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dienstag

19 september 17


Herzlich Willkommen auf meiner

Volxnahen Himmlischen Höllenseite

Uli Pelz


 

Volx-Tönende-Wochenschauen 2017                        klicke hier

Die Wochenschau 36 / 37 ist eingespult               

Doppelwoche  36 / 37                     04 - 09 - 17 - 09 - 17

Ingo Schulze und Peter Holtz bei Thilo Thalia abgeholt...

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Die Monatsüberblicke 2017
Kapernfrüchte auf der Zunge, Chiantiwein im Hirn      klicke hier

Gesagtes   Ungesagtes   Geschriebenes   Ungeschriebenes   Gedachtes   Ungedachtes   2017

 

Der  AUGUST 2017   ist vollständig serviert  schalte ein

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Rückblick 2016                 

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Zahlen & Daten, Schall & Rauch

JAHRGANG 2017  
19 september 17   
 
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Himmelhöllener Volxnachrichten am 19. September 2017

nix & upu

Himmel & Hölle

vom Tage

19.09.2017

 

Rückkehr auf einen fernen Planeten


NEUE VAHR MITTE

Rückkehr auf einen fernen Planeten
NEUE VAHR MITTE

Bevor du ankommst mit dem Auto auf dem fernen Planeten – fünfmal rot an fünf Ampeln auf der ehemaligen Franz-Schütte-Allee, die sozialdemokratisch korrekt umbenannt wurde in Richard-Boljahn-Avenue. Fünfmal auch die Tatsache, dass nicht ein einziger Fußgänger oder Radfahrer an den fünf Übergängen zu sehen war. Fünfmal Gelegenheit ein kleines Autofahrernickerchen einzulegen – der berühmte Sekundenschlaf. Auch auf den altehrwürdigen Überführungen über die Avenue nicht ein einziger Mensch zu sehen, stattdessen 2 Füchse, 1 herrenloser Hund, 3 Hühner (von den Füchsen gejagt) und ein Pferd. Auch reichlich Wildwechsel, Hirsche und Wildschweine. Dann Einfahrt in die Parkgarage des Planeten. Das Centrum Berliner Freiheit in Neue Vahr Mitte. Ein wunderbares Parkdeck mit breiten Fahrbahnen und großzügigen Parkflächen, die ein Zusammenstoßen der Fahrertüren verhindern, auch wenn eines dieser überdimensionalen neuen dicken Autodinger, wohl SUV genannt, neben deinem mittelmäßigen 20 Jahre alten Mittelklassegolf parkt. Also, locker heraus aus der rostigen Karosse und hinein ins Vergnügen Einkaufscentrum Berliner Freiheit, Neue Vahr Mitte. Über eine herrliche kilometerlange Rolltreppe ohne Stufen, auf der du dich entscheiden kannst, dich entweder treiben zu lassen oder aber selbst ein paar Schritte zu tun, hinunter in das pulsierende Leben des Planeten Neue Vahr Mitte. Ein buntes Gewirr von Alt und Jung, von Kind und Kegel, von Flott und Rollator, von Menschen wohl aus allen Gegenden des Erdreichs empfängt dich unten. Aus den Straßenbahnen, die direkt vor dem Haupteingang des Centrums halten, strömen Menschen aus den benachbarten Stadtteilen im Bremer Osten, wenn nicht sogar aus Sebaldsbrück, Mahndorf, Arbergen und Hemelingen in das große Foyer der Metropole. Aus den eher gutbürgerlichen Nachbarquartieren Horn und Oberneuland sollen, so erzählte uns später ein profunder Kenner der Neuen Vahr, Harald von und zu Jacobsmühlen, werden eher selten menschliche Exemplare im Centrum gesichtet. Allerdings sollen, so besagter Harald, Füchse und Wildschweine aus den dortigen waldreichen Gebieten über die Golfplätze und Parks in die Neue Vahr einwandern. Auch Waschbären und Wölfe. Was zuerst unten am Fuße der kilometerlangen Rolltreppe ins Auge fällt, ist Kultur. Eine plakative Ausstellung, die sich „60+50+40=150“ nennt, nimmt die Besucher des fernen Planeten sofort in Beschlag. Atemlos betrachten auch wir die Foto- und Schriftdokumente über die Entstehung des Planeten und seine Evolution seit 1957. Tolle Aufnahmen von den Baufortschritten der Sozialwohnungen für die 30 – 40.000 Einwohner damals (wie alles begann usw.). Auch eine gelungene Dokumentation über die damalige Entwicklung der Anbindung des Planeten an das Bremer Bus- und Straßenbahnnetz. Erst die Buslinie 23, dann die Straßenbahnlinie 1. Nette Accessoires wie Haltestelle und Straßenbahnermütze sind diebstahlsicher in Vitrinen ausgestellt. Auch eine Fahrkartenknippszange. Dann noch eine Abteilung Bürgerzentrum Vahr, was immer das sein mag, in der Ausstellung. 1977 – 2017, also 40 Jahre. Die Besucher des Planeten, die extra aus dem fernen Himmelhöllen angereist sind, fragen sich verdutzt: ja – und die Jahre seit Gründung des Planeten im Jahre 57 bis 77, also komplette 20 Jahre, gab’s da nichts Kulturelles und Soziales auf dem Planeten? Was war mit den tausenden von Kindern und Jugendlichen, die damals auf den Planeten siedelten – mit den kulturhungrigen Nachkriegserwachsenen aus allen Provinzen Norddeutschlands? Wurde für die in den ersten zwanzig Jahren denn überhaupt nichts geboten auf dem Neuen Planeten? In der Dokumentation des Bürgerzentrums war davon jedenfalls nicht zu erfahren. Schade. So zogen sich die Besucher aus dem fernen Himmelhöllen enttäuscht an den Mittagstisch einer Fleischerei im Fresscentrum des Kulturcentrums des Planeten zurück und aßen schlecht, aber preisgünstig. Bevor sie die Rückfahrt über die 5 Roten Ampeln antraten, schauten sie sich noch das leere Innere des Bürgerzentrums an, die Fontäne am See, das Hilde-Harder-Haus, das Aalto-Hochhaus und den Fischladen, der keine mehr ist. Der Fischladen, so erzählte Harald von und zu Jacobsmühlen, musste vor Jahren umgewandelt werden in einen Russischen Kiosk, weil ein Großteil der aktuellen Bevölkerung auf dem Planeten mit Rollmops, Flunder und Bratfisch nichts anfangen konnte. Sie verlangten nach Russischer Wurst und nach der Prawda!

Ob wir noch einmal wiederkommen, wissen wir nicht.

