – 5 meiner Nachbarinnen mich nicht grüßen, obwohl ich hier zu den Straßenältesten zähle!

Eine persönliche Ansprache und Nachfrage war bisher nicht möglich, da sich noch keine Gelegenheit dazu ergeben hat. So kann ich nur spekulieren.

Es werden wohl meine vielen ausländerfeindlichen, integrationsfeindlichen und polenfeindlichen Äußerungen und Randbemerkungen sein, die meine polnische Nachbarin zwei Eingänge weiter davon abhalten, mich zu grüßen, geschweige denn nachbarschaftlichen Kontakt aufzunehmen. Von nachbarschaftlicher Integration oder sogar von Assimilation kann keine Rede sein. Wenn sie wüsste, dass ich bei der VHS den 5-tägigen Kursus: Polen, Land und Leute, bei Filomena mitgemacht habe, und wenn sie wüsste, dass ich sogar Bigos kochen kann, und wenn sie wüsste, dass ich in meiner aktiven beruflichen Zeit als Geschäftsführer schon kurz nach der Wende 4 nette polnische Mitarbeiterinnen beschäftigt habe, würde sie sich dann anders mir gegenüber verhalten? Ich hoffe weiter, zumal ich weiß, dass es lustige Leute sind. Das beweisen sie immer, wenn sie hinten im Garten ihre Feiern haben – unter sich, es wird nur polnisch gesprochen. Na ja, sagen wir Ostpreußen, da kannst du wohl nüscht nich machen. Vielleicht ist es ja auch so, dass sie in Stettin, oder in Danzig, oder in Breslau, wo auch immer sie herkommen mögen, vorher vertikal gewohnt haben, und dass sie sich erst einmal mit den Gegebenheiten des Horizontalen Wohnens in Horizontalen Siedlungsgemeinschaften vertraut machen müssen. Das kann Jahre dauern. Kann auch sein, dass sie einfach nur katholisch ist, und dass sie zu Fremden, besonders zu fremden Männern noch nicht einmal Blickkontakt aufnehmen darf. Wer weiß?

Es werden wohl meine chauvinistischen, frauenfeindlichen und sexistischen Äußerungen und Randbemerkungen sein, die meine beiden Nachbarinnen aus der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft von gegenüber davon abhalten, mich zu grüßen. Andere Männer aus der Straße grüßen sie ja und kommunizieren mit ihnen öffentlich. Warum mich nicht? Ist es nur, weil ich von der anderen Seite bin; ist es, weil ich alt und übergewichtig bin; oder hat es mit der Lächerlichkeit und Gebrechlichkeit meines alten, ungepflegten Autos zu tun? Ich kann es mir nicht erklären! Ich habe schon meinen ehemaligen Sozialarbeiterkollegen von Rat & Tat angesprochen. Er sagte mir, ich solle mich deshalb nicht grämen, das sei normal. Dahinter könnte sich Angst verbergen oder die bei seinem Klientel noch weit verbreitete Annahme, dass die heterosexuelle Welt immer noch mit Vorurteilen und Verurteilungen den Schwulen und Lesben gegenübersteht. Das legt sich mit der Zeit, so sagte er. Wenn sie erkennen, dass du ein toleranter und aufgeklärter Mensch bist, dann ändert sich das, so der Kollege. Er gab mir den guten Rat mit auf den Weg, weiterhin um Freundlichkeit den Nachbarinnen gegenüber bemüht zu sein, und ihnen zu zeigen, dass man von ihnen weiterhin die Rückgabe dieser Freundlichkeit erwartet. Das sind Lernprozesse, so sagte er. Das kommt schon noch! Immerhin, so der Kollege weiter, sind die gesellschaftlichen und rechtlichen Prozesse und Ergebnisse im Hinblick auf die Tolerierung und Gleichstellung der Schwulen und Lesben in Deutschland noch relativ jung. Da hätten wir alle noch viel zu lernen. Schau‘ dir Russland an, wo nationalchauvinistische Faschisten nach wie vor gegen die Schwulen und Lesben vorgehen. Oder, so mein Berater weiter, schau‘ dir Polen an, wo die katholische Staatskirche es sich nach wie vor erlauben kann Schwule und Lesben zu verachten und zu diskriminieren! Na ja, denn bin ich ja beruhigt. Danke Kollege. Sei gegrüßt!

Was bedeutet das nun für mich und für unsere herrliche Horizontale Siedlungsgemeinschaft?

Ich fahre jetzt erst einmal nach Köln und besuche meine früheren schwulen Kollegen aus der Verbandsarbeit. Die herrliche Horizontale Siedlungsgemeinschaft will ich aber trotz der tröstenden Worte meines ehemaligen Kollegen von Rat & Tat über kurz oder lang verlassen. Möglicherweise werde ich wohl wieder dort landen, wo ich herkomme. Bei den Vertikalen. Gustav-Radbruch-Str. 17., 6.Stock, Neue Vahr Nord.

 

 

 

 

 

Donnerstag 16. September 2010

Katharina Loewe

Nummer ziehen

Abenteuer Fahrkartenkauf

 

Wie heisst es so schön: wenn du eine Reise machst, dann kannst du 'was erleben - oder so ähnlich. Bei mir fing das Erlebnis bereits heute bei der Reisevorbereitung an: Fahrkartenkauf im DB-ReiseZentrum. Schon beim Betreten des Zentrum konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine ausserordentlich bedrückte und angespannte Atmosphäre herrschte.Mindestens 30 Menschen saßen oder standen still in der großen Halle, einige liefen mit schwerem Reisegepäck unruhig in der Halle hin und her, andere wiederum hatten gelassen Hörknöpfe im Ohr. Auf der rechten Seite der Halle die Fahrkartenschalter, aufgereiht und mit Nummern von 1 bis 14 bestückt. Ca. 6 - 7 Schalter waren nur besetzt, auf den anderen standen große Schilder mit Hinweisen, dass hier zurzeit keine Bedienung ist - sah man ja! Auf die hochhängenden Monitore in der Halle hatte ich beim Eintritt gar nicht geachtet und ging davon aus, dass, wenn irgendwo ein Schalter frei wird, dass ich dann, wenn sich niemand anders vordrängelt, an den Schalter heran treten darf. Schalter 6 wird frei, ich also hin! Hinter dem Schalter ein robuster Mittvierziger im schicken DB-Anzug mit schicker roter DB-Krawatte. Er schaut mich strafend und abschätzig an und blöfft ein für alle Anwesenden hörbares: "Nummer ziehen !!" in den Saal. Ich zu ihm: Meinen sie mich, welche Nummer soll ich ziehen? Er:da! Und zeigt mit gestrecktem DB-Finger in die Richtung eines Kastens. Er: hier geht es der Reihe nach und nicht nach Schönheit! Na ja, das Idealbild eines Mannes war er ja nun gerade auch nicht, aber ich verbat mir selbst eine gleichwertige Retourkutsche. Ich kleinlaut: was muss ich denn da machen? Er wieder, fast militärisch: Nummer ziehen und oben gucken, wann sie aufleuchten! Wann ich aufleuchte? Nein, nicht sie, ihre Nummer und der Schalter! Im Saal fingen einige jetzt an zu maulen: ...das kennen wir ja, oder: typisch Frau..., oder: so tun als ob,usw.usw. Ich kam mir vor wie eine iranische Ehebrecherin und huschte zu dem Kasten. Zwei Knöpfe: International und National. Wohin wollte ich denn noch schnell reisen, ist das noch Deutschland? Ja, Deutschland,Bad Reichenhall, ist ja wohl noch Deutschland! Ich also National gedrückt. Aus einem Schlitz kommt die N438 heraus, die ich jetzt fest gedrückt in meine Hand nehme. Ich schaue hoch, welche Nummer gerade dran ist:

N412. Er vom Schalter rief mir noch zu: Siehste, geht doch! Ich setzte mich auf die Wartebank, atmete tief durch und war heilfroh, dass ich erst nächste Woche fahre. Bis dahin wird die N438 ja wohl dran gekommen sein!

 

 

 

Mittwoch 22. Dezember 2010

SCHNEETERROR 2010

Josef Fellstein kommt seinen Pflichten nicht mehr nach und weigert sich weiterhin am kollektiven Räumwahnsinn teilzunehmen.

Ob er damit allerdings durchkommt? Die erste nachbarschaftliche Anzeige oder der erste Ausrutscher vor seiner Haustür wird ihm wohl das Genick brechen!

 

Wohin das Aug' auch blicket in diesen Tagen: Schnee, Schnee, Schnee. Ich mag morgens schon gar nicht mehr aus den oberen Fenstern schauen. Die Schneematte hinten im Garten wird immer dicker, und vorne zur Straßenseite hin sind schon die ersten nachbarschaftlichen Schneebeseitiger am Gange.

Sie schieben, sie kratzen, sie fegen, sie streuen. Ja, einige haben bereits ihre Schubkarren aus dem Schuppen geholt und transportieren "ihren" Schnee auf die andere Seite und laden auf dem immer größer werdenden Gemeinschaftsschneehaufen auf der  Straße ab, so, dass die schlingernden Autofahrer nur noch kaum durchkommen. Ich geb's ja zu, am Anfang war ich auch dabei beim kollektiven Schneebeseitigen. Bis mir bewußt wurde, dass es sich hier gar nicht um die ordnungsrechtlichen Pflichten ging, sondern um nachbarschaftlichen Reinigungswettbewerb. Mit zunehmender Schneemasse wuchsen auch die körperlichen und schneebefreienden Anstrengungen meiner Mitmenschen. Ja, wahre Kratz- und Schiebeorgien entwickelten sich. Fritz von Nummer 48 gegenüber entblößte sich bei 7 Grad minus sogar bis aufs weiße Feinrippunterhemd - so hatte er sich ins Zeug gelegt. Der Schweiß lief ihm nur so runter. Schweiß gibt zwar keine gelben Flecken im Schnee, aber immerhin löst sich der Schnee dort, wo die Schweißtropfen ankommen, auch auf.

Nee, dachte ich mir nach drei Tagen Dauerschnee und Dauerschneefegen, wozu das Ganze? Das ist doch Sysyphus! Ich schmeiß hin und laß' Schnee Schnee sein. Der Postbote ist pfiffig genug nicht hinzufliegen, dachte ich mir. UPS und DHL, das sind alles robuste Jungs, die vor nichts zurückschrecken. Den oder die Zeitungsausträger/in kenne ich ja sowieso nicht, so früh kommen die. Ja, so dachte ich mir, und wer soll schon sonst noch kommen? Die Zeugen Jehovas? Der Gemeindepastor? Laß' die doch, so dachte ich mir klammheimlich, hinfliegen! Meine Nachbarn links und rechts sind weit weg tagsüber und auch sonst. 

Aber, so belehrte mich Jochen von Nummer 2, mit dem ich über meine Verweigerungshaltung sprach,du mußt dafür geradestehen, wenn bei dir doch mal einer auf die Schnauze fliegt. So sei die rechtliche Lage. Ja, wiegelte ich ab, rechtliche Lage bei der Wetterlage. Wer soll denn dagegen noch ankommen? Auch hier wußte Jochen eine Antwort. Ja, sagte er, der Deutsche Mieterbund, der hat beim Bundesgerichtshof ein Urteil durchgesetzt, dass du bei Dauerschneefall nicht schippen mußt. Aber du mußt dann nachweisen, dass die Extremwetterlagen vorgelegen haben! Bin ich denn bekloppt, so meine Reaktion, ich werde wegen Schnee auch noch 'nen Rechtsanwalt, der ohnehin schon bestens verdient, beschäftigen, oder was? Nee, so ich zu Jochen, das alles mache ich nicht mehr mit. Ich lass' der Natur freien Lauf und sehe zu wie ich durchkomme. Das kannst du, so Jochen, am Polarkreis machen, aber doch nicht hier bei uns in der rechtlich zivilisierten Gemeinschaft. Du mußt, so Jochen, der sich immer weiter in seine Rechtswissenschaften hineinsteigerte, wenn du selbst keinen Bock hast zum Winterdienst, für Vertretung sorgen. Wer soll mich denn vertreten, hier hat doch jeder selbst genug mit seinen langen Metern Schneeee zu tun! Du bist der Räumpflichtige und du bist der Streupflichtige, da führt kein Weg dran vorbei. Und wenn du nicht kannst oder willst, dann muß das in deinem Auftrag ein Anderer machen, so leid es mir tut mein lieber Josef. Mein lieber Josef, mein lieber Josef! Nein, ich will nicht mehr, so ich zu Jochen. Der konterte: der Streifen, den du freiräumen mußt, der muß mindestens 1,20 Meter breit sein, damit zwei normale Passanten aneinander vorbeigehen können, so die Rechtssprechung der Obersten Landgerichte Köln und Dresden. Köln und Dresden, ja gut, so ich, die haben ja auch ganz andere Schneeprobleme als wir hier. Dresden ist doch im Winter voll eingeschneit, da kommste du doch von außen gar nicht mehr rein ohne Schneeraupe! Und die Kölner müssen ihre Wege frei haben für ihre Veddelzüge, die ja schon im November anfangen.Und was heißt hier schon "normale Passanten"? Einige, die hier vorbeikommen, die brauchen alleine für sich doch schon 2 Meter!

Also, so Jochen, was ist denn nun, soll ich für dich fegen, schieben, kratzen, streuen - oder soll ich nicht? Ja, um Himmels Willen! Mach doch! Jochen: 7,50 € pro Einsatz! Wie 7,50? Jochen: Mindestlohn! Noch nie was von gehört?

Josef Fellstein

 

 

 

 

1/11

05. Januar 2011

Fellstein's Wintersüchte, ein Konvolut

 

Unser Mitherausgeber Josef Fellstein ist ja, wie hier zu lesen war, noch im alten Jahr frühzeitig in den Schneeräumboykott getreten. Dann kamen für ihn, wie für uns alle, diese endlosen Weihnachts- und Neujahrsfeiertage und eine weitere Verfestigung der Wintertage. Das alles hat ihn schwer mitgenommen. Mit diesem Beitrag will er sich befreien von den trüben Tagen und das alles nicht mehr wahrhaben. Hier sein schriftliches Konvolut:

 

Mann, Mann, Mann....ich kann das alles nicht mehr sehen. Wenn es um Weihnachten rum ja noch ganz schön war für's Auge mit dem Winter, dann reicht es jetzt aber wirklich. Ich sehe nur Grau in Grau bereits früh morgens, ich sehe nur dreckigen Restschnee auf den Straßen und vereiste Fußwegkanten und daneben liegend ausgerutschte Passanten. Ich sehe nur noch kleingeistige Kleinvögel: Meisen, Finken und Spatzen, die sich die hingeworfenen Sonnenblumenkerne aus dem Schneegemisch aus Himmlischem, Sandigem, Salzigem, Splittigem hinten im Garten und vorne im Eingangsbereich herauspicken. Gibt es denn keine großen Vögel mehr? Dazwischen diese Restflugkörper aus der Sylvesternacht, verschossen von Marco von gegenüber und von Sven von Nr. 6, der sonst so aussieht, als würde er noch nicht einmal einen Streichholz anzünden können. Aber Sylvester den Pyromatiker machen und anderer Leute Vorgärten konterminieren! Nee du, dazwischen überall noch glatte Stellen, so dass du immer Gefahr läufst auf die Schnauze zu fliegen. Und dann kommen auch noch - ja, ihr glaubt es nicht - gleich am Anfang des Neuen Jahres zwei Hausiererinnen an die Tür und klingeln und fragen, ob ich ein wenig Zeit hätte, um über einige Lebensfragen zu sprechen. Die ältere der beiden Hausiererinnen ein glatter in einen korrekten Mantel mit Halstuch gehüllter Grundschullehrerinnentyp, die andere ein junger knapp 18jähriger Mädcheninternatstyp. Und als ich sofort erkannte, dass es sich um zwei Entsandte der Zeugen Jehovas handelte, versuchte ich einigermaßen freundlich, was ich ja sein kann, deutlich zu machen, dass ich Atheist bin und kein Interesse an religiösen Haustürgesprächen hätte. Darauf hin die Grundschullehrerin: ob ich mich denn noch nie mit religiösen Fragen beschäftigt hätte. Das fragt mich diese mittelalte Verkniffene mit dem Mantel und dem Halstuch ohne Respekt gegenüber meinem Alter, ohne Respekt gegenüber meiner Lebenslaufbahn, ohne Respekt gegenüber meinem Heimrecht. Wäre ich nicht  manchmal so ein besonnener Mensch und anerkannter (3 Instanzen) gewaltloser Kriegsdienstverweiger, der im Jahre 67 aus religiösen christlichen Gewissensgründen im Bundrswehrdienst  den Dienst mit der Waffe verweigert hatte, ich hätte ihr, na, sagen wir einmal freundlich: eine reinhauen können, oder sagen wir es noch freundlicher: sie in den dreckigen Schneeberg vor dem Garagentor den Russen zum Fraß hinschmeißen können. Ich beherrschte mich aber, wie es ja meine Art ist, und konterte, bevor ich meine Haustür von innen schloß, nur noch mit dem Hinweis, dass ich wieder rein müsse, da ich gerade den Teufel und einen wahrhaftigen Engel zum Früstücksbesuch im Hause hätte. Die junge Hausiererin sagte noch: Ach so, dann wünschen wir noch einen schönen Tag.

Einen schönen Tag! Einen schönen Tag! Schöne Tage sind etwas anderes!

Je mehr Altschnee und Zeugen Jehovas ich zurzeit  sehe, desto größer werden die Sehnsüchte, die Sehsüchte und die Seesüchte in mir.

 

Warum hau' ich eigentlich nicht einfach ab nach Afrika in die Sonne oder zumindest nach Portugal oder Italien , wo es ja meistens auch immer warm sein soll. Endlich keine kalten Füße mehr nachts. Endlich wieder bei geöffnetem Fenster schlafen können, ohne dass dir die Eisvögel und die Schneeeulen (einige der wenigen Wörter mit 3 e hintereinander!) ins Schlafzimmer kommen. Was wäre das schön jetzt im australischen Sommer. Gut, die haben Wasser - aber einfrieren wie meine Dachrinne wird das nicht!

Ach, könnte ich doch los ins Licht! Es muß ja gar nicht so weit weg sein: ich fliege wie Werder in die Türkei. Da war ich zwar noch nie. Aber wenn die Intelligenzbolzen von Werder da zurechtkommen, dann werde ich das ja wohl auch  noch raffen. Ich muß ja nicht rennen wie Rosenberg und Almeida, ich stell' mich einfach hinter's Tor von Timmi, Welttorwart Nr. 1,  und schau' ihm beim Training zu, wie er die Dinger oben aus dem Winkel rausfischt und hinterher noch den doppelten Rittberger macht. Ach, könnte doch das Auge sich erholen. Keine Zeugen Jehovas sehen, keine Teufel, keine Engel. Echte Sehsüchte kommen in mir hoch. In Viareggio im Cafe Alpi Apuani sitzen und den hübschen italienischen Jungs und Mädels auf ihren geilen Motorrollern nachkucken. Durch Venedig über die Brücken wandern und die Fische im glasklaren Wasser der Kanäle beim Schwimmen betrachten. Oder nach Lissabon fliegen, hoch fahren mit der alten Straßenbahn in die Alfama und einfach nur runter schauen auf den Tejo. Im Hintergrund singen Amalia und Mariza gemeinsam das schöne Fado-Lied: Oh minha terra...

Oder auf so 'nem Dampfer sitzen, an der Rehling und einfach nur rauskucken auf See, auf die Karibik, auf den Pazifik, auf den Indischen Ozean, auf das Brasilianische Meer. Soll auch schön sein, so jedenfallssieht man es ja im Fernsehen bei Traumschiff. Und dann nach dem Kucken an der Rehling zum Kapitänsdinner. Zum Schluß dann immer diese Eisbombe mit dem Feuerwerk drauf. Muß für mich aber nicht sein, das habe ich ja hier zu Hause auch.

 

Na ja, von all dem wird wohl nichts werden:  ich muß raus, fegen, es schneit wieder und ich habe bereits eine Verwarnung der Polizei wegen Verletzung der Winterpflichten. Mein Nachbar von Nr. 2, der mir Hilfe versprach, ist kurzfristig nach Gran Canaria geflogen. Eine vollverhüllte andere Nachbarin ist samt ihrer Burka vor meinem Haus ausgeglitscht und hat Anzeige erstattet.

 

Es klingelt. Der Dorfpastor macht seine Neujahrsbesuche. O Gott, o Gott.   

 

Josef Fellstein

 

 

 

 

14/11

Montag 14.März 2011

KIKERIKI, KIKERIKI - BLUT AM KNIE

Über die Bücher- und Zeitschriftenwelle zum Thema: Landleben

Das Land hat Konjunktur. Zumindest in der bürgerlichen Mittel- und Oberklasse. Hochglanzpolierte Zeitschriften mit den Abbildungen von schönen Bauerngärten, Anleitungen zum Anlegen von Frühbeeten, Berichten über lebendige Düngerspender wie Gülle, Jauche und Stallmist, mit aktuellen Rezepten für schmackhafte Bärlauchspeisen, mit Reportagen von glücklichen Hühnern und Hähnen, schönen Fotostrecken von ruhigen Orten umgeben von Natur, nostalgischen Bildern aus Omas Küche und Lobpreisungen des Frauenmantels, der Schafgarbe und des Gänsefingerkrautes als heilsame Frauenkräuter, sowie mitten aus dem wahren Landleben gegriffene Reportagen wie "Mit der Tierärztin unterwegs" wetteifern mit neuen Landkochbüchern, verklärenden drittklassigen Landromanen, sonnenuntergangsgeschwängerten Landbildbänden und vielen Sendungen in Radio und Fernsehen, wie z.B. Landpartie mit Heike und ihrem Fahrrad vom NDR.

Der Konjunktur müssen sich selbstverständlich auch Journalisten und Autoren anpassen, die den kritischen Landblick und den furchtlosen Gegenwind vertreten. So kommen aus diesem Winkel jetzt auch reihenweise Bücher und Veröffentlichungen, die die scheinbare Idylle zerstören wollen. Sie bezweifeln, dass Landleben überhaupt noch stattfindet. Alles sei nur Klischee und verlogen. Sie sprechen von Landflucht und Landfluch, von Verödung der Dörfer und davon, dass nur noch dumme Männer in den Landgemeinden zurückbleiben. Auch von einer zunehmenden Verpufffisierung auf dem Lande wird berichtet, von mobilen Bordellen und sexuellen Entgleisungen. Ja, so fragt sich der Berichterstatter, was denn nun? Das Land - Idylle oder Puff? Und, so fragt er sich weiter, welche Relevanz hat die Frage für die städtischen gesellschaftlichen Gruppen, die sich noch nicht einmal einen Ausflug aufs Land leisten können, geschweige denn wohl niemals aus ihrem angestammten städtischen Armutsstadtteil herauskommen werden, und die ihr Leben einrichten müssen nach dem Motto: Kräht der Hahn auf dem Mist, geht Hartz in'n Puff und alles bleibt, wie es ist.

Exemplarisch für die Leser und Leserinnen, die sich bisher mit dem Thema noch nicht befasst haben, weil ihnen das Thema bisher am Pferdearsch vorbei gegangen ist, kann die Redaktion empfehlen:

a)  Mein schönes Land / Gutes bewahren / Schönes entdecken / BURDA SENATOR VERLAG

b) Axel Brüggemann: LANDFRUST / Ein Blick in die deutsche Provinz / Kindler

Rechtes Bild oben

LANDIDYLL an der B 75 bei Bassen  (1952 - 1961) / Flüchtlingsunterkunft unterm Dach / 2 Eltern / 4 Kinder / 3 kleine Zimmer. Klo (Donnerbalken) hinten auf dem Hof bei den Schweinen. Wir Kinder waren den ganzen Tag draußen und durften völlig verdreckt und mit blutigen Knien abends, wenn der Vater von Borgward nach Hause kam, in die "Wohnung" zurück. Wegen der blutigen Knie und der grasgrünen Kleidung gab es dann meistens noch "Arschvoll"

 

 

 

Dienstag 17. August 2010

POESIE

heute: Alberto Caeiro

Der Hüter der Herden

XLIII

Lieber ein Vogel, der vorüberzieht und keine Spur hinterläßt,

Als ein Tier, dessen Spur sich dem Boden einprägt.

Der Vogel fliegt vorüber und vergißt, und so muß es sein.

Das Tier zeigt, auch wo es nicht mehr ist und daher nutzlos,

Daß es schon da war, was ebenfalls nutzlos ist.

Erinnern ist ein Verrat an der Natur,

Denn die Natur von gestern ist nicht Natur.

