Der Sommer 21

Der Sommer 21

zwischen den Deutschen Gedenktagen

17.Juni und 3.Oktober
Notizen und Aufzeichnungen

Auszüge

 

Teil 1

Beim Brillenmann

 

Der Sommer ist da. 37°im Schatten Körpertemperatur. Alle schwitzen wie verrückt. Besonders die aufständischen Proletarier, die sich auf den Straßen und Plätzen versammelt haben, um Steine und sonstige Maurerutensilien auf die vorgefahrenen Panzer zu werfen. Später erscheinen die Fotos von den Vorgängen auf den Briefmarken der westdeutschen Post. Der Tag wird seitdem „Tag der Deutschen Einheit“ genannt. Mit der stickigen Straßenbahn dann in die Stadt gefahren. Im Schatten des Cafés am Rande des Marktplatzes die Wartezeit bis zum vereinbarten Termin beim Brillenmann überbrückt. Beim Brillenmann dann ein erneuter Sehtest, der bestätigte, dass ich wieder gut kucken kann, allerdings nur geradeaus. Zum Lesen, so wird dann weiter festgestellt, benötige ich allerdings eine Sehhilfe, sonst tappe ich in den Büchern und Zeitungen im Verschwommenen. Ist ja auch nicht so schlimm, so der Brillenmann, da ich ja ohnehin nicht verstehen würde, was geschrieben und gedruckt wurde. Allerdings würde er mir, so der Brillenmann weiter, würde er mir trotzdem eine feine Lesebrille verkaufen, damit ich auch das Kleingedruckte begreife, Runde 200 Euro. Abholung des Gestells mit den feingeschliffenen Gläsern nach E-Mail-Eingang. Nach der anstrengen Prozedur beim Brillenmann auf dem Platz vor dem Bremer Ratskeller noch ein Gläschen Weinschorle. Schön, dass man wieder die Aussengastronomie nutzen kann, um sich vom Stress des heißen Sommerwetters und von den Anstrengungen beim Brillenmann mit einem kühlen Getränk zu erholen. Am Abend dann noch lange nach Beendigung der Fussballübertragung auf der Balkonterrasse gesessen und der Nachbarschaft beim Fleischgrillen und Biersaufen zugeschaut.   

Schwüle Tage

 

Wieder einer dieser hochsommerlichen schwülen Tage. Die Menschen der Neustadt und viele mit der Straßenbahn ankommende Nicht-Neustädter erobern den See, der ja eigentlich ein Nebenarm der Weser, ein Überlaufkanal, ist. Halbnackt, wenn nicht sogar vollnackt, suchen sie einen Badeplatz auf der Deichböschung oder direkt hinten auf der Liegewiese. Allerdings versorgt sich die nackte Jugend vorher mit reichlichem Getränkevorrat im angrenzenden Supermarkt. Kistenweise wird lauwarmes Bier geschleppt und nach Vorlage des Personalausweises auch härtere Sachen. Dem entsprechend kehren sie dann am Abend oder in der Nacht in wenig erfreulichen Körperverfassungen an den Ausgangspunkt ihrer Badeerlebnisse, die Haltestelle, zurück. Wobei zu vermuten ist, dass die meisten der jungen Menschen das Weserwasser gar nicht gespürt haben, sondern sich eher mit Flüssigkeiten aus Flaschen und Behältnissen begnügt haben. Ob auch andere Opiate im Spiel waren, kann nicht genau behauptet werden, liegt aber nahe. Zumal die Rauchschwaden, die von den Grillplätzen hinüberschwappen in der Regel nicht nur nach verbrannten Grillkohlen riechen. Es wird wohl auch ein wenig verbrannter Zucker und Honig dabei sein  

Sommeranfang

 

Sommeranfang. Wunderbare nächtliche Abkühlung. Die Leute, die gestern noch mit blanker Brust an der Haltestelle standen, stehen heute wieder ordentlich angezogen mit aufgespannten Regenschirmen an derselben. Bauarbeiten am Deich und am See kündigen sich an. Der Wagen mit den Verkehrszeichen und den Absperrgittern hat alles vorbereitet. Zu vermuten ist, dass sich in Kürze der gesamte Radfahrerverkehr zwischen Habenhausen und der Innenstadt vom Deich runter durch den Deichschart auf den Buntentorsteinweg verlagern wird und bei uns durchs Schlafzimmer rollen wird. Es soll hier am See ja alles noch schöner werden und bei gutem Wetter noch mehr Besucher anlocken. Was dann wohl los sein wird, wenn sie unten am See die Terrassen hingebaut haben. Der Flinsenmann steht bei heftigem Regen unter dem aufgespannten Sonnenschirm und raucht Kette. In die Bude rein kann er nicht, da rührt die Flinsenfrau den Teig an. Beide haben ja keinen Platz in der Bude. Heute am Abend ab 18 Uhr dann wohl wieder Fussball-EM. Russland gegen Dänemark. Das größte Land gegen das kleinste. Ungerecht. Aber Dänen lügen ja nicht, sie zeigen, was wahr ist. Aufm Platz! 

China-Eck

 

Überraschender Besuch der erwachsenen Enkeltochter. Die beim „China-Eck“ erstandene Portion Bami-Goreng durch drei geteilt. Sie berichtet von schönen Tagen mit ihrer Clique auf der Insel Fehmarn und zeigt die entsprechenden Fotos auf ihrem Handy. Erdbeeren und Kirschen nach dem Bami genascht und Einführung in das moderne Handywesen. Am Abend zum letzten Male Spargel vor dem Johannistag. Pellkartoffeln angebraten dazu, kleine Fleischsoße. Herrliches selbstgemachtes Pesto, für Kenner noch Pecorino drüber. Eine Inflation der Regenbogenfarbenfreunde übergießt die Medien. Weil das Stadion in München beim Spiel gegen Ungarn nicht in den Farben erleuchtet werden darf. Verbot durch die UEFA. Wie kann eine Institution, die in den Tälern der Schweizer Berge haust, einer Großstadt wie München vorschreiben, was sie anstrahlt und ausstrahlt? War es nicht Johannes Mario Simmel, der bereits vor ca. 50 Jahren ein Regenbogenbuch geschrieben hat? Und war es nicht unsere Mutter, die im Haus Regenbogen in Sagehorn ihre letzten Lebensjahre verbracht hat, und die nach ihrem Gefühl dort nichts zu essen bekommen hat? Regenbogenvielfalt. 

Regenbögen überall

 

Deutschland gegen Ungarn. Wie das Spiel am Abend ausgeht, ist eigentlich egal. Hauptsache man hat seine Regenbogenfahne gezeigt. Jeder Arsch, der noch vor Jahren gegen Homosexuelle und Ausländer hetzte, holt jetzt plötzlich die Regenbogenfarben aus dem versifften Rucksack und wedelt damit rum. Über die UEFA nachzudenken, lohnt sich eigentlich nicht. Das ist dort in den Tälern der Schweizer Berge ein unantastbares Pseudo-Königreich. Über Ungarn muss in Europa nachgedacht werden, ob eine weitere Mitgliedschaft noch vertretbar ist. Auf Kosten der Steuerzahler der anderen Mitgliedsstaaten machen sich dort Faschisten, Nationalisten und Rassisten breit. Was heißt breitmachen? Sie sind dort tief verankert. Ich erinnere mich in diesem aktuellen Zusammenhang an eine Dienstreise vor ca. 20 Jahren nach Budapest. Austausch mit ungarischen Kriminologen und Sozialhelfern und Kriminologinnen und Sozialhelferinnen. Bei der Gelegenheit hatten wir auch das Vergnügen ein ungarisches Jugendgefängnis besuchen zu dürfen. Erschütternd. Mindestens 80% der dort einsitzenden jungen Männer waren Sinti und Roma. Das hat Methode in Ungarn! Auffällige junge Menschen aus der großen Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma werden mit Vorliebe weggesperrt. Für die damaligen ungarischen Kolleginnen und Kollegen überhaupt kein Problem. Es ist so, wie es ist – seit Jahrzehnten, wenn nicht seit Jahrhunderten. Den Schwulen und Lesben in Ungarn droht nun das gleiche Unglück, wenn sie nicht schon einsitzen. 

Zimtschnecke

 

Einmal wieder eine kleine Fahrt mit dem Carsharing-Auto in die Stadt bis in die Hochgarage. Deck 7. Von dort aus gibt es einen herrlichen Blick auf die Kirchturmspitzen der Stadt. Einfach wundervoll. 10 Minuten kontemplativ die Spitzen von Dom, Liebfrauen und Martini betrachtet und innegehalten. Dann unten einen Brief zu den Stadtwerken gebracht, am Schlachterwagen Fleisch eingekauft, im Fischgeschäft Fisch, später noch im Kaufhaus Garn geholt, am Rathaus Ostseite Wurzeln, Kohlrabi, Kartoffeln, Blumenkohl und Petersilie mitgenommen. Zum Schluss noch zwei schöne Tassen Bohnenkaffee, eine Zimtschnecke, ein Butterbrot mit echtem französischem Brie drauf – alles im Schatten der ehemaligen Bremer Bank, jetzt Manufactum. Am Nachmittag unverhoffter Besuch von der Habenhauser Schwiegertochter. Alles besprochen: Abitur, Mercedes, Urlaub in Italien, bevorstehende Feiern. Das Leben geht weiter. Am Abend einmal wieder ohne Sportübertragungen bis in die Nacht hinein auf der Balkonterrasse gesessen und einfach so rumgekuckt und Radiomusik gehört. Bremen 2. Herzstücke. 