 

Uli Pelz

 

 

Der Besuch des Planeten fand am 8.September 2017 statt. Mit dabei war: Ines Pelz, frühere Mitarbeiterin in der Kinder- und Jugendarbeit der Heilig-Geist-Gemeinde in der Neuen Vahr Nord

 



**Aus der Mottenkiste der Himmelhöllener Volxgazzette**

 

alt & muffich

 

19. September 2017

 

 

 

 

UNTER SEGELN / REISEBERICHTE

VOR 5 JAHREN

 

Nr.20/12

Dienstag 28.August 2012 - Donnerstag 30.August 2012

meierei & möwenschiss

Berichte und Fotos von der Urlaubs-Insel Langeoog

 

Kaum, dass du das Festland in Bensersiel verlassen hast, um dich auf ein völlig überfülltes Fähr-Schiff nach Langeooog zu begeben - und kaum, dass du im Langeooger Hafen mit dem völlig überfüllten Schiff angekommen die Insel betreten möchtest, schallen dir über die Hafenlautsprecher nicht die Anweisungen des Hafenkapitäns entgegen, sondern die Schlager der Inselsängerin Lale Andersen. Dir wird nicht nur "Lilli Marleen" geboten, sondern auch "es geht alles vorüber, es geht alles vorbei", oder " Ich werd' mich an den Jonny schon gewöhnen", oder "Hein Mück aus Bremerhaven". Wir verharren in Ehrfurcht am Kai, werden dann vom Hafenkapitän aufgefordert die Inselbahn zu betreten, in der wir dann mit weiteren Liedern von Lale beglückt werden.

 

Schwaben, Badener und Bayern drängen in die niedlichen Waggons, ihre plärrenden süddeutschen Kleinkinder hinter sich her schleppend, beladen mit überdimensionalem so genanntem "Handgepäck", das sie zu geizig waren bei der Gepäckaufgabe in Bensersiel aufzugeben. Schwäbische und bayerische Großhunde blockieren die Durchgänge, die Großeltern rufen ständig: "Hanoi, Hanoi", was immer das bedeuten mag? Wir Ex-Maoisten antwortren einfach mit:"ho-tschi-min", was dann vorläufig für einen gewissen diplomatischen Ruhezustand sorgt. Ein neunjähriges Kind aus Habenhausen ruft: "Kuck mal Opa, ein Pony".

 

Am Bahnhof wirst du direkt hinausgeschleudert aus dem Inselzug  auf die so genannte Barkhausenstraße. Links und rechts überwiegend Gelddruckgeschäfte, bis auf die wenigen, die eigentlich schon insolvent sind, und in die du sofort hineinrennst, um dir die für einen Inselaufenthalt obligatorischen Restposten an Sonnenbrillen und Flip-Flops (4 Euro, Haltbarkeit 2 Tage) zu sichern. Mit diesen erworbenen Inselaccessoires begibst du dich dann in dein Ferienheim, vorbei an Kolb, vorbei an Mare, vorbei an Haus Meedland, Hasenpad, Kiebitzweg.

 

Im Ferienheim angekommen, hast du keinen größeren Wunsch als dich zu rasieren. Nass. Palmoliv, Pinsel, Gillette. Warmes Wassser ins Handwaschbecken, eingeseift, eingeschäumt - los gehts. Es entsteht ein Wassergemisch aus Gesichtshaaren, Kokosnüssen und sonstigem Abgestreiften. Fertig. Wie Uwe Seeler pfeifend Pitralon in die Rasurflächen geklatscht. Frisch. Belebend. Und dann: du willst die Rasurjauche ablassen. Denkste. Nix da. Keine Bewegung im Handwaschbecken. Kein Strudel links rum, keiner rechts run!  Deine Rasurjauche steht und glotzt dich an. Und das für mehr als 100 € pro Tag!  Ist wohl auflaufend Wasser. Da fließt an der Nordseeküste nix ab!!

 

 

Ohne Fahrrad bist du nackend auf der Insel. Gleich bei Ankunft wird dir eins aufgedrückt, egal, ob du jemals in die Pedale getreten hast, oder nicht. Kostenlos. Es herrscht Fahrradzwang auf der Insel. Autos sind ja verboten, die Pferdekutschen zu langsam. Fußgänger und Dünenwanderer werden gerade eben so noch geduldet - sie haben allerdings die Erklärung zu unterschreiben, dass sie Radfahrer, Reiter und Pferdekutschen nicht durch unsinniges  und unkontrolliertes Kreuzen und Stehenbleiben gefährden werden. Die BREMER GRÜNEN finden dieses Verkehrsleitsystem 100% Klasse. Eine Delegation von ihnen unter der Anführung von Ralph Saxe (siehe Foto links) hat sich gerade jüngst vor Ort ein Bild von der Situation gemacht. Alle waren 100% begeistert. Sie wollen jetzt 100% auf politischem und parlamentarischem Wege dafür eintreten, dass das Inselverkehrsleitsystem auch in Bremen eingeführt wird.  Die Bürgerschaftsabgeordnete Linda Neddermann, die zur Grünendelegation gehörte, auf die Frage, ob das Inselverkehrsleitsystem denn einfach so übertragbar sei auf eine Großstadt: "Selbstverständlich - ich würde sogar noch weitergehende Anträge befürworten - nämlich, dass auch das tierquälerische  Anspannen von Pferden und Ponys vor personenbefördernde und materialbefördernde Gefährte verboten  werden sollte!"  

Gastronomie auf der Insel. Es ist zu vermuten, dass die einheimischen Inselmenschen in der Winterzeit, wenn die Touristen wieder an Land sind, in ihren Geheimtreffpunkten zusammenhocken bei Watt'nBier und KüstenNebel und darüber beraten, wie am besten auf einfache Art und Weise das Geld der Fremden auf der Insel verbleiben kann. Zu dieser Geheimstrategie gehört dann wohl auch der Sachverhalt, dass die Küchen in den Ferienhäusern und in den Ferienwohnungen so minimalistisch ausgestattet sind, dass du höchstens ein Ei warm machen kannst, wenn überhaupt. Also musst du raus in die kulinarische Dünenödnis der Insel. Dabei entdeckst du allerdings auch kleine Oasen: z.B. der ganz einfache Imbiss mit ausschließlich Aussenplätzen und Selbstbedienung "Treffpunkt" an der Ecke Barkhausenstr./Gartenstr. Hier wird offensichtlich mit Spaß und Freude und Sachverstand gekocht. Die Kinder waren mit ihren Pizzen und Pommes zufrieden, die Erwachsenen waren hocherfreut über fachgerecht zubereiteten Fisch und über leckere Suppen! Preislich: einwandfrei - würde der Sachse sagen.
Gut auch das "STÖVCHEN". Fisch sehr gut gemacht. Gute "Kinderschnitzel" oder "Kinder-Fischportionen". Allerdings: Frische, junge, russische oder polnische  weibliche Bedienung, der deutschen Minimalbedienungssprache leider nicht mächtig! 