Was gestern war, ist heute nichts, und erinnern heißt nicht-sehen.

Zieh vorüber, Vogel, zieh vorüber und lehre mich vorüberziehen!

Alberto Caeiro ist eines der Heteronyme von Fernando Pessoa

 

 

 

 

Sonntag 05. Dezember 2010

F & U am Sonntag

STILLE BEDTRACHTUNGEN ZUM VORWEIHNACHTLICHEN HÄUSER- UND FENSTERLICHTERGLANZ

von der Lyrikerin unserer Redaktion: Katharina Loewe

 

DANKE DIR ELEKTROHIRSCH

 

Ach ist das gut

Wenn allerorts

Das Herz

Sich öffnen tut

 

Wenn in den Fenstern

Und an Fassaden

Lichterspiel und

Weihnachtliches Leuchten

Uns' Augen tun befeuchten

 

Wie schön ist doch

Zu sehen und zu spüren

Dass bald nun Jesum

Stehet vor den Türen

 

Vor dem Hause

In der Reihe 

Brunfet nun in aller Pracht

Ein Leuchtehirsch

Mit seihenem Geweihe

 

Im Garten hinten

Überdisimensional

Nikolas der Weihnachtsmann

Und locket alle Blicke an

 

Und drinnen in den Weihnachtsstuben

Weilen brave Mädels

Und auch Buben

Nüsschen tun sie hacken

Wollen Plätzchen für die Mutti backen

 

Ach, ganze Häuser

Finden sich im Lichterkleid

Himmlisch eingehüllt in

Tausende von Lumen

Leuchten sie für alle

Menschen weit und breit

 

In Habenhausen und woanders

Stehen staunend

Tausend von Passanten

Vor den schönsten

Der Benannten

 

Ach, Seele du

Die in mir ruhet

Erfreue Dich des Glanzes

Danke Dir Elektrohirsch

Und Danke Dir

Du roter Stern

Ach wie hab'

Ich doch

Die Weihnachtzeit

So gern

 

 

 

8/11

Montag 31. Januar 2011

AMÜSIERFASCHISMUS

 Gott sei Dank. Die Woche fängt gut an für mich. Mein Medienberater, der mir regelmäßig gleich am Anfang der Woche montags um kurz nach 8 im Nordwestradio sagt, was gut war und was schlecht war in den Medien, hat mich heute früh freigesprochen von jeglicher Mitschuld am Amüsierfaschismus. Denn ich habe mir nicht eine Sekunde Dschungelcamp angeschaut. Weiß also gar nicht, worum es geht. Ich hab' damit nichts zu tun, ich bin fein raus!

Alle anderen, die sich schämen sollten, können sich ja einmal nachträglich anhören, was unser Medienexperte an Abscheu und Ekel über die Welle gebracht hat. Besonders gut zuhören sollten die so genannten seriösen Journalisten des Feuilletons, denen Herr Hörisch den Vorwurf des Mangels an klarem Bekenntnis gegen die Dschungelsendung macht, und die sich von ihm die Frage gefallen lassen müssen, weshalb sie sich überhaupt mit diesem Dreck beschäftigen. Hörisch sagt klipp und klar, dass das, was da gezeigt wird, sich einfach nicht gehört, und dass es keinen Grund für Journalisten gibt, darüber auch noch zu berichten! Aber hört selbst, hier:

http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?sendereihe=54  

 

16/11

Dienstag 22. März 2011

facebook

Mein Zelt, mein Zelt, mein großes grünes Zelt

oder: Bitte schmeißt mir keine Bombe rein

Gerade an Herrn Wecker in München folgenden Kommentar zum unten stehenden Beitrag gepostet:

Lieber Herr Wecker, wie wär's mit folgendem Lied:

Mein Zelt, mein Zelt, mein großes grünes Zelt -

von hier aus, bitte schön, verarsche ich die ganze Welt.

Nur bitte, ich bitt' euch liebe Leut',

schmeißt mir keine Bombe rein,

das könnte dann mein Ende sein.

2.Strophe: Mein ...Volk, mein Volk, mein dummes grünes Volk -

das ist mir, bei Allah, so was von muhmuh und lala.

Refrain: Nur bitte, ich bitt' euch liebe Leut',

schmeißt mir keine Bombe rein,

das könnte dann mein Ende sein...

Liebe Grüße Ulrich Pelz, Bremen

Konstantin Wecker

Liebe Freunde

Bin auf dem Weg nach Wien und fand diesen Artikel sehr interessant - als Kontrapunkt zur allgemeinen Berichterstattung

Bomben treffen Zivilisten: Internationale Kritik an westlicher Militärintervention in Libyen wächst.

www.hintergrund.de
Von REDAKTION, 21. März 2011 - Mit der wachsenden Zahl ziviler Opfer wächst auch die internationale Kritik an den Luftangriffen westlicher Staaten auf Libyen. Nach Angaben der libyschen Führung war...

 

 

 

 

28/11

Dienstag 27.September 2011

SENSATION

Es gibt ihn tatsächlich auch noch in Deutschlan

DER UPUPA LEBT

http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,786664,00.html

Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der bringt der Braut 'nen Blumentopf, fiderallala, fiderallala, fiderallalallala. Der in der "Vogelhochzeit" besungene Wiedehopf hat weit mehr zu bieten als einen Blumentopf. Ein ziemlich beeindruckendes Aussehen nämlich. Mit seinem langem Schnabel, dem rötlichen Oberkörper, den schwarz-weißen Streifen an Flügel....mehr lesen bei SPIEGEL.ONLINE

Wir wurden von Manfred Willi Reichert  aus Visselhövede über facebook auf den Artikel bei SPIEGEL.ONLINE aufmerksam gemacht. Dafür ein Herzliches Dankeschön. Wir haben uns in der Redaktion spontan entschieden, sofort im nächsten Frühjahr zum Kaiserstuhl zu fahren, um unseren "Symbolvogel" in Augenschein zu nehmen, ihn zu fotografieren und ihn, wenn möglich, auch zu interviewen. Das Interview soll Josef Fellstein vornehmen, er kann Vogelstimmen. Auch freuen wir uns bereits jetzt auf eine schöne Runde in einem dieser kleinen Weinstübchen im Kaiserstuhl. Wir wollen Manfred Willi Reichert aus Visselhövede einladen, an der Wiedehopf- und Weinreise teilzunehmen.

Uli Pelz (upz)

 

Nr. 13/12

Dienstag 03.Juli 2012

STUNDENGEDICHT

ZWISCHEN 11 und 12

von Uli Pelz

 

Eine E-Mail kommt an aus Unna

Die Mutter ist doll krank

Was Wunna bei Blut Zweihunna

Auch mit den Küchen

Ist es absolut zum Flüchen

Der Kunde ist mal wieder König

Für den Profit da nutzt das wönig

Wir machen Urlaub auf dem Schiff

Und hoffen auf kein Riff

 

Ein Anruf kommt an aus Gütersloh

Ich hätte noch kein Buch bestell

Zur Strafe schicken sie mit DHL

Lektüre für das Wasser-Klo

So ginge das mit mir nicht weiter

Als Mitglied  sollt ich sein konsumbereiter

Hab dann gleich, quasi aus dem Stand

Angefordert diesen populären Band:

Kochen und Backen wie auf dem Land

 

Ein Brief kommt an aus Pinneberg

Die Lieferung wird sich verzögern

Wir bitten um Entschuldigung

Der menschengroße Gartenzwerg

Erfährt die allergrößte Huldigung

Engpass, Stau und Frust im Zwergenwerk

Sind leider nun die log'schen Folgen

So dass Ulli, der bestellte Zipfelmützenmann

Bei Ihnen kommt wohl später an

 

 

17.März 2010

2 Rollen Absperrband in Bremen gefunden,

oder: Honigpumpe am Arbeitsplatz

Von unserer Kunstredakteurin Katharina Loewe

 

Plötzlich lagen sie vor mir. 2 niegelnagelneue Rollen rot-weißes Absperrband, in Höhe Osterdeich / Altenwall. Nun kann man fragen: Ja, und? Was interessieren 2 Rollen Absperrband? Wird wohl jemand verloren haben! So einfach wollte ich mir die Sache aber nicht machen, zumal mir spontan einfiel, dass rot-weißes Absperrband ja wohl eine enorme gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung hat.

Welcher Schaden könnte möglicherweise entstehen, wenn ich die beiden Rollen einfach liegen lasse und sie nicht als Fundsache melde, so ging es mir durch den Kopf. Also griff ich mir die Fundstücke und verstaute sie erst einmal in meinem Rucksack mit der großen Wolfstatze drauf – nicht um sie mir heimlich anzueignen, sondern um zu Hause in Ruhe darüber nachzudenken, wie ich mit den Dingern weiter verfahren will. Gesagt, getan. In meiner Single-Wohn- Küche legte ich die beiden Schmuckstücke auf den Wohnküchentisch und betrachtete sie still und kontemplativ. Sofort erfüllten mich die beiden Rollen mit sehr assoziativen Bildern. Dieses Rot und dieses Weiß in unterschiedlich zusammen gelegten Positionen erzeugt in der Tat heftige Farbphantasien, und nicht nur diese. Wie würde es sein, wenn sie nun auch noch ausgepackt und ausgerollt vor mir lägen – wäre die Sinnlichkeit dann nicht noch um ein Weiteres gesteigert. Ich musste mich sehr beherrschen, es nicht zu tun. Nun erinnerte ich mich wieder an meine sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen als Finderin von Fundstücken. Du musst die Bänder abgeben, so disziplinierte ich mich selbst. Nur wo, bei wem? Ich rief, nachdem ich die Telefonnummer in dem roten Bremer Behördentelefonbuch, das ich kurzfristig meiner Bekannten Claudia ausgeliehen hatte (nach 8 Monaten hatte sie es mir zurück gegeben), gefunden hatte, noch von meinem Wohnküchentisch aus mit meinem mobilen Telefon beim Fundamt an und meldete die Fundsache. Hier wurde ich allerdings in sehr unästhetischer, verständnisloser Weise abgefertigt. Ich könne die Rollen ja vorbei bringen, „wir legen die dann in der Kammer Kleinfunde ab, wo die Sachen jahrelang nicht abgeholt werden“. Ob es nicht besser sei, so die Fundbeamtin, die „Plastikdinger“, wie sie die Bänder respektlos nannte, einfach in den gelben Sack zu packen und von der Abfuhr mitnehmen zu lassen. Eine andere Möglichkeit sei, dass ich eigene Ermittlungen aufnehme bei relevanten Absperrbandnutzern. Sie nannte als mögliche Adressen: Polizei, Parkplätze (z.B. Weser-Stadion), Baustellen und andere schnöde Adressen. Ich beendete das schnöde Amtgespräch mit den Worten: ja, ja, will mal sehen. Und dabei schoss mir wie eine göttliche Eingebung in den Kopf, dass wir in Bremen doch einen Rot-Weißes-Absperrband-Künstler unser eigen nennen können. Jetzt sah ich die Events des Künstlers wieder vor mir – ich hatte sogar vor Jahren in dieser Zeitung darüber geschrieben. Nur sein Name wollte mir so schnell nicht ins Gedächtnis kommen, obwohl ich doch für mich in Anspruch nehmen kann, die Kunstszene hier in Bremen einigermaßen gut zu kennen. Gab es nicht irgendein besonders äußeres Kennzeichen, das mir die Namensfindung erleichtern könnte. Nein, lange grübelte ich, mir erschien nichts. Dann am nächsten Morgen der persönliche Aha-Effekt: Fahrrad, Mütze, Aktentasche, Jackett. Ich rief ihn sofort an. Kann schon sein, dass ich die Dinger verloren habe, so sein Reflex – wahrscheinlich auf dem Weg Baustelle Weser-Stadion zurück mit dem Fahrrad auf dem Osterdeich in mein Heimatdorf. Er habe an der Ampel Altenwall scharf bremsen müssen, weil gerade der Bus mit der Marine-Kapelle aus Wilhelmshaven vorbei fuhr. Dabei seien ihm die Rollen wohl aus der offenen Gepäcktasche gehüpft. Er habe den Verlust gar nicht bemerkt, weil er inzwischen so viele Rollen zu Hause lagerte, da käme es auf ein oder zwei nicht an. Ich solle doch selbst damit etwas Künstlerisches machen. Denn schließlich habe Josef Beuys schon gesagt: Alles ist Kunst, sogar die Honigpumpe am Arbeitsplatz. Bitte?

 

 

 

Mittwoch 10. November 2010

MARIZA VERZAUBERT IN LEVERKUSEN

Katharina Loewe berichtet von den Leverkusener Jazztagen

Oh, gente da minha terra

Zum erst Mal in meinem Leben reise ich nach Leverkusen. Leverkusen, was dachte ich immer dabei? Eigentlich immer nur: Bayer Leverkusen, Aspirin. Oder: Bayer Leverkusen, Rudi Völler und Rainer Calmund. Leverkusen, das stand bisher auch immer für: Vorsicht an Gleis 5 oder Vorsicht an Gleis 2, Schnelldurchfahrt eines Fernzuges. Auf den Fahrten nach Köln oder weiter in den Süden immer volles Tempo mit dem ICE oder dem IC durchgerauscht. Im Blick zurück blieben immer die riesigen Straßenbeleuchtungen für das Autobahnkreuz, die Flutlichtmasten für das Stadion und dieses überdimensionale Bayerkreuz vor den Bayerwerken.

Nun also bin ich nach dem Umsteigen in Düsseldorf ausgestiegen in Leverkusen. Mein Ziel: die 31. Leverkusener Jazztage und der Auftritt der inzwischen zur Portugiesischen Nationalheiligen gewordenen Sängerin Mariza, der legitimen Nachfolgerin der legendären Amalia Rodrigues. Und tatsächlich: schon kurz nach dem Aussteigen aus der S6 wieder dieser Warnruf durch die Lautsprecher des kleinen Leverkusener Bahnhofs. Vorsicht an Gleis 5, Schnelldurchfahrt eines Fernzuges. Und schon rauscht wie ein Pfeil der nächste ICE nach Köln durch. Also, ich war  abgestiegen in der tiefsten Rheinischen Provinz. Mein Fußweg durch die „Innenstadt“ vom Bahnhof zu meinem Hotel bestätigte den Provinzeindruck. Nichts städtisch Gewachsenes, alles neu und künstlich, irgendwie ohne Charme, ohne Flair. Ganz Leverkusen eine künstliche Einkaufsstadt, nicht viel anders als andere deutsche Provinzstädte. Eine Einschränkung: Der Italiener, bei dem ich nach meinem Hotelbezug aß, Mille Lire, mitten drin in dieser Einkaufsstadt, große Klasse. Mein Herausgeber würde urteilen: mindestens 6 von 7 möglichen Gummiadlern. Aber wir wollen hier ja nicht über Gummiadler reflektieren, sondern über die Jazztage und über Mariza.

Wie passt das zusammen: Jazztage und Portugiesischer Fadogesang? Ganz einfach: Die Leverkusener Jazztage, die seit 30 Jahren von einem eifrigen Verein, von vielen potenten Sponsoren – natürlich unter anderen auch Bayer – und dem WDR, der alles aufzeichnet, in dieser Rheinischen Kleinstadt veranstaltet werden, stellen die 10 Jazztage, die immer im November stattfinden, jedes Jahr unter ein anderes Thema. In diesem Jahr stand die Gitarre im Mittelpunkt. Und wer die Musik von Mariza kennt, der weiß natürlich sofort, dass neben der grandiosen Stimme die wunderbaren Portugiesischen Gitarren die Schönheit dieser Musik ausmachen. So traten dann am Tag vor dem Auftritt von Mariza, also an meinem Ankunftstag in Leverkusen, die ehemaligen und vielleicht ja auch noch jetzigen Gitarrengötter Paco di Lucia & Band sowie Al Di Meola & Band im Forum Leverkusen, dem Veranstaltungsort, auf. Bereits hier konnte ich beobachten, dass die Konzertbesucher aus allen Teilen des Westens nach Leverkusen anreisen, sogar Nummernschilder aus Holland, Belgien und Frankreich waren zu sehen!

Das Forum Leverkusen. Offensichtlich auch ein Ding von Bayer. Ein schwarzer Rundbau direkt an der Autobahn und an der Bahnstrecke. Direkt nebenan das Hotel Best Western, in dem ich gewohnt habe für zwei Nächte. Über dieses Hotel hätte ich einen eigenen Bericht anfertigen können, will darauf aber verzichten zu Gunsten des freundlichen und bemühten Rezeptionsmitarbeiters, der mittags dort war, der abends dort war, und der am nächsten Morgen wieder da war. Auf jeden Fall bin ich heil wieder herausgekommen aus dem Hotel und hatte sogar noch das Vergnügen, am Abreisetag der Künstlerin, die auch in dem „Hotel“ wohnte, am  Frühstücksbufett zu begegnen.  Kommen wir zurück zum Forum Leverkusen. Dieser Mehrzweckbau, in dem auch die Leverkusener VHS und weitere Einrichtungen untergebracht sind, ist ein tolles Konzertgebäude. Im Zentrum ein unbestuhltes Terrassenforum, in dem die Hauptkonzerte stattfinden, daneben mehrere kleine Clubräume für kleinere Events.

Im Forumssaal auch Gastronomie, alles was das Herz begehrt. Von einer geordneten Konzertorganisation, sagen wir einmal: wie in der Bremer Glocke,  kann hier nicht die Rede sein. Vorne die hochprofessionelle Bühne, dann terrassenartig Stehplätze für ca. 2000 Besucher, hinten und seitlich: Sekt, Bier, Wein, Brezel und Brötchen.  Alles läuft durcheinander, alles quatscht durcheinander, alles fließt, alles ist in Bewegung. Wie soll hier ein Konzert eines Weltstars ordentlich ablaufen?

Dafür sorgt die Künstlerin selbst. Nach dem Vorkonzert von Carmen Souza von den Kapverdischen Inseln, jetzt Mariza. Sie zieht sofort alle Blicke und alle Aufmerksamkeit auf sich allein durch ihren Auftritt. Eine kleine, schmächtige Frau, die sich auf hohe Plateauschuhe stellt und sich in weite Kleider hüllt. Die Haare kurz geschnitten und lockig blond gefärbt. Die ersten Töne, die sie durch die hervorragende Tontechnik in das Forum hinüber, herunter, hinein singt, fesseln alle sofort. Die Gitarrenklänge ihrer drei Spitzengitarristen untermalen von Anfang an mit diffiziler Intensität den unvergleichlichen Gesang dieser Sängerin.  Alle, wie ich, die ihre letzte CD in- und auswendig kennen, waren sofort ergriffen von den Liedern. In den ersten Reihen standen offensichtlich viele junge Portugiesinnen und Portugiesen, die sofort auf Portugiesisch mit ihrem Heiligtum kommunizierten. Es fehlte eigentlich nur noch die Nationalflagge, und alles wäre gewesen wie bei dem großen Konzert vor einigen Jahren im Nationalpark von Lissabon. Über zwei Stunden wunderbare Musik, perfekt vorgetragen mit großem technischen Aufwand, wohl eine Notwendigkeit bei Fernsehaufzeichnungen.  Alles ist demnächst im WDR zu sehen. Ich werde es mir sicherlich anschauen, ich kann von dieser „Volksmusik“ nicht genug bekommen. Ich könnte nach diesem Konzerterlebnis doch glatt zur Portugiesin werden und demnächst mitsingen, wenn es von Mariza wieder heißt: „ Oh, gente da minha terra“ (Oh, Menschen meines Landes“). 

 

 

 

5/11

Montag 24.Januar 2011

KOMPONISTEN OHNE KOPF UND DIE AMERIKANISCHE OPER 

wie Krach zu Musik wird

Axel Brüggemann erklärt es

"Schon das Urzeitbaby hat wahrscheinlich genauso nach seiner Ma-ma gerufen wie wir alle. Wenn Menschen Namen rufen, tun sie das nämlich meist mit den gleichen Tönen. Wenn du auf dem Schulhof Pe-ter oder Ma-rie schreist, benutzt du automatisch den gleichen Tonabstand zwischen den einzelnen Silben. In der Sprache der Musik nennt man den Abstand zwischen zwei Tönen Intervall."  (A.Brüggemann)

Der Buchbesprecher hat schon beim Anfassen des Buches und beim ersten Durchblättern einen guten Eindruck von dem Buch. Die Einbanddeckel sind sehr stabil, ja fast hart. Sie sollen ja auch wohl mehrere nächste Generationen durch wechselnde Schülerhände gehen. Innen schönes Papier mit gutem Zeilenabstand und lustigen graphischen Auflockerungen. Genau richtig gemacht für die Augen von Kindern und Jugendlichen. Ja, es ist ein Lehrbuch, ein Musikgeschichtsbuch für Musikschülerinnen und Musikschüler. Liebevoll gemacht und mit einer kind- und jugendgerechten Sprache. Der erwachsene Musiklaie denkt sofort: ach hätte es doch früher in der Mittelschule Achim so ein wunderbares Buch gegeben, dann hätte Wilhelm Petersen in seinem primbesudelten Anzug mit der Geige in der Hand beim Einstudieren von Das Wandern Ist Des Müllers Lust nicht immer rufen müssen: Uli, du brummst, hör' auf zu singen - oder raus! Auch denkt der Musikdilletant sofort beim Queranschauen des Buches: ach, so war das mit der Entwicklung der Musik in den letzten Jahrhunderten. Der Dilletant ist ja ein heimlicher Musikliebhaber, ja fast ein Romantiker der Musik, denn bei schönen Melodien, die ihm gefallen - egal, ob Rock, Klassik, Indipendent, Fado  oder Blasmusik von La Brassbanda - kommen ihm die Tränen. Ist das nicht furchtbar?  Und hier in diesem Buch wird das nun alles erklärt. Die Emotionen der Musik, die Techniken, die Kommerzialisierungen, die Künstler, das Studium und das Üben, Üben, Üben. Also, das Buch ist schön und der Musiklaie hier, auch der erwachsene, wird beim Lesen noch einmal zum Musikschüler. Das wird ihm auch verwandtschaftlich bei den nächsten Familientreffen weiterhelfen. Denn nach dem kompletten Studium des Buches wird er sicherlich mit der Schwägerin Nr.1, einer Opernsängerin, Kirchenmusikerin (im ländlichen Hemelingen), Hochschullehrerin für Musik und Chorleiterin besser und schlauer musiktheoretisch smalltalken können. Auch wird er vor der Schwägerin Nr. 2, einer äußerst aktiven Klavierlehrerin (im ländlichen Ottersberg)  nicht mehr so blöd dastehen, wenn es um Liszt und Chopin geht. Wer von den beiden hatte denn nun was mit George Sands auf Mallorca? Ich muß noch einmal nachschlagen bei Axel B. Und zu guter Letzt werde ich nach der Lektüre des Buches nun auch meinem Schwager Nr.1, einem Konzertgitarristen und Musiklehrer an der Waldorfschule ( im ländlichen Osterholz-Tenever) Paroli bieten können, wenn er mir verklüsern will, dass Cervantes einer der größten Flamenco-Gitarristen  des Spanischen Königreiches  war. Nun gut, bei anderer Gelegenheit auf einem anderen Sender (fängt mit einem kleinen f an) wurde vom Musiklaien ja bereits die Frage gestellt, ob die unterpriveligierten und unterversorgten  Jungs und Mädels, die jetzt ja von Uschi von der Leyen demnächst alle Musik und Sport verordnet und bezahlt bekommen sollen, mit diesem Buch auch etwas anfangen können. Der Laie sagt: in Einzelfällen sicher, für die Jugendlichen aus diesem gesellschaftlichen Armuts-Spektrum, die mit Musik und Kultur in Berührung gekommen sind. Der Großteil dieser Gruppe allerdings, lieber Axel, der den Zugang zu Büchern bisher überhaupt noch nicht gelernt hat; der nicht weiß, wie er den Monat existenziell überstehen soll, wie es in der Zukunft weitergehen soll - dieser Großteil der armen Kinder und Jugendlichen (und Bremen liegt hier im Gegensatz zu Pisa ganz oben an der Spitze) wird sich wohl kaum für dieses schöne Buch interessieren lassen. Schade, aber das ist die gesellschaftliche Wahrheit bei uns! Der musikalische Laie und Dilletant wird wohl das Buch eher seiner Schwipp-Verwandtschaft empfehlen, damit sie es selber lesen und damit sie es ihren Schülern weiterempfehlen können, und damit die Kunst, die Musik und die Kultur in diesen teils heiteren und teils finsteren Zeiten nicht untergehen!

