Neue Rubrik:

im letzten Quartal 2025 
die wöchentliche

uninteressante &  lächerliche

 

 

upzecke

 

die alterszittrige ullipelzische Befindlichkeitsecke 

Aktuelle Persönliche Informationen über meinen Ist-Zustand für meine europaweit verstreute Verwandtschaft. Für meine Schwestern und Brüder, für meine Schwager und Schwägerinnen, für meine Söhne und Schwiegertöchter, für meine Enkeltochter, für meine Nichten und Neffen, für meine Tanten und Onkels, sowie für das gesamte "Gefichel" (ostpreußischer Ausdruck für Verwandtschaft) im Ruhrgebiet, in England und in Sachsen. Selbstverständlich auch für alle, die weder verwandt noch verschwägert mit mir sind.  

upzecke

25

 

die letzte ecke

 

nr. elf

14.12.25

 

 

elf eins

 Was wundern wir uns denn über den weihnachtlichen Musikkitsch, der uns in jedem Jahr immer wieder unausweichlich erreicht und belästigt. So soll ein weltberühmter chinesischer Pianist die Melodie von Rolf Zuckowskis Weihnachtsbäckerei auf dem Klavier gespielt haben, öffentlich im Fernsehen. Die Kinder mit den angepappten goldgefärbten Engelsflügeln sollen um sein Piano herumgetanzt sein. Rolf selbst soll im Hintergrund gesessen haben, vergnüglich in der Weihnachtsbäckerei gebackene leckere Kekse in sich hineinstopfend. Ja und, der chinesische Klavierspieler kann ja nicht, wenn er in die Tasten haut, gleichzeitig Weihnachtskekse mümmeln, ohne dass er die Tastatur vollkrümelt. Der muss warten, bis die musikalische kinderorientierte Weihnachtsoper eingespielt ist. Dann wird er sich wahrscheinlich mit Rolf zusammensetzen, um den Rest aus der Keksdose adventlich zu verspeisen. Währenddem der Knecht Ruprecht der Klassikszene ohne selbstgebackene Kekse in seinem Wiener Kritikercabuff darbt und die Ruten für Rolf und den chinesischen Klavierspieler aus dem Sack holt. Das dürfe nicht sein, so der Knecht, dass der weltbeste Pianist, so wie ihn meine entfernte Verwandte, die ja selbst Klavierlehrerin ist, in dem weit von der Kultur entfernten Ottersberg immer bezeichnet, dass der weltbeste Pianointerpret sich mit dem musikalischen Weihnachtsbäcker aus Hamburg eine Dose selbstgebackene Weihnachtskekse teilt. Was soll’s. Lassen wir ihn doch über uns ergehen, wie in jedem Weihnachtsjahr, den unästhetischen terroristischen Kitsch in allen Sparten der Kunst. Über die Frage, weshalb renommierte Künstlerinnen und Künstler der musikalischen Klassikwelt sich in der Weihnachtszeit der irrationalen christlichen Liederwelt hingeben, soll hier nicht weiter lamettat werden. Nur die Frage: Was treibt Maria Calla an, in der Kirche Santa Maria zu Cochem an der Mosel das Weihnachtslied “Maria durch einen Dornwald ging”, zum Besten zu geben? Hatte sie zuviel Mosel, etwa Dornfelder?   

  

 

 

elf zwei 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es bringt ja nichts mürrisch zurückzublicken, lasst uns optimistisch nach vorne schauen in das Jahr 26. Die weltpolitische Situation wird sich hoffentlich positiv verändern. Dieses unsinnige egegenseitige Zerstören bringt der Menschheit doch nichts. Auch kleinräumig in den eigenen vier Wänden und in den Nachbarschaften und Verwandtschaften sollte sich alles zum Guten gestalten. Ich jedenfalls freue mich auf viele schöne Ereignisse im nächsten Jahr. Besonders sehe ich den vielen herrlichen Familienfeiern entgegen. Bereits im Januar geht es los mit den Geburtstagsgedenkfeiern für meine verstorbene Mutter und für meinen verstorbenen Vater, und für meinen verstorbenen Bruder. Alle hatten im Januar Geburtstag. Es soll wohl, wie bisher geplant ist, an der Stelle auf dem Osterholzer Friedhof, an der der ehemalige Familiengrabstein flachgelegt wurde, am 31.1. eine Steh-Gedenkfeier mit kurzen Ansprachen und leckeren Partyhäppchen stattfingen. Selbstverständlich werden auch die Alkoholsorten gereicht, die zu Lebzeiten von den Verstorbenen bevorzugt wurden. Musikalisch soll die Friedhofssause wohl von der Vokalgruppe “Kalte Heimat” mit Volksliedern aus Ostpreußen und Sachsen untermalt werden. Natürlich wird das Ännchen von Tharau gespielt werden, und sicherlich auch eine Sächsische Melodie von Karl May, dem Lieblingskomponisten des Vaters, da ja beide aus Radebeul bei Dresden waren. Und dann die Veranstaltungen im Februar: der 23.Geburtstag der einzigen Enkeltochter und der 60.Geburtstag der ältesten Nichte von insgesamt drei Nichten und Neffen. Zum Geburtstag der Enkeltochter wird es wohl wieder eine Einladung geben zu herrlichem altersgerechtn und diabetikerfreundlichem Kaffee und Kuchen mit Torte von Hannelore. Um 17 Uhr ist dann leider Schluss mit Lustig für die Alten, da ja am Geburtstagsabend eine rauschende Jugendparty, die in der Regel erst am nächsten Morgen gegen 4 oder 5 endet, geplant und organisiert ist. Schade, ich würde gerne noch einmal mit der Jugend am Abend kommunizieren, da ich immerhin 25 Jahre und mehr der Chef der Jugendhilfe für die herumstrolchende und partygeile Jugend war. Egal, ich tröste mich mit der positiven Perspektive, Mitte Februar, Ende März und irgendwann im Oktober des nächsten Jahres an den Großfeierlichkeiten der Familie meiner Schwester, die ich ja nach öffentlicher Aussage meiner ältesten Nichte anlässlich einer Garten-Feierlichkeit im August 23 in Habenhausen beleidigt haben soll, teilnehmen zu dürfen. Ja, das wird was. Und ich hoffe trotz des unsinnigen Beleidigungsverdachts zu den Megapartys eingeladen zu werden. Immerhin geht es um die Geburtstage 60, 77 und 80. Alle Reifes Alter. Da muss doch noch einmal auf den Tischen getanzt werden, da muss doch noch einmal üppig gespeist und getrunken werden, da müssen doch noch einmal markante Ansprachen gehalten werden! Wie damals anlässlich einer Jugendweihe-Feier in Fischerhude an der Wümme. Ich freue mich bereits jetzt, im alten Jahr noch, auf diese familienorientierten Events. Ich verspreche auch bereits jetzt, nicht über die herrlichen Feiern zu fotografieren oder gar zu schreiben, Ach ja, das wird ja wohl ein Super-Geburtstagsjahr werden. Denken wir doch auch an die kommenden Feierlichkeiten im April, im Mai und im Juni. Im April ist wohl wieder damit zu rechnen, in ein dörfliches Restaurant hinten hinter den Wiesen und Wäldern eingeladen zu werden, wo es dann wohl wieder zu dem lyrischen Auftritt eines der berühmtesten Schauspieler Bremens kommen wird. Shakespeare. Sonette. Anfang Juni wird es dann wohl wieder eine internationale Geburtstagsreise (77) mit der Lebenspartnerin im 57.Hochzeitsjahr nach Siena in Italien zum Kauf von schönen blauen Schuhen kommen. Möglicherweise kommt es ja wieder zu einer Doppel-Hin-und-Her-Fahrt. Blaue Schuhe gekauft, zu Hause entdeckt, dass zwei linke Schuhe eingepackt wurden, noch einmal hin und zurück. Ganz nebenbei in Siena dann auch noch den Palio erleben mit dem Sieg meines Lieblingspferdes der Contrade Oca. Na ja, alles schöne genussvolle Feierlichkeiten, die den Lebensmut im 79.Jahr noch einmal stärken werden. Auch die Sportveranstaltung für ältere Mediennutzer machen Hoffnung auf weiteres Lebensglück im Endstadium. Es wird zu herrlichen Sportevents kommen, die ich mir wohl alle medial reinziehen werde. Oder soll ich etwa gleich im Januar die Leichtathletik-World Cross-Country-Championship in Tallahassee/USA verpassen, oder die Rodeleuropameisterschaften in Oberhof/Thüringen. Oder wird etwa von mir erwartet, dass ich im März auf das Kucken der Curling-WM der Frauen in Kanada verzichte? Nein, das kann von mir nicht erwartet werden! Ich werde mir auch im Jahre 26 alles quer durch den Internationalen Sportgarten anschauen – und darauf freue ich mich bereits jetzt, im alten Jahr, wie Hulle. Da könnt ihr machen, was ihr wollt. Ich werde mir sogar im Juni des kommenden schönen Jahres nach der Reise zum Schuhkauf nach Siena / Italien die Golf U.S. Open vom 18.-21.Juni in Shinnecock Hills Golf Club, New York / USA anschauen. Es muss ja weitergehen. 

Bis zum bitteren Ende, bis zum letzten Einlochen.  

 

 

 

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nr.  10
07-12-2025

 

 

10-1

 

Dezember. Keine Schneepanik – nein, Bestellpanik. Ist denn das Geflügel für Heiligabend und für den 1.Weihnachtstag schon bestellt? Huhn und Gans. Dieses Mal keinen Amerikanischen Puter, auch keine Polnische Ente. Hühner frisch vom freilaufenden Hühnerkollektiv wegen der saftigen strammen Schenkel, die Gans frisch vom Fischerhuder Gänsegarten. Dort haben wir die vorweihnachtliche Gänsefamilie vor Jahren anlässlich einer postsozialistischen Jugendweihe ja schon perspektivisch betrachten dürfen. Sind denn die Geschenke, die wir uns laut Familienverabredung nicht schenken wollen, auf dem DHL-Postweg? Oder bringt sie einer von diesen netten Amazon-Fahrern, die ja gar nicht wissen können, was Weihnachten für uns nördliche Mitteleuropäer bedeutet, geschweige denn, dass sie erahnen können, welche Namen auf den Zustelletiketten stehen. Egal, Hauptsache Straße, Hauptsache Hausnummer. Einfach Flur, rein! Was zum Kuckuck muss denn noch bestellt werden, damit es pünktlich zu Heiligabend unter der Nordmanntanne liegen kann? Ach ja, der Dresdner Stollen bei der Sächsischen Weihnachtsbäckerei in Radebeul, da, wo schon Karl May vor seinem Ableben nix anderes aß als Stollen, um später im dortigen Museum einbalsamiert und aufgebahrt zu werden. Und vergesst bitte nicht bei Wackerbarth anständigen Elb-Sekt rose zu bestellen. So ändern sich die Zeiten. Früher zu Weihnachten unsere Westpakete mit echtem Bohnenkaffee und bester Bremer Schokolade, auch herrliche bereits leicht angefärbte Kongobananen, in die Ostzone. Kerzen in die Fenster für unsere Brüder und Schwestern. Die Bananen und der Kaffee wurden dann allerdings bei der Stasi-Kontrolle von den sozialistischen Zollbeamten für den Eigenbedarf entnommen, damit die Ware auf dem weiteren Postweg nach Dresden nicht verkommt. Und heute umgekehrt: Feinste Backwaren aus Sachsen in den Westen, leckerste Weine von den Anbaugebieten an der Elbe in die Regale der versoffenen Wessis. Auch aus dem Erzgebirge, von dort, wo ich das Vergnügen hatte, frühere Grenzpolizisten und volkseigene Schweinezüchterinnen zu Sozialpädagogen auszubilden, wird wohl der eine oder andere Holznussknacker ankommen, wenn nicht sogar eine komplette große Fügeldrehmühle, oder wie die genannt wird. Kerze nicht ins Fenster stellen – nein, Kerze direkt unter das Drehflügelholz stellen, damit es sich dreht. Alles bestellt? Dann kann es ja wieder einmal losgehen. “Oh Haupt voll Blut und Wunden” spricht der Diabetiker und Schuppenflechtler. Immer gut einreiben mit bestellter Heil-Creme aus der Shop-Apotheke – auch in der Vorweihnachtszeit! Sonst juckt es wie damals bei dem zu Unrecht Gekreuzigten an den Händen, nachdem er vom Kreuze herabstieg und gen Himmel schwebte. Alles bestellt? Ja, alles Wynzora 