Zur "Meierei" kommen wir später im Zusammenhang mit Vogelschutzstation und Fahrradzählstelle. Nur so viel schon vorab: Die Dickmilch mit Schwarzbrot und Sanddornsaft, die dort seit 100 Jahren teuer verkauft wird, werde ich mein Langeoogleben lang  nicht anrühren!  Wenn selbst die Möwen da nicht rangehen, wenn die Dickmilch da im offenen Meiereifenster vor sich hindickt, dann ist da irgend etwas nicht ganz koscher. Unsere Vermutung: es ist Pferdemilch, denn nirgendwo in der Umgebung der Meierei sind Milchkühe, Ziegen oder Schafe zu sehen!


UND DIESES MUSS AUCH NOCH GESAGT WERDEN:

 

Wer hat nur diese spießigen Strandkörbe erfunden? Völlig widernatürlich. Den Kindern wird das natürliche  Erleben und Begreifen des Naturraumes Meer genommen, indem man sie dem richtungswechselnden Meerswind abgewandt einzwängt in diese unschönen Plastik-Korb-Geflechte. Auch die Sonne sehen sie nicht, und schon gar nicht dieses ständige Kommen und Gehen des Wassers. Sie fühlen nicht dieses elementare  Liegen im Meeressand, sie wissen nichts von der Wirkung der Meeressonnenstrahlen auf die Haut. Sie werden zu Meereskindern des Schattens, zu windempfindlichen Landeiern. So kann doch keine vernünftige Meereserziehung funktionieren. Gut, die Alten, die sich in die Plastikdinger zwängen - denen ist nachzusehen, wenn sie aus Gesundheitsgründen und auch aus ästhetischen Gründen lieber unter dem Versteck bleiben. Aber die Kinder und Jugendlichen sollten doch herauskommen aus diesen Strandgefängnissen, sich Wind und Sonne hingeben, und den Wellen und dem prallen Leben am offenen Strand. Sie sollten sich ein Beispiel nehmen an diesen Menschen, die schon dunkelbraun bis schwarz verbrannt angereist kommen an den Strand, und die sich nicht, im Gegensatz zu den Höhlenbewohner in den Strandkörben, scheuen, alles, was ihr Körper und ihre Haut -wenn dann noch welche dran ist- der versammelten Strandöffentlichkeit zu zeigen!  

 

Nun gut - wir wollen urlaubsehrlich sein: von Hochwasser, Brandung, Wellen und Wellenbaden kann hier überwiegend nicht die Rede sein. Zumindest nicht an der Stelle auf der Insel, wo wir unseren Standort (wir geben zu: im Strandkorb) aufgeschlagen hatten - am Langeooger Hauptbadestrand. Wenn Wind und Wellen und  Brandung einmal da waren, dann war bei der DLRG-Station die Rote Fahne hochgezogen: Badeverbot. Unser Meer war ein riesiger gefährlicher Pril (zumindest für Nichtschwimmer und Kleinkinder) , der mal leer und mal voll vor sich hinschlammte. Das Meer findet neuerdings dahinter statt, auf einer kilometerlangen künstlich aufgeschütteten Sanddüne, die in den letzten Jahren zum Schutze der Insel entstanden ist. Wer Brandung und Wellenbaden erleben will, muss den Pril überwinden und sich in die Bereiche außerhalb des DLRG-Sicherheitsbereiches begeben. Für Kinder, für gebrechliche Alte, für Sozialpädagogen und für Bremer völlig unmöglich! Was bleibt den Ausgegrenzten? Das tolle Wellen-Hallenbad! Für junge Schwimm- und Badenixen ideal. Für Opas eher anstrengend, zumal sie keinen Bock haben,  im Herren-Duschbereich von den braun- und schwarzverbrannten Muskelmännern vom Strand  mit Axe-Duschgel und Rexona-Shampoo sowie mit der extrovertierten Zurschaustellung ihrer äußeren Geschlechtsmerkmale belästigt zu werden!    

 

Und wenn du als älterer Mensch nach dem ersten Hallenwellenbadbesuch keine Lust mehr auf einen weiteren hast, dann fährst du ganz kontemplativ, ganz für dich alleine, die Fahrrad-Ost-Tour: Jugendherberge-Vogelschutzstation-Meierei (erst vorbei fahren)-Ostende-Meierei (was essen und trinken) zurück ins Dorf.   Gut, über das Problem Jugendherberge  gab es in der Zwischenzeit eine fb-Konferenz mit der Projektkoordinatorin beim Deutschen Jugendherbergswerk -  da wird sich in nächster Zeit etwas tun. Über die Gaststätte "Meierei" kann auch nicht viel Neues berichtet werden (siehe Bericht aus 2011: Spiegelei auf  Brot). Die Meierei ist und bleibt seit 100 Jahren die größte Geldabgreifstation auf der ganzen Insel! Keine Qualität, unfreundliche überforderte Bedienung, völlig überhöhte Preise nach dem Motto: draußen nur Kännchen! Hier hätte die Jugendherberge eine Chance. Für Familien, für Jugendliche, für Altersschwache ein modernes gastronomisches Angebot in einem DJH-Cafe draußen. So könnte sich so mancher die irrelange Fahrradreise gen Osten und so manche Stuten-Dickmilch mit Schwarzbrot und Sanddornsaft für 4,40 € ersparen.  Um die Vogelschutzstation noch kurz zu erwähnen. Sie ist keine! Sie ist eine verdeckte Fahrradzählstation des ADFC Bremen. Vögel jedenfalls haben wir bei unserem Besuch keine gesehen, aber jede Menge vorbeifahrende Radfahrer gen Osten. Bei der Rückkehr gen Westen wurden sie noch einmal gezählt.

Auch wenn keine digitale Zählstation wie auf der Wilhelm-Kaisen-Brücke in Bremen zu sehen ist: Wir haben es gesehen. Drinnen in dem Vogelschutzhäuschen saß ein junger Mann mit ADFC-Kappe und hat Strichliste geführt.  