Uli Pelz  (aus dem ländlichen Pusdorf)

 

 

11/11

Dienstag 08. Februar 2011

ALTE KAISER

Konstantin Wecker zu den Ereignissen in Ägypten

 

heute auf facebookgypten

Ja, es ist soweit. Darauf haben wir lange gewartet. Endlich einmal wieder schöne Volksaufstände überall. Seit 89, dem "Wir sind das Volk" in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone, mussten wir schmachten und uns mit Liebesliedern, Kinderopern, belanglosen Filmmusiken und Operetten über Wasser halten. Jetzt können wir wieder revolu...tionär loslegen, die alten Kaiser herausholen und neue Kampflieder für das ägyptische, tunesische, jemenitische, algerische Volk trällern. Und hoffentlich bald auch für den gesamten Rest des arabischen und afrikanischen Teils der Erde. Darauf haben diese Menschen doch nur gewartet, dass wir Ihnen in ihrem Freiheitsdrang mit unseren Liedern unter die Arme greifen! Oder? Oder sollten wir vielleicht die Finger davon lassen? Haben die nicht ihre eigenen Lieder dort, wo sie auf die Straße gehen? Haben die möglicherweise ncht sogar intelligente Lyriker und Schriftsteller, Kulturschaffende - Menschen, die ihre eigenen Freiheitstexte und Freiheitslieder herstellen können?

Ulrich Pelz

 

heute auf facebook

Konstantin Wecker

(ÄGYPTEN & WIR)
Liebe Freunde!
Hier meine Notizen zu den großartigen Ereignissen in Ägypten, speziell dazu, was das eigentlich mit uns im Westen zu tun hat. Währenddessen wird in Kairo schon wieder massenhaft demonstriert! Ich hoffe, die Leute machen weiter, bis Mubarak endlich weg ist - und... wir machen bald mit!
Servus, Euer Konstantin
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Konstantin Wecker

wecker.de

 

 

 

Nr.24/12

Dienstag 20.November 2012

BUSS- UND BETTAG 2012

Morgen ist Buß- und Bettag. Wir haben bereits die Liste unserer 7 Untaten eingereicht und hoffen auf die Absolution. Hier unser Sündenregister:
1. Den glorreichen Heimwerker- und Selbstbauaktivitäten der männlichen Nachbarn nicht genügend Beachtung und Lob geschenkt
2. Den ärztlichen Hinweisen zuwider zu wenig Fahrrad gefahren und zu wenig Nordic Walking mit Stöcken hinterherziehen betrieben. Stattdessen zu fett gegessen!
3. Die Bemühungen der Bremer GRÜNEN um eine fahrradgerechte Stadt verächtlich gemacht und nie an der Fahrradzählstation vorbeigefahren. Auch die Ponykarussells nicht boykottiert, was uns nachträglich noch leid tut, da inzwischen ein Pony tot ist.
4. Einer amtsgerichtlich bestellten Betreuerin für eine pflegebedürftige ältere, demente Dame nicht den ausreichenden Respekt gegenübergebracht und keinerlei eigene Verantwortung übernommen. Stattdessen nur respektlose Bemerkungen und Kommentare!
5. Die Resolution der IWG Woltmershausen gegen die Schließung von Polizeirevieren in Bremen nicht unterschrieben mit der Begründung, dass die Menge von Polizeirevieren keinen Einfluss auf die Menge von Straftaten habe. Auch den Zusatz: "Wir wollen ja schließlich nicht in einem Polizeistaat leben" hätten wir uns durchaus ersparen können!
6. Sozialdemokratischen Ortsamtsleitern, Beiratsmitgliedern und Abgeordneten wegen ihrer Auftritte in den Sozialen Netzwerken kritisch gegenübergestanden. Wir haben dabei leider die Regel missachtet, dass Sozialdemokraten in Bremen machen können, was sie wollen - und sei es sexistisch oder rassistisch im Internet posten!
7. Bereits nach Ablauf der Saison 2011/2012 für eine Veränderung des Managements beim glorreichen Sportverein Werder Bremen plädiert. Und was ist dabei herausgekommen: Arnautovic, Elias, Allofs...Wir schämen uns und bitten um Vergebung!

 

 

Der Wiedehopf

Literatur. Texte. Prosa. Lyrik. AurorInnen. Besprechungen. Ankündigungen. Berichte.

 

 

 

 

3.Mai 2010

 

1. Mai-Demonstration auf dem Domshof in Bremen

Ulrich Pelz war seit langer Zeit einmal wieder da

Fehlte nur noch das kleine Riesenrad und der Happy Sailor und der Kleine Freimarkt wäre perfekt gewesen. Ein buntes Gemisch  aus Champignonbrutzelbude, DKP-Stand (ich wusste gar nicht, dass es diese West-SED noch gibt), aus GRÜNEN-Spielplatz, VERDI-Luftballonaufpusterei, HOLländischer Pufferbraterei, LINKEN-Propagandastand (besetzt mit dem Öffentlichkeitsgeneralsekretär aus Kattenturm), BRATwurstpavillon, SPD-Informationspavillon (die Vorsitzende des Ortsvereins Woltmershausen gab sich persönlich die Ehre), DGB-Bühne, TIBET-Informationstisch, KUHLE WAMPE-Motorrad-Club, SOZIALISTISCHE ALTERNATIVE-Fahrrad-Anhänger, BECKS-Bierwagen, IG-Metall-Zelt und andere Kleinpavillons erwarten den arbeitskampfbereiten Genossen auf dem Domshof eine halbe Stunde vor Eintreffen des Demonstrationszuges. Einige Kampf-Genossinnen und Kampf-Genossen halten sich bereits an den ersten Bieren  und Bratwürsten fest, andere an den Champignons oder an den niederländischen Poffertjes. Wo ist die einstimmende Musik der früheren Jahre? Keine Blasmusik, keine Arbeiterlieder, kein Spielmannszug, nix. Wo sind wir denn hier? Vor der überdimensionierten DGB-Bühne sind kleine Partytische aufgestellt, an denen sich die Biertrinker und Bratwurstesser bereits festhalten.

Dann: De Zoch kütt. Karneval der politischen Eitelkeiten. Nicht Musik erschallt, keine Schalmeien, keine Trompeten – stattdessen: Lautsprecher übertönen sich gegenseitig, teilweise mit barocken postkommunistischen Parolen. Viele bunte Fahnen und Spruchbänder. Völlig ungeordnet, chaotisch. Fahrräder werden mit geschoben, gnatschende Kinder auf den Schultern ernstblickender GEW-Aktivisten, Handwagen, Offene Lastwagen ähnlich Love-Parade. An der Ecke ein Chor: die Internationale. Am Alex hat sich eine VERDI-Gruppe, die den Zoch vor Eintreffen auf dem Platz schnell verlassen hat, eine Tischreihe gesichert und schon einmal Bier bestellt. Auf dem DKP/UZ-Wagen wird auch lauthals gesungen, ich glaube vernommen zu haben: Auferstanden als Ruinen und der Zukunft zugewandt, oder so ähnlich. Waren da im Vorbeifahren nicht auch die alten Plakate von Stalin und Ulbricht oben auf dem Wagen zu sehen? Ich kann mich auch getäuscht haben. Es werden wohl Marx und Engels gewesen sein.

Dann fängt die Rede der DGB-Lautsprecherin an. Schnell weg hier. Noch eine schöne Tasse Bohnenkaffee im Classico, dann ab nach Hause und in Ruhe Schalke 02 gegen Werder anschauen. Da spielen Profis, die wissen, wie man eine Großveranstaltung organisiert.

 

 

Montag 23. August / Dienstag 24. August 2010

PFAU, PFISCH UND PFEI IM RADIO

von Katharina Loewe

 

Katharina Loewe hat Radio gehört

Sonntag versaut

Nichts Böses ahnend

kam ich Sonntagfrüh gerade vom Gottesdienst nach Hause zurück, als auch schon das Telefon klingelte. Mein Herausgeber war dran. Er bat mich,  sofort das Radio einzuschalten und mir eine Sendung anzuhören und darüber zu schreiben. Er selbst sei nicht in der Lage dazu, da er gerade sein Frühstück zurückbefördert habe von innen nach aussen, als er hörte, wer in die Sendung eingeladen worden sei. Ob das denn sein müsse, wollte ich mich vor der Aufgabe noch drücken. Ich erklärte, dass ich gerade eine schöne Predigt gehört hätte über das Thema "Liebe den Nächsten", und nun solle ich mir eine Sendung anhören mit Pfau, Pfisch und Pfei. Wie das denn zusammenpasse? Ob er mir auch noch meinen Sonntag versauen wolle? Nun gut, gegen die Arbeitsaufträge von Herausgebern kann man ja so wie so nichts machen, also hörte ich mir die Sendung an.

Und ich muss gestehen: ich war erschüttert, schlimmer hätte es nicht kommen können. Was hat das Radio sich da geleistet? Das Radio, das so einen hohen kulturellen, politischen, sozialen und intellektuellen Level für sich in Anspruch nimmt, und diesen in der Regel ja auch erreicht. Das Radio, das so wunderbare Weltmusik sendet, das Radio, das mich morgens bereits mit den besten und schlauesten Berichterstattungen und Kommentaren über das nationale und internationale Weltgeschehen versorgt, das Radio, das regelmässig intelligente Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Literatur und Geisteswissenschaften präsentiert - über Eugen Drewermann wollen wir an dieser Stelle nicht reden, das ist ein eigenes Kapitel - , das Radio also mit dem höchsten intellektuellen Anspruch aller Sender in Norddeutschland, wenn nicht sogar in ganz Deutschland und darüber hinaus, bietet uns am wertvollen Sonntagmorgen zur besten Hörerzeit zwischen 11 und 12, kurz vor Beginn des immer wieder herrlichen Sonntagskonzertes, 3.Wahl - nämlich Pfau und Pfisch garniert mit Pfei.

Das Thema der Sendung war Jugendkriminalität und Jugendgewalt. Also ein äußerst sensibles Thema. Ausgangspunkt für die Sendung wieder einmal ein Buch. In diesem Falle das Buch, das die so tragisch zu Tode gekommene Berliner Jugendrichterin ihrer Nachwelt als Geschenk hinterlassen hat. Das Ende der Geduld. Eine äußerst populistische Abrechnung mit dem gesamten Jugendgerichtswesen in Berlin und in Deutschland und eine Aufforderung zu veränderten Massnahmen gegenüber gewalttätigen Jugendlichen. Besonders gegenüber Jugendlichen mit dem so genannten Migrationshintergrund, und hier besonders gegenüber Jugendlichen mit türkischem oder arabischem Hintergrund.

Eigentlich wäre es Aufgabe unseres Bildungsradios  gewesen, die populistischen, verallgemeinernden Thesen des Buches zu widerlegen und eine fachlich qualifizierte Expertenrunde dazu zu Wort kommen zu lassen. Für diesen Part wurde als Alibi-Experte Pfei dazu gerufen, der ja, wie sich dann im Gespräch herausstellte, gar nicht Pfei aus Hannover war, sondern nur sein Double. Das Double von Pfei bekam dann aber auch keine Chance, auch nur halbwegs die notwendigen wissenschaftlichen Gegenargumente gegen die populistischen Strömungen der Sendung an den Hörer zu bringen. Egal mit welchen Zahlen das Double operierte, Pfau und Pfisch erzählten als Praktiker des Jugendhilfewesens und des Jugendgerichtswesens frei Schnauze aus ihrer Berufswelt. Und das nicht etwa auf einem akademischen, abstahierenden Niveau, sondern aus dem Nähkästchen. Dabei scheute Pfau z.B. auch nicht davor zurück - selbst nicht in der Lage 3 bis 4 Gedanken in einem zusammenhängenden Satz zu vereinigen - den Fussballspieler Mesut Özil, der gerade von Bremen nach Madrid gewechselt ist, in einem Atemzug mit gewaltbereiten und gewalttätigen Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erwähnen. Ein Erziehungsanstaltshelfer, der selbst nicht fachgerecht lesen und schreiben kann, macht sich lustig über das Sprach- und Schreibversagen von jungen Menschen. Echt peinlich ey.

Die ernsthaften Diskussionen über das Jugendstrafrecht und die richtigen Strategien finden seit 60 Jahren auf hohem Niveau in verschiedenen Verbänden, Organisationen und Vereinigungen statt. Es gibt außerordentlich hervorragende regelmässige Publikationen, die sich mit der Thematik befassen. Auch in Bremen haben wir Spezialisten in Wissenschaft und Forschung, in der Jugendgerichtsbarkeit, in der Jugendhilfe, in den Wohlfahrtverbänden und bei den so genannten Freien Trägern, die sich der Thematik seit Jahren und Jahrzehnten innovativ und qualifiziert stellen. Das hätte unser Radio wissen können und wissen müssen. Dann wäre bei der Sendung auch etwas ganz Anderes herausgekommen als dieses praktizistische, unreflektierte Geschwafel von harter Hand, von gebetsmühlenartigen Verweisungen auf die Verantwortung von Kindergärten und Schulen, von männlichkeitsorientierten Erziehungsidealen bei den Türken, von den Pappenheimern und ähnlichen Bildern. Kein Wort über die unterversorgten Armutslebenslagen, aus denen die Täter erwachsen; kein Wort über die Spaltung der Gesellschaft, kein Wort über den Sozialabbau und die Verkümmerung der Jugendhilfe. Alles nur auf der Erscheinungsebene abgehandelt. Alles ganz schlimm. Auch diese Sendung. Das macht doch sogar BILD-TV besser! 

Katharina Loewe

 

 

 

Sonntag 10. Oktober 2010

Fenix & Upupa am Sonntag

LANDSCHAFTSGÄRTNERINNEN MACHEN EINEN AUF JUGENDFÖRDERUNG

 

Im Haus der Wissenschaft in Bremen

fand am Donnerstag 07. Oktober 2010 eine Fachtagung unter dem Titel:

STADT FÜR ALLE - PLATZ FÜR JUGEND

statt.

Unser Jugendhilfekorrespondent hatte sich als Teilnehmer angemeldet und war an dem Fachtag von Anfang bis Ende dabei, obwohl er in der Mittagspause fast am Fischwagen von Schorse auf dem Domshof hängen geblieben wäre, weil Schorse wunderbare Geschichten von zu Hause erzählte. Die Erzählungen auf dem Fachtag fielen dagegen deutlich ab. Wer will denn schon wissen, weshalb neben einem staatlich geförderten Jugendfreizeitheim in Bremen-Nord eine Tischtennisplatte aufgebaut wurde, die aus einem Sonderfonds finanziert wurde? 

 

Mehr Tischtennisplatte siehe einmal ausnahmsweise hier auf  der Internetseite von JUNO - Freie Bürgerschaftliche Jugendhilfe in Bremen / www.junobremen.de

 

 

Pfau Pfünf

Kritische, satirische, persiflierende Stellungnahmen und Aufdeckungen von Sozialen Widersprüchen und Sozialpolitischen Skandalen. Kritik der Sozialen Strukturen und der Sozialen Organisationen

 

 

 

Sonntag 26. September 2010

F&U am Sonntag

HEIERMANN VON DER LEYERMANN

Oh, kuck mal an, doch soviel!

Meldung von heute: Die Regierungskoalition will die  Hartz-IV-Regelsätze um üppige 5 € erhöhen!  Die Sätze für Kinder werden nicht erhöht!

Jetzt kommt es ganz Dicke für die Hartz-IV-Bezieher und Bezieherinnen. 5 € mehr im Monat! Der reine Luxus! Was sie sich davon alles zusätzlich leisten können, hat einmal unser Armutsredakteur aufgelistet:

5 x Pissengehen auf der Bahnhofstoilette

oder

5 x 1 Hamburger einfach bei McDonalds

oder

5 x Dosensuppe 1 Portion ohne Fleischeinlage

oder

5 x Bildzeitung

oder

5 x Einkaufen in der Abteilung "Alles 1 Euro"

oder

5 x einem Bettler in der Stadt "'ne Mark geben"

oder

5 x günstig in der Teestube der Straffälligenhilfe  essen

oder

5 x Telefonieren mit den Kindern

oder

5 x die Heizung kurzfristig ein wenig höher einstellen

oder

5 x 1 Reihe Lotto spielen

 

Ist das denn nix?

 

 

 

Dienstag 05. Oktober 2010

Aus der Reihe: Unvergessen

Heute vor 7 Jahren: Oktober 2003

eine Serie von Josef Fellstein

OKTOBER 2003 - DER MONAT DES ARNOLD

 

Irgendwo in Deutschland im Jahre 2003, Oktober.

Unser Arnold hatte es in seiner beruflichen Laufbahn weit gebracht. Das richtige Parteibuch im Jackett brachte er es als Jurist für Baurecht in dem Ländle seiner Wahl, er kam sicherlich wie viele andere politische Zuwanderer auch aus Ostwestfalen ins Ländle, zum Staatsrat für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales. Als Vertreter der jeweiligen Senatorin, mal war es Hilde, die leider tragisch verunglückte, mal war es Karin, die selber ein Unglück war, hatte er somit viel zu tun und viel zu entscheiden.

So kam es vor, dass er beispielsweise morgens noch mit seiner Marionette, der von ihm eingesetzten Chefin der arbeit gmbh, bei einer schönen Tasse Bohnenkaffee die Strategien zur Begünstigung ausgewählter Arbeitsförderungsprojekte im Ländle besprach, dann gegen Mittag zum Empfang der halbstaatlichen Heimstiftung anläßlich der Eröffnung des 121. Stiftungsdorfes eilen musste, um dort den einen oder anderen Happen vom Büfett zu erwischen - und um schließlich am Nachmittag mit dem von ihm eingestellten und, wie sich später herausstellte,  untreuen Verwaltungsdirektor der Krankenanstalten darüber nachzudenken, wie die Krankenzimmer mit unnützem teuren Mobiliar ausgestattet werden können.

Leider wusste Arnold zu dem damaligen Zeitpunkt, Oktober 2003, noch nicht, dass er von dem Verwaltungsdirektor in den gleichen Momenten, in denen er eisige Streichkonzerte für die Institutionen der Jugend- und Sozialhilfe dirigierte, von oben bis unten beschissen wurde. Oder wußte er es etwa doch schon? Gab's da schon was?

Den Jugendamtsleiter degradierte er nicht erst im Oktober 2003 zum Sparkommisar, der sein Unwesen dann auch gnadenlos auf seine Abteilungen und Mitarbeiter herunterprügelte - alles mit Arnolds Zustimmung. Die Ergebnisse dieser Kinder- und Jugendhilfe wurden einige Jahre später - es war wohl wieder Oktober - dramatisch im Ländle öffentlich. So dramatisch, dass dann endlich auch Arnold und Karin ihre Hüte nehmen mussten. 

Und im Oktober 2003, um darauf zurück zu kommen, in dem Monat also, hatte Arnold wohl soviel um die Ohren in den höheren Sphären seines Machtapparates, dass die drei Gespräche im Laufe des Oktober 2003 mit dem Sozialverein, der wegen einer unausgewogenen und unzureichenden Förderung durch die Arnold'sche Zentrale in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, ihm quasi am Machtarsch vorbei gegangen sind. Im Monat Oktober 2003 ließ Arnold den Sozialverein eiskalt in die Insolvenz stolpern, um, wie man später hörte, den Trägermarkt um ein weiteres Opfer zu bereinigen.

Das war eine große Leistung von Arnold im Oktober 2003, die sich allerdings relativierte durch die Tatsache, dass alles auch hätte ganz anders gelöst werden können, zum Beispiel mit einer Arnold'schen Bürgschaft (hätte ja nicht HREmäßig sein müssen!)  - zumal die Tätigkeiten des Sozialvereins später mit fast dem gleichen Personal in anderer Trägerform bis heute fortgesetzt wurden.

Ins Arnold'sche Gras beißen musste lediglich ein so genannter Geschäftsführer, der dann später von Spürmann dem Volltrecker, der wiederum eng zusammenarbeitete mit der verräterischen Barbara und dem geizigen Pfau, nach 24 Jahren und 11 Monaten Sozialdienst für den Sozialverein und für das Sozialländle in die Arbeitslosigkeit geschickt wurde.

Der Oktober 2003 - das war ein bedeutender Monat für unseren Arnold und für alle anderen Hohlkreuzlerinnen und Schisshäsinnen im hanseatischen Ländle. 

 

 

 

 

 

ei ZEIT 2011
Nun ist es wieder so weit
. Ostern naht und die Eier haben Konjunktur. Nach dem langen Winter warten die Gewächse in den Vorgärten direkt darauf, mit allerlei buntem  Eiwerk behängt zu werden. Egal, ob Nordmanntanne, Korkenzieherhaselnuß, Forsythie, Lebensbaum oder Ahorn: das Eiförmige muß in die Pflanze, noch vor dem ersten Austrieb und der ersten Blüte.

Nach dem Lichterkettenwahnsinn zu Weihnachten und dem Feuerwerksirrsinn zu Sylvester jetzt die Ostereierorgie. Millionen von industriell hergestellten Plastik- und Gipseiern, manchmal sogar Holz, zieren jetzt wieder unsere Hauseingänge, Vorgärten, Parzellen, Hinterhöfe,  Büros und Öffentlichen Gebäude. Kein Zweig ist mehr vor den Plastikdingern sicher - Hauptsache es hängt etwas drin! Ein regelrechter nachbarschaftlicher Wettbewerb hat eingesetzt: je mehr Eier im Geäst, desto österlicher das Ansehen. So glauben es scheinbar die Eiereinhänger. Dabei sieht das doch überhaupt nicht mehr österlich schön aus. Der Mythos des Ei's, der Mythos von Ostern, der Mythos von der Auferstehung und der Wiederauferstehung verliert sich total in der chemisch hergestellten Masseneihysterie. Die Kinder werden nicht mehr angehalten, das echte Hühnerei auszupusten, es schön mit Tusche anzumalen, einen Faden am Holzstück im Ei zu versenken, es an ausgewählten Stellen im Hause und außerhalb aufzuhängen - nein, sie werden zu Schlecker oder zu Netto geschickt, um die Plastikdinger billig in großen Paketen nach Hause zu schleppen. Faden ist schon dran, also los. Die Umgebung verunzieren mit diesen unifarbenen Industrieprodukten.

Na denn: schöne Ostern!

 

 

 

Freitag 31. Dezember 2010

PERSÖNLICHER TIERISCHER 7-JAHRES-RÜCKBLICK 2003 – 2010

von Ulrich Pelz

 

„Alles auf der Tafel von einem Tag zum anderen auslöschen,

neu sein mit jedem anbrechenden Morgen,

in einem ständigen Wiederaufleben unserer emotionalen Jungfräulichkeit,

das, allein das lohnt die Mühe, zu sein oder zu haben,

um zu sein oder zu haben, was wir auf unvollkommene Weise sind“

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

 

SCHILDKRÖTE IN DÄNEMARK

Am Anfang des 9.Abschnitts meines 7-Jahres-Entwicklungs-Rythmusses fand ich mich plötzlich auf allen Vieren kriechend auf einer dänischen Insel wieder. Diese Metamorphose in eine Schildkröte blieb nicht nur für die umstehenden Dänen, sondern auch für die mitgereisten Landsleute unerklärlich. Später, nach der Rückverwandlung in einen Aufrechtgehenden, begab ich mich zurück nach Deutschland, um dort erneut in eine Kriechhaltung verfallen zu müssen, und zwar in die eines Hundes.

 

HUND IN BREMEN

Nach der Rückkehr aus Dänemark in meine Heimatstadt, in der in der Zwischenzeit die Buchhalter und Korinthenkacker das Zepter übernommen hatten, musste ich als Hund die Stiefel derselben lecken gehen.

Außer Lecken musste ich Winseln und Jaulen. Der Oberchef der Buchhalterbande, ein so genannter Staatsrat, ließ mich dreimal vorführen, um meine Eignung für den Wettbewerb der unterwürfigsten und verlogensten Hunde zu prüfen. Am Ende gab er mir einen Tritt in den Arsch, da ich seinen hündischen Ansprüchen wohl nicht genügte.

 

 

ESEL IM KANINCHENSTALL

Erneut auf allen Vieren, diese Mal mit großen, langgezogenen Ohren: Nach dem Arschtritt kam die Stunde der Geier und der Schlangen. Während ich vom Obergeier zum Esel degradiert wurde und eine Ecke im Stall zugewiesen bekam, in der ich in aller Ruhe IA rufen konnte, verkümmerten meine Stallgefährten zu Hasen und Kaninchen, deren Angstködel sich überall im Stall ablagerten. Besonders bei der Annäherung der Schlange schissen und ködelten sie allein schon bei deren Anblick. Ich als Esel ködelte natürlich nicht, was mich beim Geier und bei der Schlange noch verdächtiger machte.