 

10 - 2

Heute der 22.Jahrestag. Am 3.12.2003 überbrachte mir, nennen wir sie Herta, die spätere Fleischereifachverkäuferin bei Marktkauf und frühere BSHG-19-Mitarbeiterin in einem verschlossenen vom Insolvenzverwalter selbst beleckten Briefumschlag die sofortige Freistellung von meinen Aufgaben als Geschäftsführer und Fachlicher Leiter beim Bremer Verein für Jugendhilfe & Soziale Arbeit e.V., gegr. 1958. Nach 25 Jahren innovativer Leitungsarbeit im Sozialen Bereich durfte ich hoppla-hopp ins berufliche Gras beißen, und das im Alter von 56 Jahren. Uns fehlten wegen der komplizierten Betriebswirtschaft im Sozialen - ausschließlich finanziell angewiesen auf die Förderung der staatlichen Behörden und der sonstigen Förderinstitutionen - lächerliche 300.000. Das Kreditinstitut, mit dem wir seit Gründung im Jahre 1958 immer vertrauensvoll zusammengearbeitet haben, auch im Hinblick auf teure Kredite, sah sich nicht in der Lage uns aufzufangen. Basel II. Die für uns zuständige Senatorische Behörde wollte uns ebenfalls nicht stützen - wie sie erklärten: aus Haushaltsgründen. Mein Lebenswerk brach von heute auf morgen zusammen. 1979 = 3 Mitarbeiter. 2003 = 30 Festangestellte und diverse zeitlich befristete Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Die von mir entwickelten Fachlichen und Personellen Vereinsstrukturen leben heute als gGmH weiter, wie ich sie annodunnemals gestaltet habe (siehe www.jus-bremen.de) Die Zeit nach meinem Rauswurf war weiter produktiv, aber nicht erfolgreich. Ein neu gegründeter Jugendhilfeverein (fenice e.V.) kam wegen mangelnder Förderungsbereitschaft der Institutionen nicht in die Potten. Der Versuch eine Freie Bürgerschaftliche Jugendhilfestiftung zu gründen, scheiterte am Nichtzustandekommen des notwendigen Stiftungskapitals. So blieb mir nichts anderes, als mich in mein Schreibcabuff zurückzuziehen und meine Web-Seite zu pflegen, sowie in den Sozialen Medien meine textlichen und fotografischen Ergebnisse zu veröffentlichen. Zum Leidwesen vieler Zeitgenossen, die sich von mir angegriffen fühlen. Tja! So geht Texten und Fotografieren. Heute also der 22.Jahrestag meiner Exklusion aus dem Berufsleben. Ich werde mir ganz leise ein Fläschchen roten Tirollinger öffnen und auf das Wohl aller meiner beruflichen personellen Enttäuschungen mit mir selbst anstoßen. upz 

 

 

 10 - 3

Manchmal, das muss ich gestehen, bin ich außerordentlich erstaunt über die irrationalen Reaktionsweisen meiner Mitmenschen. Wie ist denn zum Beispiel zu erklären, dass mir ein drogenabhängiger Mitbürger von der Straßenbahnhaltestelle von gegenüber meines Schreibcabuffs ins geöffnete Fenster zuruft, dass ich ein Pädophiles Schwein sei? Wie kommt der Drogenkranke dazu, so frage ich mich dann verwirrt, ohne rauszugehen an die Haltestelleum ihm etwas aufs Maul zu geben. Auch denke ich immer wieder mit Verwunderung an den fahrradfahrenden Polizisten zurück, den ich auf das Verbot des Radelns auf dem Bürgersteig hinweisen musste, und der mir als Retourkutsche prompt entgegnete, dass ich mich des Diebstahls schuldig gemacht habe wegen der Mitnahme des REWE-Einkaufswagens auf den Hinterhof unseres Wohnhauses. Mein Angebot an den Verkehrssünder, der sich ja als Polizist ausgegeben hatte, mich sofort vorläufig festzunehmen und mich am nächsten Tag dem Staatsanwalt zuzuführen, lehnte dieser ab mit den Worten, dass er sich ja nicht an altersschwachen ehemaligen Sozialpädagogen vergreifen wolle. Außerdem, so der Verkehrsdelinquent, habe er zwar seine Dienstpistole dabei, aber keine Handschellen, da er ja außer Dienst sei. Feigling. Auch meine diversen Vollmonderlebnisse lassen mich nicht los. Bei schönstem Vollmond, zum Beispiel, habe ich jüngst versucht, den padowinischen Präsidenten auf das schöne Naturerlebnis des selten großen Mondes am Himmel hinzuweisen und ihm die Richtung anzuzeigen, wo er hinkucken muss. Er kuckte gar nicht hin und fragte nur, was denn los sei. Er fügte noch hinzu, dass Padowinien zuerst auf diesem Mond, wenn es ihn denn überhaupt jemals gab, gewesen seiAch, diese Mondgeschichten. Ich werde wohl noch einmal auf “Peterchens Mondfahrt zurückgreifen müssen. 

 

  10 - 4

Ich müsste eigentlich einmal wieder los zum Fotografieren, um mein bereits jetzt unüberschaubares Archiv um weitere verwackelte und unscharfe Aufnahmen zu ergänzen. Aber wohin? Zu welchen Motiven? Ist nicht eigentlich alles auf der Welt fotografisch erfasst und erledig? Ist nicht jede Blüte, jeder Baum, jeder Himmel, jede Katze, jeder Meeresstrand, jeder Grünkohlteller und was weiß ich, was noch alles vor der Linse stand, fotografiert und tausendfach in das weltweite Netzt gestellt worden? Welche Dackelschnauze, welche Kuh auf der Weide, welches Rathaus und welcheGotteshausegal welcher Konfession, wartet denn noch darauf, von mir fotografiert zu werden? Die Straßenbahn, die Haltestelle, der Deich und der Parkplatz sind ja nun hinlänglich von mir geknipst worden. Da ist nicht mehr viel zu entdecken, es sei denn, dass Interesse an der Aufnahme des Bremerhavener Fischwagens und der Neapolitanischen Pizzabude besteht. Die neueste Errungenschaft auf dem Parkplatz, der Altglascontainer, mit den Einwurfluken bunt und weiß, gibt ja eigentlich für ein künstlerisches modernes Foto mit der Digitalkamera auch nicht viel her. Soll ich etwa die Unzahl verkitscht weihnachtlich dekorierten Fenster und Balkone in der Nachbarschaft aufs Bild bringen. Das widerstrebt mir aus den bekannten Gründen, bin ja kein Weihnachtselektriker. Noch einmal nach Lilienthal mit der Linie 4 fahren, noch einmal dort den dörflichen historischen Ortskern aufnahmen, um zum Schluss der fotografischen Arbeiten dort in der Döner-Bude zu landen, um eine Riesenportion Döner-Pita mit alles zu bestellen und zu versuchen, die elegante elefantenartige Portion zu verdrücken, und dann nach dem Mahl die ¾ Reste zu fotografieren. Nein, das muss nicht noch einmal sein. Lilienthal und Dönerbude ade! Also, wohin, wenn nicht Lilienthal? Ich werde wohl, so fällt es mir gerade wie die Schuppen von meinen Flechten nicht ab, sondern ein: ich werde es mir und meiner Kamera wohl leicht machen, keine weiten Wege in Kauf nehmen und bei mir um die Ecke in den Arbeiterdom gehen, um das Trio Kantor, Sopranistin und Pastor, das vor dem Altar freihändig steht und Hosianna singt, vor dem Hintergrund der wunderbaren Kirchenfenster zu knipsen. Das muss vorläufig bis Weihnachten fotografisch gesehen genügen.  

 

upzecke  

 

 

nr.  9
30-11-2025

9/eins

Beim Müllherausbringen und bei dem Blick auf die Häuser ringsum bin ich wieder auf die Frage aufmerksam geworden, ob man es sich gegenüber der Hausgemeinschaft und der gesamten Nachbarschaft weiterhin erlauben kann, keine leuchtende weihnachtliche Balkon- oder Terrassendekoration anzubringen. Kommt man nicht schnell in den Verdacht, weihnachtsfeindlich und möglicherweise sogar knauserig zu sein. Überall leuchten und flimmern bereits Ende November die Lichterketten und die kletternden Weihnachtsmänner-Hier und da steht bereits ein Leuchtehirsch oder ein schlittenfahrender Knecht Ruprecht in den Vorgärten und auf den Terrassen, wenn nicht sogar auf den BalkonenKönnten wir nicht wenigstens einen großen roten Leuchtestern im große Fenster nach außen zum Strahlen erwecken, wie früher die Reihenhausnachbarin von gegenüber in der kulturprovinziellen Vorstadt?  Oder einen Bethlehemstern mit langem Leuchteschweif? Nach der Rückkehr vom Müllheraustragen wurden all die Weihnachtsleuchtefragen intensiv diskutiert, bis in die Heilige Nacht hinein. Im Endergebnis kam es wieder, wie in jedem Jahr zu Advent und Weihnachten, zu der Erkenntnis, dass das für 1,99 erworbene Tannengrün mit einer Kerze in der Mitte und ein wenig Lametta und Strohsternchen im Grün wieder einmal reichen muss für ein Fröhliches Fest. Schade, dass kein echter Dresdner Stollen vier Wochen vor dem Fest aus der Ostzone mehr geschickt wird-Das war immer echte adventliche Vorfreude. Leider ist der Cousin Rolf in Radebeul verstorben. Er möge in seinem sozialistischen Weihnachtsgrab in Frieden ruhen! So werden wir uns notgedrungen mit Bremer Klaben begnügen müssen, der bei weitem nicht die Backqualität der sozialistischen Stollenbackproduktionsweise erreichen kann. Auch wenn Frau Bäckermeisterin Schnaare immer beim Klabenanschnitt auf dem Bremer Rathausmarkt dabei ist.  