Girlande von: BLUE SKY SUN HIGH  Handmade with Love   www.blueskysunhigh.de

 

Herzliche Glückwünsche     HERZLICHE GLÜCKWÜNSCHE       Herzliche Glückwünsche

GEBURTSTAG

18.09.17

Elfie Dieke


wo ist was los ?

freitags immer Badetag in Himmelhöllen
freitags immer Badetag in Himmelhöllen


FORTSETZUNGSSTORY

HERBERT

Fragmente 1944 - 1963

 

überarbeitete Ausschnitte aus der Familiensaga

von Uli Pelz

 

jetzt immer donnerstags

Folge 9 vom 14.09.2017

 

 

9

 

Schulgeschichten und Rugbyspiele,

oder: Glockmann, der 17 Sprachen spricht

 

 

 

Für die Mittelschüler mit der Höheren Bildung waren die schönen Zeiten unten in der Kantorei jetzt vorbei. Willem Petersen ging als Lehrer wohl mit etwa 70 Jahren in Pension. Als Kantor der Achimer Kirche soll er noch viele Jahre die Orgel und seinen eigenen grauen Anzug mit seinem Priemsaft besudelt haben, auch soll er noch viele schöne Chorwerke mit der Achimer Kantorei, die für ihren schönen Gesang im gesamten Regierungsbezirk Stade und darüber hinaus, nicht zuletzt auch in der zerbombten Stadt Bremen, bekannt war, aufgeführt haben. Es soll sogar erste internationale Chorbegegnungen mit englischen, schottischen und walisischen Chören gegeben haben, die aber wohl auf Anweisung der Britischen Besatzungsmächte, die jetzt ihr Hauptquartier in Rheindahlen bei Mönchengladbach, wo immer das geographisch gelegen haben mag in den Nachkriegsjahren, hatten, geheim gehalten werden sollten, um keine falschen Friedenshoffnungen für die Achimer und den Rest der Bewohner der Westzonen aufkommen zu lassen. Die Schüler mit der Höheren Bildung jedenfalls waren überhaupt nicht glücklich über den Weggang von Willem Petersen, wie beliebt er bei den Schülern auch immer gewesen sein mag, und über den Umzug in die neugebaute Mittelschule hinten am Sportplatz. Das 1.Flüchtlingskind jedenfalls, das ja eigentlich wegen seiner multipathologischen Beeinträchtigungen hätte gar nicht am Unterricht in der Höheren Bildungsanstalt teilnehmen können, und der von Willem Petersen regelmäßig wegen Brummens und Störens hinausgewiesen wurde aus dem Musikunterricht, und der den Umstand, dass er dennoch in die Mittelschule empfohlen wurde, nur dem Umstand zu verdanken hatte, dass Herbert Senior sich bereit erklärt hatte für Schmolke, Bauer und Pachmann, der sein Holzbein immer mindestens 30cm hinterher ziehen musste, kostenlos Lodenmäntel für den Winter zu schneidern – das 1.Flüchtlingskind also befürchtete nun, dass auch seine Karriere als Gedichtaufsager ohne Holpern und Stolpern ein jähes Ende finden würde. Auf der letzten Heimfahrt mit Badenhoop, das Fahrgeld war einmal wieder gestundet, vor dem Schulwechsel jedenfalls fing das 1.Flüchtlingskind unvermittelt im Bus an zu weinen und zu schluchzen wegen Petersen. Auf die Frage von Badenhoop, dem Besitzer und Lenker des Gefährts, weshalb er denn heulen müsse – etwa weil das Fahrgeld immer noch nicht bezahlt sei, antwortete das 1.Flüchtlingskind zum ersten Male in seinem Nachkriegsleben patzig, selbstbewusst und sprachtechnisch flüssig: „Halt die Klappe!“ Woraufhin Badenhoop kurz hinter den Borsteler Föhren abrupt stoppte, die Schiebetür des Busses aufriss und in einem Kommisston, den er wohl irgendwo in den Jahren zuvor gelernt haben musste, das 1.Nachkriegskind befehligte: „Rrrrrrrauauausssss du Kriegsversager, du Italiener, du Flüchtling du, wegen euch haben wir den Krieg verloren!“Und Christa Borstelmann aus Ueserdicken, eine Mitschülerin des 1.Nachkriegskindes, ergänzte noch: “Und wir haben keine Bickbeeren mehr im Wald, weil ihr uns alles wegfresst, ihr Flüchtlinge!“ Und Henner Block, ebenfalls ein Klassenkamerad des 1.Nachkriegskindes und späterer Erbe des größten Bauernhofes im gesamten Landkreis, kam nicht umhin, noch ergänzend zu kommentieren: „Das hast du davon, wenn du nicht richtig sprechen kannst, und wenn du noch nicht einmal die Schweine füttern kannst!“ Badenhoop jedenfalls, das Schwein, ließ das 1.Nachkriegskind mitten auf der Strecke bei den Borsteler Föhren im Wald stehen, was dieses dazu nutzte, sich der Selbstwahrnehmung an den Fingernägeln hinzugeben, sich selbstvergessen in die Hosen zu scheißen und sich selbstgefällig über die Englische Brust zu streicheln.

 

 

 