 

ELEFANT IN TIMMENDORF

Zählen wir den Rüssel dazu, dann habe ich die folgenden Quartale meines 9.Abschnittes zwar nicht kriechend, aber immerhin auf 5 Beinen als Elefant langsam dahin schreitend verbracht, wobei der Rüssel selbstverständlich nicht immer Bodenberührung hatte. Zuviel Würfelzucker und zuviel Herz waren unter meinem dicken Fell versteckt, das musste weg! Die weißen Männer haben mich zuerst von Süß auf Sauer gestellt, dann auf den Rücken gedreht, mir vorne alles aufgeschnitten, die Blutbahnen freigekratzt und anschließend alles wieder zugenäht. Danach verschifften sie mich nach Timmendorf an die Ostsee. Dort musste ich am Strand immer hin und her rennen. Einmal schaute ein Dorsch aus dem Wasser und rief mir zu: Hallo Alter, schwimmen hält fit. Ich habe den Dorsch dann noch einmal wiedergesehen. Im Hafen von Niendorf als Filet in einem Fischwagen!

 

 

 

SCHNECKE AN DER OSTSEE

Jetzt Kriechen in Perfektion: Metamorphose vom 5beinigen Elefanten, der gerade einmal wieder laufen gelernt hatte, zur 1beinigen (wenn überhaupt!) Schnecke. Geier und Schlange schickten mir ins Erholungsheim für Elefanten das Todesurteil per Einschreiben. Ich schrumpfte sofort und fand mich in einem kleinen Häuschen über mir selbst wieder. Kein Licht, keine Luft, kein Land. Wollte ich mich vorwärts bewegen, dann musste ich ab jetzt Schleim produzieren und den Kopf herausstecken mit der Gefahr, dass dir ein Jurist auflauert, der auf das Zertreten von Schnecken spezialisiert ist. .So kroch ich langsam auf Umwegen, auf denen ich sicher war, keinem Juristen zu begegnen, von Timmendorf in die Heimat zurück. Bis ich wieder zu Hause ankam, hat es wohl mehrere Jahre meines 9.Abschnittes gedauert.

 

 

ASCHE UND EI

Wieder Mensch geworden. Aber: Verbrannt, verkohlt. Die Haut geschrumpelt, das Gesicht geschwärzt. Nicht wiederzuerkennen. Nur die engsten Angehörigen und Freunde wissen noch, wer du bist. Die anderen wechseln die Straßenseite. Sie blicken mit verkniffenem Mund nach unten. Sie pissen sich vor Aufregung, mir begegnen zu müssen, die Hosen voll. Es gelingt ihnen nicht mehr, einen schönen guten Tag zu wünschen. Sie schreiben nicht. Sie rufen nicht an. Sie fragen nichts. Sie sitzen auf den Bänken der Schlachte und starren bei meinem Vorübergehen voll leer hinüber zur Haake-Beck-Brauerei. Die Verräterin kauft Brot in einer Bäckerei in der Pappelstraße und zahlt mit Silberlingen. Im Nest nur Asche. Und ein kleines Vogelei.

 

 

ALTE GÄULE BEI EICHE HORN

Ein- bis zweimal die Woche ging es hinaus nach Horn zum Springtraining. Wieder auf allen Vieren trainierten wir Galopp und Sprung. Auch mit Keulen, Bällen, Reifen, Bändern und Hanteln brachten wir uns wieder auf Schwung. Manchmal trieben wir es so doll, dass die Keulen an die Unterkiefer flogen und die Zähne zertrümmerten. Auch Tote gab es, die einfach so umkippten während des Trainings: Auch die anwesenden Ärzte konnten nichts mehr machen. Mund abwischen und weiter. Runden um Runden, Hürden, Matten, Stangen. Unser Jungbrunnen. Herz, Krebs, Lunge – was soll’s. Wir haben es überstanden und und wir sehen uns bei der Olympiade der Alten Gäule wieder.

 

 

UNTER VÖGELN IM WOLKENKUCKUCKSHEIM

Etwa in der Mitte des 9.Abschnitts entschied ich mich, der Menschheit ade zu sagen und in die Welt der Vögel einzutreten. Nein, nicht in die Welt der Spatzen, Meisen und Finken und deren Gehirnmassen und intellektuellen Fähigkeiten. Das hatte ich ja nun hinter mir in den letzten 25 Jahren meines Berufslebens. Nein, ich trat ein in die Welt der Phönixe, der Wanderfalken und der Wiedehopfe. Beim Wiedehopf, dem König der Vögel, den ich zuletzt ja noch in Umbrien in den Dinkelfeldern traf, meldete ich mich an und bat um Aufnahme ins Wolkenkuckucksheim. Ich wurde aufgenommen mit den königlichen Auflagen, einen neuen Verein mit dem italienischen Namen „Fenice“ zu gründen, einen Wanderclub „FSFG 07“ auf die Beine zu stellen und die Nett-Wild-Zeitung „FENIX & UPUPA“ herauszugeben.  Wie befohlen, so geschehen. Seit meiner Aufnahme liebe ich alle meine Artgenossen ohne Ausnahme. Auch die Geier. Das sind eigentlich ganz liebe Genossen, wenn sie nur nicht manchmal so ekelhaft stinken täten nach Aas und Gier. Furchtbar! Dem König der Vögel wird ja auch bestialischer Gestank nachgesagt. Stimmt aber nicht. Er duftet in der Regel nach Puder und Parfüm. Nur wenn er Sozialarbeiter und Insolvenzverwalter von weitem sieht, dann hat er hinten so eine Drüse mit ätzender Flüssigkeit zur Abwehr, die er dann betätigt. Und was ist aus den königlichen Auflagen geworden? Fenice hat zwei Jahre bestanden. Wegen Nichtberücksichtigung im undurchschaubaren Dschungel der Arbeitsförderung in Bremen wurde er wieder aufgelöst. Der Wanderclub besteht. Es gibt keine Ecke in Bremen, die nicht schon angewandert wurde. Und die Zeitung. Das seht ihr ja! Nur Undank! Katharina Loewe verschwindet mit diesem Lüllmann, so einfach mir nichts dir nichts während einer Kohl- und Pinkelfahrt! Geschmacklos! Das ist schon der zweite Verrat einer Frau, die mir den Job und das Auskommen zu verdanken hat! Aber, wie heißt es so schön unter uns Vögeln: man fliegt niemals im Leben zweimal die gleiche Strecke!

 

 

 

25/11

Dienstag, 23.August 2011

WIEDERBEGEGNUNG DER BESONDEREN ART

ROLLENTAUSCH

Nettes Beratungsgespräch vor'm Getränke-Abholmarkt.

 

Ich weiß ja seit einiger Zeit, dass er hier bei mir im Stadtteil lebt. Schon mehrmals war er mir über den Weg gelaufen ohne mich zu erkennen oder ohne mich erkennen zu wollen. Mein früherer Jugendhilfeklient Marcus T. Ich war ja einmal in einem meiner früheren Leben Jugendhelfer und auch  Bewährungshelfer, und den Marcus habe ich vor

ca.30 Jahren angefangen zu beraten und zu betreuen. Marcus war schon als Kleinkind in Heime gesteckt worden, und er ist dann sein ganzes Kindheits- und Jugendleben von "Scholle zu Scholle" - das heißt: von Heim zu Heim, von Sozialinstitution zu Sozialinstitution, gestossen worden, bis er schließlich früh als Jugendlicher und Heranwachsender auch im Gefängnis landete und schließlich, welch' Wunder, in der Drogenszene. Heute ist er weit über 40 Jahre alt und , wie er mir berichtete, zurzeit auf Metha - also im Drogensubstitutionsprogramm, demnächst wolle er eine neue Therapie beginnen. Er war heute wohl "gut drauf", heute wollte er mich wohl erkennen und sprach mich im Getränkemarkt mit einer Flasche Bier in der Hand locker an: "Hallo Pelz, altes Haus, du siehst aber Scheiße aus, gehts Dir nicht gut?" Ich konnte ihn gerade noch davon abhalten meinen aus der Form geratenen Bauch zu streicheln. Ich mußte ihn  bitten, einem älteren Herrn doch etwas mehr Respekt gegenüber zum Tragen kommen zu lassen. Er darauf hin: "Mensch Pelz, stell' dich nicht so an, ich wollte doch nur fühlen, ob du schwanger bist! Was machst du denn so, bist du noch im Verein soundso?"  Als ich versuchte ihm zu verdeutlichen, dass ich schon seit einigen Jahren keine Jugendhilfe und Bewährungshilfe mehr mache, legte Marcus ein sozialpädagogisches Gesicht auf und sagte: " das tut mir aber leid für dich, du warst doch immer so ein toller Typ, was ist denn da schiefgelaufen, was sind die Ursachen für dein Versagen?" Ich versuchte  kleinlaut zu erklären, was beruflich gelaufen ist bei mir. Marcus jetzt ganz Berater: "Da solltest du aber mal eine Therapie in Anspruch nehmen, du bist doch bestimmt voll fertig!" Es sei nicht so schlimm und ja alles auch schon Vergangenheit, ich jetzt. "Ich kann dir ein paar gute Tipps geben, wie man da wieder rauskommt" so Marcus weiter "... du musst vor allem an dich selber glauben und dich nicht fertig machen lassen von diesen ganzen Heiopeis!" Ich: wird schon werden, ich danke dir für deine Beratung, ich muss los, bis nächstes Mal. 

Uli Pelz

 

 

13/32

Montag 8.April 2013

ES IST AN DER ZEIT...


...es ist an der Zeit den Hut zu ziehen. Vor all' den Menschen, die als Juristen Mensch geblieben sind. Die nicht nur Paragraphen, die Gebührenordnung  und die  bungesgerichtlichen Entscheidungen sehen, sondern die Ereignisse und die Menschen dahinter. Erst kürzlich verstarb einer dieser Juristenmenschen auf einer Nordseeinsel. Er kannte als Staatsanwalt  Barmherzigkeit und Nachsicht gegenüber jungen Übeltätern aus den unteren Schichten. In seinem Büro stand ein Stehpult als Schreibtisch und an den Wänden strahlten nicht Picasso und Cezan, sondern Donald und Dagobert Duck.     


...es ist an der Zeit auszuspucken. Vor all' den Mitmenschen, die immer noch glauben, sich rassistisch, nationalistisch, fanatischreligiös und gewaltbereit über Andersaussehende, Andersherkommende, Andersglaubende und Andersdenkende erheben zu dürfen. Nun gut, du wirst in deiner Nachbarschaft nicht ständig spucken können, wie sieht das aus? Aber tue es hinten symbolisch am Misthaufen, oder drüben auf der Weide bei den Schweinen. Spucke deinen ganzen Ekel hinaus.Bis aus dem Speichel eine bunte  Blumenvielfalt erblüht. Und bis niemand mehr hinten auf seinem Sommershirt Thor Steinar stehen hat oder Hell's Angels oder Wikinger oder was weiß ich für einen Dreck!  


...es ist an der Zeit zu verzeihen. All' denen, die Ironie und Satire nicht von Angriff und Unfairness unterscheiden können. Auch all' denen. die wegen menschlicher Schwäche lieber die 30 Silbertaler nehmen als charakterfest zu bleiben in brenzligen Situationen. Nun gut, einem geizigen Pfau und einem blutverschmierten Aasgeier kann man nicht verzeihen, bei bestem Willen nicht! Aber all' diesen dummen Schweinen und leichtgläubigen Vereinsschäfchen, da wird man ja wohl mit der Zeit mindestens ein Auge zudrücken dürfen, wenn nicht zwei! Ja, wir werden wohl auch die staatlichen Administratoren in unsere Fürbitten mit einbeziehen. Allerdings werden wir sie nicht namentlich erwähnen, da sie schon längst nicht mehr auf meiner Liste stehen.   

 

...es ist an der Zeit zu schreiben. Bevor du die Kurve kratzt für all' die, die nicht wahrnehmen und begreifen können oder wollen. Auch für die, die bis heute nicht akzeptieren können, dass du einen langen und dornigen Weg gegangen bist, und dass du dir hohe soziale und fachliche Kompetenzen angeeignet hast auf dem zweiten, dritten und vierten, wenn nicht fünften Bildungsweg. Und für die, die immer noch nicht glauben können, dass du nicht mehr oben in der Spitze des Kastanienbaumes sitzt und schöne Gedichte, die du bei Köhler in der Achimer Mittelschule gelernt hast, von Benn und Rühmkorff  und Brecht sprachtechnisch einwandfrei aufsagst. Und für dich selbst. Schließlich willst du ja auch selbst wissen, bevor du die Kurve kratzt, was eigentlich so war!     

Uli Pelz   

 

 

 

 

13/27

Montag 17.Juni 2013

VOR 10 JAHREN: DAS JAHR 2003

oder: das Jahr, in dem sich die Erde rückwärts drehte

 

Es gibt weltgeschichtlich bedeutende Jahre, und es gibt diese so genannten normalen Jahre, in denen auf die freundliche Frage " na wie gehts" ebenso freundlich und lapidar geantwortet wird "gut". Weltgeschichtlich bedeutende Jahre waren in der Übersicht der letzten 70 Jahre z.B.  die Jahre 1945 und 1989. Alle anderen Jahre dazwischen und danach waren normale Jahre, auch wenn Kalte und Warme Kriege geführt wurden, Atombomben gezündet wurden, Volksaufstände niedergeschlagen wurden und die Offene Sexualität erfunden wurde.  Ein besonders normales, wenn nicht sogar stinknormales  Jahr war dieses Jahr 2003. Nun gut, man könnte einschränken , dass es vielleicht doch ein weltgeschichtlich bedeutendes Jahr war, weil in diesem Jahr 2003 Recep Tayyip Erdogan Ministerpräsident der Türkei wurde, oder weil US-Präsident George W. Bush dem amerikanischen Volk in einer nur vier Minuten langen Rede den Beginn des Krieges gegen den Irak ankündigte, vielleicht auch weil  77 % der Polen für den Beitritt in die EU gestimmt haben. Einmal abgesehen davon, dass die NATO die Kontrolle über die afghanischnen Militäreinheiten übernahm und Bundeskanzler Gerhard Schröder Prag besuchte und San Marino eine neue Regierung erhielt. Darüber hinaus war aber eigentlich alles normal, einmal abgesehen davon, dass Saddam Hussein im Irak in einem Erdloch aufgespürt wurde und erst einmal zum Duschen abgeführt wurde, um ihn dann 3 Jahre später hinzurichten. Ansonsten alles normal. Die Deutschen Politiker unter der Führung der Sozialdemokraten arbeiteten eifrig an der Umsetzung der so genannten "Agenda 2010", die zum Ziel hatte, die Deutsche Gesellschaft zu spalten in erfolgreiche Eliten und arbeitsscheue Leistungsversager. Dabei bedienten sie sich eines Arbeitsdirektors aus der Autoindustrie, der später berühmt werden sollte wegen seines Managementes von Dienstreisen für verdiente Betriebsräte in den Puff von Rio de Janeiro. Auch war es ihr Ziel, den Wohlfahrtsstaat umzukrempeln, wenn nicht zu vernichten. Nicht mehr gesellschaftliche, soziale Solidarität stand jetzt im Vordergrund, sondern kaltes betriebswirtschaftliches Rechenwerk ohne Fragen an Tradition, Innovation und Qualität Sozialer Arbeit.  Die Sparkassenfachbetriebswirte in ihren grauen Anzügen, die von rotkarierten Sparkassenkrawatten begleitet wurden, reduzierten ihr Sprachvermögen auf die Begriffe "Basel II" und "Bundesanstalt für die Bankenaufsicht". Ihnen ging die Muffe 1:1000, dass sie bei der Kreditvergabe an kleine, und besonders an soziale Unternehmungen Fehler machen würden, was ihnen - wie sie immer lauthals in die Quartalsgespräche hineinpusteten - die Krawatte kosten würde. Echt Arme Schweine. Und dann gab es da im Jahre 2003 auch noch diese so genannten Wirtschaftsprüfer, die kein anderes Interessse hatten, als in den von ihnen beauftragten Sozialen, Kulturellen und Sportlichen Vereinen und Unternehmungen zu prüfen, was wirtschaflich bei diesen betriebswirtschaftlichen  Hungerleidern und Dilletanten für sie persönlich herauszuholen war. Dabei missachteten sie alle Rauchverbote in den Betrieben und ließen sich bräsig, selbstherrlich und arrogant von den Buchhaltern die wirtschaftlichen Miseren vortragen. Verschlimmert wurden die ekelerregenden Prüfsituationen noch durch die Tatsache, dass sowohl die Buchhalterin als auch die Personalsachbearbeiterin eigentlich nie begriffen hatten, was Kostenstellen sind und wie sie den einzelnen operativven Teilen des Betriebes zuzuordnen waren. Egal. Vergessen. Wollen wir etwa auch noch über die damalige Sozialadministration der Stadt etwas berichten? Nein das wollen wir nicht! Es macht keinen Sinn über Pflegesatzabteilungen und über Jugendamtsressorts zu schreiben, die mit ihren Aufgaben eigentlich immer überfordert waren. Man will ja menschlich bleiben und den dort tätigen Unwissenden nicht wehtun. Vielleicht sind sie ja auch bereits vonhinnen gegangen.  Die Erde dreht sich weiter. Nur manchmal, so hat man das Gefühl, besonders dann, wenn man Schwindel und Atemlosigkeit verspürt, dreht sie sich wohl rückwärts.

 

Nein, in Wahrheit dreht sie sich, die Erde, wenn sie sich überhaupt dreht, immer vorwärts. Beweis dafür ist mein Enkelkind Jula, das im Jahre 2003 geboren wurde, und das mir und meiner Frau Ines seit 10 Jahren so viel Spaß und Freude bereitet. Wir freuen uns gemeinsam auf  jeden gemeinsamen Tag mit ihr.

 

 

 

Mittwoch, 03. Februar 2011

KATHARINA LOEWE ÜBER SELTENE VÖGEL

5 Tage Hölle in Cuxhaven-Duhnen - und dann auch noch meistens Ebbe

oder: Rosa Tankstellennelken

 

Der Himmel hing voller Geigen. Ade Kohl und Pinkel. Ade Kollegen und Kolleginnen von Fenix & Upupa. Carsten-Olaf hatte mich gefangengenommen. Dr. Carsten-Olaf Lüllmann, Unternehmensberater und Medienberater. Ich hatte ihn vorher gar nicht so recht wahrgenommen, obwohl er mindestens 1 – 2 x im Monat in unserer Redaktion war, um unsere Chefs auf den richtigen Weg zu bringen. Besonders betriebswirtschaftlich sind Chefs ja meistens blind, hier hat Carsten-Olaf unseren Herausgebern in den letzten Monaten wertvolle Anregungen geben können. Unter anderem hat er ihnen davon abgeraten, eine korrespondierende Redaktion in Peking aufzubauen. Schade, ich war ja damals bereits im Gespräch, den Job in Peking zu übernehmen. Heute sage ich: ach, wäre aus Peking doch etwas geworden! Stattdessen: Cuxhaven-Duhnen! Nach der Kohl- und Pinkelflucht  aus Ganderkesee, oder wie das Kaff da im Oldenburgischen heißt, fanden Carsten-Olaf und ich uns im Autobahnmotel A1 an der A1 zwischen Osnabrück und Bremen bei Großmackenstedt wieder. Aus hygienischen und intimen Gründen soll hier an dieser Stelle auf die Darstellung näherer Einzelheiten unserer Hotelankunft in Großmackenstedt verzichtet werden. Nur so viel: Carsten-Olaf wird sicherlich in seinem Leben niemals wieder Oldenburger Pinkel mit Oldenburger Grünkohl, der ja wohl vorher bereits in Unmengen Schweineschmalz angedünstet wurde, vermischen, um sich dieses Gemisch später einzuverleiben. Nur weiter so viel: das war‘s dann mit A1! Ich hatte 1a erwartet, stattdessen dieses Autobahnangebot A1. Später haben wir noch gehört, dass unsere Herausgeber in der Nacht nach der Kohl- und Pinkelfahrt auf Bänken schlafend in der Halle des Delmenhorster Bahnhofs aufgegriffen worden sein sollen und eine Nacht in der Ausnüchterungszelle der Delmenhorster Polizei verbracht haben sollen.

Wir sehen, wie schnell Grünkohl und die erste Euphorie der Liebe vergehen können. Ernüchterung tritt schnell ein, spätestens am nächsten Morgen, wenn sich Schlipse in Briefkästen wiederfinden oder Berufspraktikantinnen in Anleiterbetten. Oder wenn angeblich seriöse Unternehmensberater dir in einem Autobahnhotel in aller besudelten Pracht im Hotelbadezimmer gegenüberstehen und fragen: „War das nicht ein schöner Abend gestern, Michaele?“  Hier hilft dann nur noch, um einen promovierten Spitzenberater nicht zu verletzen, zu sagen: „Ja, mein Lieber, es war schön – aber kann es sein, dass du meinen Vornamen nicht richtig wahrgenommen hast?“ Daraufhin Carsten-Olaf: „Termine und Namen hab‘ ich voll im Griff, da macht mit keiner was vor!“ Ich: „Ach so, dann bin ich wohl ab heute für dich Michaela?“ Er: „Nein, entschuldige Manuele, du bist und bleibst für mich Katharina, war doch nur  ‚n Witz“ Ich: „Och“

Wie die Hormone so spielen. Normalerweise hätte ich ja nach diesen Grünkohlerlebnissen und nach diesen A1-Erlebnissen Schluss machen müssen mit Lustig. Welcher Hormonteufel mich dann geritten hat, auf das Angebot von Carsten-Olaf einzugehen, mit ihm für einige Tage an die Küste nach Duhnen zu entschwinden, weiß der Geier. Jedenfalls fanden wir uns dann gemeinsam nach einem kurzen Intermezzo des heimischen Kofferpackens und des Ausschlafens in heimischen Betten (er wahrscheinlich mit Michaela oder Manuela)  in diesem Nobelhotel in Cuxhaven-Duhnen wieder. Hotel Strandperle. Küche 2 Sterne Michelin. Treffpunkt Alte Liebe Cuxhaven. Samstag 16:00 Uhr. Von dort mit dem Taxi nach Duhnen. Und sieh‘ an, typisch Unternehmensberater, typisch Manager: pünktlich und akkurat gekleidet, frischgegeelt die dunklen Haare nach hinten gestriegelt, stand er da: Carsten-Olaf Lüllmann, besser gesagt: Dr. Carsten-Olaf Lüllmann! Er begrüßte mich mit einem Strauß rosa Tankstellennelken und den schmeichelnden Worten: „Ach liebe Brigitte, es ist so schön, dass wir wieder zusammen sind!“ Ich : „Och, lieber Hans-Hermann, du weißt doch – wenn ich etwas zusage, dann halte ich das ein“ Er: „Hans-Hermann?“

Kapitel 2 erscheint  am 07. Februar 2011

Kuck' mal da hinten, die großen Pötte 

zu einem Kapitel 2 ist es leider nicht gekommen, weil Katharina Loewe in der Zwischenzeit Verhandlungen mit dem ZDF geführt hatte, wo sie nun ab 01.07.2011 Aspekte übernehmen wird.

 

 

26. März 2010

Adrian Quellhorst, Versagenstherapeut, Bremen, Ostertor


Bergführer Quellhorst 1999
Bergführer Quellhorst 1999

 

Seltene Vögel

Heute: Adrian Quellhorst, 46, Versagenstherapeut, Ostertorviertel

 

Das Gespräch mit Herrn Quellhorst führte unsere Sonderredakteurin Katharina Loewe

 

Katharina Loewe: Hallo Herr Quellhorst, ich begrüße Sie und muss Ihnen gleich am Anfang unseres Gespräches gestehen, dass ich ziemlich „viel Schiss“ vor diesem Gespräch habe, weil ich gar nicht weiß, ob ich es durchhalten werde, und was hinten dabei heraus kommen soll.

Adrian Quellhorst: Das erstaunt mich sehr. Sie machen ja auf den ersten Blick überhaupt nicht den Eindruck einer ängstlichen Schisserin. Das Gegenteil ist ja eher der Fall. Sie wirken prall und selbstbewusst, als könne Ihnen keiner ein X für ein U vormachen. Ich müsste mich eigentlich in diesem Falle als Versagensängstlicher outen, da ich bei der ersten Begegnung spontan den Eindruck hatte: die will dich fertig machen

Katharina Loewe: Aber Herr Quellhorst, ich bitte Sie. Das ist ja nun wirklich nicht mein Stil, meine Gesprächspartner fertig machen zu wollen. Deshalb auch meine erste Frage: Wie wird man als ehemaliger Bergführer ohne qualifizierten Schulabschluss Versagenstherapeut?