Heißer Sonntag

 

Der Hochsommer ist da. Die Deiche, die Parkplätze, die Haltestellen und die Liege-Sonnen-Bräunungsplätze voll mit sommerdurstigen Menschen aus der ganzen Welt. Die Mitbewohner flüchten aus dem Haus, wohin auch immer – darüber wird nicht gesprochen. Wir richten uns auf der Balkon-Terrasse ein, drehen den Sonnenschirm hoch und lesen bis zum frühen Nachmittag die Sonntagszeitungen und die Konsumenteninformationen. Dann Siesta hinten im Kühleren, gegen 5 zurück ins Sommerleben. Heute leider kein Ping-Pong. Zu heiß. 

Reiseträume

 

Weiter hochsommerliches Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit. Jede Bewegung ist zuviel. 2 Stunden Siesta hinten an der lauten Straße, dabei geträumt von 14 Tagen bis drei Wochen irgendwo am Meer. Einfach einmal wieder raus. Einfach einmal wieder etwas Anderes erleben als Parkplatz, Haltestelle (die im Übrigen in der letzten Nacht zerstört wurde), Deich, See und Ping Pong. Eine Reiseidee an die Ostsee entwickelt. Wismar. Die Idee hatte allerdings sofort einmal wieder keine Chance. Corona – obwohl wir alle Vorsichtsmaßnahmen einhalten und geimpft sind. Wir werden wohl im Keller übersommern!

Halbjahresbilanz

 

Wieder ein halbes Jahr vorüber. Und was hat es gebracht? Augenangelegenheiten, heftige Entgleisungen, Verzweifelungen. Depressionen. Der Wunsch, einmal für längere Zeit woanders zu landen, 3 bis 4 Wochen, ist riesengroß. Nordsee oder Ostsee, schön wäre auch Bodensee. Hauptsache raus und andere, neue, erholsame Erfahrungen machen. Alles reparieren, noch einmal neu anfangen. Warum tun wir es nicht einfach?

 

 

DER SOMMER 21

Teil 2

Ping-Pong

 

Sportliche Frage an Timo Boll: Soll man abpfeifen, wenn vor Deinem Bollkon statt Tischtennis Ping-Pong gespielt wird?

 

 

Ansonsten: Im Leergutcentrum den Verdunst der letzten Tage eingeworfen, im Alkoholverteilungszentrum Nachschub aus dem Südbadischen und aus der Gascogne abgeholt, im Baumarkt Holz-Öle, Pinsel, Töpfe und Pflanzen vor die Kasse geschoben. Alles für die holzpflegerische, pflanzliche und blumische Erweiterung des Balkons. Am Abend, im Anblicke des Pingpongs, Kabeljau aus der Nähe von England in einer würzigen, weißen, senfigen Soße gedünstet. Risotto aus feinen gedünsteten Zwiebelchen und noch feineren julianischen Streifchen aus rotem Spitzpaprika. Ihringer trockner gekühlter Weißburgunder. Baden.

 

 Schweinbraten an Calvados

Einmal wieder einen größeren Wochenendeinkauf im REWE-Markt nebenan getätigt. Methode: Einkaufswagen bis in die Küche – Einkaufswagen zurückbringen. Ob das erlaubt ist, oder ob das schon den Straftatbestand „Wegnahme fremder beweglicher Sachen“ erfüllt, das ist bisher ungeklärt. Es gibt keinen Wachdienst des Marktes, der die Wegnahme und die Rückgabe der Einkaufswagen kontrolliert. Wahrscheinlich ist der gesamte Parkplatz und die Einkaufswagendepots videoüberwacht. Drinnen im Markt überwiegend jugendliche Konsumenten, die überwiegend die aktuellen Regeln im Hinblick auf Abstände und gegenseitigem sozialen Verhalten einhalten. Die goldkettenbehängte Dame am Fleischerstand ist ja nicht mehr in die Kategorie „jugendlich“ einzuordnen. Vorgedrängelt, nicht wissend, was sie eigentlich kaufen möchte. Letztendlich landete sie bei schönen flachen Kalbschnitzeln. Während ich Teile vom Schwein nahm. Planung: Gemischter Schweinebraten an Calvados, Äpfeln und Zwiebeln. 

 

Berührende Nachricht

 

Per E-Mail heute eine traurige Nachricht erhalten. Thomas, einer der Jungs, die in den Jahren 79 – 83 mit meiner Frau und mir und unseren damals kleinen Kindern zusammen im so genannten „Bewährungshaus“ lebten, ist im Alter von knapp 60 Jahren gestorben. Wie lange er damals bei uns war, kann ich nicht mehr exakt schreiben. Nach Gefühl war es eine lange Zeit. Ich sehe ihn noch säckeweise Kartoffeln reiben für die Puffer für das Straßenfest in der Essener Straße. Über seinen Kumpel Detlef, der später im Verein einen Arbeitsvertrag bekam, habe ich in den Jahren danach hin und wieder Informationen bekommen, was aus ihm geworden war. Seine Frau war bei uns im Verein dann später als Reinigungskraft beschäftigt. 

 

Pianistenanzug

 

Sonntag. Endlich einmal eine Fußball-Pause. Bis Dienstag und Mittwoch. Dann geht’s es aber wieder richtig los. Bis hin zum Endspiel am nächsten Sonntag. Es gibt für mich keinen anderen Favoriten als Italia. Ich hatte früher sogar einmal ein Trikot mit den Abzeichen von Italien drauf. Das ist leider eingelaufen. Zuviel Pasta und Pesto. Und Pino Grigio. Am Abend Schleswig-Holstein Musik-Festival Eröffnung im 3sat aus Lübeck. Ein junger toller Pianist im Pianistenanzug mit herrlicher Haarpracht schwitzt wie Sau und träufelt die gesamte Tastatur mit Schweißperlen voll. Kann man nicht auch einmal an die Klassische Musik lockerer und jugendlicher rangehen. Man möchte ja nicht wissen, wie es unter den steifen „Talaren“ der Dirigenten und Musiker muffelt. Die Musikerinnen sehen da schon lockerer und luftiger aus. Zumindest sieht man ihnen keine mit Krawatten und Fliegen strangulierten Hälse. Am 5.Juli dann Brillenabholtag. Hoffentlich verbessert sich das Sehvermögen der letzten Tage. Ständige Kopfschmerzen und Schwindel wegen der ständig wechselnden Sehperspektiven mit diesen Billig-Lesehilfen.

 

Voll In Action

 

Neue Lesebrille. Mit Halskordel dran, damit sie nicht in die Calvados-Soße runterrutscht beim abendlichen Essen. Man kann sie auch abnehmen und einfach so am Schweinebraten nagen. Beim fotographischen Stadtdurchgang vom Café Classico bis zur Haltestelle der Linie Vier am Schüsselkorb ein interessantes Gespräch mit einem Aktivisten der Rathausvorplatzbesetzung. Sie fordern die sofortige Umsetzung der Klimaziele 2032 vom Bremer Senat, sonst bleiben sie vorm Rathaus. Aber irgendwie ohne Ergebnis das Gespräch - irgendwie beiderseitige Ratlosigkeit. Ob ich auch Personen fotografieren würde, so die ängstliche Frage zweier Aktivisten. Wer ich denn sei? Etwa Fotograf? Für wen ich fotografieren würde? Meine Antwort, dass ich keine Personen fotografiere, sondern nur Stadtbilder, haben sie mir wohl nicht ganz abgenommen und mich wohl verdächtigt, dass ich vom Staatsschutz sei. Mein Angebot ein Gruppenfoto zu machen, wurde dann auch strikt abgelehnt. So ging ich weiter und fotografierte das Aktion-Gebäude auf dem Domshof. Hochschule für Künste in Action.

 

Grillen hinterm Friedenstunnel

 

Abendlicher Besuch bei Katrin, Roman, Paul und Anton. Auf der abendlichen schönen Terrasse ein bis zwei Gläschen Weißwein, Fleisch und Wurst auf dem dampfenden Grill, Geröstete Kartöffelchen. Grüne Idylle im Hinterhof. Von Ferne aus den umliegenden Häusern etwas Russische Musik, vielleicht sogar Helene Fischer. Es war einfach gut einmal wieder herauszukommen und in der Nähe des Friedenstunnels einfach ganz pazifistisch Fleisch zu fressen. 