Der Ernst der Höheren Bildung und des Mittelschullebens begann für die Nachkriegskinder in der neuen Schule hinten am Sportplatz bei der Schützenhofstraße. Es wurde zwar auch geprüft, ob das Kriegs- und Flüchtlingskind Herbert Junior, das das kriegsbeschädigte, asthmakranke ältere Geschwisterkind des psychopathologischen und von der Englischen Krankheit gezeichneten 1.Nachkriegskindes der Schneider Herbert aus Sachsen und Hilda aus Ostpreußen war, mittelschulreif sei – was aber zu keinem positiven Ergebnis führte. Die Beratungskommission über die Aufnahme oder über die Ablehnung des Flüchtlingskindes Herbert Junior, der es in den Rotenburger Anstalten ja bisher nicht geschafft hatte wegen vieler krankheitsbedingter Ausfälle, in die Höhere Schulen hatten schon Bedenken gegen die Aufnahme allein wegen der Fragestellung: Was passiert, wenn Badenhoop auf halber Strecke das Flüchtlingskind Herbert Junior wegen Zahlungsrückstand aus dem Bus schmeißt? Das könne, so die Kommission, nicht verantwortet werden. Also müsse Herbert Junior seine Schulbildung weiterhin mit Unterstützung der Krankenkasse, des Versorgungsamtes, des Reichsbundes, des Kyffhäuserverbandes und des Vertriebenenverbandes in den Anstalten für Lungenkranke und Asthmakranke nachholen. Eine Inklusion in den normalen Mittelschulbetrieb, so die Beratungskommission, könne nicht verantwortet werden, zumal die Gefahr der Ansteckung für die anderen Mittelschüler zu groß sei und die Fürsorgepflicht der Lehrer bei akuten Hustenanfällen auch nicht überfordert werden könne, da viele von ihnen als Raucher sich selbst immer in der Gefahr von unbeherrschbaren Hustenanfällen befänden. Im Übrigen, so das Kommissionsmitglied der Britischen Besatzungsmächte, Sarah Fletcher, eine Kulturbeauftragte des Obersten Besatzungsrates aus Mönchengladbach, sei eine Inklusion behinderter Kinder in den normalen Schulbetrieb weder in Großbritannien noch in den besetzten Westzonen Nachkriegsdeutschlands weder von der Queen persönlich, noch von der Potsdamer Konferenz der Siegermächte 1945 vorgesehen gewesen.. So konnte Herbert Junior eigentlich froh sein, trotz des negativen Beschlusses der Kommission, nicht auf die Mittelschule gehen zu müssen, denn ihm ist im Gegensatz zum 1.Nachkriegskind der Namensvetter Herbert erspart geblieben – Herbert Glockmann! So trat Herbert Glockmann, der von sich selbst behauptete 17 Sprachen zu sprechen, nun in das Leben des 1.Nachkriegskinds ein, und zwar in den Mittelschulunterrichtsfächern Englisch, Französisch, Sport und Werken. Herbert Junior hingegen versuchte es dann noch einmal in den Rotenburger Anstalten mit dem Abitur, musste aber nach 2 Monaten wieder abbrechen, wegen der neuen bevorstehenden Lungenoperationen. Das 1.Nachkriegskind der Schneider Herbert und Hilda, das ja noch nicht einmal in der Lage war eine Sprache zu sprechen, hatte so auch Gelegenheit, seinen älteren Bruder mit der Tatsache aufzuziehen, dass es einen neuen Lehrer habe, nämlich Herbert Glockmann, der 17 Sprachen sprechen könne, und dass es so etwas in den Rotenburger Anstalten wohl nicht geben würde. Herbert Junior wollte sich das natürlich nicht gefallen lassen und forderte das 1.Nachkriegskind ultimativ unter Androhung von Faustknochenschlägen an der Tischkante auf, ihm bitteschön die 17 Sprachen von Glockmann aufzuzählen. Dabei griff er sich einen Zettel und einen Bleistift, um Striche zu machen, lehnte sich zurück in seinen Asthmasessel und wartete ab, was das 1.Nachkriegskind auf diese Herausforderung zu bieten hatte. Das 1.Nachkriegskind, das man später, so viel kann ja schon einmal bekanntgegeben werden , Ipa nennen wird und noch später Boddi, und der unter der Folterbedrohung des älteren Kriegs- und Flüchtlingskindes stand, stellte sich der Herausforderung von Herbert Junior und versuchte die 17 Sprachen, die Herbert Glockmann den Schülern in der ersten Englischunterrichtsstunde an die Tafel geschrieben hatte, und die das 1.Nachkriegskind wie ein Gedicht auswendig gelernt hatte und mehrmals vor der Prüfung aufgesagt hatte, dem Prüfer gegenüber zu referieren, während dieser den Bleistift spitzte und gehässig einfließen ließ: „Das schaffst du nie!“ Die Aufzählung der 17 Sprachen des Herbert Glockmann gelang dem 1.Nachkriegskind dann zwar nicht ganz reibungslos, weil es fürchterlich nervös war und unter der Gewaltandrohung des Flüchtlingsbruders stand, aber immerhin bekam er auswendig den Sprachenkatalog des Glockmann auch in der richtigen Reihenfolge, so wie Glockmann es an die Tafel geschrieben hatte, mühselig zusammen, wobei hier auf die Rezeption der sprachakrobatischen Bemühungen, Verdrehungen, Verholperungen, Verhaspelungen und Verzögerungen des 1.Nachkriegskindes, das jetzt irgendwann Ipa oder später Boddi genannt werden wollte, nicht näher im Detail eingegangen werden soll bis auf eine kleine Randbemerkungen, denn immerhin ist dieses hier ja keine logopädische Veranstaltung, sondern eine englisch-orthopädische. So stellte sich das 1.Nachkriegskind, jetzt genannt Ipa, vor das im Jahre 1944 zur Welt gekommene Kriegs- und Flüchtlingskind Herbert Junior auf , so als stehe er vor seinem Lehrer in der Höheren Mittelschule, und zählte die 17 Sprachen, die der Lehrer Herbert Glockmann angeblich sprechen konnte, auswendig auf: Plattdeutsch, Dddddeutsch (Bemerkungen von Herbert Junior in Klammern: potteneinfach, das kann doch jeder, außer du…), Schpschp (ja, was schp, schp)schpaaanisch du Du…du Dussel, Ost, Ostfriesisch! (keine eigene Sprache, zählt nicht!)