 

 9/zwei

Meine seit Jahren gepflegte Skepsis gegenüber dem Deutschen Handwerk ist heute früh ins Gegenteil umgekehrt worden. Um Punkt 7 klingelte der für zwischen 7.30 und 8.00 angekündigte Heizungsmonteur und begab sich ohne Zögern ans Werk. Fußbodenheizung defekt.  Dabei ist besonders hervorzuheben und zu bewundern, dass der Geselle bereits um 5.30 im fernen ostfriesischen / emsländischen Westrhauderfehn mit seinem Werkstattwagen losgefahren war, um pünktlich um 7 seinem Auftrag nachzukommen. Er war ja schon ein paar Male im Hause und kannte sich in unserer Wohnung sehr gut aus. Wegen Überschwemmungen, wegen Verstopfungen, wegen Abflussproblemen in Küche und Bad. Die Frage, ob er nicht, wenn er nicht schon so früh da ist, uns das Frühstück zubereiten und den Kaffee aufbrühen wolle, beantwortete er mit der Aussage, dass er es gerne machen würde, aber keine Zeit dafür habe, weil er schon in der nächsten halben Stunde einen Termin beim Oldenburgischen Großherzog habe, um ihm das Pferd zu bewachen und zu füttern und die Hufen mit neuen Eisen zu beschlagen. Ein Superhandwerkstyp sibirischer Herkunft, mit dem es einfach immer Spaß macht zu kommunizieren. Und zwar zweisprachig. Deutsch und Russisch. Endlich einmal Gelegenheit für mich, meine russischen Sprachkenntnisse, die ich in der früheren Ostzone in der früheren Walter-Ulbricht-Akademie erworben habe, an den sibirischen Prachtkerl zu bringen. Der sibirische Handwerkereinsatz war übrigens sehr erfolgreich. Wieder warme Füße, kein kalter Arsch mehr.  

 

 9/drei

Man muss es doch einmal nüchtern betrachten: Jede Nichteinladung zu familiennahen Geburtstagsfeiern erspart dir doch auch Nervenstress. Oder willst du etwa wieder, wie vor einigen Jahren, abseits am Feiertische sitzen und in die lautstarken Vorträge und Diskussionen der jungen Leute nicht mit einbezogen werden? Willst du etwa gegenanstinken gegen die überlauten Hauptvorträge der Hauptperson an solchen Tagen. Es findet ja eigentlich keine Geburtstagskommunikation unter den anwesenden Geburtstagsgästen statt, sondern eher ein Wettbewerb von Lautsprechern und Lautsprecherinnen Und wenn du dann als älterer sensibler, nervlich angeschlagener und eigentlich textsicherer Gast nicht zu Worte kommst, dann bleibt dir doch eigentlich gar nichts anderes übrig als mehrmals zur Billigweinflasche halbtrocken zu greifen, um die Geburtstagstischeinsamkeit zu kompensieren. Und wenn du dann nach dem Volltanken beim Abschied von der ebenfalls inzwischen abgefüllten Runde in der Garderobe beim Anziehen deines Regenmantels aus Versehen voll auf die Fresse fliegst und vom Hausherrn gerettet werden musstdann hast du doch auf ewig bei den familiennahen Herrschaften verschissen, und du wirst nie wieder eine Einladung zur Hauptgeburtstagparty erhalten, sondern nur ersatzweise zu Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag. Ja, danke schön!    

 

 9/vier 

Doch, das Leben ist schön! Zu welcher anderen Erkenntnis sollte man auch kommen nach dem Verzehr von Hannelores Torte mit dick Marzipan obendrauf. Ja, das Leben als solches hat doch viele echte positive Seiten. Denken wir doch nur an die wunderbare Inklusion von uns Älteren in die freudigen Geschehnisse der Jüngeren. Nicht mehr, wie früher einmal, ins soziale und kommunikative Abseits gestellt – nein, jetzt mittendrin im Gewühl der Nachfahren. Es muss ja nicht bis in die Puppen gehen, aber die Teilhabe am Büfett und den Umtrünken und den jugendlichen Gesprächen für ein bis zwei Stunden hat doch auch seinen generationsübergreifenden Wert. Inklusion statt Exklusion. Das, was sich flächendeckend seit vielen Jahren in den aufgeklärten demokratischen Gesellschaften durchsetzt, das kann doch wohl auch locker in den Familienzirkeln umgesetzt werden. Beteiligung, Teilhabe an den Geschehnissen, auch wenn sie manchmal noch so banal sind. Denken wir doch nur an Karl-Heinz, so wie ich ihn nenne, ohne zu wissen, wie er eigentlich genau heißt, der hier zum Bestandteil des öffentlichen Lebens im Buntentorquartier geworden istEin seltsamer Vogel, der mal hier bei mir an der Haltestelle, mal an einer anderen im Bereich der Linie 4 bis Huckelriede auftaucht, und der zum Staunen und zur Erheiterung des gesamten Quartiers wunderschöne handyartige Aktivitäten mit leeren Kekspackungen zeigt und dabei hin und wieder herrliche stimmliche Töne dazu von sich gibt. Oder denken wir an die Sängerin und Forscherin Sarah Straub aus München, die in den Sozialen Medien zeigt und belegt, dass auch mit dementen Mitmenschen etwas zu kommunizieren ist. Sie hat schöne Lieder dazu geschrieben. Nun gut, Geschriebenes und Gesungenes ist ja in den Zeiten der Mobilen Kommunikation nicht mehr so beliebt bei den Nutzern und Nutzerinnen. Aber immerhin könnte bei Gelegenheit der Schreiber doch einmal von den NichtleserInnen gefragt werden, was er denn da täglich für einen Mist zusammenschreibt.  

upzecke  

 

nr.  8
23-11-2025

 

 

8/1

 

Beim Müllherausbringen und bei dem Blick auf die Häuser ringsum bin ich wieder auf die Frage aufmerksam geworden, ob man es sich gegenüber der Hausgemeinschaft und der gesamten Nachbarschaft weiterhin erlauben kann, keine leuchtende weihnachtliche Balkon- oder Terrassendekoration anzubringen. Kommt man nicht schnell in den Verdacht, weihnachtsfeindlich und möglicherweise sogar knauserig zu sein. Überall leuchten und flimmern bereits Ende November die Lichterketten und die kletternden Weihnachtsmänner-Hier und da steht bereits ein Leuchtehirsch oder ein schlittenfahrender Knecht Ruprecht in den Vorgärten und auf den Terrassen, wenn nicht sogar auf den BalkonenKönnten wir nicht wenigstens einen großen roten Leuchtestern im große Fenster nach außen zum Strahlen erwecken, wie früher die Reihenhausnachbarin von gegenüber in der kulturprovinziellen Vorstadt?  Oder einen Bethlehemstern mit langem Leuchteschweif? Nach der Rückkehr vom Müllheraustragen wurden all die Weihnachtsleuchtefragen intensiv diskutiert, bis in die Heilige Nacht hinein. Im Endergebnis kam es wieder, wie in jedem Jahr zu Advent und Weihnachten, zu der Erkenntnis, dass das für 1,99 erworbene Tannengrün mit einer Kerze in der Mitte und ein wenig Lametta und Strohsternchen im Grün wieder einmal reichen muss für ein Fröhliches Fest. Schade, dass kein echter Dresdner Stollen vier Wochen vor dem Fest aus der Ostzone mehr geschickt wird-Das war immer echte adventliche Vorfreude. Leider ist der Cousin Rolf in Radebeul verstorben. Er möge in seinem sozialistischen Weihnachtsgrab in Frieden ruhen! So werden wir uns notgedrungen mit Bremer Klaben begnügen müssen, der bei weitem nicht die Backqualität der sozialistischen Stollenbackproduktionsweise erreichen kann. Auch wenn Frau Bäckermeisterin Schnaare immer beim Klabenanschnitt auf dem Bremer Rathausmarkt dabei ist.  

 

 

 

8/2

Meine seit Jahren gepflegte Skepsis gegenüber dem Deutschen Handwerk ist heute früh ins Gegenteil umgekehrt worden. Um Punkt 7 klingelte der für zwischen 7.30 und 8.00 angekündigte Heizungsmonteur und begab sich ohne Zögern ans Werk. Fußbodenheizung defekt.  Dabei ist besonders hervorzuheben und zu bewundern, dass der Geselle bereits um 5.30 im fernen ostfriesischen / emsländischen Westrhauderfehn mit seinem Werkstattwagen losgefahren war, um pünktlich um 7 seinem Auftrag nachzukommen. Er war ja schon ein paar Male im Hause und kannte sich in unserer Wohnung sehr gut aus. Wegen Überschwemmungen, wegen Verstopfungen, wegen Abflussproblemen in Küche und Bad. Die Frage, ob er nicht, wenn er nicht schon so früh da ist, uns das Frühstück zubereiten und den Kaffee aufbrühen wolle, beantwortete er mit der Aussage, dass er es gerne machen würde, aber keine Zeit dafür habe, weil er schon in der nächsten halben Stunde einen Termin beim Oldenburgischen Großherzog habe, um ihm das Pferd zu bewachen und zu füttern und die Hufen mit neuen Eisen zu beschlagen. Ein Superhandwerkstyp sibirischer Herkunft, mit dem es einfach immer Spaß macht zu kommunizieren. Und zwar zweisprachig. Deutsch und Russisch. Endlich einmal Gelegenheit für mich, meine russischen Sprachkenntnisse, die ich in der früheren Ostzone in der früheren Walter-Ulbricht-Akademie erworben habe, an den sibirischen Prachtkerl zu bringen. Der sibirische Handwerkereinsatz war übrigens sehr erfolgreich. Wieder warme Füße, kein kalter Arsch mehr.  

 

 

 

8/3

Man muss es doch einmal nüchtern betrachten: Jede Nichteinladung zu familiennahen Geburtstagsfeiern erspart dir doch auch Nervenstress. Oder willst du etwa wieder, wie vor einigen Jahren, abseits am Feiertische sitzen und in die lautstarken Vorträge und Diskussionen der jungen Leute nicht mit einbezogen werden? Willst du etwa gegenanstinken gegen die überlauten Hauptvorträge der Hauptperson an solchen Tagen. Es findet ja eigentlich keine Geburtstagskommunikation unter den anwesenden Geburtstagsgästen statt, sondern eher ein Wettbewerb von Lautsprechern und Lautsprecherinnen Und wenn du dann als älterer sensibler, nervlich angeschlagener und eigentlich textsicherer Gast nicht zu Worte kommst, dann bleibt dir doch eigentlich gar nichts anderes übrig als mehrmals zur Billigweinflasche halbtrocken zu greifen, um die Geburtstagstischeinsamkeit zu kompensieren. Und wenn du dann nach dem Volltanken beim Abschied von der ebenfalls inzwischen abgefüllten Runde in der Garderobe beim Anziehen deines Regenmantels aus Versehen voll auf die Fresse fliegst und vom Hausherrn gerettet werden musstdann hast du doch auf ewig bei den familiennahen Herrschaften verschissen, und du wirst nie wieder eine Einladung zur Hauptgeburtstagparty erhalten, sondern nur ersatzweise zu Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag. Ja, danke schön!    

