Herausgeber Ulli Pelz

21.Januar 2021

 

immer am
DIENSTAG

zwischen 10 - 20

1.9.2011 - 20.01.2021   // Aufrufe  //  Seiten  //  21.876 // 39.164  //  gestern 3 // 5

news21

Ausgabe 3

19.1.21

 

 

Ski Heil.

Schnee, wohin du auch schaust

 

Die letzten Tage. Oder: War was?

 

Fantastisch, schneeweiße Landschaften überall zu sehen. Im Harz, im Thüringer Wald, im Trentino, in Skandinavien, in Südtirol, in den polnischen Bergen, oben auf den Höhen der Alpen – und auch selbst aus den Herrenhäuser Gärten im Hannoverschen wurden Schneebilder gezeigt. Ungeheure Massen von Schnee auf den Dächern der Alpinen Bauernhöfe und auf den Zweigen der Tannen und Fichten im Sauerland. Und fröhliche sportliche Menschen tummeln sich im Weißen. Sie springen von Hohen Schanzen in die Tiefe, sie verfolgen sich bewaffnet auf den Biathlonstrecken und schießen meistens ins Schwarze, einige müssen nachladen oder Strafrunden drehen. Sie umkurven auf Brettern Stangen und stürzen sich mit atemberaubender Geschwindigkeit alpine Abhänge hinunter. Manchmal muss der Hubschrauber mit dem Bergdoktor einfliegen und Gestürzte und Gestrauchelte abholen. Auch fahren sie auf Schlitten oder Bobs durch enge Eisröhren, sie freuen sich über hundertstel Sekunden Vorsprung. Riesige Autoschlangen auf hochverschneiten Zugangsstraßen in die Berge sind zu sehen und Polizisten, die der Bergsehnsucht ein jähes Ende bereiten. Heulende Kinder auf den Rücksitzen, sie wollten doch so gerne zusammen mit Papi auf dem Schlitten den Harzer Wurmberg runterrodeln. Die meisten Schneemenschen tragen Masken und Mützen, andere weder noch. Weiße heile Winterwelt überall – nur nicht hier an Deich, Haltestelle und Parkplatz. Manchmal wird im Radio Schneeregen angekündigt. Angekündigt – runter kommt nichts außer Wasser und Nebel. Also, was tun? Es bleibt ja nichts anderes übrig als sich vor die Mediengeräte zu platzieren, um dem fröhlichen Treiben südlich vom Bremer Buntentor zuzuschauen. Bremer Fussball wurde neben Schnee auch noch gezeigt. Antifussball. Man mag nicht mehr hinschauen. Vielleicht wäre ein schneebedeckter Rasen im Weser-Stadion hilfreich.  

 

 

 

 

Udo Peter Zeppeling

Auf dem Parkplatz

An der Haltestelle

Auf dem Deich 

Drüben am See

 

Udo Peter Zeppeling, der hier eine Wohnung hat, versuchte auf dem Parkplatz das Cambio-Fahrzeug rückwärts in die Cambio-Park-Lücke zu bugsieren. Als es ihm wiederholt nicht gelang, stieg er schweißnass aus und bat eine junge Frau, die aussah wie eine Mittelschullehrerin, es für ihn zu machen. U.P.Zeppeling staunte nur, wie flott die Frau einparkte.

 

Udo Peter Zeppeling wollte in die Stadt. Nach Monaten zum 1.Male wieder mit der Straßenbahn 4. Er suchte nach der BOB-Karte, die sich wie immer in der untersten Schublade befand. An der Haltestelle stand er dann mit Maske herum und fummelte in den Taschen seiner Jacke nach der BOB-Karte. Er hatte sie drinnen auf dem Tisch liegen lassen.

 

Udo Peter Zeppeling geht gerne am späten Abend noch einmal ohne Hund auf dem Deich zwischen Brücke und Roter Bude entlang. Im Sommer nur im weißen Feinrippträgerhemd und Turnhose, im Winter im warmen schwarzen Mantel und breitkrempigem Hut. Vor einigen Tagen wurde er von einem Lastenfahrradfahrer ohne Licht von hinten erwischt.

 

Udo Peter Zeppeling sitzt gerne auf Bänken an den Seen und guckt. So guckte er schon am Bodensee, am Baggersee und auch am Vahrer See. Nun saß er letztens verträumt in der Dämmerung drüben am Werdersee und lauschte dem Gesang der Kormorane. Dann fuhr plötzlich Uwe von Bremen mit dem Rad vorbei und rief lauthals: Udo Peter, träum‘ nicht!

 

 

 

Annodunnemals

8.November 2013

Wiederannäherung an die Stadt

oder: Bratwurst an Rotbarschfilet an Früchte-Curry-Soße

M-Fotos von Uli Pelz vom 08.11.2013

 

Von Franziuseck langsam über die Wilhelm-Kaisen-Brücke. Sonniger November. Die Weser leuchtet. Bei den Schlachte-Arkaden dem früheren Chef von Beck's Bier über den Weg gelaufen. Ich höre ihn murmeln: "Wie kann das nur angehen, wie kann das nur angehen?" Dabei deutet er auf die neue Außenwerbung der Brauerei auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses. Die Schifferflaggen flattern im Wind. Dann bei Heinrich Heine vorbei. Er sitzt einfach so da und glänzt. Nur: weshalb sitzt der hier in Bremen - haben sie ihn in Hamburg oder in Düsseldorf rausgeschmissen? Einige ruhige Minuten im Bremer Dom, lange Zeit nicht drin gewesen. Schöne Bach-Orgelmusik zum Mittag. Auf dem Domshofmarkt dann 5 Kilo Quitten gekauft. Meine Frau kocht morgen Marmelade daraus. Dann Hunger. Schwere Entscheidung: 'ne Brat-Salat bei Kiefert oder anständig Fischessen unten im Perfetto bei Karstadt. Wir lassen uns bei Kiefert zwei Bratwürste einpacken, gehen dann runter zum Fisch bei Karstadt und bestellen Rotbarsch an Früchte-Curry-Soße. Heimlich legen wir die Bratwürste dazu. Mahlzeit zusammen! 