…doch zählt, hat Gl, hat Gl, hat Glock…mmmmann ja angeschriebn, er kommt ja von da, Schwed…..isch (haben wir in Rotenburg auch, eine Erzieherin aus Flensburg), Espe…(zählt nicht: SPD ist keine Sprache, SPD ist eine Lungenklinik in St.Peter-Ording ) Espe…pe…pe…ranto , Kisu….Kisua…Kisuaheli ( bitte ?) … ja, er war in Afffffffff…rika bei den Neg…ern in den Hü, in den Hü, in den Hüüüüüütten, Russsss…isch (kann ich auch, hab‘ ich als Baby auf der Ostpreußischen Flucht gelernt), Mallokwinisch…(was Mallokwinisch, das ist doch keine Sprache, das ist doch ‚ne Insel, zählt nicht!), D…DDD…änisch (wie DDDDDänisch? Das ist doch keine eigene Sprache – die sprechen wir auf Sylt oder auf Föhr, oder in St.Peter-Ording jeden Tag mindestens 1x,, wenn wir einen Pölser an der Bude bestellen, das ist keine Sprache, das ist höchstens ‚ne Wurtssprache) – stimmt nicht: Herbert GlGlockmann war vor dem KrKrieg lange Zeit in A, in A, in Apen, in Apen, in Apenr…, in Apenr…, in Apenrade und hat gegen die Ö, gegen die Ö, gegen die Österr…, gegen die Österreicher gekämpft, Hawei ( ja, bitte, Hawei, Hawei, Hawei, Hawei – was ist mit Glockmann und Hawei?) – hat er angeschrieben, Glockmann, Hula, Hula., Franz…zösisch, ja, Französisch (Französisch, Französisch – können die Französischen überhaupt Schach spielen?), Englisch – fertig, geschafft! Herbert guckt auf seine Kontrollstrichliste und ruft hocherfreut: Das waren nur 13 und keine 17, das gibt Fingerkloppe! Das 1.Nachkriegskind, jetzt genannt Ipa, schlotterte am ganzen Englischen Körper und ergänzte die Sprachen, die Glockmann während seiner Emigration nach Großbritannien von 39 – 45 , oder war es während seiner Spionagetätigkeit im Königreich von 39 – 45, sich auch noch angeeignet hatte, und die auch mit an der Tafel standen, nämlich: „ Irisch, Schottisch, Walisisch“. Fertig. Gewonnen. Herbert Junior: „Nix gewonnen, waren nur 16!“, derweil er bereits mit dem Holzlineal die Tischkante mit kurzen Schlägen frequentierte und eine besonders lockere gewaltbereite Haltung einnahm, ohne dabei zu husten oder sich in asthmatischen Verkrampfungen, wie wir es ja meistens von ihm kannten, zu verlieren. „Das waren die 17“, so das 1.Nachkriegskind, genannt Ipa,“ mehr Sprachen gibt es ja gar nicht auf der Welt!“ Woraufhin das Kriegs- und Flüchtlingskind Herbert Junior sich die selbstzerstörten Hände und die Fingernägel des 1. Nachkriegskindes der Schneider Herbert aus Sachsen und Hilda aus Ostpreußen ergriff, um sie auf der Tischkante so zu positionieren, dass die folgenden Schläge auf die Handknöchel auch ihre schmerzhafte Wirkung erzielten. Noch kurz vor der brüderlichen Folter rettete sich das 1.Nachkriegskind, genannt Ipa, mit dem fast euphorischen, sprachtechnisch einwandfreien Aufschrei: „ Schina, Schina, Schina…., er kann auch Schinanesisch, ich hab‘ gewonnen, ich hab‘ gewonnen…!!! Herbert Junior, eigentlich siegesgewohnt, konnte diese Niederlage gegen das 1. Nachkriegskind psychisch nicht verkraften und kompensierte mit sofortigen asthmatischen Anfällen, bei denen er wie immer seinen asthmatischen Auswurf in einem großen Einweckglas auffangen musste, das dann später zusammen mit dem Scheißeimer hinten auf den Außenklos bei den Schweinen entleert werden musste. Die Aufgabe hatte Herbert Senior. Wenn er nicht war, entweder auf Schicht bei Borgward oder auf Dorfkommunikation bei Bischoff, Schulz oder Segelken, dann blieb das Entäußerte der Familie im Eimer eben bis zur Rückkehr des Schneidermeisters solange in der Küche, die ja auch gleichzeitig Schneiderwerkstatt, Waschraum, Spielzimmer und Kohlenvorratsraum war, stehen, bis der Sächsische Herbert in die Burg zurückkehrte. Dabei konnte es aus körperlichen Gleichgewichtsgründen natürlich passieren, dass der Inhalt des Eimers den Weg von der Flüchtlingsnotunterkunftwohnung oben über die Treppe hinunter bei Sonkowski aus Berlin, der Hauptstadt der DDR, vorbei über den Flüchtlingsgarten hin zu den Schuppen und Scheißhäusern, nicht ohne Verluste verlief, zumal der Eimer immer bis Oberkante Unterlippe gefüllt war. Nun gut, was kümmern wir uns um die hygienischen Verhältnisse in den Notunterkünften für die Flüchtlinge und Umsiedler der Nachkriegszeit, kümmern wir uns doch um die Bildung der Flüchtlings- und Nachkriegskinder, auch sollte über den Fortbestand der ländlichen, dörflichen Strukturen nachgedacht werden, denn schließlich sind ja die Zuwanderer aus den Ostgebieten nicht gen Westen gezogen, um Grünkohl, Pinkel und Knipp zu verdrängen.