Heute auf der Einkaufsmeile Kornstraße 

n der Bremer Neustadt eine freudige Überraschung erlebt: Nach dem Entsorgen unliebsamen Glases in den dafür vorgesehen Containern in der Nähe der Bezirkssportanlage Süd, und nach dem kurzen Einkaufsaufenthalt in einem der berühmtesten Discountläden der Welt, und dem späteren Rezepteherausholen beim Leibarzt sowie der Einlösung der Scheine in einer der besten Apotheken weit und breit noch ein Besuch des Friaulischen  Eiscafés auf der anderen Seite gegenüber der Apotheke. Und wen treffen wir dort an? Einen der nettesten Mitarbeiter, den wir jemals im Sozialverein hatten - einen der besten Liberos, die jemals für ATS Buntentor IV gespielt haben - einen der erfolgreichsten Gastronomen in der Bremer Neustadt und später im Bremer Schnoor, und einen  der motiviertesten  Pädagogen, den Bremerhaven jemals hervorgebracht hat. Ein echt netter Junge, wie wir alle ein paar Jahre älter geworden. Es war mir eine Freude Detlef. Und noch einmal Danke für die Freigabe der Friaulischen Stühle. 

 

Schwalben und Mauersegler

 

Mit der Straßenbahn mittags gegen 13 Uhr in die Stadt. Auf dem Marktplatz eine schöne Musikveranstaltung der Bremer Philharmoniker miterlebt. Erstaunlich die Alphornbläser des Orchesters – als kämen sie direkt aus den Schweizer Bergen. Klasse. Im Außenbereich des Bremer Ratskellers zwei Stühle ergattert. Apfelsaftschorle und eine eiskalte trockene Weißweinschorle. Alkohol mittags mit der Folge: Leicht benebelt. Dann einmal wieder eine Bratwurst vom Rost an der weit und breit besten Bratwurstbude Norddeutschlands – da kommt keine Thüringer mit. Auf dem Markt dann noch Osso buco, und gelbe Bohnen. Endlich Gelbe Bohnen – allerdings waren sie nicht mehr so knackig, im Topf schlapp. Am Abend dann nach der Verköstigung des Osso-Buco-Essens noch eine Weile auf der Balkon-Terrasse gesessen und den wunderbaren Flugleistungen der jungen Schwalben und Mauersegler zugeschaut. 

 

Bauarbeiten

 

Dem Fortschritt der Landschaftsbauarbeiten auf dem Nachbargrundstück zugeschaut. Da wird bestimmt etwas Gutes draus. Hoffentlich mit viel Grün. Nach langer Zeit endlich auch einmal wieder ein nettes Gespräch mit der Flurnachbarin und ihrem kleinen Sohn. Ein anderer Hausmitbewohner fuhr mit dem Fahrrad vor und schlug ein Sommerfest vor. Sehr gute Idee. Sollte gemacht werden, um die herrschende Hausanonymität und Sprachlosigkeit etwas aufzubrechen. 

 

Augen und Brillen

 

Wieder Augenprobleme. Die Lesebrille, die auf der Nase hängt, tut ihren teuer bezahlten Dienst beim Lesen nach unten. Problematisch heute die andere Sicht geradeaus auf den PC-Monitor. Keine klare Sicht, manchmal sogar wieder verschwommen. Das Wechselspiel zwischen nach unten kucken und nach oben funktioniert noch nicht. Heftige Kopfschmerzen und Schwindel sind die Folge. Zufrieden bin ich mit der ganzen Augen- und Brillengeschichte noch nicht. Ich glaube, ich kucke und lese erst einmal gar nicht mehr. Vielleicht kann man ja vor den angesagten Unwettern heute Abend noch ein wenig draußen sitzen, im Trockenen.

 

Keine Revolution

 

Weder Sturm noch Revolution. Ganz bieder mit dem Carsharing-Auto haushaltswirtschaftliche Dienst erledigt. Altglas, ALDI, Aleco, Ab hol, Amtsarzt und andere Allerwerteste. Anrufe keine. Weder von den Angehörigen noch von Auswärtigen. Allerdings Angeberbeiträge in den Asozialen Medien. Armselige Arschlöcher attackieren anständige Freunde und Freundinnen. Bei twitter gab es das Lob der Wetter Au und ein schönes selbstgeknippstes Foto von Arald und Arin. Aus! 

 

Fischlucis

 

Weitere Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück mit hohen Staubbelastungen. Fenster zu. Flucht mit der 4 in die Stadt. Geldautomat, Blumenmarkt, Gemüseheini aus Rablinghausen, Kartoffeln, Bohnen, Petersilie, Schnittlauch, Tomaten – Schlachterwagen Wolters, Rindfleisch und Speck, Wochenendrouladen mit Speck innen und Gurken und Zwiebeln, traditionell. Tasse Kaffee beim Alex, zarte holländische Matjes beim gegenüberstehenden Fischwagen aus Geestland, nahe Bremerhaven, erworben. 3 Doppelte. Flotte Fischlucis. 

 

Blows Buster

 

Völlig unausgeschlafen wegen der nächtlichen Feierlichkeiten an der Haltestelle gegenüber. Zu vermuten ist, dass es sich heute Nacht wiederholen wird. Angenehme Temperaturen, viel Wind, aber kein Regen. So langsam verstärkt sich der Wunsch nach schönem Wetter tagsüber und schönem warmen Sommerregen abends und nachts. Einigen jungen Leuten, die hier in Gruppen nachts an die Haltestelle kommen und Party machen, täte eine Sturzregenabkühlung echt einmal gut. Ob es hilft, ist allerdings in Frage zu stellen. Zu vermuten ist vielmehr, dass sie dann mit freiem Oberkörper, wenn nicht mehr oder weniger, auf der Straße im Regen Hip-Hop und Rap und Techno tanzen werden und ihre Blows Buster noch dumpfer dröhnen lassen werden.

 

Kühler Weißwein 

Den untergehenden Sonnenabend in der Stadt verbracht. Direkt mittendrin. In der Aussengastronomie des Bremer Ratskellers. Kühlen Weißwein getrunken und etwas zu Essen bestellt. Dabei reges touristisches Treiben beobachtet. Schön, dass Bremen in den Sommermonaten so bunt ist und so lebendig. Am Nebentisch der Ururenkel von Emil Steinberger aus der Schweiz mit einer ihn anhimmelnden jungen Frau, einen Tisch weiter ein Paar aus dem Schwäbischen, das sich einen gemischten Salat teilte und in ihren Briefumschlägen getrennt voneinander nach dem Stand der Barbeträge nachsahen. Ganz vorne ein Paar mit 3 Hunden, die bei jedem vorbeilaufenden Bremer Hund tobten und alles umschmissen haben. Ja, es waren einmal wieder einige gemeinsame schöne Stunden – dabei auch über mögliche kleine Reisen nachgedacht. Die Rückreise mit der 4 ins Buntentor war auch sehr angenehm – mit der neuen Bremer Bahn.

 

Currywurst

 

Cambio. Rossmann-Hohentor-Pappelstraße-Wichmannbude-Düsseldorf-Café Friauliano. Die gartenbautechnischen Arbeiten auf dem Nachbargrundstück werden immer konkreter. Heute wurde an der großen weißen Hauswand ein Kletterpflanzengerüst installiert. Wir kucken genau drauf. Das wird schön. Am Abend Currywurst mit Kartoffelsalat. Hausgemacht. Anschließend Mahler und Brahms. Gegen 23 Uhr noch den Fernsehfilm über die Querdenker gesehen. Traurige menschliche Schicksale. 

 

Hengstenberg

Wieder so eine Küchenschlacht mit Küchenverweis. Dabei nur Resteessenzubereitung vom Vortag. Ergänzt durch Wein-Sauerkraut, vorgekocht von Hengstenberg. Was soll man berichten? Besser nichts!

 

 

 Sprachlos

Die Nebenkostenabrechnung 2020 flattert ins Haus. Vorläufig sprachlos.

 

Olympia

 

Die Olympischen Spiele in Tokio sind noch gar nicht feierlich eröffnet worden, und schon einen Tag vorher haben die Deutschen Fußballer von den Brasilianern mit 4:2 einen auf die Mütze bekommen. Es geht wieder los. Unendlich Sport im Fernsehen. Olympiade, 3.Liga, 2.Liga, 1.Liga. Wie soll man das alles koordinieren? Morgen Eröffnung der 2.Liga: Schalke-HSV. Soll ich mir das ankucken, oder lieber beim ARD-Radiofestival bleiben. Heute herrlicher Abend mit Schubert. Die Urlaubsfantasien sind für dieses Jahr wohl geplatzt. Alles eine Kostenfrage. Die erheblichen Mietkostennebenkostennachzahlforderungen können ja nicht mit auf eine Reise genommen werden. Hoffen auf das nächste Jahr. Binz ade.