 Adrian Quellhorst:  Also wissen Sie! Ich weiß ja nicht woher Sie die Informationen bezüglich meiner Schulabschlüsse haben…

Katharina Loewe: … (unterbricht)… von Ihrer Mutter…

Adrian Quellhorst: …ja, ja von meiner Mutter! Da haben wir doch schon das beste Beispiel für die Gründe von Versagensängsten! Sie (gemeint sind hier die Mütter, Anm. der Redaktion)wollen immer, dass du als Held darstehst, dass du immer der Beste bist, mein Gott, wie habe ich darunter gelitten die ganze Zeit bis heute.

Katharina Loewe: Aber um noch einmal auf die Frage zurück zu kommen: wie war das denn nun mit dem Therapeuten? Wann haben Sie den Bergen ade gesagt, um nach Bremen zu kommen, um hier als Versagenstherapeut zu wirken?

Adrian Quellhorst: Liebe Frau Loewe, ich fühle mich bereits nach den ersten Wortwechseln mit Ihnen ziemlich mutlos, ich glaube, dass wir beide nichts Vernünftiges auf die Reihe bekommen werden. Diese Direktheit mir gegenüber, das war ich weder in meiner Bergführerzeit noch bin ich es gegenwärtig gewohnt, so konfrontativ angegangen zu werden als Führungsperson.

 Katharina Loewe: Lieber Herr Quellhorst, das ist doch nun wirklich abwegig. Ich stelle doch keine konfrontativen Fragen. Wir müssen doch gemeinsam, um etwas zu Papier zu bekommen, in einen Frage-und Antwort-Dialog eintreten. Meine Frage ist doch eigentlich völlig unverfänglich: Wie wurden Sie Therapeut in Bremen? Haben Sie ein Studium absolviert? Haben Sie eine Eigenanalyse oder so etwas Ähnliches absolviert? Ganz einfache Fragen in einem ganz einfachen normalen Interview.

Adrian Quellhorst: Was glauben Sie denn eigentlich liebe Frau Loewe, wie viele Menschen darauf warten,  mir und meinen Kolleginnen und Kollegen vom Verband der freischaffenden Versagenstherapeuten zu begegnen? Das sind Tausende, die gar nicht mehr wissen, wie es mit ihnen weiter gehen soll! Die sind zerfressen von der Angst, es nicht hin zu bekommen! Die sind zerstört von Selbstzweifeln, nicht geachtet zu werden. Und Sie stellen hier die Fragen danach. Was soll denn das?

Katharina Loewe: Lieber Herr Quellhorst, es geht doch im Wesentlichen gar nicht um Ihre, ich weiß nicht, wie ich sie benennen soll – sind es Patienten, oder Kunden, oder sind es Hilfesuchende? Es soll doch ausschließlich um Sie gehen, wer Sie sind, woher Sie kommen, was Sie gemacht haben, was Sie planen  und so weiter.

Adrian Quellhorst: Papperlapapp, so können Sie doch an die Sache nicht heran gehen. Das ist doch voll unprofessionell, wie Sie das machen. Erst den Interviewpartner fertig machen und hinter her noch dumme Fragen stellen. Ne, meine Liebe, so schaffen Sie das nicht – so schaffen wir beide das nicht!

Katharina Loewe: Herr Quellhorst, mein letzter Versuch, Ihnen die Angst vor mir und meinen Fragen zu nehmen, eine Frage zu Ihren Kindheitserlebnissen:

Adrian Quellhorst: (unterbricht)…jetzt kommen Sie mir noch auf die Tour. Zuerst mein Schulversagen problematisieren und dann in meiner gestörten Kindheit herum wühlen, nee, nee, meine Liebe, so war das nicht verabredet. Ich bin hier schließlich der Therapeut, und nicht Sie!

Katharina Loewe: …eine Frage zu Ihren Kindheitserlebnissen: wo und wie haben Sie Ihre verbracht?

Adrian Quellhorst: das ist doch völlig egal, wo ich herkomme und wo und wie ich meine Kindheit verbracht habe. Ich bin Versagenstherapeut und kein Kindergeschichten-Erzähler.

Ich wohne jetzt im Viertel und habe von dort auch viele Klienten, die meine therapeutische Hilfe benötigen. Die Kindheit, das Leben, die berufliche Entwicklung des Therapeuten ist doch hier völlig unwichtig, der Klient mit seinen Hilfebedarfen steht im Mittelpunkt. Das sollten Sie doch endlich einmal respektieren liebe Frau Loewe.

Katharina Loewe: Gut Herr Quellhorst, dann eine Frage zu den Hauptursachen der Versagensängste in unserer Gesellschaft. Ist es die Überforderung am Arbeitsplatz, ist es der enorme Leistungsdruck, der überall zu beobachten ist, sind es persönliche, individuelle – möglicherweise genetische, vererbte Ursachen?

Adrian Quellhorst:  Liebe Frau Loewe, das sind doch jetzt alles Ausweichfragen. Ich sehe Sie in einer prekären Situation. Sie haben Angst mit diesem Interview nicht klar zu kommen, Sie haben Angst zu versagen bei dieser Aufgabe und fragen jetzt in Ihrer ganzen desolaten psychischen Situation mal dies mal das. Ich kann Ihnen nur raten, dagegen einmal grundlegend etwas zu tun. Sie sollten sich einem Therapeuten oder einer Therapeutin hingeben, der oder die auf diesem Gebiet spezialisiert ist . Bei uns hier in Bremen gibt es eine ganze Reihe davon. Wenn Sie nicht unbedingt im Viertel behandelt werden möchten, dann haben Sie auch alle Möglichkeiten in anderen Stadtvierteln, zum Beispiel in der Bremer Neustadt.

Katharina Loewe: Noch eine Frage zum guten Schluss. Was kostet denn so eine therapeutische Stunde in etwa?

Adrian Quellhorst: Tut mir leid Frau Loewe, das hab‘ ich mir gedacht, dass Sie eigentlich überhaupt kein Interesse an meiner Person haben, sondern nur an diesen schnöden Fragen  nach Mammon und Kapital interessiert sind. Das ist das Grundübel unserer Gesellschaft: nicht den Menschen sehen mit seinen Problemen und Handicaps – immer nur: was kostet das, welchen Ertrag habe ich davon, wie viel kommt dabei heraus? Nein, mit mir nicht. Meine Preise sind menschenrechtlich in Ordnung, sie sind umweltorientiert, dabei sozialgeprägt und nachhaltig in die Zukunft gerichtet. So bin ich!

Katharina Loewe: Herr Quellhorst, ich danke Ihnen für das Nichtgespräch.

Anmerkung: das Gespräch (Nichtgespräch) wurde von Herrn Quellhorst nicht autorisiert, wir drucken es trotzdem in F&U, weil wir glauben, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat zu erfahren, was sich hinter den selbstgemachten Therapeutentürschildern verbirgt.

 

 

Dienstag 20.September 2011

ZURÜCK ZUR ZINKWANNE

 Wir haben heute noch einmal das herrliche Buch von Martin Perscheid "Wenn Deppen duschen" zu Rate gezogen. Es will uns in unserer neuen Duschkabine einfach nicht gelingen, trocken zu duschen. Trocken soll meinen: ohne dass Wasser aus der Innenkabine nach aussen in den sonstigen Bereich des neuen Badezimmers dringt. Bei jedem von uns Duschern, egal ob Kaltduscher, Warmduscher oder Dauerduscher, sieht das Umfeld der Duschkabine nach dem Duschen aus wie eine Mecklenburger Seenplatte. Am schlimmsten ist es immer bei Armin, der sportlich duscht - nämlich voller Massagestrahl. Bei ihm besteht die Gefahr, dass es reinschwappt ins Wohnzimmer. Ja, so fragen wir uns, sind wir denn allesamt zu blöd, umweltfreundlich und trotzdem hygienisch rein zu duschen? Auch die beiden von der Innungskammer des Klempnerhandwerks geschickten Experten heute, die sich die Sache angeschaut haben, konnten nur feststellen, dass wir alle Fünf hier in der F&U-Redaktion wohl zu blöd zum Duschen sind. Wir sollten das lieber nachlassen und stattdessen zur guten alten Zinkwanne zurückkehren. Dabei gaben sie uns noch den Tipp mit auf den Weg: erst Haar, Kopf, Hals und Ohren. Dann Oberkörper und Rücken. Zum Schluß Genitalbereich und Füße. Also Zinkswannenwaschen ähnlich wie Duschen.

Uli Pelz

 

Montag 09.Juli 2012

MONTAGSFRUST UND MONTAGSLUST

Ich zweifle langsam am Deutschen Handwerk. Seit nunmehr anderthalb Jahren kämpfe ich als Nichthandwerker um Toleranz. Ich bin ja nur Kunde. Ich will ja auch pünktlich zahlen. Aber kann das bedeuten, auf die Fertigstellung eines Auftrages 4 Wochen und länger warten zu müssen? Kann das bedeuten, auf die Antwort auf eine Kontakt-E-Mail zum Deutschen Handwerk  überhaupt keine Reaktion zu bekommen? Andererseits: So Handwerksburschen wie der ehemalige Junge Pionier aus Schwedt / Ostzone oder Carlson vom Dach aus Ottersberg / Schweden machen dann ja auch wieder Spaß.

Heute, Montag 9.Juli 12, die Nachricht, dass der Spieler Elias aus Holland, der für den HSV gespielt hat und später für Juventus Turin, nun bei Werder anheuert. Aber was passiert - und das kennen wir doch von anderen Spielern aus Brasilien, Holland, Turkmenistan, Spanien, Luxemburg - er darf nach Eintreffen im Trainingslager auf der Insel Norderney nicht mittrainieren! Weshalb? Er hat noch Rechnungen offen in Turin und muss noch den Offenbarungseid in Italien unterschreiben! Mein Fussballgott! Warum belastet sich so ein angeblich "seriöser" Verein mit solchen unzuverlässigen Spielern. Hunderte, wenn nicht tausende von jungen talentierten Fussballljungs warten auf ihre Chancen in den oberen Ligen. Was holen wir? Junge, unreife, überteuerte Spieler mit Sozialen Defiziten, die eigentlich ersteinmmal für mindestens 8 Wochen ins Erziehungsheim in der Neuenlander Straße müssten. Das macht doch mit Werder alles keinen Spaß mehr!

Palazzo Venice. Unser neuer Kulturpalast ist aufgebaut. Gartenperle ade, jetzt strahlt unser Venezianer, auch wenn nur Rasenmäher und sonstige Gartenhandwerkszeuge drin stehen. Heute am Montag, 9.Juli 2012, war die Feuertaufe. Es regnete wie aus Kübeln, und wir konnten überprüfen, ob unser Palast wasserdicht ist. Ergebnis positiv! Wir haben das entsprechend gefeiert. Rosa und die Wilden Jungs von gegenüber kamen herüber und machten drinnen im Palazzo eine kleine Session; Ute, die heute Geburtstag hatte, stiftete mehre Flaschen Rotkäppchen-Sekt halbtrocken, und wir von der Redaktion kochten und servierten Pasta Aglio e Olio. So läßt es sich doch bei sommerlichem Regenwetter auch ganz gut leben - im Palazzo!  

 

 

Dienstag 12.April 2011

7 Jugendliche, ein christl.Pfadfinderführer,   eine Landschaftsmalerin und ein Richter

Die Bremer Maulwürfe werden 15 Jahre alt. Ihr Erfinder ist stolz wie Puma.

Eine kleine Fernsehkritik von Ulrich Pelz, dem Herausgeber dieser völlig überflüssigen Nett-Wild-Zeitung und dem Erfinder dieser völlig unblinden Bremer Maulwürfe

Nichts Böses ahnend schalte ich gestern Abend wie immer um halb 8 buten & binnen ein, das Bremer Fernseh-Heimatmagazin. Und wen sehe ich? Gauleiter P., den christlichen Pfadfinderführer, den ich zuletzt auf der Insel Langeoog, wohl  von Haus Meedland kommend mit dem Fahrrad am beliebtesten Cafe der Insel vorbeifahrend, sah. Nun P. im Fernsehen. Ich dachte erst, ich seh' nicht richtig. Dann schau' ich noch einmal hin - und tatsächlich: P.. Er, seit 10 Jahren in der gleichen hellblauen Latzhose und im gleichen dunkelblauen Pullover, zusammen mit einer mir unbekannten Landschaftspflegerin und 7 - 9 jungen Menschen, die auf dem Spielplatz Hammerskjöldstraße in Bremen-Arsten jugendrichterlich angeordnete gemeinnützige Arbeit zu verrichten haben. Alle zusammen bauen eine alte Rutsche ab und eine neue auf. Kuck mal an, so dachte ich mir, jetzt gar nicht mehr so auf P. fokussiert, da hat sich eine tolle sozialpädagogische Idee und ein ebenso tolles sozialpädagogisches Konzept in Bremen bis heute gehalten: Die Bremer Maulwürfe. Junge Straftäter werden in die Pflege und Gestaltung öffentlicher Spielplätze und anderer öffentlicher Freizeitflächen einbezogen. Sie arbeiten zusammen mit älteren Arbeitskräften und einem Team bestehend aus Diakonen (P.), Landschaftsmalerinnen und Jugendhelfern. Die Maulwürfe arbeiten kooperativ mit der Fachstelle für Gemeinnützige Arbeitsleistungen zusammen, die ihnen die jungen Arbeitsleistenden vermittelt. In der Fachstelle sind wiederum mehrere Personen tätig, die im Zuge der Gründung der Bremer Maulwürfe ihre Arbeitsstellen gefunden haben. Na, wenn das man kein tolles Konzept ist, so dachte ich mir. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich, P., bin es ja selbst, der dieses wunderbare Projekt erfunden und entwickelt hat. Das muss so gegen Ende des vorigen Jahrhunderts gewesen sein - so in den Jahren 1995 / 1996. Also vor 15 Jahren. Jubiläum jubilierte ich und prostete mir selbst zu - ich hatte gerade einen schönen hellroten Kalterer See Classico geöffnet. Auch schlug ich mir mehrmals links und rechts auf die Schultern, fehlte nur noch ein Jubiläumstusch. Zurückgekommen auf dem Teppich  musste ich dann aber nachdenklich mir selbst gegenüber einräumen, dass das alles ja wohl mehr ist als ein unwirklicher Film. Da siehst du im Fernsehen all' die Personen, denen du den Arbeitsplatz verschafft hast (P. - ich kann mich noch gut erinnern- habe ich persönlich aus einem anderen bestehenden Arbeitsverhältnis herausgeholt- ), und dann siehst du auch die Personen (es sind die gleichen), die dich in einer späteren unternehmerischen Krise dann haben fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.

Und dann erscheint auch noch zu allem Überfluss die Landschaftsmalerin T., der ich im Jahre 1996 ihre Lebensstellung bei den Bremer Maulwürfen verschafft habe, im Bild. 

Sie steht, wie vor 15 Jahren, noch immer vor diesem Zeichenbrett aus dem vorigen Jahrhundert und malt manuell Büsche, Sträucher, Bäume, Sandkisten, Schaukeln, Rutschen, Hecken, Zäune und Wippen in ihre Landschaftsbilder, die sie sich manchmal von Praktikantinnen und so genannten "technischen Zeichnerinnen" vorcolorieren läßt,  hinein. Manchmal befragt sie auch unschuldige Kinder und Jugendliche,was sie auf ihre Bilder malen soll. Sagt ein Kind: bitte ein Wipppferdchen - schont erscheint mindestens ein Wipppferdchen auf dem Landschaftsbild. Sagt ein böse blickender, ungeschliffener Jugendlicher mit Migrationshintergrund:  Wir wollen Jugendecke, wo wir ungestört haschen, trinken und knutschen können - schon malt Landschaftsmalerin T. eine Jugendecke in ihr Bild. Sie nennt das: Partizipation am Landschaftsbild. Haschen hin, Knutschen her - Landschaftsmalerin T. ist, wie die Reporterin des Fernsehberichtes es zum Ausdruck brachte, der Kopf der Maulwürfe. Es heißt ja immer: mehr Frauen in Führungspositionen, egal, was sie malen. Also habe ich damals, 1996, als ich sie einstellte, wohl alles richtig gemacht. In der Fachsprache der Personalentwicklung nennt man das: Frauenförderung. Auch hier mache ich den Puma. Dass die Malerin mich heute nicht mehr kennt und bei Begegnungen große Bögen um mich schlägt, tut natürlich weh, ist  aber wohl den besonderen charakterlichen Eigenschaften von Malerinnen und Schauspielerinnen zuzuschreiben. 

Und dann auch noch unser guter Jugendrichter Onkel R. Wie schon vor 30 Jahren vertritt er wie immer ein pädagogisch orientiertes Jugendstrafrecht. Recht so Onkel R.

Dabei wird leider von den Befürwortern der so genannten Erzieherischen Ambulanten Maßnahmen nach dem Jugendstrafrecht vergessen,   die sozialpädagogischen Hilfeangebote (es gibt hier einen riesigen Markt der Möglichkeiten) auf ihre Qualität und Effizienz zu durchleuchten. Ich glaube, dass man so manches Wildgewächs auf diesem Markt unbesorgt in die Bio-Tonne treten kann. Ich denke da nur an diese Heißen Stühle. Auf meine Maulwürfe jedoch, da lass' ich nichts kommen - die sind gut! Auch wenn so mancher personelle Farbklecks wohl inzwischen vergilbt und  verblasst ist.

Die Reportage übrigens: ganz gut gemacht, nur die Fachbegriffe manchmal durcheinander gebracht. Aber kein Wunder: wenn die befragten Personen eine schlampige Fachsprache an den Tag legen, dann ist es kein Wunder, wenn die Reporterin in diesen Fachsprachmatsch mit eintaucht.

Ulrich Pelz, Erfinder und Puma

 

 

Donnerstag 19. August 2010

STREET VIEW

WARUM NICHT GLEICH: HOUSE VIEW?

Ein Kommentar von Josef Fellstein

Was regen wir uns denn künstlich auf? Die Welt ist doch längst komplett abfotografiert von oben. Sie haben doch bereits mehrfach aus der Vogelperspektive alles bis auf den letzten kaputten Reihenhaus-Schuppen und bis auf den letzten weißen Garten-Plastik-Stuhl abfotografiert. Ich möchte nicht wissen, welches detaillierte Bildmaterial bei den Amerikanern und bei den Russen, wahrscheinlich auch bei den Chinesen, bei den Engländern, bei den Franzosen und sicherlich auch bei der Bundeswehr in den Archiven des Kalten Krieges schlummern, ohne dass wir Genaueres darüber wissen. Die Hochleistungsflugzeuge der internationalen Luftwaffen mit ihren Hochleistungskameras haben doch jeden Grashalm und jeden Haufen Kuhscheiße auf dem Globus aufgenommen. Jetzt, nach dem Ende des Kalten Krieges, bekommen wir Abfotografierten endlich die demokratische Möglichkeit unsere Häuser, unsere Gärten, unsere Vorgärten und die davor stehenden Autos, unsere Plattenbauten und unsere vergammelten Spielplätze im Internet zu sehen. Das ist doch Klasse. Jetzt können wir uns endlich ein reales Bild von Luxusquartieren in Marbella, wo unsere Reichen wohnen, und ein reales Bild von den weltweiten Armuts- und Elendsquartieren machen. Das trägt doch dazu bei, uns selbst zu besinnen auf die Frage, weshalb es uns so gut geht und der Hunger und das Elend in der übrigen Welt grassiert!

Wir können jetzt überall virtuell dabei sein und uns in ferne Welten hineinbeamen.

Aber reicht das denn aus? Hat Google nicht auch eine einmalige Chance vertan? Wir wollen doch noch mehr sehen als nur Hausdächer und Vorgärten - wollen wir nicht auch wissen, was in den Häusern und Hütten passiert? Geben wir es doch zu! Unsere Weltneugier ist doch längst noch nicht mit Street View befriedigt. Sind wir denn nicht alle geil darauf, in die Küchen und Schlafzimmer unserer Weltmitbürger zu schauen? Wir wollen doch wissen, ob ordentlich geputzt ist, ob die Betten gemacht sind, ob Staub gesaugt wurde und picco bello abgewaschen wurde. Auch wollen wir doch wissen, wo die Müllschweine sind, die ihre eigenen Wohnungen und unser gesamtes Umfeld versauen. So kann man sie doch leicht entlarven und direkt ins www stellen. Die haben dann doch null Chancen mehr, irgendwo auf der Welt eine neue Wohnung zu bekommen. Das sind die sozialen positiven Effekte  von House View, eine neue Selektionsqualität für Vermieter und Hausverwalter. Dabei spielt es doch keine Rolle, ob die eine oder andere Hausgemeinschaft Eiche Rustikal im Wohnzimmer kultiviert oder Hanf hinten bei Rotlicht in der Speisekammer. Hauptsache: ordentlich!  Siehste, geben wir es doch zu. Das meine ich mit Chance vertan. Wenn Google schon unterwegs war in den Straßen und Gassen, warum haben sie denn da nicht gleich 2 Fliegen mit einer Klappe  geschlagen? Warum sind sie denn nicht gleich rein in die Häuser und Wohnungen und haben Aufnahmen von innen gemacht? Jetzt müssen sie noch einmal los in den nächsten Monaten und Jahren. Das nenne ich verschwendete Ressourcen und Missachtung von Synergieeffekten.

Mit besten Grüßen

Euer Josef Messi Fellstein

12.01.2018

Was sonst noch so war in Himmelhöellen

 

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Freitag, 14.Januar 2011

ZUCKERPANIK

Eine Selbstbemitleidung von Ulrich Pelz (dm 2)

 

Was müssen wir Zuckermenschen denn noch alles über uns ergehen lassen? Reicht es denn nicht aus, dass wir an jedem Stück herrlicher Schwarzwälder Kirschtorte vorbeischauen müssen; ist denn nicht ausreichend, dass wir auf dem Bremer Weihnachtsmarkt die Einladung zum Glühwein ausschlagen müssen, um stattdessen literweise Vilsa-Brunnen ohne Kohlensäure in uns hineinzuschütten. Was verlangt ihr denn von uns Süßen noch? Warum dreht ihr Filme über uns, wie den gestern Abend im NDR III-Fernsehen, die den angeblichen Nichtzuckermenschen und uns Zuckerbetroffenen weißmachen wollen, dass wir Hoffnungslosen kurz vor dem Gang in die ewigen Zuckerrübenfelder sind?

 

Und über allem lassen dann die Filmkünstler diesen moralinsauren Belehrungsblick der Nocheinmaldavongekommenen kreisen. Selbst schuld, wenn ihr euch täglich mehrmals wie die Heroinjunkis spritzen müsst!  Da können wir doch nichts für, wenn ihr löffelweise Medikamente schlucken müsst und euch ständig die Finger blutig pieken müsst! Was haben wir damit zu tun, wenn ihr reihenweise wegen Unterzuckerung unter den Tisch kippt und dann auch noch bewußtlos werdet? Ihr seid es doch, die zu übergewichtig seid und zu wenig Sport betreibt. Ihr freßt doch die dicken Schweinshaxen und die fetten Torten. Warum lauft ihr nicht wie der Mann, den wir euch hier im Film zeigen, regelmäßig und täglich mehrere Kilometer mit eurem Hund durch den Wald und werdet dünn? Warum habt ihr keinen zertifizierten Riechhund, der euch am Knie kratzt, wenn eure Zuckerwerte schlecht sind? Und dann noch Onkel Doktor in Schlips und Kragen und mit hochgeschlossenem weißen Onkeldoktorkittel! Diabetologe! Die üblichen Panikattacken gegenüber den Patienten: Hochdruck, Herz, Bein ab, Gefässe, Insulinproduktion, Leber, Galle, dod, mausedod - wie Briol sagen würde.