 

Unabhängig von den asthmatischen Anfällen des Herbert Junior und unabhängig von den manchmal mehrtägigen Schneiderbesuchen des Schneidermeisters Herbert Senior in den einschlägigen Wirtshäusern des Landkreises mussten die Mittelschüler der Höheren Bildungsanstalt statt ihres geliebten Fußballspiels in der Mittelschule nun das Englische Rugbyspiel erlernen. Und zwar deswegen, weil Glockmann von 39-45 nach England emigriert war, oder war er möglicherweise als unerkannter deutscher Spion in England als fish-and-ships Verkäufer tätig? Wie auch immer, egal ob Emigrant oder Spion, auf jeden Fall stellte sich Herbert Glockmann in seinem Englischen Trainingsanzug mit der Aufschrift „Philipp“ vor die versammelte Mannschaft der männlichen Mittelschüler des Jahrgangs des 1. Nachkriegskindes, jetzt genannt Ipa , die Klassen a und b, (die Mädchen hatten derweil Handarbeit bei Frollein Koch, die extra aus der Volksschule dafür abgestellt wurde) ließ in Reih und Glied nach Größe antreten und vergnügte sich vor den geschlechtsunreifen Provinzkindern an der Regulation der eigenen äußeren Geschlechtsmerkmale, zumal die exorbitante Voranstellung des Hauptschuldigen, die deutlich für alle Landeier an der Königlich Britischen Trainingshose des Glockmann abzulesen war, nicht besiegt werden wollte. So ließ er zum Aufwärmen, bevor weitere sporttheoretische Erklärungen zum Englischen Rugbysport von ihm folgen sollten, erst einmal 50 Liegestützen von den Schülern wuppen in der Hoffnung, dass die vorderen Ausbeulungen der Englischen Trainingshose bis zum Ende der Liegestützen dann sich abgeschwächt hätten. Aber Irrtum, je mehr er die Mittelschüler bei ihren Bemühungen um die 50 Armstützen beobachtete, um so mehr steigerte sich die Expansionslust des Hauptschuldigen an der vorderen Ausformung der Englischen Trainingshose. Nur gut, dass Frollein Koch und die Mittelschülerinnen dieses unwürdige Englische Schauspiel nicht haben mit verfolgen müssen. Frollein Koch hätte doch, wie immer, ausgerufen: „Wenn das der Führer gesehen hätte…“ Herbert Glockmann löste die Trainingshosensituation mit einem einfachen Trick, nämlich dem, dass er einen eiförmigen Ball, den die Mittelschüler in ihrem bisherigen Leben noch nie gesehen hatten, hervorzauberte und diesen so vor seine mittleren Körperbereiche hielt, dass keine Trainingshosenbewegungen mehr von den Mittelschülern wahrzunehmen waren. Diesen eiförmigen Ball vor den Genitalbereich haltend und dabei, wie es Glockmanns Stil war, den Eierball in den Händen elliptisch kreisen zu lassen, erklärte er nun den Jungs der Klassen a und b. wie das Englische Rugby geht. Dabei verstanden die Mittelschüler, dass niemals zurückgespielt werden darf; auch verstanden sie , dass sowohl mit Fuß und mit Hand gespielt werden darf; auch begriffen sie, dass es keine Torwarte gibt, weil die dieses Ei sowieso nicht halten könnten; auch verstanden sie, dass im Kampf jeder gegen jeden alles erlaubt sei, außer Spucken, Arschtreten, in die Geschlechtsorgane treten, auf den Kopf hauen, Würgen, Armumdrehen (Tausend Ameisen) und in die Augen greifen; auch würden, so wurde es von Glockmann den niedersächsischen Mittelschülern vermittelt, Haareziehen, Ohrenbeissen und Nasekneifen nicht geduldet, sonst sei aber alles erlaubt. So pfiff Glockmann also an, forderte die Klassen a und b auf, sich wie die Neuseeländer und Südafrikaner im Mittelkreis aufzustellen, dabei die Arme über die Schultern der Mitspieler zu legen und in die gemeinsame Rugbybeuge zu gehen und sich mit den Köpfen der Gegenspieler zu berühren, so dass unten zwischen beiden Teams ein Tunnel entsteht, in den dann der Schiedsrichter, in diesem Falle natürlich Glockmann persönlich, den eiförmigen Rugbyball werfen würde – und die Mannschaft, die in zuerst erwischt, darf dann den ersten Angriff starten. Zum Glück waren die körperlichen Extremstellungen bei Glockmann abgeschwollen, so dass er das Ei jetzt freigeben konnte, wobei die Jungs dann auch während des Spiels, wenn sie weit genug von Glockmann entfernt auf dem Platz operierten, bösartige frühpubertäre und frühsexistische Bemerkungen über die Trainingshose von Glockmann austauschten, sogar von Gegenspieler zu Gegenspieler. Bevor Glockmann den Ball freigab erklärte er noch einmal eindringlich, dass die Englischen Rugbyregeln, im Gegensatz zu den Französischen, bestimmen, dass nur der ballführende Spieler körperlich angegriffen werden darf, alle anderen dürften nicht angegriffen werden.