 

Ausflug

 

Ausflug mit dem Cambio-Wagen in unser früheres Freizeitgebiet Lankenauer Höft verbunden mit Einkäufen auf der Strecke zurück. Lankenauer Höft nicht wiederzuerkennen. Jetzt ist dort einer dieser weltweit im Freizeittrend liegenden „Lounges“ mit Sand, Sonnenschirmen, Liegestühlen, Hollywoodschaukeln, Strandkörben, Bar und karibischer Beschallung hingepflanzt worden. Zwei Kaffee. Eine Viertelstunde gewartet, bis er fertig war. Nun gut, man muss da ja nicht wieder hin. In die Eröffnung der Olympischen Spiele in Tokio kurz reingeschaut, dann wieder weggeschaltet. Was sollen diese uralten Eröffnungszeremonien noch. Spielt, lauft, rennt, paddelt, reitet, haut euch auf die Fresse, schießt Bogen, und gut. Was soll der Kaiser von Japan dabei? Er darf ja nichts sagen – er kann ja auch nur zu Fuß zu Stuhle gehen! Der Beginn der 2.Liga war spannend: Schalke – HSV 1:3

 

Bekleidungswechsel

 

Die feuchtschwüle Wetterlage auch in der Nacht ist nicht gerade angenehm. Zweimaliger Bekleidungswechsel. Dann noch träumerische oder traumatische Entgleisungen. Da kann man wohl nichts gegen machen? Müdigkeit den ganzen folgenden Tag. Die Notwendigkeit, einmal nach all‘ diesen Monaten herauszukommen irgendwo anders hin, die verstärkt sich von Tag zu Tag. Vielleicht gelingt es ja noch in diesem Sommer oder in diesem Herbst. Die Reiseziele stehen bereits fest, im Traum. 

 

Wagner

 

Eine Stunde länger geschlafen. Die Garten- und Landschaftsbauer auf der Baustelle nebenan haben bereits ihr 2.Frühstück vorne im Wagen. Thermoskanne, Brotdose, Bild-Zeitung. Was die beiden Jungs in den letzten Tagen fertiggestellt haben – alle Achtung. Echt gute Handwerker. Mal schauen, was am Ende dabei herauskommt. Imposant die Rankeninstallation auf der weißen Wand gegenüber. Am Abend im Radio die „Meistersinger“ von Wagner. Derweil Axel Brüggemann im Frack und in kurzen Hosen mit kaputtem Schienbein vom Longboardfahren auf dem Grünen Hügel draußen steht, um den zuschauenden WagnernichtwagnerversteherInnen zu erklären, was Wagner in Wahrheit war und ist. Demnächst kommt sogar ein Film von ihm über Richard.   

 

Anfahrt und Rückfahrt

 

Der Fenster-Service-Mann aus dem Cloppenburgischen war pünktlich kurz nach 9 am Einsatzort. Einige kleine Handgriffe, und schon war das verklemmte Fenster wieder nach allen Seiten hin locker zu öffnen und zu schließen. Welch ein ökonomischer Wahnsinn, wegen so eines Kleinschadens Handwerker anzufordern, die 1 Stunde Anfahrt und 1 Stunde Rückfahrt auf den Zettel schreiben werden. Noch einmal kurz vor Budenschluss Erdbeeren und Kirschen bei Wichmann in der Pappelstraße eingekauft. Im Tiziano nach langer Zeit auch einmal wieder draußen bei einer Tasse echten italienischen Kaffees gesessen und den italienischen Landsleuten bei ihrem Palaver zugehört. Am Abend ein wunderbares hausgemachtes Essen: die Tagliattelle vom Vortag verschönt mit gebratenen kleinen süßen Tomaten an Balsamico und Basilikum. Herrlich.

 

 

Butterfettpartikelchen

 

Heute einmal wieder eine längere Fußstrecke zurückgelegt: Über ‘n Parkplatz, an REWE vorbei bis Beginenhof, den Bio-Fleischwagen links liegen gelassen, beim oekotop durch die offene Eingangstür einen Blick hinein geworfen, ob nicht irgendeine Ostwestfälin dort Käse verkauft, die Brinkumer Straße in der Hoffnung betreten, dort keine ehemalige Mitarbeiterin anzutreffen, von der Kornstraße hinübergewechselt zur Arztpraxis wegen der telefonisch bestellten Rezepte, mit der netten Arztpraxismanagerin ein kleines Gespräch über ihr Urlaubsziel Lüneburg geplaudert, dann die Maske vom Gesicht gerissen wegen Atemnot und rüber zur Apotheke, dort die Maske wieder vors Gesicht geklemmt und rein, die Rezepte vorgelegt und auch gleich die EC-Karte, die Pferde vor der Apotheke scharrten mit den Hufen, zurück über Brinkumer und Beginen ohne menschliche Kontakte, bei REWE Salatiges und Fischiges herausgeholt, um dann vollkommen erschöpft mich in meiner Wohnung der gewohnten täglichen einstündigen Siesta hinzugeben, manchmal auch länger, je nach Erschöpfungsgrad. Das Braten des Fischigen wurde dann wieder zum Küchen-Team-Problem, weil aus den Bratpfannen Butterfettpartikelchen herausspritzten.

 

Ute D.

 

Bei Jutta, meiner Stammfriseuse. Sie selbst als Chefin war monatelang arbeitsunfähig verletzt mit mehreren Brüchen an Hand und Arm. Grund seien die Reste von öligen Haaren auf dem Fußboden gewesen, die sie einer Kundin abgeschnitten hatte. Auf denen sei sie beim Fegen des Salons ausgerutscht und fast gestorben sei vor Schmerz. So hat jede Berufsgruppe ihre Tücken. Mich hat man ja im Sozialen auch voll ins Gras beißen lassen. Egal ob Öl oder Gras, meine drei- viermonatigen Langhaare wurden ordentlich geschnitten, wieder Freiheit am Kopp – nicht im Kopp. Auf dem fußläufigen Rückweg durch die Brinkumer tauchte plötzlich eine der besten Mitarbeiterinnen, die ich je hatte, zusammen mit einer anderen jungen Frau vor mir auf ohne mich zu erkennen. An der Ecke zu REWE küsste die Sozialpädagogin einen Mann, der entgegenkam, um dann mit der Partnerin weiter zu dieser unwürdigen Crêpes-Bude gegenüber zu gehen, um sich dort ein leckeres Essen einzuverleiben. Hier haben wir es wieder einmal: Sozialpädagoginnen können nicht kochen, sie ernähren sich überwiegend mit Produkten aus dem Asia-Grill, dem Fischwagen oder Crêpes-Bude. Bei uns selbst gab es leckere hausgemachte Wiener Schnitzel von Düsseldorf.

 

Dusel

 

Olympischer Sporttag ab 10 Uhr. Alles angeschaut, was zwei Beine und vier Beine hat. Am Nachmittag herrlicher Zwetschgenkuchen mit echt steifer Sahne obendrauf. Schlag Oberst würde der Österreicher sagen.- Am Abend dann noch Schweinebraten nach echt italienischer Zubereitungsweise an Böhnchen und glasierten Kartöffelchen. Dann Werder in Düsseldorf. Gutes beidseitiges Spiel mit Dusel am Schluss für Werder. Zwischenzeitlich heftiger Starkregen. Wir dachten, dass wir absaufen und den Keller leerpumpen müssen. Zum Glück haben die Deiche gehalten. 

 

 

Teil 3 

 

Reinhold   Eine PN bei facebook erhalten, die mich überrascht und glücklich gemacht hat. Ein früherer Zivildienstleister, mit dem ich vor mehr als 50 Jahren einige Zeit zusammengearbeitet habe, und der später eine steile Fernsehkarriere gemacht hat, schrieb mir und bat mich um die Telefonnummer. Jetzt schon heftiges Grübeln darüber, was ich für den Fall seines Anrufes mit ihm besprechen könnte. Auch bitterlich froh über die Nachricht des Sohnes, dass sie gestern eine schöne Party hatten, zum 10jährigen Bestehen seines Unternehmens. Ich wäre gerne dabei gewesen. Ich fühle mich abgeschnitten und einsam.  

Irre und Idioten   Ach, könnte man nur reisen. An die See. Ich bekomme übers Internet jetzt ständig schöne Bilder von den Küstenlandschaften an Nord- und Ostsee. Dazu wunderbare Vorschläge für teure Unterkünfte in den angegebenen Orten. Andererseits: bei der derzeitigen Wetterlage? Und dann im engen Strandkorb mit Decken? Zwar Meeresrauschen – aber sonst Arschabfrieren. Also, schön ersteinmmal zu Hause bleiben und den Reisenden zuschauen, wie sie ihre Urlaubsfahrzeuge vollpacken mit Unnützem und mit Reservekanistern voller Diesel. Bei facebook irrsinnige Kommentare zu einem Kriminalfall, bei dem wohl ein strafmündiger 14Jähriger einen älteren Herrn überfallen hat und ihm die kostbare Uhr vom Arm gerissen hat. Bedauerlich: das Wissen über unsere Rechtssysteme ist flächendeckend nicht vorhanden. Mit dem Knüppel drauf hauen auf den Täter, lebenslang wegsperren, ausweisen, keine Flüchtlinge mehr reinlassen, usw.usw. Rassisten, Nationalisten, Irre und Idioten finden bei solchen Vorkommnissen, die schlimm genug sind, ihr Futter. Dabei ist überhaupt noch nicht klar, was wirklich los war, und was die Strafverfolgungsbehörden bisher ermittelt haben.