 

 

8/4

-Man muss es doch einmal nüchtern betrachten: Jede Nichteinladung zu familiennahen Geburtstagsfeiern erspart dir doch auch Nervenstress. Oder willst du etwa wieder, wie vor einigen Jahren, abseits am Feiertische sitzen und in die lautstarken Vorträge und Diskussionen der jungen Leute nicht mit einbezogen werden? Willst du etwa gegenanstinken gegen die überlauten Hauptvorträge der Hauptperson an solchen Tagen. Es findet ja eigentlich keine Geburtstagskommunikation unter den anwesenden Geburtstagsgästen statt, sondern eher ein Wettbewerb von Lautsprechern und Lautsprecherinnen Und wenn du dann als älterer sensibler, nervlich angeschlagener und eigentlich textsicherer Gast nicht zu Worte kommst, dann bleibt dir doch eigentlich gar nichts anderes übrig als mehrmals zur Billigweinflasche halbtrocken zu greifen, um die Geburtstagstischeinsamkeit zu kompensieren. Und wenn du dann nach dem Volltanken beim Abschied von der ebenfalls inzwischen abgefüllten Runde in der Garderobe beim Anziehen deines Regenmantels aus Versehen voll auf die Fresse fliegst und vom Hausherrn gerettet werden musstdann hast du doch auf ewig bei den familiennahen Herrschaften verschissen, und du wirst nie wieder eine Einladung zur Hauptgeburtstagparty erhalten, sondern nur ersatzweise zu Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag. Ja, danke schön!    

 

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upzecke  

 

nr.  7
16-11-2025

 

7/1

Ich habe meine Nichte Kiki zufällig auf dem Sender LinkedIn wiedergetroffen. Ich habe ihr über den Sender Grüße zugeschickt, ohne zu wissen, was sie jetzt so macht und wo sie wohnt. Vielleicht hinterlässt sie eine Nachricht. Ich würde mich sehr darüber freuen, denn wir sind ja immerhin gemeinsam in den letzten 60 Jahren älter, wenn nicht alt gewordenDa sollte doch wohl Vernunft und Verzeihen, wenn auch nicht viel, eingetreten seinIch erinnere mich noch immer gerne an die Jugendweihefeier im Fischerhuder Garten, da neben den Weihnachtsgänsen und dem Wilden Hund, die mich beißen wollte. Andere gemeinsame Gartenveranstaltungen sind mir nicht mehr in Erinnerung. Ich muss wohl damals in Anbetracht der Ereignisse sehr psychopathologisch gelitten haben! Musste ja, wie jeder weiß, danach zur Dipl. Psychologin und noch später sogar zur Psychologischen Psychotherapeutin. Schön und hilfreich war das nicht! 

 

7/2 

  Ach ja, Karnevalseröffnung in Köln. Viele Erinnerungen an Köln sind für mich damit verbunden. Beruflich und auch privat. Immer das gleich Ritual bei der Anreise mit dem Zug. Ankunft Hauptbahnhof, dann sofort in den Dom, eine halbe Stunde innehalten nach der langen Reise. Danach unverzüglich ins Museum Ludwig, zwei Stunden lang Kunst über Kunst genießen. Völlig erschöpft und ausgehungert von so viel Kultur dann ins Brauhaus Früh - den Bierdeckel vollsaufen und dazu eine schöne Rheinische Schweinshaxe gegrillt. Einfach schön. Das Pflichtprogramm dann mit schwerer Magenladung absolviert: Manager-Seminar bei der Bank für Sozialwirtschaft, Besichtigung der Romanischen Kirchen, im WDR-Studio kurz ein Interview geben zum Thema Straffällige Jugendliche und zum Thema Bremer Hanse. Zwischendurch noch eben ins Stadion zum Effzee eine erneute Niederlade mit ansehen. Der Höhepunkt der Kölnbesuche allerdings das Treffen vor etlichen Jahren mit einem Berufskollegen, der mich und meine Kölnreisepartnerin in sein Reihenhaus in Köln-Dellbrück eingeladen hatte, um am Abend in einer berühmten Kölner Karnevalskneipe in der Dürener Straße in Köln-Lindenthal eine stimmungsvolle Karnevalsfeier mitzuerleben. Also Pappnase aufgesetzt und hin an der Aachener Straße vorbei. Angekommen bei der Hochburg des Kölner Karnevals in der Dürener Straße dann allerding: Pappnase. Schild in der Eingangstür: Wegen Zechprellerei und Vandalismus geschlossen, keine weiteren Karnevalssitzungen! So geht Köln! 

 

7/3

 70 Jahre Bundeswehr. Bei den Feierlichkeiten in Berlin wurde leider nicht erwähnt, dass auch ich einen erheblichen Anteil an der Entwicklung der Deutschen Armee habe. Leider wurde in den Reden nicht berichtet, dass ich bereits in den Jahren 1968 / 1969 durch mein unsoldatisches Wesen zur Pazifizierung des Kalten Krieges beigetragen habe. Bedauerlicherweise wurde in den Festreden nicht darauf eingegangen, mit welcher Freude ich die Grundausbildung in Lüneburg genossen habe bis zu dem Zeitpunkt meines Halbtodes nach einem gefühlten 80km-Marsch, bei dem ich mir an den Füßen und Hacken eine lebensbedrohliche Blutvergiftung zugezogen hatte. In Wirklichkeit sollen es, so wurde später nachgemessen, zwischen Kaserne Lüneburg und Deutsch-Evern und zurück lächerliche 30km gewesen sein. Egal, wie viele Marschkilometer - auf jeden Fall fand ich mich mit meinen kaputten lebensbedrohlichen Fussverletzungen im Kasernenhospital wieder und musste 14 Tage lang mit Kernseifenwasser spülen, spülen und noch einmal spülen. Während die Kameraden sich draußen in der Heide im Kampfdreck herumwälzen mussten, stand ich mit beiden Kampffüssen in der Kernseifenbrühe und wurde von den Sanitätssoldaten herrlich friedvoll und liebevoll gepflegt. Nach der Hospitalzeit durfte ich dann geheilt in meine stinkende Kameradenbude, in der 8 junge Männer unterschiedlicher Sozialisation ihren soldatischen Teamgeist schulen mussten, zurück. Es stank wie Otter wegen der unterschiedlichen Hygienepraktiken. Besonders die Kameraden aus dem Kohlenpott hatten es wohl nicht gelernt sich zu säubern und den anhaftenden Kohlenstaub zu entfernen, damit sie den Vorgesetzten steril gegenüberstehen konnten. Für die so genannten ungebildeten und ungewaschenen Unteroffiziere war Hygiene sowieso egal. Hauptsache Befehl und Gehorsam. Besonders wichtig waren sie dann immer bei den Spindkontrollen der Rekruten, bei denen sie besonders darauf achteten, dass alles geputzt war und auf Kante lag. Wenn nicht, dann Nachappel. Und wenn der auch nicht wirkte, Ausgangs- und Wochenendurlaubssperre. Nach der Grundausbildung dann, und das soll bis heute den Deutschen Verteidigungsverantwortlichen ins Logbuch geschrieben sein, bekam ich den Auftrag, in der 5.Kompanie in Walsrode-Beetenbrück die geheimnisvollen Sprengköpfe der amerikanischen Armee, die dort auch einen Standort hatten, zu bewachen. 2 Stunden Wache, 2 Stunden Schlaf oder waren es 4? Mit scharfen Waffen, mitten im dunklen Beetenbrücker Wald, im zweiten Bewachungskreis. Im dritten die Leute der Wach- und Schließgesellschaft mit ihren scharfen Schäferhunden. Außer der Tagesparole war kein Mucks erlaubt. Egal, bei den nächtlichen Begegnungen auf den unterschiedlichen Bewachungskreisen blieben wir mucksmäuschenstill stehen und verständigten uns über das Tagesessen in der Kantine mit besonderen Handzeichen. Die Hunde kuschten, sie waren wachmäßig gut erzogen. Was die Amerikaner inzwischen machten, das wussten wir nicht. Sie sollen sich, so hörte man, in ihrem Casino die Hucke voll gesoffen haben mit Pepsi und Whisky. Nach meinem Antrag auf Wehrdienstverweigerung während meines Dienstes wurde mir dann sofort die Waffe entzogen. Ich bekam einen dicken Knüppel als Ersatzgewehr gestellt und musste damit dann meine nächtlichen Wachrunden um die amerikanischen Sprengköpfe herum absolvieren. Der Hund schlug kurz an, wenn wir uns begegneten. Der Hundeführer gab Fingerzeichen, dass das Abendessen wieder einmal spitze war. Die Kameraden in den scharfen MG-Ständen waren derweil immer eingeknackt. Der Russe hätte kommen können, und keiner hätte es bemerkt. Außer ich und der Kollege mit dem Hund. Das hätte bei den 70jahres-Festreden doch wirklich auch berücksichtigt werden können. Aber, was soll’s?  Auch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ich vom militärgeilen Leutnant Specht, dem ich immer die Stiefel polieren durfte, anlässlich der Übung “Flussüberquerung, ohne dass Körper und Waffe nass zu werden” an der Böhme im Übungsfeld Fallingbostel am 21.August, 1968, dem Tag des Einmarsches der Roten Armee in Prag, nasstriefend der Böhme entstiegen, sofort von ihm zum Rapport bestellt wurde: “Stillgestanden Kanonier Pelz. Jetzt können Sie mal sehen, Sie KDV-Weichei, wie gefährlich der Russe ist. Wollen Sie Ihren Antrag auf Verweigerung nicht sofort zurückziehen, Sie Lappen? Wegtreten!” Schlimm – ja die Begegnungen mit den unteren Dienstgraden waren meistens schlimm. Hier sollten der Verteidigungsminister und der Bundespräsident anlässlich des 70jährigen Bestehens doch endlich einmal hart durchgreifen und eine Reform des Unteroffizierwesen in die Gremien einbringen! Die letzte Zeit meiner insgesamt 14 Dienstmonate bis zur gerichtlichen amtlichen Anerkennung meines KDV-Statusses verbrachte ich dann in der 4.Kompanie in Dörverden - Barme. Auch hier hätte in der Feierstunde durchaus erwähnt werden können, dass ich als KDV-Antragsteller die Kompanieführung der Vierten übernommen hatte. Ich war in die Schreibstube abkommandiert, hatte ja die 1.Verwaltungsprüfung, und durfte quasi den Posten des Adjutanten des Kompaniechefs einnehmen. Dieser lag als Herrenreiter in den Eystruper und Dörverdener Gebieten der Gutsherren und Junker nämlich meistens mit Hämorrhoiden bewegungsunfähig auf der Couch in seinem Führungscabuff und ließ antreten.  So kam ich durch seine Anweisungen, die ich in der Kompanie umzusetzen hatte, in Genuss echter militärischer Führungsarbeit, und das als Lappen, als Kanonier. Neben der Personalverwaltung hatte ich diesem Zusammenhang auch die Verwaltung der HDV zur Aufgabe. Heeresdienstvorschriften. Das war ein lauer, einschläfernder Job, da meistens hrend der Tagesdienstzeit in der HDV-Kammer nicht ein einziger Soldat zum Ausleihen der Verordnungen hereinkam. Es wäre alles so harmonisch bis zum Zeitpunkt meiner Anerkennung als KDV zu Ende gegangen, wäre ich nicht bei einer scharfen Schießübung auf dem Schießplatz des Bataillons in der Nähe von Verden noch kurz vor meiner Gerichtsverhandlung in Bremen fast erschossen worden. Ich hatte ja kein Gewehr dabei und musste mich während der gesamten Schießübungen ohne Gewehr in der ruhenden, nichtschießenden Abteilung aufhalten. Die Schützen mussten nach ihren Schießübungen abrücken in die ruhende Abteilung hinter mir. Das Gewehr zwischen die Beine geklemmt mit dem Lauf nach oben gen Himmel. Und so geschah es: der ostwestfälische Kamerad hinter mir fummelte an seiner Flinte herum, und plötzlich löste sich ein scharfer Schuss aus seinem Gewehr knapp an meinem kriegsuntauglichen Hinterkopf vorbei gen Himmel. Dort hätte ich auch zum Abschluss meiner militärischen Laufbahn enden können. Kurz und gut: Hätten die Festredner von diesen Vorgängen gewusst, dann hätte die Veranstaltung in Berlin sicherlich einen ganz anderen Verlauf genommen. Denn bis heute ist in der Bundeswehr und im gesamten Atlantischen Verteidigungsbündnis ungeklärt, wie bei einer militärischen Schießübung mit höchsten Sicherheitskontrollen ein scharfer Schuss knapp am Kopf eines KDVlers in spe vorbei abgegeben werden konnte. War es der Russe?  