 

Dabei wäre es für uns - und auch für die Sauren- doch so einfach! Gebt uns doch endlich die eine einzige Pille, die wir benötigen, damit unsere Bauchspeicheldrüsen ordentlich arbeiten. Die Pille gibt es ja bereits, sie wird nur noch verschlossen gehalten in den Geheimlaboren der Pharmazie. Wenn sie diese kleine Pille nämlich herausrücken würden, dann würden riesige Arzeneimittelindustriezweige zusammenbrechen, die den wenigen geldsüchtigen und geldabhängigen Kapitaleignern (im Verhältnis gesehen zu den Millionen von insulinabhängigen Diabetikern, Dunkelfeld noch gar nicht mitgerechnet) ihre süßen Einkünfte vermiesen würden. Wir bräuchten kein künstliches Insulin mehr, wir bräuchten keine Spritzen mehr und keine automatischen externen Insulinpumpen. Die unendliche Vielzahl von Messinstrumenten und Piksern würden nicht mehr mehrmals täglich gebraucht. Die Pille ist ja wohl längst entwickelt. Die Uni Bremen soll hier unter anderen in der Forschung mit führend sein. Ja, dannn kommt das Argument: bis ein Medikament auf den Markt darf dauert es eben manchmal 5 - 15 Jahre. Diese 5 - 15 Jahre sind doch längst vorüber! Gebt die Dinger endlich raus!. Damit wir Süßen wieder ohne rot zu werden in einen echten Berliner beißen können, oder noch viel biologischer: damit wir endlich wieder in einen saftigen Apfel beißen dürfen und beim Geburtstag der Oma nicht unsere trockenen, staubigen Diabetikerkekse auf den Tisch bringen müssen, sondern auch ein Stück von dieser schönen saftigen, sahnigen, zuckrigen Schwarzwälder Kirschtorte abbekommen. Und hinterher bringt  Oma dann die 2 Flaschen von diesem  lieblichen "Niersteiner Bauchspeicheldrüsenglück rose" auf den Tisch, und wir können uns ohne Diabetikerskrupel einem Gläschen davon widmen.  Mahlzeit und Prost zusammen!

 

 

 

 

Nr. 5/12

Donnerstag, 01.März 2012

GEIERDÄMMERUNG

 

NEUES INSOLVENZRECHT

AB  01. MÄRZ 2012 

Das hätte nach meinem Geschmack 10 Jahre früher kommen können. Das neue Recht stärkt die Möglichkeiten der Unternehmen zur Selbstregulierung der Zahlungsschwächen und die Rechte der Gläubiger zur Durchsetzung ihrer Forderungen. Es steht nicht mehr sofort ein drittklassiger Rechtsanwalt mit seiner scheußlichen Gehülfin auf der Matte und übernimmt das Kommando. Nach dem neuen Recht muss der Erhalt des Unternehmens im Vordergrund stehen und nicht die unwürdige, unmenschliche Zerschlagung der Betriebsstrukturen und Personalstrukturen. So können Unternehmer , die in jahrelanger Arbeit die Unternehmen aufgebaut und entwickelt haben, nicht mehr mir nix dir nix  vor die Tür gesetzt werden und um ihren menschlichen Verstand gebracht werden. Also, keine Aasgeierei mehr, kein Taschenvollstopfen mehr. Hoffentlich setzt sich das vernünftig durch.

 

Ulrich Pelz, ehemaliger Geschäftsführer des Bremer Vereins für Jugendhilfe & Soziale Arbeit e.V., hat im Jahre 2004 während einer Herzoperations-Reha am Timmendorfer Strand von einem stadtbekannten Geier die Kündigung erhalten.

Montag, 01.Oktober 2012

UNTER NORMALEN UMSTÄNDEN...

..eine konjunktivistische Lebensbetrachtung zum 01.Oktober 2012  von Uli Pelz

 

...unter normalen Umständen wäre heute am 01.Oktober 2012 mein letzter normaler Arbeitstag vor der Rente gewesen, und gleichzeitig mein Abschiedstag von dem geliebten Verein und von den geliebten Vorstandsmitgliedern und den geliebten Vereinsmitgliedern, sowie von den unbeschreiblich geliebten  Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Rentenbeginn wäre normal der 1.November gewesen, ich nehme aber noch Resturlaub und Überstundenausgleich und gebe heute für alle zum Abschied fürchterlich einen aus. Der 1.Vorsitzende würde einen Sonderteller mit Häppchen und Schnittchen bekommen, da er sonst den anderen Abschiedsgästen alles wegfressen würde. Meiner Sekretärin Gabriele würde, wie immer, der 1.Platz in der Kalt-Warmen-Büfett-Reihe eingeräumt werden, da sie aus Futterneid sonst zerplatzen würde. Helmut und Horst bekämen Plätze direkt neben den Bierkisten zugewiesen, damit sie nicht ständig laufen müssen - was ihnen ja im Betriebsablauf auch immer schwer gefallen ist. Ich würde dann noch eine letzte Abschiedrede halten, in der ich mich besonders bei der Jugendgerichtsbarkeit, bei der staatlichen Sozialadministration und bei den sonstigen Förderern der Jugendhilfe bedanken würde. Hier würde ich dann noch die besonderen Verdienste von Karin, Arnold, Jürgen, Bernd, Christel, und wie diese ganze Bande heißt, hervorheben. Und dann ganz schnell weg, bevor Spürmann und seine häßliche Gehülfin kommen - was ich zum Glück ja bereits Jahre vorher erleben durfte.  

 

...unter normalen Umständen würde ich heute am 01.Oktober 2012 aus meiner Stadtwohnung heraus noch einmal vor die Tür treten zu einem kleinem Abendspaziergang. Sicherlich wäre ein Hund in meiner Begleitung, vielleicht ja sogar die Frau. Der Hund würde wohl Friedhelm heißen, ein Namenswechsel der Frau würde nicht erforderlich sein. Einfach noch einmal ein wenig Stadtluft vor dem Schlafengehen schnuppern, das Gequitsche der Straßenbahnen in den Kurven einatmen, das Herauskommen der Besucher aus den Kinos und Theatern beobachten - sind sie glücklich oder enttäuscht? Vielleicht ein kleiner Gang noch in die Kneipe. Gut, es muss ja nicht die Klause 38 sein. Wird wohl eher der Ratskeller sein. Obwohl: da darf der Hund nicht mit hinein. So käme dann eben die Frau mit hinein. Dann wäre noch ein letzter Gang am Fluss entlang fällig, oder durch den Park, derweil die Frau bereits schon schlafen würde - wegen des Hundes. Ein wenig verweilen noch auf der nächtlichen Parkbank, dem Hund das Maul streicheln, noch eine Zigarette, von fern ein leiser Akkordeonklang begleitet von einer Harfe. Ja, Paris, Rom oder Lissabon. Wir träumen gerne. Dann auf der Parkbank böses Erwachen: Friedhelm winselt. Es ist nicht Montmartre, es ist nicht Fontana di Trevi, es ist nicht  Baixa - es ist Pusdorf!

 

 

 

 

 

 

 

FUGELFREY

UNFALL

Bei der Bearbeitung der "LESEMAPPE, abgegriffen seit 2010" sind leider die Texte der Rubrik FUGELFREY komplett gelöscht worden. Wir versuchen krampfhaft über die Sicherungs-systeme die Texte wiederzufinden. VORLÄUFIG stellen wir ein kurzes Inhaltsverzeichnis von FUGELFREY ein. Wenn die Originaltexte wieder aufgetaucht sind, dann werden sie unverzüglich hier veröffentlicht

 

 

13/22

Montag, 19.August 2013

MONTAGSFRAGEN & MONTAGSANTWORTEN ZUM SONNTAGSBRATEN

Beantwortet von Päps & Pelz1

Herr Wilfried Jung-Plattler aus Wanne-Eickel fragt per SMS an:

„Sacht ma Leute dat mit den Weggiday kann doch wohl für den Sonntag nich gültig sein da gibt dat doch weiterhin Sonntagsbraten oder?“

13/33

Dienstag 02.April 2013

ÖSTERLICHE NACHBETRACHTUNG EINES ATHEISTEN

oder: die Würdigung des gefärbten Eies

von Uli Pelz

Nr. 18/12

Montag 13. August 2012 (Tag des Mauerbaus)

WENN DU AUF DEM BAU MAL SCHIFFEN WILLST....

über das spruchreligiöse, verpisste Gehabe und Getue von Unternehmensberatern, Coaches, Personalentwicklern und sonstigen Geheimberuflern, die von der Realität der Arbeitswelt null Ahnung haben...

Nr.11/12

Sonntag, 17.Juni 2012

AUSNAHMEZUSTAND / 17.Juni

Ein Befehl von Josef Fellstein

Der 17.Juni ist für Deutschland ein historischer Tag, an dem auch regelmäßig, genau wie heute, der Ausnahmezustand, also Kriegsrecht, ausgerufen werden muss

Nr. 2/12

Sonntag, 29.Januar 2012

REIF FÜR DIE KLINIK OST

MIT DEN NERVEN AM ENDE

Herausgeber Uli Pelz musste in die psychiatrische Ambulanz

30/11

Samstag 08.Oktober 2011

Ein Samstag ohne Fussball ist wie:

- Tafelspitz ohne Spitz

- Sozialarbeit ohne Supervision...

23/11

Sonntag 07.August 2011

SONNTAGFRAGEN

SONNTAGSGEDANKEN

…heute früh mit dem Radio-Weltempfänger aufgewacht und das Sonntagsfeature auf Nordwestradio gehört. Manfred Hausmann

22/11

26. April 2011

DIE HEISSE PHASE DES WAHLKAMPFES IN BREMEN BEGINNT

Endlich. Darauf freuen wir Wahlvolk uns doch bei jeder anstehenden Parlamentswahl: dass die Fetzen fliegen!

13/11

Dienstag 15. Februar 2011

ZUM THEMA WINTERREIFEN

Der Winter wird ja wohl voraussichtlich noch einmal zurückkehren. Für das Wochenende sind schwere Schneestürme aus der Gegend Finnland / Schweden rüber nach Norddeutschland vorhergesagt

7/11

Montag 31. Januar 2011

LikiPeaks

Gebietsreform Bremen - Niedersachsen

Mahndorf und Arbergen zu Achim

im Gegenzug: Oyten mit dem Banhof Sagehorn zu Bremen

Die Züge zwischen Hamburg und Köln halten in Bremen nicht mehr. Bremen ist weitgehend vom Fernnetz der Bahn abgetrennt

4/11

Neues von LikiPeaks

VERZWEIRADUNG UND VERVIERBEINUNG DER STADT

Hier werden geheime oder geschützte private Dokumente, die der Redaktion von F&U vertraulich und kostenlos zur Veröffentlichung im Internet zur Verfügung gestellt werden, veröffentlicht

Montag 27. Dez. + Dienstag 28. Dez. + Mittwoch 29. Dez. 2010

Frohes Fest gehabt zu haben..., oder:

Die 7 Mageren und die 7 Fetten Jahre

oder: Katharina Loewe ist verschwunden

29.12.2010

Eine Kohlfahrt, die ist lustig - eine Kohlfahrt, die ist schön. Katharina ist weg und der Herausgeber muss wieder einmal selbst zur Feder greifen!

Ein nachweihnachtliches Fazit von Ulrich Pelz

Dienstag 14. Dezember 2010

WAS UNSERE JUNGS UND MÄDELS IN AFGHANISTAN SO IM SPIND KLEBEN HABEN

Der wahre Grund der Reise unseres Verteidigungsministers nebst Gattin

Sie waren im Fotostudio von Kabul

Sonntag 28.November 2010

F&U am Sonntag

JETZT GEHTS LOS

DIE GRÜNEN WOLLEN ES WISSEN

oder: in Hamburg ist nicht nur ein Sack Reis umgekippt

SIE LASSEN DIE EHE MIT DEN SCHWARZEN IN HAMBURG PLATZEN:

Wenn das man gut geht! Im Überschwang der Umfrageselbstliebe (siehe unten) streben die GRÜNEN jetzt an die Macht

Montag 22. November 2010

GRÜNES WOCHENENDE

Unser Jung-Volontär Armin Wnoucek muß heute einmal alles für F&U erledigen

17. November 2010

Buß- und Bettag

AKTUELLES AUS DER BUSS- UND BETHALLE; ODER: KALTES KNIPP

In die Anwesenheitsliste der Buß- und Bethalle haben sich heute eingetragen:

 

 

Seltene Vögel

 Wiedehopf (Upupa)
Wiedehopf (Upupa)

Menschen und andere Lebewesen, die sonst nicht im Blickpunkt öffentlicher Medien stehen

Kein Foto vorhanden, nur der Rahmen
Kein Foto vorhanden, nur der Rahmen

Freitag 27.Juli 2012

FRAU SCHNODDER* RETTET DIE WELT
* Namen von der Redaktion geändert

 Sie gibt sich mit ihrer Rolle als Unterbevollmächtigte nicht zufrieden, sie möchte amtlich mehr sein. Sie möchte Generalbevollmächtigte sein.

Wir hätten gerne ein aktuelles, freigegebenes Foto von Frau Schnodder veröffentlich. Leider ist es nicht gelungen, eine Fotofreigabe bei den Anwälten von Frau Schnodder zu erwirken, so dass wir auf ein Fotohilfsmittel zurückgreifen müssen: Frau Schnodder ähnelt einer der beiden links abgebildeten Damen . Welcher, das dürfen wir aus datenschutzrechtlichen Gründen leider auch nicht mitteilen. So ergibt sich für den verehrten Leser und für die verehrte Leserin hier an dieser Stelle leider ein kleines Fotoratespiel. Einsendungen an die Redaktion bitte per Kontaktformular. 1.Preis: Eine Reise als Beifahrer/in (Unterbevollmächtigte/r)  im PkW des Herausgebers am 7.November nach St.Petersburg.

Kommen wir zur Sache: Frau Schnodder setzt alle Hebel in Bewegung, um Generalbevollmächtigte nach BGB und nach Betreuungsrecht für die 9ojährige Mutter, die in der Altenpflegepension lebt,  zu werden. Die Generalvollmacht von 1997 ist bisher auf einen gewissen Herrn mit dem Doppelnamen Keinerlei-Verantwortung* ausgestellt, welcher der Bruder der Schnodder ist. Im Zuge ihres Kreuzzuges um die Erlangung der Hauptvollmacht, man könnte auch von Amoklauf sprechen, schreckt Frau Schnodder vor keinerlei Untaten zurück: Falschbehauptungen, Diskreditierungen, Beleidigungen, Verdrehung von Tatsachen, Spekulationen. In der Quintessenz beantragt sie beim Betreuunggsrichter den Widerruf der Generalvollmacht für Keinerlei-Verantwortung und für sich selbst die Totale Betreuungsvorsorgegeneralvollmacht für die demenzkranke Mutter, damit sie die Vermögens- und Amtsgeschäfte (die Mutter hat weder Vermögen noch amtliche Vorgänge) ohne mit der unwürdigen, unterwürfigen  Untervollmacht ständig Keinerlei-Verantwortung, den bisherigen Generalbevollmächtigten, fragen zu müssen.

 Auf  Nachfrage der Redaktion bestätigt uns Keinerlei-Verantwortung, dass die Hauptbetreuung der Mutter von Schnodder wahrgenommen wird. Das, so Keinerlei-Verantwortung, bedeute aber nicht, dass er sich aus dem Betreuungskontext gänzlich verabschiedet habe. So habe er nach wie vor ein herzliches Verhältnis zur Heimleitung, auch zahle er gerne monatlichen Unterhalt für die Mutter und gerne hat er auch für die Mutter eine Internet-Seite eingerichtet, auf der er ständig in Abständen die aktuelle Situation der Mutter dokumentiere. Bei Besuchsgelegenheiten könne es durchaus vorkommen, so Keinerlei-Verantwortung, dass er beim Füttern der Mutter erwischt werde. 

Tja, was soll nun aus der Sache werden. Keinerlei-Verantwortung hat der Redaktion gegenüber bereits angedeutet, dass er um eine möglichst unbürokratische Lösung bemüht sein wird. Er wünsche der Mutter eine baldige Erlösung von ihrem langen, von vielen Hochs und Tiefs bestimmten Leben. Auch wünsche er sich eine Erlösung von der Konfrontation mit Schnodder, die - so Keinerlei-Verantwortung- getrieben sei von unbändigem Ehrgeiz und einem fast urchristlichen, missionarischen Altruismus. Alle um sie herum sind schlecht oder hilfebedürftig. Nur sie, Gabriele Schnodder, kann die Welt noch retten! 

 

 

Montag 13. September 2010

Dorfnachrichten

Bassen Überseefestival  Spieloasen

 SPORT

Auswärtssieg - Der TSV Gut Heil Bassen gewinnt in Dörverden 2:1. Es wäre sogar mehr drin gewesen.

Durch Tore von Volker Henke in der 32. Minute und Yasar Gerken in der 36.Minute (Elfmeter) ging Bassen bereits in der 1. Halbzeit 2:0 in Führung. Wäre nicht Denis Schymiczek in der zweiten Hälfte an dem hervorragenden Dörvedener Torwart Bogutzky gescheitert, hätte es gut und gerne schon früh 3:0 heissen können. Der Bassener Torwart Rathjen hatte auch einen guten Tag, er hielt sogar einen Elfer.

Von Dörverden war nicht viel zu sehen. Cordes und Schünemann hämmerten selbst in der Nachspielzeit noch zweimal gegen den Pfosten. Bassen jetzt auf Platz 5.

ROCKMUSIK

Überseefestival am 17. und 18. Septemberin der Überseestadt

Am kommenden Freitag und Samstag geht die Post ab in der Überseestadt.. Der Eintritt ist frei. Es treten auf: Black Night Crash (lauter, dreckiger Gitarrenrock), Pyrosis (Alternative Rock / Grunge ), Stun (Indierock),  JamesLars and The Sexual Chocolate

(Electro Soul & Funk), verschiedene Schulbands, Snowplow (energievoller Groove-Rock), Hymns for Heinrich (Rock-Shoegaze), Kabana (deutscher Indie/Rock/Blues), Alex Amsterdam (Indie / Pop), Dreadnut Inc. (SKA, Reggae), Mad Monks (Ska-Punk-Kirchencore) Programm siehe hier: http://www.ueberseefestival.de/

NACHBARSCHAFTEN

Erneuter Spielplatzfrevel in Bremen. 

Es ist immer wieder das gleiche Spiel: Ein Spielplatz in Bremen soll renoviert und erneuert werden. Das Amt will Geld dafür ausgeben. Die Frau vom Amt und die Frau von der Landschaftspflege rufen die Kinder und Jugendlichen zusammen. Die dürfen dann sagen, was sie alles auf dem neuen Spielplatz haben möchten. Die Befragung der Kinder wird dann hochtrabend Partizipation genannt.  Die Frau vom Amt und die Frau von der Landschaftsverunstaltung kaufen dann entsprechend der Wunschzettel der Kinder und Jugendlichen bei der Spielplatzgeräteindustrie ein und stellen die schöne nachbarschaftliche Freizeitfläche zu mit Rutschen, Schaukeln Wippen, Drehkarussellen, Klettergerüsten, Holzkamelen,Wanderbrücken, Seilbahnen und anderem industriellen Kinderklimbim. Ein Platz, vollgestellt mit Holzungetümen und Metallmonstern, den sie dann nach Fertigstellung "Spieloase" nennen. So zuletzt geschehen auf dem Spielplatz in Kattenturm - Karl-Grunert-Straße / Auf dem Beginnenlande. Wie es auch anders gehen kann ohne den industriellen Spielplatzmüll zeigen verschiedene naturbelassene Spielflächen in Bremen, auf denen die Kinder ihre eigene spielerische Kreativität entdecken können, ohne Gefahr zu laufen, vom Kamel zu fallen, von der Wanderbrücke zu stürzen, von der Wippe erschlagen zu werden, im Klettergerüst hängen zu bleiben oder von der Schaukel zu fliegen. Die schöpferische Armut findet für die Kinder nicht vor dem Fernseher oder dem Computer statt, sondern auf diesen "Spielplatzbrachen". Schade um das schöne Geld, das in der Kinder- und Jugendhilfe gut an anderen Stellen gebraucht werden könnte!  

Siehe zu dem Thema auch:

GEO Magazin Nr. 8/10

Kinder, raus in die Natur! 

http://www.geo.de/GEO/mensch/64781.html?p=1

 

 

09. März 2010

Sparvorschläge

Nun wird es ernst für Bremen. Es muß einmal mehr eine kräftige Haushaltsbremse gezogen werden. Damit der netten und bemühten Finanzsenatorin das Lachen nicht vergeht, hat sich die F&U-Redaktion ernsthafte Gedanken gemacht, an welchen Ecken und Enden in Bremen gespart werden könnte.

Hier sind die Vorschläge der F&U-Redaktion zur Sanierung des Bremer Haushaltes:

  1. Gespräche mit Bürgermeistern, Senatoren, Senatsdirektoren, Staatsräten hinunter bis zu den Regierungsdirektoren nur noch gegen bar Kralle. Mindestsumme: 5.000 € / nach oben keine Grenzen. (siehe unten: Ist doch eine gute Idee)
  2. Die Bürgerpark-Tombola koppeln mit einer Bürgermeister-Tombola. Das Los kostet dann 1,50 €. Davon gehen 0,75 € an die Esel im Bürgerpark und der Rest an die anderen. Die reiche bremische Wirtschaft erhöht ihre Spenden in die Tombola. So könnten zur Steigerung der Attraktivität der Gewinne z.B. statt 1 Glas Leberwurst von Könnecke 2 Gläser ausgegeben werden, oder: statt 1 koreanischer Kleinwagen 1 SKL von Mercedes, oder: statt 1 Gewoba-Ente 1 Jahr mietfrei wohnen bei der Gewoba
  3. Völlige Neustrukturierung - sprich: Verschlankung - der Bremischen Verwaltung um mindestens 1/3 des Volumens, Abbau von unnützen verbeamteten zumeist gehobenen oder höheren Däumchendrehstellen, Vergabe von öffentlichen Aufträgen an preisgünstigere private  Dienstleister, z.B. im Jugend- und Sozialhilfebereich, im Strafvollzugsbereich, im Bewährungshilfebereich, im Landschaftspflegebereich, im Versorgungs- und Entsorgungsbereich und nicht zuletzt im Kulturbereich.
  4.  Verkleinerung des Bremischen Staatsgebietes, Verkauf von Randstadtteilen an potente niedersächsische Nachbargemeinden. So könnte z.B. das gesamte Osterholz an Oyten gehen, oder Mahndorf an Achim. Genau so könnte Huchting und Grolland zurück ins Oldenburgische gehen. Und warum nicht das Gebiet Wolfskuhle, Kattenesch, Kattenturm an Stuhr abgeben - da wären einige nachbarschaftliche Konflikte auf einen Schlag gelöst. Der Flughafen könnte da mit ins Paket. Und dann Bremen-Nord. Das ist doch nur Ballast für Bremen, zumal die Bremennorder ja ohnehin kein "Bremengefühl" haben. Weg damit, OHZ würde sich freuen - Vegesack könnte die neue Hauptstadt des Landkreises werden. Mit der Abgabe der Randstadtteile - über Woltmershausen und Rablinghausen könnte man ja auch noch reden - würde Bremen sich auch der meisten sozialen Probleme entledigen und enorme soziale Kosten einsparen. Die Redaktion von F&U könnte sich sogar eine Reduzierung des Stadtgebietes auf die jetzigen "Umweltzonen" vorstellen unter Einschluß des Weser-Stadions. Der SVW muß bei Bremen bleiben! 

 

 

Schwalben

war nix!
war nix!

Die Sportseite


  Nr. 17/12

Donnerstag 09. August 2012

09.08.2012 Zwischenruf zum Thema Trikotwerbung SV Werder Bremen:

Ein Kommentar zu facebook-Eintragungen am 09.08.2012 

Ich weiß gar nicht, weshalb ihr euch so echauffiert - es wurde international auf Sporthemden und auch auf Sporthosen schon geworben, ohne dass auch nur eine Sau sich darüber aufgeregt hätte, für: Pattex (schnüffel es, und dein Gehirn ist beim dritten Mal kaputt), Jägermeister (der Beginn aller alkoholischen dröhnenden Trikotwerbungen), Coca-Cola (die Verzuckerung der Weltbevölkerung, besonders der Kinder), Sprehe (Tiefkühlhühner aus Massentierhaltung und gerade Bronzemedaille im Dressurmannschaftsreiten in London), usw.usw. Ich persönlich liebe Autowerbungen auf Sporttrikots. Schön diese 4 Ringe aus Ingolstadt, schön diese V's und W's aus Wolfsburg, schön diese Sterne auf den Trikots der Fussballnationalmannschaft - alles Zeichen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz! Und auch Chemie werbung finde ich geil - immer wenn ich Bayer Leberkusen spielen sehe, dann muss ich an die massenhafte Vergiftung von tablettenabhängigen Menschen denken. Gut, ich fände auch besser, wenn für Juteprodukte, Tofu, Bio-Pariser, für die Weinhandlung in der Wachmannstraße, für die Natur-Kinder-Spielwiese des BUND beim Cafe Sand geworben würde, aber: der SV Werder ist ja nicht der FC Barcelona, der so tut, als würde er kostenlos für UNICEF werben, dabei aber hintenrum dick dafür von Willi Lemke - Sonderbeauftragter der UNO- kassiert. Uli Pelz, FENIX&UPUPA Nett-Wild-Zeitung, http://www.ulrich-pelz.de/ Bremen

 


Nr. 4/12

Samstag 25.Februar 2012 

2.HALBZEIT

Männer samstags am Mikrofon

TEXT WURDE ZENSIERT 

 

2/11

Sonntag 09. Januar 2011

WINTERSPORT IM FERNSEHEN

gehört von einem Norddeutschen Flachlandtiroler 

Armin Wnoucek berichtet zum ersten Mal 

Hundertstel an der Kälberlochpiste

Der neuerliche Angriff auf die Kälberlochpiste. 77 Hundertstel. Das ist zu packen. Da haben wir den Ersten, der ausscheidet. Jetzt Achtung. Da kann sie schön fertig fahren.