Viva Zapata   Mit dem Carsharing-Ford-Fiesta unterwegs gewesen. Allein der Einstieg in die kleine Blechdose von einem Elefanten macht Mühe. Nicht, dass der Rüssel draußen bleiben muss, aber sonst alles ziemlich zusammengequetscht. Ziel der Fahrt: Der neue Laden in Habenhausen, den Edeka von Metro übernommen hat. Die Erwartung war groß: Neue Innovation, neues Sortiment, neue Ansprache, neuer Service. Enttäuschung: alles wie gehabt, nur die Regale anders aufgestellt. Eigentlich ist die Veränderung ähnlich der Veränderung in der Sozialarbeit: Neuer Name – die gleichen Inhalte. Die gleichen fachlichen Dilettanten. Beispiel: Weinabteilung. Eine Mitarbeiterin in der Kluft des neuen Betreibers räumt Weinflaschen ein. Die Frage nach einer bestimmten trockenen Rotwein-Sorte beantwortete sie mit: „…die Flaschen sind alle trocken hier…“  Fisch vom neuen Laden mitgebracht, Rotbarschfilets. Wir haben sie heute einmal in einer Mischung aus Paniermehl und zerstoßenen Tortillas gewendet und krossgebraten. Viva Zapata. Es gibt Feineres! 

Alles Nervensache   Die Beobachtungen des Parkplatzes, des Sees, des Deichs und der Haltestelle reduzieren sich in den letzten Tagen eigentlich nur auf die Internationalen Filmfestspiele an der Haltestelle. Die ganze Welt scheint hier versammelt zu sein. Ein buntes Völker-Gemisch aus allen Teilen der Erde steht mehr oder weniger brav mit Masken bedeckt an der Haltestelle und wartet auf die nächste Linie 4. Besonders interessant dabei zu beobachten, wie die Familien aus den verschiedenen Kulturen mit ihren Kindern kommunizieren, und wie die Kleinen in unterschiedlicher Weise reglementiert werden. Herrlich, aber auch manchmal sehr befremdlich. Olympia neigt sich dem Ende zu. Und das ist auch gut so. Das Sehvermögen hat sich in den letzten Tagen in 5 verschiedene Ringe und Optiken differenziert. PC-Monitor, Fernseh-Monitor, Radio-Hörlautsprecher, Küchengeräusche von hinten, Autoverkehr und Straßenbahn Richtung Haltestelle. Eine echte Olympiade der Sinne und der Nerven. Weitere Entgleisungen , wo soll das nur hinführen? 

Schelfffisch   Einmal wieder raus gewesen mit dem Fiesta. Zuerst zur Glasentsorgungsanlage in der Kornstraße, dann zur Tankstelle in der Kirchbachstraße, um dann zum Endpunkt der Fahrt, der Meierei im Bürgerpark aufzubrechen. Geplant war eine kleine Wanderung durch den Bürgerpark vor dem Fischessen in dem Restaurant. Die kleine Wanderung, oder nennen wir es kleiner Spaziergang, konnte wegen Regen nicht stattfinden. So blieb nur der direkte Weg ins Lokal, in dem wir zwei schöne Plätze auf der Aussenterrasse mit Aussicht auf die Bürgerparkweiden samt Viehbestand und auf den Bremer Dom ergatterten. Hervorragender Mittagstisch. Schellfisch an Senfsoße und Butterkartoffeln. Sehr gut gemacht. Am Nebentisch ein alter beruflicher Bekannter, der es allerdings vermeiden wollte Blickkontakt aufzunehmen. Dabei habe ich ihm nie etwas angetan, denn er nickte ja meistens bei den beruflichen Konferenzen ein.

Beckmann   Ich habe mich sehr gefreut über den abendlichen Anruf von Reinhold Beckmann. Nach mehr als 40 Jahren ein kurzer telefonischer Austausch über Gewesenes und Jetziges. Verabredung für ein direktes Treffen hier im Buntentor, wann auch immer. 

Rochefort Käse   Erster nachbarschaftlicher Kontakt bei uns in der Wohnung nach 1 ½ Jahren. Rückgabe des Briefkastenschlüssels an unsere älteste Mitbewohnerin im Hause, die eine Woche nach Usedom verreist war. Nettes Gespräch über die Reiseziele und die aktuellen und vergangenen Reiseaktivitäten. Auch Roman hat sich zurückgemeldet und mitgeteilt, dass alle erholt und glücklich aus Schweden und Dänemark zurück sind. Buchweizenmehlpfannkuchen mit Frischkäse und Preiselbeeren, sowie Schnittlauch und Rochefort Käse. Nicht einfach und nicht ohne Konflikte zu machen.

 

Sommereise   Kurze Sommerreise durch die Neustadt mit diesem Diesel-Fiesta. Rossmann, Schwimmbad, Delmemarkt, Bäcker, Blumen, Tiziano, Düsseldorf, Brinkumer Straße vorbei bei Ute D., Hardenbergstraße vorbei an diesem furchtbaren Spielplatz, knappe Kurve um die Ecke kurz vor der Willigstraße – dort soll ein Professor wohnen, der bei mir einmal vor zig Jahren als arbeitslose §-19-Kraft beschäftigt war – die Konsumprodukte mit dem niederschwelligen und barrierefreien Fahrstuhl in die Hochparterre befördert. Dann zurück zum Beginenhof mit dem Wagen. Alles sehr spannend und aufregend, auch anregend. 

Nach dem Mistwetter   Heute eine wunderbare Stadturlaubsreise mit der Straßenbahn bis zum Weserwehr unternommen. Ein herrlicher altersgerechter Platz dort. Wasser, Spazierwege, Schiffe – wenn se denn mal kommen -, viele Freizeitmenschen in sommerlicher Stimmung. Und dann diese bayerische Gartenrestauration. Ein Genuss. Bayerischer Wurstsalat und Fischburger an Pommes. Ein Genuss! Endlich einmal wieder raus nach dem Mistwetter der letzten Tage. Einfach nicht lange rumlaufen, einfach nur auf einer der vielen Bänke dort sitzen und kucken. Nur Kucken. 

Polizei   Das kann was werden. Seit 20 Uhr versammelt sich die gesamte Jugend Bremens hier am See. Massenweise strömen sie aus den Straßenbahnen, die aus der Stadt kommen. Meine Frage an einen jungen Mann, was denn los sei, beantwortete er kurz und knapp mit „Party“, Am frühen Abend bereits frustrierender Kontakt zur Bremer Polizei. Ein Notrufanruf 110 verpuffte im Nirgendwo. Mal abwarten, was heute Nacht so abläuft. Mit viel Schlaf ist nicht zu rechnen! Zum Trost gab es heute Nachmittag in der Antizipation des Abends und der Nacht herrlichen Zwetschgenkuchen mit Sahne. Bäckerei Trage, gleich neben GluckGluck. Morgen Grillversammlung in Habenhausen. Wir haben uns über die Einladung sehr gefreut.

Jurastudium   Nette Zusammenkunft mit den Habenhauser Kindern. Grillen von kostbarem australischem Rinderfleisch. Kein Würstchen. Mit dem Enkelkind einmal wieder zusammengekommen. Sie kam gerade vom Schießen zurück. Die Perspektiven für ihre Zukunft kurz erörtert -es läuft wohl alles auf ein Jurastudium hinaus. Warum nur? Mit der Schwiegertochter kurzer unverbindlicher Austausch über ihre Aktivitäten in dem örtlichen Ortsverein der Sozialdemokratischen Partei. Deprimiert. 

Ruhestündchen   Man möchte gar nicht darüber schreiben. Es ist einfach nur deprimierend. Fussball fängt wieder an. Mit hohen Erwartungen in den Nachmittag gestartet. Extra vor dem Anpfiff noch ein Ruhestündchen eingelegt, um dem Kantersieg der Heimmannschaft gegen die Ostwestfalen nervlich gewachsen zu sein. Schiedn Diddi. Die ersten Urlauber kehren zurück von ihren Reisen in die Toskana und an den Gardasee. Endlich kommt wieder Leben in die Bude. Sie haben uns dieses herrliche Extra Vergine Olivenöl aus Malcesine mitgebracht.  

Charlotte   Dieser kühle Spätsommermontag. Kaum Inspiration. Keine Handwerker im Haus, die akustische Spuren hinterlassen. Kein Olympia oder Fussball im Fernsehen, noch nicht einmal Tour de France. Bergwertung, bei der den Fahrradsportlern die Zungen aus dem Halse hängen und die Schweißbrühe zu Tale rauscht. Selbst der Eisladen hat die Schotten dicht – der Chef kommt nur, wenn Sonnenstrahlen das Seegebiet hier erreichen und die Kundschaft in kurzen Hosen und nicht bedeckten Oberteilen Schlange steht. Abgezockter Geschäftsmann, um nicht zu sagen: Eismann. Von dem dauerrauchenden Flinsenmann außerhalb der Bude und seiner geschäftigen nichtrauchenden crepesdrehenden Frau im Inneren der Bude soll hier gar nicht die Rede sein. Auf dem häuslichen Speiseplan standen weder Crêpes noch Eis, sondern die kümmerlichen Reste von den Wochenendmahlzeiten. Angeknabberter Hähnchenunterschenkel, Holländische Muschelnudeln, regionaler knackiger grüner Salat an Blattpetersilie und kleinen dünnen Ringen von der Charlotte.  