 

 7/4

Meine Fehltaten und Verfehlungen der Vergangenheit erscheinen jetzt als juckende Flecken hundertfach auf meiner Haut an Beinen und am Körper und peinigen mich besonders nachts. Das ständige Kratzen und das Eincremen mit Fetten aller Art hilft ja nicht – es bleiben die in die Haut eingebrannten Erinnerungen an die Untaten meiner Lebensvergangenheit. Den Gutsherrn als Kind bei der Kartoffelnachlese mit Steinen im Sack betrogen und fast um sein bäuerliches Vermögen gebracht. Dem Angeber Wutzke, als er mich bei der Mannschaftswahl beim Kuhweidenfussball nach dem Auswahlverfahren Piss-Pott” bezichtigte, dass ich schummeln würde, weil ich zu große dreckige Quanten hätte; im Ringkampf inmitten der Kuhfladen niedergerungen und mit dem Gesicht direkt in einen Haufen Kuhablass  gedrückt habe. Mit dem Klassenkamerad Faber beim Werkunterricht in der 9.Klasse Mittelschule bei Bellmann heimlich hinterWerkraum-schuppen geraucht, bis er es, der ja währen der Kriegszeit in England Rugby studierte, merkte und sofort die Niedersächsischen Englischen  Besatzungstruppen informierte und die Erziehungsberechtigten da irgendwo iBasssischen. Dem Alemannischen Führer der Maoistischen Kampfgruppe in der ehemaligen Bremer Frauenfachschule, der späteren Hochschulfür Sozialarbeit, blindlings audem revolutionären Weg gefolgt. An den Leiter einer Jugendbildungsstätte im Oldenburgischen, der mir nach einer feuchtfröhlichen Feier im Teehau des Geländes beim Treppenaufstieg vohinten an die Wäsche wollte und sexuelle Erwartungen äußerte, was dazu führte, dass ich ihden sofortigen Niederschlag garantierte, wenn er es noch einmal versuchen sollte. Ja, es werden wohl auch meine Verfehlungen anlässlich einer beruflichen Bildungsfahrt nach Holland eingepgt sein und sich hautjuckend rächen. Positi kann ich dabefür mich registrieren, dass ich mich din Vlaardingen, in der Nähe voRotterdam, strikgeweigert habe, deschriftlichen Aufruf der Schwester des berühmtesten Fernsehentertainers aller Zeiten, den Abteilungsleiter des Jugendamtes unverzüglichen zu entlassen und nach Katalonien oder in die Wüste zu schicken, zu unterzeichnen. Einige Hautjuckfleckedeuten wohl auch auf den Unsinn hin, deich mir erlaubt habe, als ich im Jahre 79 Abschied nahm von meinen beruflichen Wünschen im Bereich der Theaterdagogik und mich der Straffälligenhilfe und Jugendhilfe hingab. 2Jahre Auch eingebrannin meine Haut, unjuckend: Waruhast du das gemacht, aus   dir hätte doch ein großer Regisseur und Dichter werden können, wenn nicht sogar Sänger unTänzer. Vielleicht sogar Fernseh- und Filmstar. Aber, darüber sagemeinjuckenden Körperstellen nichts ausNur meine Träume, manchmal.    

Zeichnung von Volker Kriegel fotografiert im Wilhelm-Busch-Museum zu Hannover
Zeichnung von Volker Kriegel fotografiert im Wilhelm-Busch-Museum zu Hannover

 

upzecke  

 

ecken - nr.  6
9-11-2025

 

nr.  6 eins . 

Upgrade, update, Lizenznummern, Key Account usw. Ich werde wahnsinnig. Ich bin nahe dran an der Installation von Windows 11. Dann jedoch heißts wieder: Ihr PC ist für die Installation von Windows 11 nicht geeignet. Ich bin nicht nur nahe dran an der Installation von Windows 11, nein, ich bin ebenso nahe dran am Wahnsinn. Ich habe bereits mit Kreditkarte online gezahlt. Ich habe auch bereits eine Bestellbestätigung erhalten und eine 25-stellige Lizenznummer. Aber Pustekuchen. Die Lizenznummer wird bei dem Installationsversuch nicht angenommen. Ihr PC ist für Windows 11 nicht geeignet. Das kann doch wohl nicht wahr sein, diese umständliche Hinführung zu neuen Einstellungen und Apps bei Windows, geschweige denn Microsoft. Welcher PC-Technik-Laie soll durch diesen Dschungel durchblicken. Ich bin ein eifriger und überzeugter Nutzer der digitalen Anwendungen, aber diese Barrieren bei Veränderungsversuchen und Aufrüstungsversuchen der Systeme lassen mich regelmäßig zu der Frage kommen: “Warum machen die das den Anwendern so schwer?” Es könnte doch alles so einfach sein. So einfach, dass auch der dümmste Anwender seine stationären PC-Wünsche per einmaligem Knopfdruck erfüllen kann. Ohne dass er vorher noch auf Station im Krankenhaus muss.  

  nr.  6 zwei

Medikamentenversorgung. Immer wieder erfrischend, die noch verschlafenen Bedarfsanrufe bei der Rezeption der hausärztlichen Praxis. Zuerst ein langer Vortrag der Rezeptionsleiterin über den Sinn des termingerechten Kommens in die Ärztliche Praxis und über den Unsinn des einfachen unangemeldeten ungewaschenen Erscheinens an der Ärztlichen Pforte. Auch die telefonischen Belehrungen über das Tragen und das Nichttragen von Masken in der Praxis sind immer wieder gerne anzuhören. Dann der Hinweis darauf, dass man eigentlich falsch mit seinem Anruf sei, da es ja darum gehe, Medikamente zu bestellen. Also die 1 drücken, sonst keine Pillen. Aldactone 25Toresemid 10, Forxiga 10, actraphane 30 Penfill und diese niedlichen kleinen Blutzuckermessblättchen locker vom vorbereiteten Zettel in die Telefonzentrale des Arztes, Abteilung Rezepte, eingegeben und darauf hoffend, dass alles richtig verstanden wurde und nicht wieder statt blutdrucksenkender Pillen euphorisierende Illegale weiße Pülverchen auf die persönliche Krankenkassenkarte eingespielt wurden, die dann Frau Schlüter am Apothekencomputer zu der Frage kommen lässt: Sagen Sie lieber Kunde, muss es denn unbedingt Koks sein , wir haben doch kostengünstiges Hasch im Angebot. Der Chef des Hauses bietet dann noch vergeblich Zigaretten an, um dann selbst nach Ablehnung und meinem Hinweis auf meine frühere furchtbare Nikotinkarriere vor die Apothekentür zu treten, wo bereits der Gaul angebunden wartet, um eine durchzuziehen – nein, nicht der Gaul, sondern der Apotheker. 

 

  nr.  6 drei

Geburtstage. Wehmütige Gedanken an die herrlichen Geburtstagsfeiern der vergangenen Jahre. Wisst ihr noch, wie wir als Flüchtlingskinder in den 50er Jahren eingeladen waren zu den Geburtstagen der Tochter der Bauernfamilie in Oyten, die uns nach dem verheerenden Krieg nach 1945 Unterkunft gewährte. Nach dem Geburtstagspielen draußen dann rein in die gute Stube, die nur für feierliche Anlässe geöffnet wurde. Ein schön mit bestem Porzellan gedeckter großer Tisch, an den alle heranpassten, 14 – 20 Leute. Wir Kinder mussten ein wenig zusammenrutschen, damit die erwachsenen Bauern, Knechte und Flüchtlinge genügend Armfreiheit hatten, um nach dem Kuchen und dem Kaffee zu greifen, später nach dem Bier und dem Korn. Dann brachte die Oma, die alles gebacken und vorbereitet hatte, die leckeren Kuchen auf den Tisch. Die Reihenfolge war immer: Schwarzer Peter, Dicke Sahnetorte, und wer dann noch nicht abgefüttert war. Butterkuchen. Herrlich. Ach, was sahen wir Kinder lustig schokoladenverschmiert vom Schwarzen Peter aus! Dann mussten wir die Erwachsenen allein lassen, damit sie sich ihren Vergnügungen und Gelüsten hingeben konnten. Wir Kinder spielten derweil dann während der Erwachsenentrinkgelage draußen hinterm Torfschuppen Mutter, Vadder, Kind, so lange bis wir vom Opa des Hofes bei unseren eischen unkeuschen Spielen erwischt wurden. Dann gabs echt Kloppe. Auch denke immer gerne bei Geburtstagsanlässen an die wunderbaren Geburtstage in der Neuen Vahr zurück, bei denen die Schwiegermutter, man hätte drauf wetten können, nach dem Kaffee und Kuchen zum Abendessen rief, um ihren herrlichen Nudelsalat mit Mandarinenstückchen drin, zu kredenzen. Ja, es musste früh gegessen werden, damit die ländlich bäuerliche Verwandtschaft aus der Grafschaft Hoya noch im Hellen zurückfindet. Es mussten ja noch die Kühe gemolken werden, die Schweine gefüttert und die Hühner geschlachtet werden. Und das alles auf Plattdeutsch kommuniziert. Einfach herrlich!  

  nr.  6 vier

Schon einmal das zum Geburtstag geschenkt bekommene Buch von Konstantin Wecker von vorne bis hinten photographisch quergelesen. Mein Geburtsjahrgangsgenosse, 1947, mein musikalischer Lebensbegleiter. “Der Liebe zuliebe” Das Leben eines Wilden Kerls mit hoher musikalischer Kompetenz und Ausdruckskraft. Nun gut, seine Liedtexte doch manchmal ziemlich trivial und tränendrüsig, aber immer emotional und wohlklingend. Ein verrückter Hund, der wohl an allen Ecken und Kanten dieser Welt und mit allen eigenen Ecken und Kanten seine Marken hinterlassen hat. Ich sehe ihn noch in einem Konzert in der Bremer Glocke mit schönen Stücken vor mit, bei dem er den Auftritt nur mit mindestens 2 Flaschen neben dem Klavier überstanden hat. Mineralwasser war das nicht, das war an den Flaschenetiketten erkennbar. Ja, das Buch - es ist die Lebensbeichte eines Süchtigen. Nach Musik, nach Alkohol, nach Kokain und anderen berauschenden Stoffen. Ja, das Buch – es ist zwar kein literarisches Meisterwerk, aber es lässt mich innehalten. Denn immerhin begleite ich sein Leben in seiner Musik, in seinen Texten, in seinen Lebensdarstellungen in Büchern und in den Medien seit mindestens 50 Jahren. Ich hätte mir gewünscht, dass er einmal nach einem seiner Konzerte in Bremen zu mir zusammen mit seinem Klavier nach Hause gekommen wäre zu einem Hauskonzert. Dabei hätte es sicherlich nicht an dem gemeinsamen Konsum des Roten Trollingers gefehlt. Vielleicht sogar auch nicht an der gemeinsamen Intonierung eines seiner Lieder. Voller Schmalz und Emotionen. Daraus ist aber leider bisher nichts geworden. Schade. Vielleicht kommt ja noch was. Denn wir wollen gemeinsam ja noch mindestens 10 weitere Jahre leben!  