Er ist der Rockn-Roller vom Weltcup. Deshalb ist noch alles drin. Da oben muß man die Mischung finden. Was für 'ne Mischung? 33 Hundertstel. Oberkörper. Das ist der zweite Platz. Ob's für's Podium reicht? Also, jedesmal auf's Podium. Das ist doch ein Ding. Wenn das mal alles mit rechten Dingen zugeht. 

2,17 war die schnellste Zeit. Gut gelöst. 2 Zehntel verloren. Das ist überhaupt nicht lockerer. 55,00 gilt es zu knacken. Fährt hier höher raus. Wie höher raus? Immer Schneekontakte halten! Schauen sie sich den Oberkörper an: kaum Bewegung. 13 Hundertstel voraus. Idealspur. 7 Zehntel schneller.

Es gibt schon einige Stellen wo man aufpassen muß. Der Sport lebt von Emotionen. Eine geradezu skiverrückte Familie. Sie braucht nur nachfahren. Auf dem Weg zur Bestzeit. 19 Hundertstel voraus. Da konnte sie sich gerade noch retten. Sie ist da ja gestürzt. Gestern hat sie eine besondere Linie ausprobiert. Immer noch eine Innenbandverletzung.

Die Piste war so ernorm gezeichnet. Das is a schnelle obere Zeit. Jetzt hier die Einfahrt ohne Probleme. Der 3.Platz ist in Gefahr. 58 Hundertstel. Sie verliert dazu. 8 Zehntel. Wo endet der Weg. Sehr starke Linie. Sehr stark. Der undankbare 4.Platz. Gelungenes Wochenende. Sie geht mit dem Becken zum Hang. Da ist sie natürlich glücklich. Sie ist nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Die Piste ist schon leicht gezeichnet.

Ui, oh, schade. Sie kann die enge Linie auf dem Außenski durchfahren Ein bisserl zu spät draufgegangen. Sie wartet in Position drüber. Die Nächste bitte.Sie kommt dann als 25. Ich glaube sie dürfte relativ zufrieden sein. Er zittert mit. Ich konnte es leider nicht an Stellen so umsetzen.

Gestern war es noch ein wenig ärgerlicher. Das war gar nichts. Sollte ich 4. werden bin ich froh. Im Flachen bin ich besser. Wichtig ist, was am Ende steht. 100 Punkte. 80 Punkte. 50 Punkte. Wau. Die besten Fahrer haben schon einen schönen Vorsprung.

Also mit einem Sieg beim Ausscheiden übernimmt sie wieder die Führung. Wir schauen auf den Sessellift.Sie wollen damit nicht belastet sein. Und gerade weil es so spannend ist, beschäftigen wir uns damit. Ich bin auf Tuchfühlung. A ganze a freche Linie. Die Oberfläche des Schnees ist wie Schmierseife. Die Piste muß jetzt irgenwie noch durchhalten. Fährt durchs Tor durch schade schade. Er hat dem Sohn einiges mitgegeben. Torrero. Genau deine Altersklasse. In der linken Hand hat sie noch die Fahne. Sie kann den Sieg noch davon tragen. Die fernab von Förderungen hier fährt. 

Italienischer Anzug. 9 Hunderstel liegt sie vorn. Unglaublich schnell. Ja, muß sie. Unglaublich. Perfekte Fahrt. Sie entzaubert die Glanzleistung. 53 Hunderstel schneller. Das gibts ja gar nicht. Sie rutscht auf Platz 5. Hut ab. Sie kuckt verbittert. Die Kulisse auch heute wieder herausragend.101 Punkte Vorsprung. Sie hat ja vorher die Informationen erhalten. Startnummer 28. Sie hats vorgemacht. Vielleicht geschieht ja noch ein kleines Wunder. Mehr als eine halbe Sekunde liegt sie schon zurück. Das wird nix. Sie hat nur 98.Hunderstel Rückstand. Man muß einiges durchmachen, um hier hoch zu kommen. Sie behält Rang 5 mit 77 Hunderstel Vorsprung. Der Steilhang war wirklich sehr gut. Bestzeit.

Der Graubündener ist einer von ihnen, von den Eidgenossen. Die Meinungen über die junge Schweizerin gehen auseinander. Arrogant. Besser gesagt von der Halbinsel Kamschatka. Eine Sonderposition geht nicht. Es gibt Regeln und Pflichten. Man hat sich an einen Tisch gesetzt. Kurzer kleiner Fehler.Das reicht nicht. Sie wird 8. 33 Hunderstel zurück. Sie kämpft hier um die Linie. Die Olympiasiegerin im Riesenslalom. 84 Hundertstel Rückstand. Da ist sie ausgeschieden. Sie nutzt die Chance nicht sich in Szene zu setzen. Hier sehen wir den Pressechef. 22. Schade. Sie ist eine potentielle Gefahr. Mit 11 Hundertstel gut dabei. 41 Hundertstel. Sie ist zu weit nach rechts gefahren. Und kriegt auch sie so einen Impuls. Sie wird rausgeschmissen. Der 5.Platz bleibt bestehen. Sehr gut unterwegs. 58 Hundertstel. 1,23 der Rückstand jetzt. Ohne sichtbare Fehler. Sie verliert aber weiter dazu. Sie kann sich feiern lassen, die Leistung war in Ordnung. Dann kriegt er nur noch ein Go und er weiß, daß er raus muß. Es ist einfach nicht so rund gelaufen, dann bin ich unten auch noch so eng geworden. Der nächste Slowene. Man kommt kaum zum Stehen. I muß zwei Tage gut trainieren. Hier passiert gerade was. 47 Hundertstel. 1 Fehler raubt ihr dann den Sieg. Der letzte Anstieg. Wer zu spät kommt, den bestraft, wie immer, das Leben.So lange geht es nämlich hoch. Wichtig heute die Piste ausnutzen. Schauen Sie sich den Container mal an. Was die gelitten haben. Sie haben das eine oder andere Weihnachtsessen bereut. 55,34 - diese Marke müssen wir uns merken. Es geht gleich um Sekunden. Man muß das Ganze relativieren. Es kann richtig spannend werden. Sie ist auf dem besten Weg eine Legende zu werden. Auf einem Husarenritt nach vorne. Sie wurde nicht in der Welle mitgeschickt. Die kleine Norwegerin am Anstieg. Weniger später ist sie dran an Maria. 2 Minuten 17. Sie hat aufgeholt. Sie will etwas Unmögliches versuchen. Weil man sonst nicht mehr gleiten könnte. Die Frauen wollen nicht die gesamte Strecke der Männer laufen. Immer noch kämpft die Norwegerin. Es wäre eine riesige Tat. Auch für sie wäre das Podium das höchste der Gefühle.

Damen- oder Touristenschritt. Der eine machts aus Gründen der Show. Da sollte man sich nicht schämen. Die Frau aus dem Austertal. Es ist dennoch weich an einigen Stellen. Sie hatte traditionell ihre Schwierigkeiten am Schlussanstieg. Ich komme mit dieser Mentalität einfach nicht zurecht. Die müßten sich nur selber ein wenig puschen. Weil sie nicht gut klettern kann. Das sind sechs überragende Läuferinnen. Nur noch 35 Frauen sind ins Rennen gegangen. Sie war schon zweimal 9. Die junge Finnen ist gerade mal 20. Sie muß ihren zweiten Platz sichern. Sie hat das meiste hinter sich die 28jährige. Nur gut 50kg. Sie kommt gut die Berge hoch. Jetzt nur noch 4%. Damit ganz kurz vor dem Ziel. Sie kommt erst dort hinten an. Es ist nicht unbedingt das, was sich die kleine Schwedin vorgestellt hat. Das ist eine Gratwanderung hier. Man kann sich hier auch ganz schnell in den Keller bringen. Triumphlauf. Sie hat kleine Schwächen gezeigt. Da ist das Ziel. Sie ist eine, die ihrem Körper sehr sehr viel zumutet. Da kommt die Frau des Tages. Dafür gibt es Extrapunkte. Die Queen. Lady of the day. Die junge Norwegerin. Sie hat aus ihrem zierlichen Körper das Maximum herausgeholt. Ihre Fans sind rübergekommen. Longa Dritte. Das ist doch noch ein möglicher 11. Platz. Es wird nicht reichen. Danach kam sie erst richtig in Schwung. Sie hatte nicht das allerbeste Material. Jawoll, komm. Von unten anfahren. Die junge Lappin wird 8. Es geht um Position 10. Sprint um Platz 12. Sie war defacto deutlich weiter zurück. Nach Magen- und Darmproblemen hat sie sich berappelt. Dünnpfiff, oder was? Er ist ziemlich raus aus dem Rythmus.  Rang 12, ein gutes Ergebnis für die Deutsche.Vorläufig mit Bestzeit. Er hat gestern Geburtstag gehabt. Ein riesiges Talent. Vorsicht, das ist gerad mal gut gegangen. Deshalb kann er sich nicht an die Spitze setzen.

Ja, gut, das ist schon begründet vorher. Was hat die Siegerin zu sagen. Es ist schon schön die Beste zu sein. Der ist ein bischen zu lang für mich eigentlich, obwohl ich gut die Berge hoch komme. Ja, ich muß auch sagen, dass ich eher gedacht habe, dass sie wackelt. Sie wollte mit der Gruppe, die von hinten kommt, mit nach oben. Ist das der neue Typ von Frauen. Wir sagen immer Duracell zu ihr. Bei den Langläufern heißt sie Hoppelhäschen. Bedenkenswerte Entwicklung bei den Damen. Die Zwei sehen dann schon anders aus. Sie hat kräftige Schenkel, sie ist sehr lebhaft, das wird schon gehen.

Natürlich schauen wir uns auch die anderen Damen an. Da schaut man natürlich schon hin. Sie haben zwei dabei, sind die fit. Ja, denke ich schon. Die zwei wollen sich zusammentun. Danke Jochen. Ich bin pünktlich wieder hier, wenn die Männer zur Sache gehen. Der Kollege zeigt immer den vollen Körpereinsatz. 

 

Sonntag 19. Dezember 2010

SPORTFENIX AM SONNTAG

War was? 

Als Bremer Sportfreund könnte man zurzeit glatt zum Churchill werden. Immer die Zigarre im Anschlag, den Zylinder auf'n Kopp, schlecht englisch essen und immer einen Whisky in der Nähe - das wäre doch ein stressfreies Leben. Und bitte: keinen Sport, keine Sportübertragungen, kein Biathlon, kein Springen, kein Riesenslalom und kein Sky-Fernsehen am Samstagnachmittag. Wie könnte das Leben doch angenehm sein als Churchill. Hin und wieder ein paar Sprüche gegen die Franzosen loslassen, bei Gelegenheit ein paar Bomben auf Dresden abwerfen lassen, da die ja ohnehin keine Bundesligamannschaft haben, gemeinsam mit Stalin und Truman  Deutschland  in neue Sektoren einteilen. So käme zum Beispiel Bremen jetzt nicht wieder unter amerikanische Verwaltung, sondern direkt unter die englische. Ein Grund dafür könnte sein: damit sie in Bremen endlich wieder lernen vernünftig Fussball zu spielen. Aber bitte: no sports. Man mag doch gar nicht mehr in die Sonntags- geschweige denn in die Montagszeitung schauen. Nur noch Negativergebnisse und schlechte Meldungen von unseren Helden. Kein Kampfeswille mehr, kein Durchhaltevermögen, kein Vereinsstolz geschweige denn Nationalstolz mehr. Nur noch Flachpfeifen und Loser. Wie soll man das denn anders bezeichnen, wenn die Bremerhavener zum Beispiel ständig gegen die Oldenburger im Basketball verlieren? Oder wenn die Handballerinnen des SVW gegen die Dorfschönheiten aus Bad Schwartau mit 27:32 untergehen. Und schaut euch doch einmal Eishockey an: die Pinguine verlieren schon wieder gegen diese Klopper aus Hannover - nein das macht doch alles keinen Spaß mehr. Würden wenigstens der TSV Gut Heil Bassen und der TSV Ottersberg spielen, könnte man ja auf einige positive Nachrichten hoffen. Aber: Plätze unbespielbar! Haben die dort keine Vereinsmitglieder, die die Plätze freiwillig freischaufeln können? Es geht doch alles den Berg runter! Früher hätten wir morgens um 7 auf dem Platz gestanden und hätten den Schnee weggeräumt! Nur noch Frust! Was sollen wir denn anfangen mit dem 35.Platz im Super-G, oder mit dem 22. in der Damenabfahrt? Und unsere Springer! Eine einzige Kathasthrophe - der beste auf dem 16.Platz! Das muß man sich einmal vorstellen: 16.Platz. Wo ist Svennie? Wo ist der Dieter? Wo ist der Jens? Mein Gott, waren das herrliche Springerzeiten! Ski-Langlauf! Man glaubt es nicht! Denise Herrmann aus Oberwiesenthal, wo der Jens ja auch herkommt, nicht der 40.Platz, auch nicht der 41. oder der 42. - nein, der 43.Platz! Weltklasse!   Der Nachrichtenschnitt wird durch den 1.Platz von Magdalena und den 3. von Michael im Biathlon auch nicht viel besser. Dagegen stehen dann ja schon wieder die Negativergebnisse vom FC Oberneuland und von unserem ruhmreichen Sportverein Werder Bremen von 1899. Ja, 1899, so spielen sie zurzeit ja auch. Man mag ja nicht nicht mehr hinkucken! 

Nein, ich mache heute einen auf Churchill. Ich setz' mir 'nen Hut auf, ziehe meinen besten Frack an, schiebe mir 'ne dicke Havanne rein, nehme meinen besten Handstock und begebe mich nach Habenhausen zum Schauturnen des ATSV! 

 

 

Sonntag 12. Dezember 2010

F&U am Sonntag / Medienwelt

 

Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar Prinz von Thurn und Taxis, genannt Fritz von Thurn und Taxis (* 22. Juni 1950 in Linz), entstammt der böhmischen Linie des Fürstenhauses Thurn und Taxis und wurde als Sohn vonMaria Julia von Lobkowicz geboren. Seine journalistische Laufbahn begann er 1971 beim Bayerischen Rundfunk.Jetzt knödelt er bei Sky.

 

Fussballdeutsch bei Sky

Gestern um 15:30 Uhr im Fussball-Bezahl-Fernsehen

Live-Übertragung eines Bundesligaspiels irgendwo in Norddeutschland

 

 

AUSZÜGE AUS DEM ORIGINALKOMMENTAR ZU DEN LIVEBILDERN

Kommentator: ein gewisser Prinz Fritz aus Bayern 

Eckball Nr. 1, den wir zu notieren haben – klar, dass er sich viel vorgenommen hat, gebürtig aus Kiel – aber beide sind noch wirklich nicht so richtig im Spiel drin – nicht langsam, aber er hat lange gefehlt – die beiden haben sich in einem ernsten Gespräch auseinandergesetzt – eher gleiche Höhe würde ich sagen – wir wollen da nicht kleinlich sein – doch, stimmt schon – ich will nicht sagen es ist langweilig – Oh, von hinten – das sehen wir eher selten – eigentlich ein idealer Sechser – wir dürfen Michael Ballack nicht vergessen – er beißt auf die Zähne – fackelt nicht lange der Holländer – schwierige Aufgabe für den Tschechen – hinter ihm stand Fannistelreu – dass er da lange stehen bleibt, das hat ihm gar nicht gefallen – abseits – das war knapp – Abstoß – Bisschen eigensinnig der Peruaner -  beide gelben Karten waren berechtigt – ich war selbst Zeuge dieses Spiels – ja fast arrogant wirkend auf mich heute – hui, der war gut – Tor – er will das genießen hier – dann hat man gespürt, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht – das schaut sehr unelegant aus – Gut – im letzten Moment – abseits – er irrt durch die Gegend – der Niederländer bleibt eine Gefahr – Handspiel – klares Foul – jetzt muss der Schiedsrichter für klare Verhältnisse sorgen -  Jahrgang 81 – er hat nur 7 Spiele verloren – kopflos – aus, Ball war draußen – die Jungen lassen sich von den Älteren auch was sagen – da darfst du nicht zurückschrecken – den muss man einfach herausheben – etwas orientierungslos – da schaut er bisschen komisch aus der Wäsche – 5 Minuten noch bis zum Wechsel – Abstoß – so, die Oldies plagen sich auf dem Platz und die Jungen auf der Bank schauen aus der Wäsche – jetzt, hui, war das eine Chance – dann wäre der Ball vielleicht ins Tor gerauscht – ja, wenn – korrekt – also, es ist noch nicht alles verloren – Freist0ß – ein Spezialist für solche Bälle – der Blick zur Uhr – es wird noch ein bisschen gerempelt und geschubst – ich glaube, dass der Dampf jetzt draußen ist – die Spieler gehen in die Wärme – wie fällt ihr Fazit aus – wir waren bemüht, wir sind bemüht – da müssen wir uns jetzt wieder rausziehen – man merkt auf dem Spielfeld: die Jungs wollen – der kann’s mit Sicherheit besser man sieht was Daraus entsteht – ja, gut, er muss ein Stück weit reinrücken –auf geht’s – er kann mit links schießen – kein Foul – jetzt ist der Ball im Tor – 2 Minuten 11 Sekunden – die Fans sind glücklich – Eigentor – Au, welch ein Pech – da sollte man ihm keinen Vorwurf machen – drei Hamburger um ihn rum – Ball war draußen – jetzt hats zu regnen angefangen – es ist sogar Schnee mit dabei – dieser Ball war schlecht – spielt er durch heute – mal eine Stunde, die Nase ist noch dran – aber die Zähne wackeln vermutlich – auf den Zahnarzt kommt es an  – mal bleibt er ganz draußen – schön gemacht – wie viel packt er noch drauf – Verhandlungsfrage – o ja, die Zwei mögen sich nicht wirklich – was wird da als alte Rechnungen beglichen – herrlich, wie er das gelöst hat – ja, Eckball –2 : 1 – er hats wieder korrigiert – es ist zum Wahnsinnigwerden – er war im Abseits – es ist zum Lachen, wenn es nicht so traurig wär – er braucht unbedingt die Punkte hier - um besinnlich Weihnachten feiern zu können - er wird reagieren – er wird den schnellen Niederländer bringen – Tor – fantastisches Tor – 3:1 – ein doller Ball – das kann nur ein Brasilianer – sensationelles Tor – ob er Lust hat, wird sich noch zeigen – ohne dass man verstehen kann was sie sich zuraunen – auf der anderen Seite ist schon Weihnachten – selbst durch Kampf und Einsatz – so richtig kann man im Moment nicht dran glauben – mit Trainer, ohne Co-Trainer, mit Co-Trainer – es ist nicht gelungen – dabei können sie doch Fußballspielen – wir haben die Schnauze voll – irgendwie kann ich es nachvollziehen – 20 Minuten – es war ein Albtraum der schlimmsten Art – er hat schon eine Verwarnung auf dem Puckel – es ist kein Team – er versucht nochmal nachzulegen – ja – dass der so in einen Zweikampf reingehen kann, erstaunlich – der Kapitän der Nationalmannschaft von Venezuela – der 18jährige Asiate – Spiel geht weiter – in so einer Situation gelingt fast alles – deshalb müssen wir unseren Regisseur bitten – der Ball sollte eigentlich in die Mitte kommen – 4:1 – es reicht – Tor – der Ball war drin – eindeutig – 2:4 – nicht zu halten – der Ball war drin – das gefällt einem Trainer nicht – Routine pur – hats lange nicht gegeben 6 Tore – jetzt ist er fällig, mein Gott Junge – mein lieber Mann – das war eigentlich Gelb/rot – das liegt aber nicht an ihm – ratlos Fannistelreu – quäl dich – neben dem Spielball noch ein blauer Ballon auf dem Spielfeld – er holt alle vom Spielfeld – 4 Minuten noch – das ist schlechtere Lösung für Fannistelreu – eigentlich dürfte er gar nicht mehr auf dem Platz sein der Tscheche – noch einmal dieser schöne Ball, herrlich – er bleibt ungeschlagen - + 2 Minuten – die Diskussionen werden sich fortsetzen – die Mittel begrenzt – das wird das große Problem sein – die letzten Momente – zum Abschluss noch einmal Gelb – das Spiel ist aus – und das ist die Reaktion in der Arena – bittere Enttäuschung – das hat man sich vollkommen anders vorgestellt – wir sind gespannt auf die Aussagen – das tut weh – ja, jetzt ist Emotion nach dem Spiel – die Mannschaft wirkte gehemmt – ich stehe und es ist schwierig – danke sehr, viel Glück dabei – schwer, überhaupt etwas zu sagen – es kommt auch noch Pech hinzu – kennen sie den Zauberlehrling?

 

DER FLUCH DES BETZENBERGERS

 

Die Redaktion von F&U hatte ursprünglich geplant, auch den Kommentar des im Bild abgebildeten Herren zum Spiel Borussia - Werder wiederzugeben. Die Redaktion hat sich allerdings entschlossen, darauf zu verzichten, weil wir grundsätzlich keine hämischen, vorurteilsbelasteten, bayernmünchenabhängigen, nurspitzenreiterlobenden, denwettbewerbernieder-machenden und vonfussballkeineahnunghabenden Sportkommentare veröffentlichen. Es war gestern so schlimm, dass wir uns entschlossen haben, die weitere Zusammenarbeit mit dem Kommentator einzustellen. Den Herren von Werder empfehlen wir noch einmal, diesem Herren nicht nur Stadionverbot zu erteilen, sondern auch die im Außenbereich des Stadions stehenden Bratwurstbuden anzuweisen, dem Herrn seine Ebenbilder nicht mehr auszuhändigen. Dem Innensenator von Werder empfehlen wir, dem Hassprediger den Zutritt in die Stadt zu verweigern. Diesem Betzenberger! Im übrigen ist sich die Redaktion 100% sicher, dass das Spiel mit einem anderen Kommentator einen anderen Verlauf genommen hätte - und wenn es der Prinz von Bayern gewesen wäre. Mit diesem Kommentator hier kann Werder kein Spiel gewinnen! Es ist wie verflucht. 

 

 

 

Stadionsicherheitshemd         Stadionwurst                Stadionkissen

Sonntag 14. November 2010

F&U am Sonntag

IM STADION

Josef Fellstein war nach langer Abwesenheit einmal wieder im Stadion, obwohl er von Fußball keine Ahnung hat 

 

Nach langer Zeit der Skyverblödung und der Skyvereinsamung wollte ich einmal wieder live ins Stadion hineinschauen. Dieser Marcel Reif geht einem doch langsam auf die Nerven; besonders dann, wenn er über unsere Heimatmannschaft herzieht. Also, nix wie los gestern Nachmittag gegen 14 Uhr, eine Karte hatte ich mir einige Tage vorher schon besorgt, kurz nach dem Desaster in Stuttgart. Zuerst mit dem normalen Linienbus - nicht mit dem Stadionbus, das hält man ja gar nicht aus - bis Mitte, von dort sollte es dann für mich zu Fuß weitergehen bis Stadion. 

Aber was heißt hier normaler Linienbus? Zwei ältere Herren in meinem Alter hinter mir lamentieren lauthals und ungeniert über die so genannte Mannschaftskrise, so als seien sie eingeladen worden, Vorträge für die gesamte Busladung zu halten. Der Trainer muß weg! Der Manager schon längst! Was der uns für Idioten eingekauft hat! Der Vorstand sollte mal ordentlich auf'n Tisch kloppen! Dieser Österreicher, zurück mit ihm in die Berge! Und erst dieser alte Franzecke auf links, Silvester, oder wie der heißt, der kann doch außer Baguettfressen überhaupt nichts! Und hinten überhaupt, den Langen würde ich der Nationalmannschaft an Jogi's Stelle nicht mehr aufstellen, der ist doch brandgefährlich!  Und vorne! Tote Hose! Kuck' dir mal Dortmund an, was die spielen! Undsoweiterund soweiter!Hinten im Bus rüpelten dosenbiertrinkend mit Vereinsschals bestückte andere jüngere Einheimische herum, den Wortlaut der Rüpeleien hier wiederzugeben verbietet das Redaktionsstatut. Ich dachte immer, Alkohol trinken im Linienbus sei verboten? Ich glaube, dass der Busfahrer genau so froh war wie ich, als wir Mitte erreichten und alle Fans, ob mit oder ohne Schal, umsteigen mussten. 