Ottersberger   Am Nachmittag Versorgungsfahrt mit unserem Lieblingsauto Fiesta. Zum Arzt, zur Apotheke, zum Buntentorseifengeschäft, zum Schwimmbad Süd, zum Weinhändler des Vertrauens, zum Tiziano Tasse Kaffee, dann noch zum Penny Eier rausholen für die abendlichen Eier in Senfsoße. Besonderes Vorkommnis bei der Rundtour: Beim Verlassen der Apotheke und beim Rückgang zum Fiesta Hans, den Schwager aus Ottersberg, den Bruder von Ines, vor dem Eingang zum weltbesten Aquariumsladen Nordwesteuropas erwischt, gleich neben der Apotheke. Nach über einem Jahr und mehr gegenseitiger Nichtbegegnung endlich wieder einmal ein zufälliges Zusammentreffen. Irgendwie eine komische Situation, zumal in der ganzen Zeit vorher die telefonischen Diskussionen über die Coronaproblematik zwischen den Geschwistern nicht konsensual verliefen. Was soll nun werden im Hinblick auf zukünftige Begegnungen und Feiern? Besonders gefragt vor dem Hintergrund der Impfproblematik? 

Sprachlos

Sprachlos 

5 Brötchen zu 1,70   Es muss ja irgendwie weitergehen. Und wenn es die Tüte krosse Brötchen ist, 5 Stück zu 1,70. Keine Bewegung bei der Erfüllung der Reisewünsche. Jetzt steht Westerland / Sylt im Fokus der Träume. Mit dem IC direkt hin, Hotel, dann direkt zum Strand und zum Meer. Anderen Wind um die Nase, und seien es andere Stürme – die mit denen von zu Hause nichts zu tun haben. Schönes neues Abendessen ausprobiert: Pellkartoffeln, Kohlrabistückchen in weißer Soße mit Koriander, Zitrone und Meerrettich, obendrauf kleine Abschnitte von geräucherten Bachforellen. Wunderbar.

Händel und Telemann   Total übernächtigt und schlafgestört bis gegen Mittag im Bett. Später Tagesbeginn eines Tages der 2.Kategorie „kanns vergessen“. Bereits um 13.30 Uhr vor dem Fernseher. 2.Liga. Karlsruhe-Bremen 0:0. Wie furchtbar alles. Aufarbeitung der Linsensuppe vom Vortage, 1.Klasse. Nach ne Stange Porree mit ran. Und Basilikum. Und Parmesan. Am Abend dann Händel und Telemann im Radio.

 Wetterumschwung   Sonntag nach alledem. Lange geschlafen, um 10 Uhr den Beginn des Gottesdienstes verpasst. Radio eingeschaltet – wie immer sonntags ab 10 Kirchenfunk. Heute der Mensch im Mittelpunkt. Evangelisch. Katrin Krämer moderiert leise. Der erhoffte Regen und der nicht so extrem erwartete Temperaturumschwung ist da. Da wagt sich doch zum Glück niemand mehr auf die klitschnasse Wiese am See. Das hält doch den härtesten „Polizei-mit-Flaschen-Bewerfer“ davon ab, überhaupt nur einen Fuß ins Seegebiet zu setzen. Gut für ihn, denn er muss ja wohl am Montag wieder zur Arbeit an den Schreibtisch oder an die Werkbank. Selbst Eisbude und Crepesbude hatten heute geschlossen. Was ja auch nicht schaden kann. Die in Regenzeug eingepackten Kleinkinder nörgelten auf dem Zugang zum See. Sie wollten rein, nach Hause. Nein, so die naturbelassenen jungen Eltern: Wir gehen bei jedem Wetter raus! 

Kartoffelecken   Mehr als eine Stunde erholsam oben auf der Terrasse des Café Sand verbracht bei leichtem angenehmen Sonnenschein. Kaffee, Wasser, Kartoffelecken an Kräutercreme, Bratkartoffeln an Spiegelei und Gurke. Das übliche bekannte Menu. Gut umsorgt von der Chefin der Terrasse Gudrun, die wir schon seit vielen Jahren kennen, und sie uns. Früher, so erzählte sie, habe sie nach dem Kellnerinnendienst noch Dienst als Kassiererin auf der Fähre geschoben – das sei nun vorbei, es gäbe ja auch noch ein Leben außerhalb des Lokals und der Weser und der Fähre. Nein, wir gingen nicht wie sonst zu Fuß dort hin, sondern hinten rum mit dem Fiesta. Das Gehen wird immer beschwerlicher.  

Ölpest    Vermutlich letzter warmer Sommertag. Einige Zeit auf der Balkon-Terrasse gesessen und gelesen. Sogar den Sonnenschirm noch einmal aufgespannt. Überall machen die Spinnen ihre Arbeit und stellen wunderbare Netzwerke her. Besonders schön im vorabendlichen untergehenden Sonnensommerlicht. Wunderbares Essen am Abend, zubereitet aus den Restbeständen des Wochenendeinkaufes: Grüne Bohnen, Zucchini- und Paprikastückchen, eine Rucola-Basilikum-Ölpesto, Maccheroni-Schinken-Mischung, Parmesan. Was will man mehr? Bardolino trocken. 

Die Sau rauslassen   Die Sommertage vergehen. Nur noch temporäre Sonnendurchblicke. Die kühleren Tage rücken näher. Der Traum vom kurzfristigen Spontanurlaub irgendwo an den Küsten Europas ist ausgeträumt. Zumal die erhofften Geldflüsse bisher ausgeblieben sind. Stattdessen verdammte Nebenkostennachzahlungen. Zu der neuen Wohnung in dem Neubau nach fast zwei Jahren noch keine fröhliche Beziehung entwickelt. Eher der Wunsch weiterzuziehen. Soziale, nachbarschaftliche Kontakte bis auf oberflächliche Begegnungen Fehlanzeige. Morgen hat der direkte Nachbar gegenüber Geburtstag, mal schauen, ob er die Sau rauslässt. Weitere Entgleisungen, rhetorisch und beim Anschauen von Fernsehberichten unterschwellig. Ist das noch zu reparieren? 

Huhn und Fisch   Ach, es war eigentlich ein angenehmer Tag. Ein Huhn und einen Fisch vom Markt geholt. Auch reichlich Gemüse und Gewürze. In der Halle 8 eine Pizza Diavolo geteilt – ganz neue Variante: scharfe Pizza mit Honig gemildert. Ging – war wohl Kunsthonig? Geburtstag des Nachbarn gegenüber. Die Erwartung, dass einmal voll auf die Kacke gehauen wird nicht erfüllt. Alles ruhig. Stattdessen draußen wieder kinder- und jugendlicher Auflauf. „Party“. Mal schauen, wie sie endet.

 Heimspiel   Diese veränderten Anfangszeiten im Fussball zwingen den Freund der Regionalliga, der 3.Liga, der Bundesliga und der 2.Liga dazu, die Sonntage ganztäglich auf der Fernsehcouch zu verbringen. Letztgenannte Liga hat ja heute einmal wieder richtig Spaß gemacht. 3:0 Heimsieg gegen Rostock. Auch sonst war der Tag nur Heimspiel. Nur drinne. Obwohl oben auf dem Deich zu beobachten war, wie sich junge und alte Langstreckenläuferinnen und Langstreckenläufer beim 50km-Lauf quälten. Arme Schweine. Selbst ein Rettungshubschrauber musste eingeflogen werden. Der Hubschrauberarzt: Da läuft nichts mehr! 

Angela Merkel   Briefwahl gemacht. 1 Kreuz hier, ein weiteres Kreuz da. Nur keine Briefkästen in der Nähe. Nächster Briefkasten laut Auskunft einer Facebook-Teilnehmerin: Kornstraße gegenüber von Düsseldorf. Dann wird es wohl morgen eine kleine Behindertenwanderung durchs Bremer Buntentor geben. Der Postservice hier im Viertel ist eine Katastrophe. Hauptsache die ungeübten DHL-Ausfahrer schmeißen ihre Poststücke schnell und einfach in die Treppenhäuser. Die Dokumentation über Angela Merkel im Fernsehen mit Interesse und Sympathie verfolgt.

 Wohl letzte Massenversammlung an der Haltestelle für dieses Jahr. Hunderte von Schülerinnen und Schülern trafen sich noch einmal friedlich und traurig am See, um das Ende der Ferienzeit zu beklagen und zu feiern. Eigentlich schön zu beobachten, wir haben es ja mit unserer Enkeltochter ähnlich und friedlich erlebt. Jetzt ist sie erwachsen und 14 Tage auf Malle. Was da abgeht, das weiß nur die spanische Regierung und der König von Spanien und Malloquinien persönlich. 