 

nr.  6 fünf

Teppich. Immer schön auf dem Teppich bleiben. Auch mit den Farben und Materialien des Teppichs. Kein verwirrendes grellbuntes Durcheinander, kein Plastik. Jetzt Rot. Abschied von der langweiligen Gleichfarbigkeit von Schrank, Fußboden, Bücherregal und Schreibcabuffschreibtisch. Jetzt kommt endlich Farbe ins Spiel, gut für die Augen und für die schreibende Seele. Rot. 80 x 200. Kampf der optischen Langeweile. Vielleicht streiche ich diesen großen hellholzfarbenen Kleiderschrank, mit dem ich seit nunmehr 6 Jahren in meinem Buntentor’schen Deichwächtercabuff verlobt binauch teppichfarben Rot an. Vielleicht muss ja sogar mein buchenvollholzfarbener Schreibtisch, auf dem die gesamten Geräte, mit denen ich meine Skeptiker und Ignoranten textlich schriftlich verunsichere (“Du hast meine Familie beleidigt”), dran glauben und rot eingefärbt werden. Die Geräte selbst sollten in ihren dunklen Produktionsfarben so verbleiben, wie sie sind. Oder möchte jemand gerne einen rotlackierten PC der Marke CSL betrachten? Wenn er rotlackiert würde, dann käme sicherlich auch kein anderer Unsinn heraus als wie bisher!   

Echter Unsinn gelb-kross
Echter Unsinn gelb-kross

ecken - nr.  5

2.11.2025

 

nr.  5 / 1 

Nervliche Probleme mit Konfliktsituationen. Schon der lächerlichste verbale Angriff gegen mich, wie der zum Beispiel von der jungen Polizistin wegen meiner Hinterhoflautstärke im Zusammenhang mit einem Auto, das mit laufendem Motor und eingeschaltetem Fernlicht minutenlang vor unserem Balkon stand, aus dem die Polizistin entstieg, haut mich um und führt dazu, dass ich schlecht schlafe und morgens mit elenden Kopf- und Nervenschmerzen früh erwache. An Aufstehen und lockeren Start in den Tag ist dann nicht zu denken. Nach der Einnahme einer großen Tasse mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegessenem Schlaf- und Nerventees zurück ins Bettenlager, um noch weitere 2 Stunden alle Konflikte träumerisch durchzuspielen. Das trägt dann echt dazu bei, dass ich nach Ablauf der bettlägerigen Unruhezeit als Unschuldsengel, Friedenstaube und Dauergutmensch mit dem Arsch und mit Regenbogenfahne dem Bett entfliehe. Zu kompensieren sind solche ungesunden, lebensverkürzenden Situationen dann nur mit vollen Aktivitäten. Gut ist dann immer, wenn ich mit den Straßenbahnlinien 4 + 3 in die Überseestadt fahre, um mich dort im GOP-Theater einzufinden und vorzuturnen. Meistens allerdings erfolglos, da ich bei den Bocksprüngen als gestreckter Hecht hinten dann meist nicht standfest bin und immer wieder auf die Schnauze fliege. Gerne steige ich dann auf der Rückfahrt vom Vorturnen vor der Buntentor’schen Buchhandlung aus, um drinnen Bücher über den Internationalen Biergebrauch und über das Fahren mit der Schwebebahn in Wuppertal zu erwerben. Der Buchhalter will dann immer noch mit mir über die Namen einzelner Autorinnen und Autoren streiten. Dem Literaturkonflikt weiche ich dann aber aus, will ja nicht wieder nach Hause kommen und diesen nicht gerade wohlschmeckenden Nerventee zu saufen. Was denn nun? Ist M.Augustin nun ein Autor aus Lübeck, oder ist er ein, wie der ahnungslose Buchfachmann stock und steif behauptete, ein echter Bremer Junge? 

 

 

  nr.  5 / 2 

 Ich frage mich tatsächlich, wie das alles werden soll mit der zukünftigen körperlichen Fortbewegung. Wie soll ein älterer Mensch ohne Auto, ohne Moped, ohne Fahrrad und ohne Pferd mit geschädigten Beinen und mit verkalktem Kopf seine notwendigen Wege erledigen? Der, wie gerade in den letzten Herbststurmtagen erlebtbei jedem starken Gegenwind außer Puste kommt und nicht mehr weitergehen möchte und sich irgendwo hinsetzen oder sogar hinlegen möchte. Es ist doch kein Zustand, dass ich auf dem kurzen Weg von der Haltestelle Rot-Kreuz-Krankenhaus stadteinwärts hinüber zur Apotheke mich in dem dortigen Wartebereich jedes Mal erst einmal auf das schwarze Ledersofa platzieren muss, um mich atemmäßig und kraftmässig zu sortieren. Auch wenn dann die netten Apothekerinnen herbeistürzen, um mir Aufputschmittel zu verabreichen, bleibt doch die Frage, wie das alles zu verändern ist. Soll ich gar nicht mehr rausgehen und drinnen in meinem Literaturcabuff verstormenOder soll ich ohne Ende im Buch der Unruhe von Pessoa schmökern? Nein, ich muss raus zum Betrachten und Fotografieren des Stadtbildes, ich muss raus zum Vorturnen beim GOP-Theater, und auch muss ich raus zum Bierabfüllen im Bayernzelt. Nur wie komme ich dahin? Mit dem Handstock? Auf allen Vieren? Mit den Taxen mit diesen stadtunkundigen kommunikationsunfähigen Fahrern, denen man den Weg zeigen muss? Oder etwa mit dem Wagen des Rettungsdienstes? Nein, ich werde wohl drinnen versauern müssen! Oder, letzte Frage an mich selbst: Gibt es möglicherweise technische Hilfsmittel, die das Bewegen im Alter erleichtern, und die von den Ärzten und von den Kassen befürwortet werden, AOK-Shopper und anderes? Warum nicht ein Rollstuhl, in dem ich von meiner lebenslangen Partnerin geschoben werde, oder vielleicht sogar selbststeuernd mit elektrischem Antrieb? Ach, ich muss wohl wieder einmal zum Orthopäden. Der weiß, wie man geht und sich fortbewegt im Alter, und sei es mit Wanderhandstock mit so Plaketten dran, wo du früher schon einmal zum Wanderurlaub warst. Lüneburger Heide, Harz und so.

  

nr.  5 / 3  

 Ich sitze gerne und stundenlang täglich am PC. Ich pflege meine Blog-Seiten, schreibe gerne Texte und stelle gerne die von mir geknipsten Fotos ein, und ich fummele gerne in den Sozialen Medien herum. Ohne diese medialen Kontakte, auch wenn sie nicht von Auge zu Auge persönlich stattfinden, sind für mich Balsam gegen meine sonstigen Verlorenheiten. Kein Skatverein, kein Turnverein, kein Wanderverein, nix sonst. Ich habe direkt neugierigen Spaß daran zu verfolgen, was meine Mitbürgerinnen und Mitbürger, meine Facebook- und LinkedIn-Genossen und Genossinnen so auf Sendung bringen. Und worauf man eingehen und kommentieren kann. Das mache ich nun seit mehr als 15 Jahren und will erst damit aufhören, wenn ich in der Holzkiste liege oder in der Urne verpulvere. Allerdings möchte ich den ganzen PC-Kram manchmal hinschmeißen, wenn es darum geht, das Innenleben der Apparate zu verstehen und zu beherrschen. So kürzlich wieder geschehen bei dem Versuch das neue Windows 11 zu installieren. Den Download für 29,99 habe ich ja gerade noch hinbekommen, aber alle Instalationsversuche bisher kläglich gescheitert. Da ein Passwort, da eine 20-stellige Lizenznummer, dann noch die Schuhgröße und die Politische Gesinnung. Ich werde verrückt und hoffe auf digitalterapeuthische Hilfe. Es kann vielleicht ja auch sein, dass meine alte PC-Kiste ausgedient hat und neue Innovationen nicht mehr annimmt. Sie ist immerhin weit mehr als 12 Jahre alt, wenn nicht 15 – ich weiß es nicht mehr so genau. Ich müsste in der Alten Kiste mal nachschauen, aber: wie geht das?  

 

nr.  5 / 4   -  

Fussballsamstag. Ja, was ist denn mit mir im Alter geschehen? Sitze jetzt bereit mittags um 12 vor der Übertragungsglotze und schaue mir Frauenfußball an, Bundesliga, Bremen gegen Köpenick. Ich versinke in dem Spiel auf Platz 11 und ignoriere selbst den Ruf zum Mittagessen. Noch 15 Minuten bis zur Halbzeit, dann kann ich zum Essen kommen – so heißt es dann. Nach Ende des Frauenspiels dann schnell umgeschaltet auf original Männerfußball in der 2.Liga. 2.Halbzeit. Konferenz. Es wird dann, noch kurz vor der Live-Übertragung des Spiels der Heimatmannschaft im fernen Mainz, angefragt, ob der Arzt bestellt werden soll oder gar der Psychotherapeut? Ich kann darauf dann nur antworten, dass ich der Meinung sei, dass weder Ärzte noch Therapeuten von den Fussballübertragungen nun mal überhaupt keine Ahnung hätten, weil sie ja aus den bekannten Gründen absolute Ignoranten seien, was den Gebrauch der Medien insgesamt betrifft. Sie würden ja, so ich, doch ausschließlich das Deutsche Ärzteblatt lesen. Mit dieser Aussage kann ich mich dann gelassen auf den 1.Liga-Sessel begeben, um mir ein fürchterliches Auswärtsspiel unserer Fussballlokaldilletanten unter hohen nervlichen Belastungen vor dem Übertragungsgerät anzuschauen. Darauf, dass nach dem Abendessen, Hawaii-Toast mit Cocktail-Kirsche obendrauf, dann noch die Zusammenfassung der Spiele der 3.Liga erfolgt und die Live-Übertragung des Abendspiels der 4.Liga, soll hier wegen persönlicher verschämter Mediengebrauchspeinlichkeit nicht näher eingegangen werden. Ulli Pelz (5.Liga, wenn nicht sogar 6. oder 7.) 