Von Mitte nun, während sich in den Straßenbahnen die biertrinkenden Rüpel und die schlaumeierischen Altfussballexperten zerquetschen,  zu Fuß bis Stadion. Schön in Ruhe unterwegs noch 'ne schöne Tasse Bohnenkaffee trinken. Aber was heißt hier in Ruhe? Die Pöbeleien und die Rüpeleien sind ja außerhalb der Busse und der Straßenbahnen noch viel extremer. Immer in Kleingruppen von 2 bis 20 Mann ziehen einheimische und auswärtige so genannte Fans lokal- und vereinspatriotische Urlaute von sich gebend  durch die Stadt. Zur  Ausstattung der Umzugsteilnehmer gehört wie selbstverständlich links und rechts jeweils 'ne Buddel oder 'ne Dose Bier. 

Alle Geschäfte entlang des Weges, inzwischen auch die so genannten seriösen, sind auf diesen Konsum eingestellt und bieten außerhalb ihrer Geschäfte trinkbares Alkoholisches an. Kein Wunder! Verständlicher ökonomischer Vorgang! Weil es im Stadion selbst ja keine kostengünstigen Flaschen und Dosen gibt, sondern nur dieses teure schlechtgezapfte Pappbecherbier, versorgt sich der kostenbewußte Bierkonsument vor dem Spiel mit den günstigen Artikeln außerhalb des Stadions. Weil er es aber ja nicht mit hinein nehmen darf, hamstert er und schüttet sich so viel von dem Bier und Schnaps in den Körper hinein, wie hinein passt! Und zwar öffentlich, draußen sichtbar für jedermann! Einige lassen dann ebenso öffentlich und draußen, ebenfalls sichtbar für jedermann, auch wieder ab! Das Leergut wird an der Stelle fallen gelassen, an der der letzte Tropfen herausgesaugt wurde. Nutznießer sind, und das ist ein weiterer positiver sozialökonomischer Aspekt der öffentlichen Sauferei und Pisserei, die Heerrscharen von Flaschenpfandsammlern, die das Gebiet zwischen Mitte und Stadion in Claims aufgeteilt haben. Meine Tasse Kaffee habe ich trotz aller Unsitten auf dem Weg ins Stadion in einem schicken neuen Bäckereigeschäft mit Sitzgelegenheiten, kurz hinter der großen, berüchtigten Drogenkreuzung, in Ruhe trinken können, da hier kein Alkoholausschank! Die illegalen Drogenhändler drüben auf der anderen Seite waren gerade von der Polizei weggeräumt! Wohl damit die legalen Alkoholmissbraucher gut und ohne Gefährdung durchkommen bis Stadion!  

Am Stadion angekommen. Vorher noch durchgewühlt durch die Hundertschaften von Biertrinkern an den Außenständen der Gastronomie rings um das Stadion kurz vor der Unterführung. Hier stehen die wahren Fußballphilosophen, die Vordenker des tödlichen Passes aus der Tiefe, die Theoretiker der üblen Fouls und der lächerlichen Schwalben. Die Co-Referenten der zu weichen Trainingseinheiten und die jederzeit einsatzbereiten Ersatzspieler, die vom Einfliegen ins Stadion mit dem Hubschrauber in der 75 min träumen, um dann noch die Spiele herum zu reißen. 

Jetzt also rein ins Stadion. Sitzplatz. Ich freue mich aufs Spiel, zumal ich siegessicher bin. Vorher allerdings noch: Security!  Ein junger Mann in roter Jacke, total kurz geschnittenes Haar, Goldkette, goldene Ohrringe, dicke Dinger an den Fingern, fordert mich auf, die Arme zu heben und die Beine auseinander zu spreizen. Dieser junge Mann also, von dem ich annehme, dass er für die Ausübung eines Lehrberufes wohl nicht geeignet sein würde, hatte nun die Aufgabe, mich nach gefährlichen Dingen, die ich regelmäßig bei meinen seltenen Stadionbesuchen am Körper trage, zu filzen. Und er tat es mit großer Leidenschaft von hinten und von vorne. Jedesmal wenn er auf einen Gegenstand in meiner Kleidung traf, wurde er zeremoniell. Mein neues flaches Handy mit Farbdisplay ließ er herausholen aus der Jackentasche und sich genauestens erklären. Ob ich damit Laserstrahlen aussenden könne, um die gegenerischen Spieler oder den Schiedsrichter zu irritieren? Nein! Gut, geht durch!Dann stößt er in der inneren Brusttasche auf ein gefaltetes Din-A-4-Blatt. Das war da noch drin von meiner letzten Leverkusen-Köln-Reise. Wurde mir zwischen Ausgang Kölner Hauptbahnhof und Kölner Dom in die Hand gedrückt. Ein politisches Flugblatt gegen die Deutsche Bahn wegen Stuttgart 21 und wegen der Mitschuld der DB / frühere Reichsbahn an den Deportationen im Nazi-Reich. Was das sei, so der Security-Mann? Ich sagte: Seh'n Sie doch, steht doch drauf! Ob das gegen Islam sei? Ob ich es verteilen wolle im Stadion? Das ist verboten, so der Sicherheitsmann! Gut, hier haben sie es, ich brauche es nicht mehr, sie können es haben! Er nimmt es und zerknüllt es und wirft es zerknüllt auf den Stadionbeton. Dann ertastet er das Portemonnaie in meiner Hose hinten. Jetzt duzt er mich. Hol' mal raus! Ich sage: Portemonnaie. Er: was hast du darin versteckt, ist so dick? Jetzt versuche ich locker und witzig zu sein und antworte ihm: Rakete, Nebelkerzen, Bananen, Molotowcocktail? Er: Molotowcocktail kenn' ich nich', ich trinke nur Kai Pirinja! Ich: Kai was? Er: Egal, mach' mal auf. Und du glaubst es nicht: er nimmt tatsächlich mein Portemonnaie in die Hand und sucht darin den Molotowcocktail und die Bananen.  Nix gefunden, gut, durch, schönen Tag noch und schönes Spiel...! 

Nun aber fix hin zu Block 7 Reihe 1 Platz 31, es ist schon 5 vor halb. Vorher noch eben schnell Kaffee wegbringen. Hätte ich nur keinen getrunken. Ich begebe mich in die Hölle, ich will ja nicht während des Spiels mich durch die Reihe zwängen müssen. Die Hölle, das ist der Männeraustritt im Stadion. Hunderte von Kaffee- und vor allem: Biertrinkern, drängeln sich in viel zu kleinen Pissoires. In Dreierreihen stehen sie vor den Becken und drücken die, die dran sind, von hinten fast in die Urinale. Einige haben dabei den nächsten Bierbecher in der Schnauze festgesaugt. Andere, die ganz Harten, haben sogar den Bierbecher in der Schnauze und darüber hinaus in der rechten oder linken Hand, je nachdem mit welcher Hand sie den Eingriff gestalten wollen, die Bratwurst, oder wie sie hier heißt: die Stadionwurst, mit dick Senf drauf. So stehst du in der Hölle zwischen biertrinkenden, bratwursthochhaltenden und derbe Männersprüche bezüglich der hier freizulegenden männlichen Genitalien klopfenden Fußballexperten in der Pisshölle und denkst völlig antiatheistisch: Lieber Gott, mach' bitte, dass ich hier heil wieder herauskomme. Und er hat meine Gedanken gelesen, auch wenn ich leicht bier- und senfbekleckert meine Kleider in Ordnung bringen mußte. 

Endlich. Zum trockenen und sicheren Sitzplatz. Die Mannschaften mit den Kindern an den Händen laufen gerade ein. Platz 31. Hm, hm. Wie komme ich da jetzt durch. Der Beinabstand zwischen Sitz und Oberrangbegrenzung ist knapp. Peinlich, alle Plätze bis 31 bereits besetzt. Viele davon wieder mit biertrinkenden und bratwurstessenden Fußballfreunden. Ich hatte meine Kleidung doch gerade geordnet. Da mußt du durch. Tschuldigung, darf ich mal..., tut mir leid, danke, dürfte ich mal kurz durch. Einige nehmen mich gar nicht wahr und lassen mich stundenlang stehen. Andere maulen und pöbeln: immer die Gleichen, spät aber kommt, du hast wohl den falschen Block, setzt dich hin, ich kann nix sehen, Spießrutenlaufen. Dann angekommen bei 31. Zwei kräftige, breitschultrige Fußballexperten links und rechts. Mein Sitzkissen mit den Vereinsfarben, von zu Hause mitgebracht, auf 31 ausgebreitet und hingesetzt, zumindest versucht hinzusetzen. Die breiten Schultern links und rechts verharren in ihrer eingenommenen Stellung, so dass mir nur auf halber Backe auf dem vorderen Teil des Sitzes eine halbe Sitzmöglichkeit bleibt. Meine vorsichtige Frage, ob usw. wurde sofort abgeblockt mit dem Text: Wer zuerst kommt, malt zuerst...! Na toll! 

Das Spiel übrigens: 0:0.

Vorkommnisse: Im Gästeblock wurde eine Rakete gezündet, eine Nebelkerze in Rot geworfen, eine Molotowcocktail auf den heimischen Torwart geschmissen. Bei Ecken wurde unser leichtfüssiger, wunderbarer brasilianischer Mittelfeldspieler von den auswärtigen Affen mit Bananen tracktiert. Sonst war nix.  

Josef Fellstein

(kuckt wohl demnächst wieder Sky)

 

 

 

 

Bank, viel Platz
Bank, viel Platz

Dienstag 09. November 2010

WERDER IN DER KRISE

Nachdenken über Thomas und Klaus 

Selbstverständlich muss in so einer „betrieblichen Situation“ auch darüber nachgedacht werden dürfen, ob möglicherweise Ursachen für die negative „betriebliche Entwicklung“ bei der Führung der Mannschaft zu suchen sind. Wenn sich allerdings bewahrheiten sollte – was ich vermute -, dass ein Teil der Mannschaft intellektuell überhaupt nicht in der Lage ist, die betrieblichen, kollektiven Abläufe, die auch im Fußball für ein erfolgreiches, positives  und fachlich qualifiziertes betriebliches Handeln notwendig sind, zu begreifen, geschweige denn zu respektieren, dann kann die Führung sich noch so krummlegen – dann hast du bald Verhältnisse, wie in weiten Bereichen der Jugendhilfe und in der Sozialarbeit, wo jeder vor sich hin wurschtelt, wie es ihm gefällt. Was dabei herauskommt, sehen wir ja! Wenn so eine Wurschtelei auf dem Fußballplatz stattfindet, und wenn jeder der Akteure nur Gutes tun will – und zwar nicht für die Mannschaft und für die hilfebedürftigen Zuschauer -, sondern nur für sich selbst in Form von sinnlosen Dribbeleien, in Form von makabren Fernschüssen aus unmöglichem Winkel und in Form von öffentlichen, narzisstischen Vorführungen von misslungenen „Peikerungen“ (Knastjargon für Tätowierungen), dann kannst du als Führung nur noch selbst ins Gras beißen oder aber den halben Kader auswechseln, was ja wohl aus vertraglichen Gründen nicht geht. Ich würde die Selbstdarsteller auf die Bank setzen und lange nachdenken lassen, gegebenenfalls würde ich sie für 4 Wochen in den Sozialen Trainingskurs zur Jus (Jugendhelfer unter sich gGmbH) schicken. Dort können sie dann lernen, wie man sich gegenüber dem Geschäftsführer zu verhalten hat, besonders öffentlich auf dem Platz. Hier können sie lernen, dass man sich in Gruppen kooperativ und teamorientiert zu verhalten hat, und dass man nicht ständig auf den Platz rotzt! Notfalls, wenn alles nicht mehr hilft, dann kommen sie auf den pädagogischen „Heißen Stuhl“, damit sie endlich einmal einsehen, was sie für negative Typen sind, und dass es auch anders geht! Fußballerisch kann es für die Führung von Werder jetzt nur darum gehen, den Schaden durch veränderte Konzeptionen, Aufstellungen und Spielstrategien zu begrenzen. Notfalls auch mal hinten dicht machen: Kattenatschio! Achterkette!  Personalführungsmässig: Endlich einmal Autorität und Führungsstärke zeigen!

Den jetzt nach so langer Zeit fälligen Wechsel empfehle ich erst für das Saisonende. In der betrieblichen Praxis nennt man das: Veränderungsmanagement. Das ist die beste Gegenwehr gegen die Gefahren des Beamtenfußballs und der verbeamteten Jugendhilfe. 

Ulrich Pelz 

 

 

 

Tag der Pokalentscheidung in Berlin 15. Mai 2010


Fellstein's Pokalgedanken

5 Stunden vor Anfiff

Bayern gegen Werder, Werder gegen Bayern - zum Hundertsten. Heute Abend wieder. Endspiel um den Deutschen Fussballpokal in Berlin. Ja, und?

Tag der Pokalentscheidung in Berlin 15. Mai 2010

Fellstein's Pokalgedanken

5 Stunden vor Anfiff

Bayern gegen Werder, Werder gegen Bayern - zum Hundertsten. Heute Abend wieder. Endspiel um den Deutschen Fussballpokal in Berlin. Ja, und? 

Worum geht es denn schon heute? Nach Spielende bekommt die Siegermannschaft so eine Art Goldenen Blumenkübel oder Sektkühler überreicht, der dann spontan entweder mit Haake-Beck oder mit Paulaner gefüllt wird, das dann wiederum in einer unschönen Verfolgungsjagd über den gesamten Platz dem siegreichen Trainer von den siegreichen Spielern und Ersatzspielern über den Kopf gegossen wird. Der Trainer steht danach wie ein begossener Pudel vor den Mikrofonen der Fernsehteams und erklärt, wie er sich so in diesem nassen Zustand fühlt. Während des Interviews kommt dann noch so ein siegreicher Spieler mit einem Eimer Bier angerannt, den er heimtückisch von hinten dem Trainer ebenfalls über den guten Anzug schüttet. Der Fernsehmann bekommt meistens auch was ab. Und dann freuen sich der Trainer und der Fernsehmann tierisch über soviel Blödsinn. Und der Trainer sagt dann noch, dass das der schönste Tag der gesamten Saison sei, und dass die Spieler den Pott absolut verdient hätten, und wie stolz er doch auf die Mannschaft sei, die in den schweren Vorrundenspielen gegen 2. und 3.klassige Vereine sich das Endspiel schwer erkämpft haben. Und hinten sieht man, wie Marcel Reif vom Privatsender mit Franz Beckenbauer die Spieldialyse vornimmt und keine Gelegenheit auslässt die Bayern, egal, ob sie gewonnen oder verloren haben, in den Himmel zu loben und Werder nur eine mittelmäßige Leistung zu bescheinigen, auch wenn diese möglicherweise 4 zu 2 nach Verlängerung gewonnen haben.  Gut, der Gewinn des Pottes berechtigt zur Teilnahme am europäischen Wettbewerb, aber großer fussballerischer Wert ist meistens doch nicht zu erwarten. Die Saison war lang und die Jungs zeigen doch nur noch Einsatz, weil sie hinterher, wenn sie gewonnen haben, endlich mal so richtig die Sau rauslassen können. Wenn's ganz extrem kommt, dann baden die sogar in Bier in der Entspannungswanne. Und das Fernsehen zeigt das auch noch. Ne, Kinners, muss man das wirklich haben? Es ist ja noch Zeit bis heute Abend, vielleicht verzichte ich diesmal auf das Fernsehkucken und schalte mir stattdessen bei einem gepflegten Gläschen Badischen Spätburger trocken Auslese  gepflegte Musik auf NDR Classic ein. Auf gar keinen Fall gehe ich zum Domshof. Ich hab' ehrlich gesagt wenig Lust, dort auf die Typen zu treffen, die gerade jüngst am Vatertag bei Dammsiel von der Polizei wegen agressiven, gewalttätigen Verhaltens unter Alkoholeinfluss verhaftet wurden. Die sind doch bestimmt wieder auf freiem Fuß und haben jetzt auf dem Domshof beim Public Viewing und später beim Einmarsch der Mannschaft auf dem Rathausbalkon wieder die besten Gelegenheiten sich ihren Bierexzessen hinzugeben nach dem Motto: was die Spieler können, das können wir schon längst!

 

 

 

Dienstag, 27.April 2010


Werder will den 3. Platz

Fotostrecke vom Training am 27.04.10

Kindergarten-Zaungast: "Schalke hau'n wir weg"

 

Gelsenkirchen muss sich warm anziehen am kommenden Samstag. Alle Werderspieler sprühen nur so vor Trainingseifer, alle wollen wohl zum Schluss der Saison bei den drei wichtigen letzten Spielen gegen Schalke, HSV und Bayern noch einmal alles geben. In einer 15minütigen Ansprache in der Mitte des Trainingsplatzes, von der die außenstehenden Zaungäste wohl keine Silbe mitbekommen haben, hat Thomas Schaaf die Spieler positiv an die eigenen Stärken erinnert und sie aufgefordert, das harmlose Spiel gegen Köln aus den Köpfen zu verdrängen. Wörtlich sagte er: „ Vergesst Podolski, wie er da so alleine vor Timmi stand, und wie er den Ball mit Rechts meilenweit danebenhaute – konzentriert Euch ab heute nur noch auf Eins: auf Samstag 15:30 Uhr Schalke. Auswärtssieg in Schalke, und dann kommt alles von alleine. Über den HSV müssen wir ja wohl gar nicht reden. Und dann Bayern in Berlin“. Besser hätte es wohl keiner der Umstehenden und Zuschauenden auch nicht sagen können. Wie sagte doch der kleine Pöks mit dem 22er-Trikot von Frings: Schalke hau'n wir weg.

 

  29. März 2010

TSV Gut Heil Bassen verliert in Rotenburg II

Das war gar nichts

 

Das war gar nichts, was der TSV am Sonntag beim Rotenburger SV II ablieferte. Nach einer außérordentlich schwachen Auswärtsleistung unserer Bassener hieß es am Schluß 2:1 für die Rotenburger. Das Spiel haben unsere Grün-Roten in der ersten Halbzeit verloren, da lief fast nichts zusammen. Dank einiger Klasseparaden  von Christian Rathjen konnte ein früher Rückstand verhindert werden. Dann dieser ungerechte Elfer in der zweiten Halbzeit. Aziaziz Arvonotoglu vom RSV fiel einfach um - weit und breit kein Bassener in seiner Nähe zu sehen. Das war nix, so der Trainer, der aber auch nicht verhindern konnte, dass Arvonotoglu den Elfer eiskalt selbst verwandelte. Hier einmal wieder ein Beispiel dafür, wie ungerecht Fußball sein kann. Angebliche Opfer werden hier zu Tätern, wenn sie selbst auch noch verwandeln!

Was Schiedsrichter manchmal so sehen, bleibt ein Wunder! So nutzte der Ausgleich unserer Rot-Grünen in der 63. Minute auch nicht mehr viel, denn kurz vor Schluß knallte Köhler vom RSV  einen grandiosen Fernschuss unhaltbar für Rathjen  zum 2:1 ins lange Eck. Nützt ja nix, nächsten Sonntag geht es weiter, dann können unsere Bassener ihre bisher so erfolgreiche Serie von 5 Siegen nacheinander wieder aufnehmen und erneut zuschlagen. Der Aufstieg ist allerdings in weite Ferne gerückt!

 

 

 

Bratwurstprovinz

Werder II : VfL Osnabrück 0:1

(16.März 2010)

Hunger
Hunger

 

Werder II gegen den VfL Osnabrück, 3. Liga, abends um 19:00 Platz 11.

Tausende Osnabrücker Anhänger, zum Teil mit Kleinkindern, reisen an, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Auch ein Woltmerhausener hat sich auf Platz 11 verirrt. Vor dem Spiel schnell noch etwas essen, weil es dafür zu Hause keine Gelegenheit mehr gab. Der große SV Werder wird ja wohl für eine ausreichende Versorgung gesorgt haben, besonders für die von auswärts Angereisten. Denkste! 1 Wurstmonopolist soll die hungrige Menge versorgen: 1 klappriger Wurstwagen im Stehbereich Heim, 1 dreckiger Wurstwagen im Sitzbereich Heim und 1 abgenutzter Wurstwagen im Bereich Gäste. Berichten wir vom dreckigen Wurstwagen im Sitzbereich Heim. Eine lange Schlange von hungrigen Osnabrückern mit ihren Kleinkindern möchte essen, es ist angeboten: Bratwurst, Currywurst, Pommes Frites, Bier, Kaffee. Die Schlange wird immer länger, weil es im Wurstausgabebereich nichts gibt, und das eine viertel Stunde vor Anfiff. Der gasbetriebene Wurstgrill funktioniert nicht und es gibt keine Wurst. Die bemühte und immer hektischer werdende Grillmeisterin bekommt das Gas und das Feuer unter der Wurst nicht in Gang. Keine Hitze. Sie gibt, um die Situation zu überspielen, halbgare, unvollständig gegrillte Wurst heraus. Einige, wie der Woltmershausener, nehmen das unfertige Produkt klaglos hin nach dem Motto: der Hunger treibt es rein! Andere, besonders die mit den Kindern, werden immer nervöser, weil es nichts zu futtern gibt. Eine Kathastrophe! Beschämend! Einige Provinzler äußern ihren Unmut lauthals: Europacup spielen aber keine ordentliche Wurst liefern können! Das klappt ja beim BV Cloppenburg besser! oder: nicht wir sind die Provinz, ihr seid das mit eurem Wurstwagen hier. Wie recht er doch hat. Hier am Wurstwagen hat Werder das Spiel bereits verloren, nicht später auf dem Platz. Da waren die Osnabrücker sowieso besser. Und in ihrem Stadion an der Bremer Brücke werden sie mit der Wurstversorgung sicherlich auch besser sein. Echt peinlich für Bremen! Echt peinlich für Werder! Unser ruhmreicher SVW sollte  hier schnell nachbessern. Und nicht nur da, sonst ist wohl bald Schluß mit 3.Liga.

Der Wurstwagen war 9.Liga, die Toiletten auf Platz 11 sind echt 11.Liga, der Ansager - man will ja einem verdienten älteren Werder-Vereinsmitglied nicht weh tun, aber es muß gesagt werden - 13.Liga, unter Kreisklasse II. Aber, wie auch immer, ich werde wohl wieder hin gehen - die Manschaft Werder II  ist Klasse, auf jeden Fall besser als die Bratwurst!

 

 

Canada - USA 3:2

 

 

Mir wird in den nächsten Tagen wieder alles so leer vorkommen. Das gleiche Gefühl wieder wie immer nach großen Sportereignissen, die rund um die Uhr im Fernsehen übertragen werden, und die dann nach zwei, drei - ja manchmal sogar erst nach vier Wochen plötzlich und unverhofft zu Ende sind. Was soll ich anfangen mit der leeren Zeit? Kein Biathlon Verfolgung der Frauen mehr, kein Kombinationsslalom der Frauen 2. Lauf, kein Springen von der Großschanze Qualifikation,  kein Curling, kein Eistanzen, kein Teamlaufen Eisschnelllauf 6 Runden, keine 50 km mehr, keine 5 Zusatzrunden. Und dann ist zu allem Überfluss pünktlich mit Ende der Winter-Olympiade in Canada hier bei uns der Schnee auch noch verschwunden. Kein Wintergefühl mehr, kein Dauerfernsehen - wann kommt denn nun endlich Südafrika? Was mir am besten gefallen hat an den Spielen in Canada: die Fairness und die Sportlichkeit unter den Athleten und Atlethinnen. Beeindruckend gestern Abend noch das Endspiel im Eishockey, das Canada gegen die USA im vierten Drittel nach sudden death mit 3:2 gewonnen hat. Eishockey der ganz anderen Art: Schnell, hart, hin und her,große technische Klasse, hoher Körpereinsatz, trotzdem kaum Massenschlägereien auf dem Eis und kaum Zeitstrafen. Hier kann sich das europäische Eishockey mal eine Scheibe abschneiden. Ich habe schon Eishockeyspiele gesehen in Deutschland, da waren kaum noch Spieler auf dem Eis  - die saßen alle auf der Strafbank. Oder war da gerade Pause? Ich weiß es nicht mehr so genau. Na ja, Gott sei Dank gibt es wieder Fußball. Alle spielen wieder, außer Werder II, meiner Lieblingsmannschaft in der 3.Liga. Die haben demnächst, wenn auch Platz 11 wieder aufgetaut ist, reichlich Nachholspiele - da geh' ich hin und habe Olympiaersatz.

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