 

 

Teil 4 und Schluss

 

Herbstanfang. Trotzdem noch schön und sonnig draußen. Was heißt hier draußen? Auf der Balkonterrasse. Für wenige Minuten. Mit ‚ner Tasse Kaffee. Sonst Rundfahrt mit diesem Fiesta. Dahin, dorthin. Im Caffè Friauli in der Kornstraße wie in Paris am Straßenrand gesessen und dem wilden Treiben zugeschaut. Später am Nachmittag Ines in Schwachhausen zum Kinderaufpassdienst. Hoffentlich in der Nacht Ruhe im Karton. Oder kommen jetzt die Schulverweigerer und ausbildungsunfähigen U-25-Projekt-Herzchen zum Zuge? Zur Antikriegsveranstaltung auf dem Marktplatz leider nur hingewollt, aber nicht hingegangen! Fühle mich als staatlich anerkannter Pazifist ziemlich selbstbeschämt dabei. Hätte gerne dem Friedenbeauftragten der Kirche gelauscht – habe allerdings um 5 den Glockenschlag der Kirche nicht gehört. Voll der Friedensverpenner.

  

 

Tobias hat uns besucht. Abschied in den Urlaub nach Italien. Drei Zinnen. Comer See. Das Spiel Lichtenstein gegen Deutschland zum Vergessen. Lothar erklärt auf Frrrängisch Fussball.

 

 

Der Wunsch nach Starkregen, Starkgewittern, Starkstürmen, Hagel und Überflutungen hat sich nicht erfüllt. Stattdessen weiterer Auflauf der Bremer Jugend im Gelände. Es soll schlimme Vorfälle am See gegeben haben, trotz verstärkter Polizeipräsenz. Es wird Zeit für Schnee, Arscheskälte und vereiste Wege rund um den See herum. Heute aufgewärmt mit einem schönen Essen nach Französischem Kochbuch. Rindfleisch Ragout Provencial, Polenta in Butter, gebratene Paprika und Zucchini. Soße überwiegend bestehend aus Württembergischen Spätburgunder.

 

6:0 für uns. Sonst Ruhe.

 

Die Zweifel daran, am richtigen Ort eingezogen zu sein, wachsen von Tag zu Tag. Die Sehnsucht woanders zu sein, die wächst proportional. Die Lebendigkeit des Außenbereichs versiegt beim Betreten des Innenbereiches. Besonders die Friedhofsruhe auf dem Hinterhof ist sehr belastend. Kurze Auftritte des nackten narzisstischen Nachbarn im Hause gegenüber können das Friedhofgefühl nicht verdrängen. Kommunikation gibt es sonst kaum – Begegnungen und Ansprachen zufällig und oberflächlich und unverbindlich. Das kommende Herbst- und Winterwetter wird die Abgeschiedenheit hinten trotz der städtischen Lebendigkeit im Straßenbahnbereich vorne wohl noch verschärfen. 

 

In aller Herrgottsfrühe aufgestanden, um den vereinbarten Termin beim Hausarzt nicht zu verpassen. Labor, Gewicht, Größe, Blut und so. Urin vergessen – musste in einer eigens eingerichteten Pissbox vor Ort in der Praxis nachgeholt werden - nicht draußen im Gelände vor der Praxis. Früstücksbrötchen nach dem Laborbesuch besorgt und einer polizeilichen Razzia auf dem Buntentorsteinweg zugeschaut. Am frühen Abend erscheint eine Vierergruppe Kinder vor dem geöffneten Schreibstubenfenster und ballert aus Kinderspielzeugpistolen irgendetwas Undefinierbares ins Büro. Das nimmt ja langsam Formen an hier im Revier.

 

Die Sehnsucht nach Auszeit für einige Zeit wächst von Tag zu Tag. Am Abend die Wahlveranstaltung mit Olaf Scholz im Fernsehen angeschaut – das hat er sehr gut gemeistert, unser kommender regierender Scholz-O-Mat. 

Augenärztliche Kontrolle am Vormittag. Nach den Pupillenerweiterungstropfen mehr als eine halbe Stunde auf einem unbequemen Augentesthocker auf den Aufruf zum Eintritt in das augenärztliche Heiligtum mit diesen mysteriösen Augentestgeräten gewartet.

 

Die nette Augenärztin schaut mir mit unbekannten Beleuchtungskörpern tief in die Augen, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass mit meinen blauen Augen alles im grünen Bereich ist.

 

Nach einem kurzen Mittagsaugenschlaf dann mit dem Cambio-Fahrzeug ein schöner Ausflug in die Überseestadt / Waller Sand / Molenturm. Schöner kontemplativer Spazierweg bis zum Molenturm und zurück durch das wunderbar angelegte Wildpflanzenareal. Dann bis Gemüsewerft, zum ehemaligen Kellogs-Gelände. Dort beim neapolitanischen Pizzabäcker gut gegessen. Dann auf der Rückfahrt über den Wall diese verkehrspolitische Katastrophe, die noch bis zum nächsten Tag Folgen haben sollte. Island – Deutschland 0 : 4. Trainingsspiel.

 

Wieder einmal eine unerfreuliche Kommunikation mit einem so genannten „Facebook – Freund“ Die Kritik an der gestrigen stauigen Autofahrt über den Wall nutzt der fahrradreligiöse „Freund“ für persönliche Diskreditierungen gegen mich. Zum Glück sprangen einige andere Facebook-Freunde bei und verwiesen den Fahrradapostel in seinen luftverpumpten Tempel. Ein langjähriger Facebookmitstreiter nannte den Beleidiger sogar „Dreckskerl“, was von mir kommentarlos hingenommen wurde. Ich muss schon gestehen, dass mich solche „Social-Media-Auswüchse“ sehr belasten und mich immer wieder zu der Eigenfrage kommen lassen, weshalb ich diesen ganzen „Spuk“ noch mitmache?

 

Antons kleine Geburtstagsnachfeier. Es war wieder nett. Roman hatte einen leckeren Apfelkuchen gebacken, Sahne obendrauf, Blutwert 276. Mit Jula und Paul „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt. Siegerin Jula, 2.Platz Opa, Bronze ging an Paul. Schönes kühles Gläschen Pfälzer Riesling trocken. Heftiges Regen- und Gewitterwetter kurz vor der Abfahrt nach Hause. Roman hat uns dankenswerterweise mit seinem Schlitten nach Hause gebracht. Gebratene Nudeln mit Zwiebeln, Ei, Schinken, Parmesan, Olivenöl.

 

Nach der unerfreulichen Nacht mit Lärm und Belästigung und der unerfreulichen Kommunikation mit der Polizei-110 lange geschlafen. Spät in Gang gekommen. Anrufe bei 110 erscheinen zunehmend sinnlos. „Da haben wir keine Kapazitäten für“ Total erschöpft und mutlos. Ob die schriftlichen Kompensationen der Vorgänge lindern werden, das muss sich zeigen! Last Night of the Proms. BBC.

 

Nette erste Nachbarschaftszusammenkunft hinten auf dem Spielplatz.

 

Wie immer beim bevorstehenden Arzttermin nach den Laboruntersuchungen völlig aufgeregt, schlaflos, schweißnass im Bett, bereits auf dem Wartestuhl sitzend, wenn nicht sogar im Sarg liegend.. Wird der Arzt mich fertigmachen wegen der schlechten Laborergebnisse. Habe ich zuviel Süßes gefressen und zuviel Rotes gesoffen? Beunruhigt durch die Frage: Was dann? Soll ich schon abschließen und den Stein bestellen? Oder gibt er mir noch eine Chance, der Arzt? Dann völlig überraschend will er nur meine diabetischen Beine und Füße untersuchen. Nette Erklärungen vom ihm über die Gefahren von Fehltritten über die alternden und in Mitleidenschaft gezogenen Tangenten. Ansonsten könne ich noch weiter mitspielen, die Zuckerwerte seien für mein fortgeschrittenes Alter bestens – sozusagen Zucker! Über die anderen Werte hat er sich freundlicherweise gar nicht ausgelassen. Wahrscheinlich aus reiner ärztlicher Distanz und Höflichkeit gegenüber dem Alter: Leber, Urin, Hirn, Herz und Verstand…

 

 Jula am Abend zum Essen. Hühnerbruststückchen in Tomaten-Curry-Ananas-Soße an Reis und Salat. Nach dem Essen Spiele wie früher. Würfeln und Karten. Ein wenig Small-Talk über die Planungen von Jula für die nächste Zeit und über die kleinen Familienereignisse. Sehr nett. Eine schöne junge Frau!

 

 Wieder einer diesen trüben Tage in jeder Hinsicht. Den ganzen Tag über Regen und Finsternis. Dazu Beschuldigungen und Sprachlosigkeit. Die Entfernungen werden immer größer. Es muss sich noch einmal, obwohl wir gerade hier angekommen sind, einiges verändern. Wenn nicht sogar örtlich.