upzecke

 

upz-ecken-nr.4

26.10.2025

 nr.  4 / 1 

Kommen wir auf Lübeck zu schreiben. Aus aktuellem Anlass. Ich wurde aufgefordert Mitglied der Facebook-Gruppe “Lübeck literarisch” zu werden. Der Administrator der Gruppe, oder sagen wir: der Gründer der Gruppe, Michael Augustin, hat mich herzlich in der Gruppe in Empfang genommen. Er selbst ist Lübecker, obwohl er jahrzehntelang bei Radio Bremen in den Archiven und Kellern nach verschollenen Literaten und Musikern forschte. Lost and Fund. Er kam immer sehr verstaubt von unten wieder hoch und brachte herrliche Dokumente der Literatur und der Musik mit nach oben in die radiophone Welt. Sonntags ab 10.00 Uhr, statt Kirche. An Aufstehen aus dem Bett vor Ende der Augustinischen-Sendungen war nicht zu denken. Das Ei, von der Küchenpartnerin liebevoll weich, ja fast flüssig, zubereitet, auf dem Frühstückstisch wurde kalt! Kommen wir zum Nachdenken über Lübeck. Ach Gott ja, zuerst fällt mir die nette Kommunikation mit dem Physio des VfB ein, der mir während der Knetvorgänge in der Reha-Klinik in Timmendorfer Strand intime Geschichten aus der Kabine des VfB erzählte, natürlich vertraulich. Ja, er hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Herz-Reha nach 4 Wochen von mir erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Auch der tägliche Gang ins Café Wichtig, von der Anstaltsleitung unter kurdidaktischen Kriterien in keiner Weise empfohlen, war mitentscheidend für meine Heilung. Einfach so bei Kaffee inmitten der Lübecker und Hamburger Schickeria, die Porsches standen verbotenerweise vor der Eingangstür, zu sitzen und zuzuhören, was so wichtig oberflächlich gequatscht wurde, das hat mich ermuntert und mich psychisch auf ein wunderbares Leben nach der Rehabilitation vorbereitet. Der Admiral und der drittklassige Insolvenzanwalt, die zusammen klatschenass der Ostsee am Strande entstiegen, um mir mein berufliches Ende schriftlich in die Hand zu überreichen, kamen auch rein ins Wichtig, um sich zu trocknen aber nichts zu bestellen. Reiner Geiz der Juristen. Später kam auch noch der Professor aus Stockelsdorf dazu, der ausschließlich eine Laugenbrezel bestellte, aber nichts trank, weder Kaffee noch Wein noch billigen friaulischen .Prosecco, schon gar nicht Aperol oder andere alkoholische zuckerunterstützte Süßgetränke, die voll auf die Birne gehen. Ja, und Lübeck selbst? Ja, im März 2018 landeten meine Ostseenixe und ich nach einer langen Strandwanderung Haffkrug-Scharbeutz-Timmendorf-Niendorf- Travemünde mit einem fürchterlichen Linienbus letztendlich in Lübeck an, wo wir uns völlig durchgeschüttelt ausgehungert einem einfachen Imbiss an der Lübecker Hauptstraße, wie immer die auch literarisch heißen mag, hingaben. Curry Pommes rot weiß. Einfache Lübecker Menschen mit Kindern, fern von Marzipan, in der Futterhalle. Dann jedoch das große Weltliterarische Lübecker Weltereignis in der Wurstabsteige. Eine heruntergekommene nasse männliche Dreiergruppe, Zigarre, Pfeife und Zigarette rauchend, entsprechend riechend, wohl gerade der Trave entstiegen, betrat den Fresstempel und fragte nach Butt, Hummer, Skrei und nach anderen Delikatessen und nach Schampus und Lübecker Rotwein. Die Chefin des Fresstempels: Verpisst euch, wir sind doch hier nicht in Venedig oder in Westerland!  Es waren die vornehmen Herren Grass, Brandt und Mann. Sie sollen zu ihrer Zeit viel geschrieben und regiert haben. Sabine Meyer, die Professorin für Klarinette an der Musikhochschule in Lübeck, betrat mit ihrem Instrument in der Hand zu guter letzt auch noch den Lübecker Fresstempel und blies zur Freude aller Hungrigen und Gesättigten ein Klarinettenstück vom Lübecker Komponisten und Musiker Dietrich Buxtehude.   

 

 nr.  4 / 2 

Ich muss gestehen, dass ich diese Einkaufs- und Besorgungsrundfahrten mit der Stra0enbahn in die Stadt liebe. Vom Einstiegspunkt am Deich in rappelvolle Bahn aus Arsten kommend eingestiegen, um zwei Stationen später das Gefährt wieder zu verlassen mit einem Handwagen voller Altglas in Richtung Glascontainer beim Rot-Kreuz-Krankenhaus. Vor dem Einwerfen der Leerstücke besonders die Rotweinflaschen in der Endkontrolle noch einmal überprüft, ob wirklich alles raus ist, oder ob noch ein Schlückchen vom Württembergischen Tirollinger zurückgeblieben ist. Über den ehemaligen Maulwurf-Spielplatz, der damals unter meiner Führungskontrolle stand, zur Haltestelle Leibnizplatz, Weiter mit der 6, vom Flughafen kommend, elegante globale Reisemenschen mit dicken Koffern im Inneren, gar nicht wissend, wo sie in der Stadt eigentlich hinmüssen. Ausstieg Domsheide. Sofort rein in die Volksbank, Bargeld ziehen, 4,95 Gebühr. Man will ja nicht auf dem späteren Gang über den Markt nackt ohne Bargeld dastehen, wie letztens am Bremerhavener Fischwagen, an dem mir die herrlichen Kabeljaustücke wieder weggenommen wurden, wegen Zahlungsunfähigkeit. Das digitale Zahlungsinstrument der Bremerhavenerinnen war einmal wieder funktionsuntüchtig. Souverän die Einkaufsrunde dann: Am Dom vorbei, in die ehemalige Bremer Bank rein zum Geburtstagsgeschenkeeinkaufen für die Nachbarskinder in diesen schweinteuren Nostalgieladen, weiter zum Touristeneinkaufszentrum Bremer Laden oder so. Schnökerkram für die Kinder rausgeholt. Rüber zum Markt, ohne Kaffeeaufenthalt weder in der Markthalle noch im Alex. Kalbshaxen (Osso buco), 4 dünne Parmaschinkenscheibchen, 4 dünne Scheibchen vom gekochten Landschinken, einen Zipfel Schinkenmettwurst, 1 Bund Suppengemüse, ein Tütchen Rosenkohl, eine Handvoll Grüne Bohnen und genau 7 klitzekleine Zwiebelchen, einen riesigen Strauß Petersilie, sowie Sauerteigbrot, Rosinenbrötchen sowie Südtiroler Bergkäse und Französischen schon laufenden Weichkäse - erstanden. Und ab in die nächste nach Hause fahrende Straßenbahn 4. In der Bahn Endkontrolle. Bitte mal die Fahrausweise. Was ich drin hätte, da im Altentrolli. Ich: Nix! Er: Hände hoch, BSAG! Ich: Deutschlandkarte. Er: Egal Deutschlandkarte, bitte Rentnerausweis und Organspendeausweis. Er noch: Dein Trolli riecht nach Frischgemüse. Was kocht ihr heute. Darf ich kommen, wann esst ihr?  So geht Stadt-Einkaufs-Rundfahrt mit der Straßenbahn heutzutage. 

 

 

nr.  4 / 3

Ja, ich kucke mir auf den Seiten der Sozialen Medien immer die aktuellen Geburtstagskinder an. Zum Beispiel heute: die nette Köchin vom Lande, da hinten aus der Nähe von Martfeld, die auch häufig mit ihren antiseptischen veganen Rezepten im Regionalfernsehen auftritt. Barbara S. Es macht mir täglich Spaß meine Geburtstagswünsche zu übermitteln. In der Hoffnung, dass dann am nächsten Sendetag freundliche Dankbotschaften kommen. Sogar mit Smilies und Herzchen. Wo hat man das sonst noch? Familiär gesehen ist da nicht viel zu erwarten – sie machen ja alle den Ritt durch die Sozialen Medien nicht mit und bedauern mich Tropf, dass ich sinnlos rumfummele und mitmache bei den verschiedenen Sendern und Kanälen. Morgen hat mein Schwager im Ostertor seinen 79.Geburtstag. Ich würde ihm gerne über die Sozialen Sender meine Glückwünsche zukommen lassen. Aber das geht nicht und ist auch nicht gewünscht, noch nicht einmal E-Mail, weil sie, er und seine Angetraute, sich den Sozialen Sendern verschließen und sich lieber in ihre Ostertorsche Blase zurückziehen. Geburtstage hin, Geburtstage her. Ich lege mir noch eine CD rein und höre mir an, wie mein Lieblingspoet Wenzel im Kamper Trinklied so schön singt: “...Und wenn wir uns verloren gehn und wenn wir uns wieder entfernen Bleibt vielleicht dies Bild bestehen  Wie wir hier am Hafen stehn  Unter all den Sternen  Hier im kühlen Abendwind  Froh, dass wir am Leben sind...” 

 

 

 nr.  4 / 4 

Ich habe mich jetzt auch LinkedIn eingeloggt. Einfach mal nur so aus Neugier, was da auf dem Kanal so passiert. Und ich muss gestehen, dass mir das da gut gefällt. Anständige Leute, beste charakterliche und berufliche Qualifikationen. Viele hohe Persönlichkeiten des Staates und der gesellschaftlichen Oberklasse aus dem Sozialen, aus der Wirtschaft und aus Kunst und Kultur und Wissenschaft dabei. Selbst aktive faire Sportler und ehemalige Starsportler und Starsportlerinnen sind dort anzutreffen. Zum Beispiel habe ich mich kürzlich mit Marco Bode, einem meiner früheren Werder-Lieblingsspieler vernetzt. Vernetzt – so heißt das da. Keine Pöbeleien, keine Hetze, keine Kritik, kein Diskurs. So geht Soziale Medien doch auch! Und ich jetzt mittendrin als ehemaliger Sozialheini und lächerlicher Deichwächter, wenn nicht sogar Nachtwächter. Muss ich hier etwa lernen, endlich einmal die Schnauze zu halten und die spitze Feder wegzulegen? Ich bin mal gespannt, was das da so mit mir macht.  