Uli Pelz

 

 

Neustadt.Phantastische Orte. Überall

Der Chef des Fischgeschäftes in der Pappelstraße, der den Kunden nichtendenwollende Fischvorträge hielt 

 

Freitags. Mittags. In den 80er – 90er Jahren und auch noch Anfang des Neuen Jahrhunderts: Pappelstraße in der Neustadt. Das traditionelle Fischgeschäft gegenüber dem Delmemarkt und der Orthopädischen Praxis des Arztes, der bei jedem körperlichen Leiden, besonders Rücken, zur schmerzstillenden Spritze griff. Freitags also, Pappelstraße, Fischgeschäft – eine lange Kundenschlange bis hin zur Bachstraße, wo später ein Calvinistischer Paster Wohnung nehmen wird. und wo noch später ein Irrer seinen Glastisch aus dem Fenster schmeißen wird. Im Fischladen selbst Enge wie in einer Bratheringdose. Überwiegend Warten auf den frisch zubereiteten Bratfisch mit Kartoffelsalat zum Mitnehmen, 6.50. Andere Kund:Innen nehmen keinen gebratenen Bratfisch, sondern verlangen frisch nach Matjes, Scholle, Krabben oder Skrei. Das Verlangen nach Skrei allerdings war dann verbunden mit ausufernden Fischlektionen. Besonders dann, wenn der Chef persönlich bediente. Er referierte lauthals, damit auch alle Anwesenden die Lektion mitbekommen, über den Wanderweg des jungen Kabeljaus vom Sibirischen Meer bis hin zu den Norwegischen Lofoten. Ausführlich, es fehlten nur noch Video-Aufnahmen oder Dia-Projektionen, erklärte er der verehrten Kundschaft, wie die Norwegische Fischerei den jungen russischen Fischen auflauert, um sie dann als so genannter „Skrei“ in die gesamte Fischwelt zu exportieren. Viele von den Fischen, so der Chef, würden allerdings nicht frisch exportiert, sondern zum Lufttrocknen aufgehängt auf speziell angefertigten Holzböcken. So käme auch, so der Chef, zum Beispiel der Italiener in den Genuss Russisch/Norwegischen Kabeljaus. Wie er, der Norweger, denn zubereitet würde. Die Frage war die Chance für den Chef, weitere fachkundige Ausführungen von sich zu geben. Nur in Butterschmalz, auf der Haut kross zuerst, dann wenden und nur noch ziehen lassen – das helle Filetfleisch müsse zart und glasig bleiben. Zum Schluß noch echte Butter ran und seine hausgemachte Remoulade. Als Beilage, so der Fischmann, am besten Pellzkartoffeln. Ob noch weitere Fischinformationen gewünscht seien, so der Fishermann, z.B. über den Steinbeißer, über den Hering, über den Hai oder über den Kugelfisch, oder vielleicht sogar über den Zackenbarsch. Und zack, fluchtartig waren sie dann alle weg und machten Platz für die Nachrückenden aus der Warteschlange, die bis zur Ecke Bachstraße reichte. Da bei der Adresse Pappelstr.100 – aber das ist ein anderes Kapitel. 

Neues aus dem Justizwesen
Ein Jugendrichter lud vor kurzem einen inhaftierten Straftatverdächtigen zur Haftprüfung ein. Der Geschäftsführer eines Jugendhilfevereins saß zufällig auf einer Wartebank im Flur vor dem Richterzimmer und konnte beobachten, wie der Verdächtige von zwei Justizbeamten vorgeführt wurde. Dann waren laute Geräusche aus dem Richterzimmer zu hören, ein Rumpeln und ein Klirren. Wie später berichtet wurde von den Justizbeamten, soll der Richter dem Verdächtigen, weil dieser sich weigerte zu gestehen, sämtliche Blumentöpfe des Richterzimmers, die er ergreifen konnte, an den volltätowierten Schädel geworfen haben. Der Verdächtige soll nach der Aktion gesagt haben: Geile Würfe Herr Richter, aber Dickkopf

bleibt Dickkopf. Später im Verfahren wurde der Verdächtige dann freigesprochen. Aus Mangel an Beweisen und aus Mangel an Blumentöpfen im Gerichtssaal. 

Kommen wir zum Sport

Außer den Skiwettbewerben in den verschneiten Bergen und Tälern kaum sportliche Ereignisse. Selbst Schach und Hallen-Radball konnten nicht stattfinden, schon gar nicht Boxen. Versuche von Volksläufen für den Frieden im Bürgerpark wurden vom Bürgerparkdirektor strikt unterbunden. Eine Volksläuferin monierte: "Wir sind doch keine Kohl- und Pinkelfahrt!" Der Direktor: " Was weiß ich denn, was ihr auf der Strecke so reinpfeift?" Ein Radfahrer in Radfahrerrennhose rief im Vorüberfahren mit Höchstgeschwindigkeit : " Scheiß Polizeistaat, Sozialismus!" Ein Renntier kuckte nur  

nächste Ausgabe: Dienstag 26.1.21