 

 Gegen Mittag wieder hingelegt. Die Wunden an den Beinen mit medizinischem sterilen Pflastermaterial, welches noch vorhanden war, abgedichtet. Einige Stunden damit in Ruhelage. Dabei das Projekt „Buntentorsche Sozialpost“ erträumt. Kritik und Lob des Bremer Sozialwesens. Autorinnen und Autoren gesucht. Rein Non-Profit! Was passiert da eigentlich im Innenleben Sozialer staatlicher und nichtstaatlicher Institutionen in Bremen? Darüber ist eigentlich wenig bekannt. Ich hoffe auf die Meldung von freien Autorinnen und Autoren. Weshalb versuche ich das ? Zum Beispiel wegen der Nachricht, dass bei einem Bildungsträger in Bremen über Jahre hinweg mehrere Millionen gebunkert worden sind, ohne sie ins Gemeinwohl zu investieren. Ich muss an Karin und Arnold denken! Was soll’s, mal kucken! Nützt ja nix!

 

 Vor Antritt der freitäglichen kurzen Entsorgungs- und Einkaufsfahrt die üblichen verbalen und teamorganisatorischen Konflikte, die ja nun seit mehreren Monaten relevant und belastend sind. Sonstiges Kornstaßen-Cambio-Programm: Altglascontainer, Hol ab, Rezept vom Arzt, Apotheke, Düsseldorf, noch kurz zum Bäcker wegen Frischbrot, den Leihwagen zurück, noch rein in den Frischemarkt: Petersilientopf, Landeier, ein Scheibchen Gorgonzola, Sahne zum Kochen, TK-Blattspinat natur. Der dem Abendessen entsprechende Leberkäse zum Braten wurde bereits an der Station Düsseldorf besorgt.

 

 Alle fieberten dem Fußballspiel Bremen gegen Hamburg entgegen. Die Hamburger stellten ihre Fahrzeuge schon frühzeitig hier auf dem Parkplatz, an der Haltestelle und oben auf dem Deich ab. Sie skandierten „Hummel, Hummel“! und sangen das Lied von der Perle. Zu Recht, wie sich später dann herausstellen sollte. Sonst war nichts – bis auf die Nachricht von den Kindern, dass sie heil und kaputt aus dem Italienurlaub zurückgekehrt sind.

Wieder einmal halber Ruhetag für den linken Arm und die linke Schulter. Diclofnac und Wärmflasche. Der Schmerz sitzt trotz allem Eingeschmiere und Gewärme fest. “Nützt ja nix, kann man nichts machen, es muss ja weiter gehen“

 

 Trotz der Beeinträchtigungen des linken Armes (er wird wohl amputiert werden müssen) hoch zum Frühstücken und Zeitunglesen. Im Hause Friedhofsruhe. Dann sogar noch mit dem kaputten Arm Cambio gefahren auf der Strecke Buntentorsteinweg (Rossmann) Pappelstraße (durchgefahren) Recyclinganlage Hohentor (Papier und Glas) bis hin zu ALDI in Woltmershausen (dies und das, was man eigentlich gar nicht braucht). Keinen früheren Nachbarn oder Bekannten aus Woltmershausen angetroffen, nicht einmal Meier hatte es nötig einzukaufen. Wahrscheinlich Wahlkampfstand vor der Tür von Frau Helmke zusammen mit Edith und Anja. 

 

Noch vier Tage bis zur Bundestagswahl 2021. Hoffentlich ist bis dahin die Beeinträchtigung des linken Armes überwunden. Ich habe ja keinen Bock darauf, mit der rechten Hand anzukreuzen. Einem Drogenabhängigen auf dem Hinterhof nahe Spielplatz beim Müllheraustragen begegnet. Eine Ansprache war sinnlos. Er verschwand so schnell, wie er gekommen war.

 

Im Fernsehen am Abend noch einmal die letzte Bundestagswahlkampfrunde. Auf den Pulten: Stilles Wasser. Wohl ein Hinweis darauf, dass es nach dem Wahlsonntag erst richtig losgehen wird. Öffnet die Wahllokale – und gut! Oder auch nicht!

 

Einmal wieder eine aufregende Fahrt mit dem Fiesta. Alles noch einmal gut gegangen, oder auch nicht!

 Noch kurz vor der Wahl die Schreibergebnisse der letzten Wochen zusammengefasst. Wahlwerbebetrachtungen 1 – 56. Sonst den gesamten Tag Fussballübertragung im Fernsehen und im Internet verfolgt. Die Heimatmannschaft spielt ja erst am Sonntag. Alles angeschaut: 2.Liga, 3.Liga, und zum Schluss sogar noch die 1.Liga. Am Abend Paavo Järvi mit dem Tonhalle-Orchester Zürich auf 3Sat. Gustav Mahler. 5.Sinfonie. Sehr gut. Morgen werden wir bis zum Spiel Dynamo – Werder liegen bleiben – haben ja schließlich schon seit Tagen Briefwahl abgegeben.

 

 Wahltag. Werdertag in Dresden. Das Ergebnis in Dresden katastrophal. Das Ergebnis des Wahltages erfreulich. Nach 16 Jahren endlich einmal wieder ein Regierungswechsel. Im Fernsehen seit 17 Uhr wieder diese üblichen Wahlberichterstattungsrituale. Danksagungen, Worthülsen, Prognosen, Hochrechnungen, Interviews und Gesprächsrunden. Langweilig. Am besten erst zur Verkündung des Offiziellen Wahlergebnisses einschalten, und wenn es zwei Tage nach Schließung der Wahllokale ist. Bis dahin am besten dein Stammlokal aufsuchen, am Tresen stehen und bis zur Endabrechnung warten bei Bier und Korn.

 

 Den gesamten Tag damit verbracht, die Wahlnachlese in den Zeitungen, im Radio und am Abend im Fernsehen zu verfolgen. Es wird wohl noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis eine neue Regierung gebildet werden kann. Der neue Kanzler steht wohl fest. Aber welche neuen Koalitionen mit welchen Personen wird es geben? Egal, ich bleibe Alterspräsident hier in meinem Schreibkabuff.

 

Einmal wieder eine kleine Exkursion in die Stadt mit der Straßenbahn. Direkt vorgefahren mit der Bahn vor das traditionelle Fischrestaurant, das schon gerne von den Eltern in früheren Zeiten besucht wurde. Jetzt sogar Außenplätze, die uns den Gang in das miefige hölzerne Innere ersparten. Große Enttäuschung, obwohl auf die Frage der fleißigen Kellnerin, ob es geschmeckt habe, von uns mit einem verlogenen „ja“ geantwortet wurde. Das wird dann wohl das letzte Mal gewesen sein mit diesem „Restaurant“.

 

Nach dem Mittagessen dann noch ein kurzer Spaziergang bis zur Martinistraße. Dort einige Fotoaufnahmen von dem Fortschritt des Umgestaltungsprojektes gemacht. Es ist ein Trauerspiel! Am Nachmittag gegen 14.30 außer uns keine Neugierigen, keine Touristen, keine Kinder, keine Familien…es könnte einem schon fast leidtuen, was dort zurzeit passiert. Wie soll das politisch verantwortet werden? Wird wohl – findet ja alles im Grünen Bremer Wählerbereich statt.

 

 Fahrt mit dem Fiesta bis Hohentor und Woltmershausen und zurück. Vom Kamphofer Damm aus einmal neugierig nachgeschaut, was mit den Ahornbäumchen geschehen ist. Sie sind offensichtlich, so weit ich kucken konnte durch die Gärten, weg, abgeholzt – den Gärten des Grauens hingegeben. Es ist allerdings nur Vermutung. Ach, vergiss es!

 

 Es wird kühler und kälter. Nicht nur draußen an der frischen Luft. Auch in der Wohnung kalte Füße und Kniee. Erster Einsatz der wärmenden Decken. Für die Innenwärmung gab es eine wunderbare Schnippelbohnensuppe mit Fleischeinlage, Rindfleisch, Speck, Kochwurst. Jetzt noch drei Tage bis zum Tag der Deutschen Einheit, dann sollte die Sommerzeit endgültig vorüber sein. Mehr als 3 Monate tägliche Eintragungen, das muss vorläufig genügen. Will ja nicht wie Pessoa mehr als 20 Jahre an meinem Buch der Unruhe schreiben.

 

 Endlich wieder einmal ein Heimsieg unserer Heimatmannschaft. 30.000 Zuschauer im Stadion, überprüft. Ob das gut geht? Politisch wächst die Hoffnung, dass jetzt eine neue Periode mit neuen Politischen Ansätzen und Projekten kommt. Die Renten könnten ruhig einmal anständig erhöht werden. Anständig, wie gesagt. Über die Situation im Hause und um das Haus herum herrscht nach wie vor Stillschweigen. Ob das mit Glücklichsein oder Unglücklichsein zu tun hat, das muss vorläufig weiterhin außerhalb der Schreibtastatur bleiben. Schnippelbohnensuppe 2. Tag. ergänzt durch eine schlanke Wiener Bockwurst.

 

 Das letzte Wochenende dieser Aufzeichnungen.
Tag der Einheit. Sehr gute Veranstaltung in Halle / Saale. Beeindruckend die scheidende Bundeskanzlerin. Am Abend wieder einmal eine nette Zusammenkunft mit den Habenhauser Kindern. Urlaubsberichte von der Reise in die Dolomiten und an den Comer See.  Kürbissuppe. Kohlrouladen. Rote Grütze. Ach ja, und wie wird es nun weitergehen?  

 

 

Wandelröschen