Doch diese Regel haben die Nachkriegskinder, die ja alle mit den Kampfidealen ihrer Kriegsväter großgezogen wurden, und die Feigheit vor dem Feind nicht vorsahen, wohl nicht richtig wahrgenommen. Denn sofort nach Glockmanns Tunnelwurf lagen alle 30 Spieler, so viele mögen es wohl gewesen sein, in einem großen Haufen übereinander und untereinander und prügelten und dreschten aufeinander ein, bis sich einer der Spieler, egal von welcher Mannschaft, mit dem Ei unter dem Arm aus dem Knäuel befreien konnte und wie ein Hase losrannte, woraufhin alle anderen 29 wie eine wilde Fuchsmeute hinterherrannten, ihn durch einen gezielten Sprung von hinten in die Beine umrannten. Hier, das darf an dieser Stelle erwähnt werden, war das 1.Nachkriegskind der Schneider Herbert Senior und seiner Frau Hilda, das jetzt von allen Mitschülern nur noch Ipa gerufen wurde wegen einer Internationalen Ausstellung in Leipzig, Ostzone, besonders eifrig. Dieser Ipa also war beim Hinterherrennen und beim Umrammen des Geflüchteten besonders pfiffig und schnell, musste dann aber regelmäßig zusammen mit dem umgerammten Geflüchteten in Kauf nehmen, dass alle anderen restlichen 28 Spieler sich auf sie einstürzten, so dass sich erneut ein neues unüberschaubares Kampfknäuel bildete, aus dem heraus dann irgendwann, manchmal dauerte es 5 Minuten, einer der Spieler mit dem Ei entwischte – so dass das Renn- und Prügelspiel von vorne losgehen konnte. Herbert Glockmann hatte riesige Freude daran, „seine Jungs“ so sportlich und dennoch fair zu erleben. Nur manchmal pfiff er ab, um zu fragen, ob schon jemand verletzt sei, und um noch einmal darauf hinzuweisen, dass ausschließlich der ballführende Spieler angegriffen werden dürfe. Dann pfiff Herbert Glockmann wieder an, ließ den Tunnel machen, warf das Ei ein und überließ die Mittelschüler, die ja eine Höhere Bildung anstrebten, ihrem selbstbestimmten, emanzipatorisch-demokratisch sportlichen Handeln auf dem Rugbyplatz, was sicherlich den Britischen Besatzungsmächten sehr gut gefallen hätte, hätten sie nur einen Beobachter in die Sportstunden mit Herbert Glockmann auf dem Sportplatz nahe der neuen Mittelschule Achim entsandt. So verpufften die Höheren Bildungsbemühungen in Sport und auch in den weiteren Fächern, die Herbert Glockmann in der Mittelschule zu bieten hatte, wie Englisch, Französisch und Werken, im schnöden niedersächsischen Schulalltag, da die Briten keine Zeit für Schulinspektionen hatten, da sie sich ja mit dem Kalten Krieg, den Aufständen in den sozialistischen Ländern , der Suez-Krise und in Vorbereitun g auf die 80er Jahre mit den Falkland-Inseln beschäftigen mussten. So pfiff Glockmann das Englische Rugbyspiel pünktlich zur Pause ab, überließ die Spieler ihrem persönlichen hygienischen Schicksal und erwartete, dass alle pünktlich zur nächsten Englischstunde bei ihm in Raum E 3 erscheinen, die b-Klasse in Raum E 4 zu Mathe bei Manfred Muster. So marschierten dann das 1. Nachkriegskind, von allen Ipa genannt, der Schneider aus Sachsen und Ostpreußen, und die Klassenkameraden, dreckig und zerbeult wie sie waren vom Englischen Kampfspiel, in den Klassenraum, um bei Herbert Glockmann, der inzwischen geduscht hatte und den besagten Englischen Trainingsanzug mit der Philippaufschrift und den Ausbeulungen im vorderen Hosenbereich abgelegt hatte und getauscht hatte gegen einen Anzug, den er wohl nicht bei einem Fachschneider wie Herbert Senior hat anfertigen lassen, sondern, wie es sich zu der damaligen Zeit mehr und mehr durchsetzen sollte und zum Untergang des legendären Deutschen Schneiderhandwerks führen sollte, wohl „von der Stange“ bei Kepa gekauft hatte. Dazu legte er einen schottisch gemusterten Schlips an, der von einem ebenfalls schottisch gemusterten Hemd begleitet wurde. Allerdings soll trotz aller konfektioneller Verfehlungen des Glockmann hier auf die Qualität seines Mittelschulunterrichts in Englisch und Französisch nicht näher eingegangen werden, besonders auch nicht unter dem Aspekt, dass hier die ohnehin eingeschränkten Sprachmöglichkeiten des 1.Nachkriegskindes, genannt Ipa, nicht noch durch weitere Herabwürdigungen im Hinblick auf seine Unmöglichkeit des Erlernens von Fremdsprachen in den Dreck gezogen werden sollen, was außerordentlich englisch unsportlich und unfair wäre. Dabei ist doch auf jeden Fall zu berücksichtigen, dass von jungen Menschen, denen eine normale bildungsbürgerliche sprachliche Sozialisation nicht vergönnt war, und die darüber hinaus auch noch durch die von Krieg und Flucht verursachten Erziehungsmängel und Psychischen Störungen und zudem noch von den Englischen Krankheiten beeinflussten Persönlichkeitsdefiziten, nicht erwartet werden kann, dass sie zu allem Überfluss auch noch Sprachen wie Englisch und Französisch erlernen. Das 1.Nachkriegskind der Schneider Herbert Senior und Hilda jedenfalls, das ja ohnehin nie wusste, ob es in der Mittelschule pünktlich ankommen wird, egal ob mit dem kaputten Fahrrad oder mit dem kaputten Bus von Badenhoop, und das den Necknamen Ipa trug, quälte sich mühsam und ohne Motivation in die Sprachlehrveranstaltungen von Glockmann, der sich besonders gerne von den Schülern seine eitlen, selbstbezogenen Fremdsprachshows in Form von wöchentlichen Klassenarbeiten bestätigen ließ. Dabei nahm er weder Rücksicht auf kriegsbedingte Leiden einzelner Schüler, noch auf nachkriegsbedingte Defizite einzelner Schüler, und schon gar nicht auf Schüler, die außer der häuslichen niederdeutschen Sprache in ihrem Leben noch nichts anderes kennengelernt und gehört hatten, und die sich gar nicht vorstellen konnten, dass es auch andere Sprachen außer Plattdeutsch geben könnte, wie zum Beispiel der lieben Christa Borstelmann aus dem Ueserdicker Blaubeerwald. Objektiv gesehen, unabhängig von diesen lächerlichen Englischen Krankheiten des 1.Nachkriegskindes, kann festgestellt werden, dass der Unterricht von Herbert Glockmann von außerordentlicher Qualität gewesen sein muss, denn noch Jahre später war Herbert Glockmann in fast allen Norddeutschen Volkshochschulen im Entscheidungsbereich der Britischen Besatzungskräfte als Dozent für Niederdeutsch, Hochdeutsch, Spanisch, Ostfriesisch, Schwedisch, Esperanto, Kisuaheli, Russisch, Mallorquinisch, Dänisch, Hawaiianisch, Französisch, Englisch, Irisch, Schottisch, Walisisch und Chinesisch tätig. Er soll, wie man hört, noch in hohem Alter Fremdsprachunterricht gegeben haben und als Trainer für das Englische Rugbyspiel tätig gewesen sein beim Hamburger Sportverein. Wie nun Glockmann später in der Mittelschule das 1.Flüchtlingskind, genannt Ipa, im Werkunterricht zusammen mit Faber aus Achim beim Rauchen erwischte, und wie es mit dem Flüchtlingskind Herbert Junior weitergeht, der erneut operiert werden muss, und nun bald nur noch eine ¼ Lunge haben wird, …und wie die Nachkriegskinder froh darüber waren, dass Herbert Junior wieder einmal für mehrere Wochen nicht zu Hause war, und wie sie trotzdem sehr traurig darüber waren und ihn mehrmals im Krankenhaus besuchten, …und wie Hilda, die Mutter der 4 Flüchtlings- und Nachkriegskinder, die Zeit des Krankenhausaufenthaltes von Herbert Junior nutzte, um ihre BDM-Begabungen wie Gymnastik, Tanzen, Theater neu auszuprobieren….und wie Hilda Mitglied im Theaterkreis wurde,…und sie mit dem Theaterkreis Opern und Operetten in Bremen besuchte, und wie sie dann anschließend nach der Rückkehr aus Bremen noch Flamingo bei Bischoff tranken, wo die Herren der Schöpfung bereits bei lauthalsigen Doppelkopfspielen zusammensaßen und auf ihre kulturbeflissenen „Stadtweiber“ warteten, …und wie Hilda mit der Theatergruppe das Stück „Wenn der Hahn kräht“ in Bischoffs Saal aufführt…, das die Junge Pionierin als „albernes bürgerliches Theater ohne dialektisch-proletarischen Hintergrund“ kritisiert und vorschlägt, stattdessen doch einmal die Lehrstücke von Brecht einzustudieren, wie z.B. die „Die Ausnahme und die Regel“ oder „Die Maßnahme“, und wie nun endlich das Kreisturnfest in Embsen stattfindet, bei dem das 1. Nachkriegskind im 7-Kampf (Disziplinen: 50m, Weitsprung, Hochsprung, Werfen, 400m, Schleuderball, Schweinereiten…) antritt und kläglich wegen der Englischen Krankheit und der Beeinträchtigungen am Kopf durch die Murmelsackschläge des Flüchtlingskindes Herbert Junior und der Beeinträchtigungen wegen des Ackerwagenunfalls an der Englischen Brust beim Werfen versagt, und wie es zu dem unrühmlichen Höhepunkt des Kreisturnfestes kam : Das Faustballendspiel Bassen gegen Langwedel, das im totales Chaos wegen der Zuschauer am Rand endete und wegen der unglaublichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter aus Fischerhude, und wie es zu den gegenseitigen Beleidigungen der Spieler beider Mannschaften kam, die in einer wilden Hauerei jeder gegen jeden kurz vor Schluss, als es 8:8 unentschieden stand, endete, …und wie es beim Bau einer drei Meter tiefen Erdhöhle durch die Nachkriegskinder und dem Hissen der Deutschen Reichsfahne vor der Höhle fast zu einer tödlichen Katastrophe gekommen wäre, …darüber, und noch über verschiedenes anderes aus der Nachkriegsprovinz, davon soll nun noch vor Weihnachten erzählt werden

 

wird fortgesetzt am nächsten Donnerstag 21.09.17