 

 

 nr.  4 / 5 

Einmal wieder Sportwochenende. Fußballspiele ohne Ende. Zum Glück auch einmal wieder der Sieg der Lokalmannschaft, Am Samstagabend dann ein wirkliches für mich nachdenkliches Erlebnis beim Ankucken des Sportstudios. Ein Niederrheinischer Fußballlehrer, der viele Jahre als Trainer in der Saarländischen Provinz verbracht hat, war eingeladen. Ein freundlicher sympathischer Mann, der sich, so erzählte er auf Nachfrage des Interviewers, mit seinen 56 Jahren noch einmal große berufliche Erfolgsziele bei der Bremer Mannschaft gesetzt hat. Er will im Verein neue Akzente setzen und oben mitspielen. Bei der Altersangabe 56 Jahre wurde ich sehr nachdenklich und betrübt. Denn mit 56 Jahren war für mich nach 40 Arbeitsjahren Schluss mit Karriere. Rausschmiss. Ich habe ins Gras beißen müssen nach all der erfolgreichen Zeit. Und der Fußballlehrer will mit 56 erst richtig durchstarten, was mir leider nicht vergönnt war. Ich blieb ja allerdings nicht untätig auf der Reservebank hocken, sondern unternahm viele Anläufe mich neu zu organisieren. Phönix aus der Asche war mein Ansporn. So habe ich nach meinem Abschied vom Bremer Verein, für den ich genau 24 Jahre und 11 Monate lang verantwortlich war und viele neue Arbeitsplätze und Projekte geschaffen habe, bis heute über 20 Jahre lang viele interessante neue Mitspieler und Mitspielerinnen gefunden. Die besten Absichten hatten wir, meine Mannschaftskameraden und ich, bei fenice ev., bei der Freien Bürgerschaftlichen Jugendhilfe JUNO, Jugend in Not, nicht eingetragener Verein, und in der Gründungsphase der JUNO-Stiftung, die allerdings aus finanziellen Gründen, nicht ausreichendes Stiftungskapital, ein Traum blieb. Der Traum endete in Frankfurt / Main anlässlich eines Deutschen Stiftungstages im 13.Stock eines Hotels, in dem ich untergebracht war, in der Nähe der Konstabler Wache. Aus Verzweiflung wollte ich ein Fenster öffnen - ging aber nicht, weil für erfolglose und vereinsamte Sozialpädagogen eine Sperre eingebaut war. So verabschiedete ich mich vom Deutschen Vereins- und Stiftungswesen und gab mich bis heute der Freien Autorenschaft hin. Ich schrieb meinen HERBERT - FRAGMENTE 1944 - 1963  landete in den 60er-Altersjahren schließlich bei der Nett-Wild-Zeitung FENIX & UPUPA, später beim
ALTEN-VOGEL-BOTEN, danach bei der HIMMELHOELLENER VOLKSGAZZETTE; um dann noch einmal zu LINIE4 ULLIPELZISCHES zu wechseln, und um letztlich den BUNTENTOR’SCHEN DEICHWÄCHTER sowie den GAUL STORMY THEO und das LITERETURCABUFF197 IN DER BREMER NEUSTADT ins Leben zu rufen. Dem Niederrheinischen Fußballlehrer kann ich nur viel Erfolg wünschen und keinen Niedergang in die unteren Tabellenhälften, damit er nicht im 13.Stock nach einem offenen Fenster oder im Keller nach einem Notausgang suchen muss.  

 

upzecke

 

eckEN-Nr .3

 

  19.10.25

HERBST
HERBST

 Nr .3 eins

Herbstlied / Wenzel   

“Feinslieb, nun ist das Blätterbraun schon wieder in den Spitzen, Wann wir unterm Kastanienbaum Am Abend fröstelnd sitzen. Das Jahr geht fort mit schwerer Fracht, Es bindet sich die Schuh. Ich bin so traurig heute Nacht, und Du lachst dazu” --- 

Wenzel – ich weiß auch nicht, was ich an diesem Kerl so gut finde. Er ist seit langer Zeit mein deutscher Lieblingslyriker und Sänger. Ich finde seine Texte und Lieder sehr beeindruckend. Irgendwie sind da Verbindungen da, die ich gar nicht richtig erklären kann. Ist es sein Akkordeon, was ich persönlich gar nicht spielen kann. Ich kann überhaupt kein Instrument spielen. Ist es sein Gitarrenspiel, oder sein Klavierspiel? Vorrangig werden es wohl seine Texte sein, die gemischt bezogen sind auf seine DDR-Herkunft, auf sein Leben in der früheren DDR, auf die Zeit nach der Wende, auf den Ost-West-Vergleich. Seine einmalige Stimme. Es werden wohl auch meine vielfältigen positiven Erfahrungen mit Menschen in der ehemaligen DDR nach der so genannten Wende sein. Mit den Leuten in den Ausbildungs-Seminaren, mit den Vereinen in den beruflichen Vereins-Partnerschaften, Rostock, Berlin, Gardelegen, Erzgebirge und andere Orte? Oder ist es möglicherweise der Geburtsort meines Vaters, Radebeul. Dort. Wo ich auch zuletzt anständige familiäre Kontakte zu meinem älteren Cousin hatte, der bis zur “Wende” Betriebsleiter und Reisekader unter der SED-Herrschaft war. Leider gab es mit ihm keine politischen Diskurse, sondern nur freundliche familiäre Begegnung in Dresden und Radebeul? Dabei schreibt und singt er, Wenzel, keine plakativen politischen Songs, sondern verdichtete Lebenserfahrungen. Das gefällt mir gut. Er gibt viele Konzerte, überwiegend in den Neuen Bundesländern. Große Lust habe ich auf ihn bekommen, nachdem ich die Aufzeichnungen von den Open-Air-Konzerten in Kamp am Stettiner Haff gesehen habe. Lebensreise-Lebensfreude. Die Zeit der Irren und Idioten. Heute, noch vor dem Fußballländerspiel werde ich ihn mir live im Radio anhören. Deutschlandradio Kultur. 20 Uhr. Zum Anpfiff werde ich dann wohl auf dem Platz sein. Sollte es schlecht für Deutschland laufen, dann kehre ich frühzeitig zu Wenzel zurück. Traurig macht mich der Vorgang, dass meine Schwester und mein Schwager mein Geburtstagsgeschenk “Wenzel & Band, Lebensreise” zurück in den Briefkasten gesteckt haben, weil sie wohl vermutet haben, ohne Wenzels Inhalte zu kennen, dass ich sie als ehemalige DKPisten mit dem Geschenk provozieren wollte. Welcher Unsinn. Bis heute. Leider

     

 

 Nr .3 zwei

Ach, weshalb rege ich mich seit Jahren immer noch auf über den Verlust der Schwester? Immer am 14.10 kommt es hoch. Wenn sie wüsste, was in der Zwischenzeit fern ihrer ostertorschen , fischerhusigen und schaphuhusenmühlengrabischen Blase alles passiert ist, dann würde sie längst wieder an meinem Tisch sitzen und mit mir gemeinsam, wie früher, Wein einschenken. Nicht nur, was passiert ist – nein, sie könnte sich auch in meinen Schreibarchiven davon überzeugen, dass ich nicht schreibe, um Personen und Familien und Verwandte anzugreifen und zu beleidigen. Sondern, dass ich aus Schreiblust schreibe und die mir eigene Form dabei anwende: selbstironisch, satirisch, verfremdet, überwiegend auf mein persönlich nahes Umfeld bezogen. Allerdings distanziert. Ich schreibe ja zum Beispiel nicht über meine regelmäßigen Besuche bei Alexandra, meiner Fußpflegerin. Auch schreibe ich nicht über die Personen und Vorkommnisse unseres Wohnhauses. Über die vorüberflitzende Straßenbahn, über den Parkplatz, über die Straftaten an der Haltestelle und über die Skandale oben auf dem Deich schreibe ich mit Vorliebe, weil ja alles authentisch und live, wie in einem Film, vor meinem Literaturcabufffenster197 stattfindet. Der Verlust meiner Schwester schmerzt sehr. Zumal ich ja bereits vor einiger Zeit meine beiden Brüder verloren habe. Apropos Schmerz – weitere Impfung beim Hausarzt in Empfang genommen. Angeblich Grippeschutz – wird aber wohl ein Schutz sein gegen alles Unerfreuliche und Nichtvorhersehbare, was so in den letzten Jahren noch auf einen zukommen könnte: Vereinsamung im Cabuff, Krieg, Dispositionskreditkündigung, Einbeziehung durch Losverfahren zum Bund, Wegnahme meines Lieblingsgetränkes und – wie letztens vor der Apotheke erlebt – Wiederbeginn des Rauchens. Der neue Chef der Apotheke stand vor der Apothekentür und rauchte. Beim Herausgehen aus der Apotheke kam ich mit ihm ins Gespräch und erzählte ihm, dass ich früher Kettenraucher war, aber seit ca. 40 Jahren keinen Glimmstängel mehr zwischen die Zähne geschoben habe. Das fände er sehr bedauerlich, so der rauchende Apotheker – ob ich nicht wieder anfangen wolle, er könne dann immer für Nachschub sorgen. Zu Apothekerpreisen mit Rabatt. Egal, ob Rabatt oder nicht – habe wieder einmal Koch- und Küchenspaß beim Zubereiten eines Abendessens mit familienbezogenen Gästen zusammen mit der Küchen- und Kochgenossin gehabt:  Eine schöne bündige Kürbis-Apfel-Ingwer-Kokos-Suppe und eine halbwegs gelungene unverbrannte Frittate mit süßen kleinen Tomaten, mit Lauchstreifchen, Zwiebelchen, Schinkenstreifchen und ein wenig Hörnchennüdelchen. Und was war noch drin? Keine Ahnung. Stehe ja bereits kurz vor der Demenz! Ach so, Eier waren auch beteiligt... 

 

 

Nr .3 drei 

Ja, ich liebe Fischspeisen. Könnte dreimal die Woche. Deswegen stehe ich donnerstags, früher freitags, in aller Frühe auf dem großen Parkplatz hier im Gebiet und warte sehnsüchtig auf die Ankunft des Bremerhavener Fischwagens mit den beiden Schwestern. Die eine raucht, die andere nicht! Sobald die Klappe hoch ist, stehe ich vor der opulenten eisgekühlten Fischauslage und betrachte, was die Fisch-Schwestern so von der Nordseeküste und vom gesamten Nord-Atlantik bis hoch nach Grönland mitgebracht haben. Ich schaue dann mit großen Fischaugen auf die herrlichen Seelachsfilets, auf die wunderbaren isländischen Rotbarschfilets, Und auf die Dorschfilets, im Ostseeraum so genannt, bei uns schnöde als Kabeljau angeboten. Auch sehe ich wunderbare Blaulengstücke und platte Limandesflundern. Da hinten noch Heilbutt und Steinbeißer. Auch Süßwasserersatzfische sind dabei: Zander, Forelle, Aal, Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) und andere atlantikferne Wesen. Rollmöpse und die Salate aus dem großen Eimer nicht zu vergessen. Jungen Scheveninger Matjes können sie allerdings nicht präsentieren, sie hätten nur alten geräucherten aus Emden, der Heimatstadt von Otto Walkes und dem früheren Arbeitsort von Nele, mit der ich seit über 15 Jahren auf eine Tasse Kaffee verabredet bin. Wird wohl nix mehr von. Jetzt ist sie Chefin in Aurich. 7 x am Tag dunkelschwarzen Tee. Würde nicht ein wenig Fischsud mit hineinkommen, dann eigentlich ungenießbar. Schön, schön - alles schön. Alles Küste! Fischküste und Teeküste!. Wunderbar. 
Alles mega! Alles Omega 3.

 

  

 

 Nr .3 vier

Immer im Oktober, so um den Siebzehnten herum, reflektiere ich meine Absturzerlebnisse und meine Absturzkarriere seit meiner Kindheit. Es fing doch alles damit an, dass ich als Achimer Mittelschüler beim auswendigen Rezitieren von Gedichten, die mir Klaus Köhler beigebracht hatte, aus der obersten Krone des Kastanienbaums, in der ich saß und vortrug, plötzlich 2 m hinunterrutschte in eine Astgabel, aus der ich mich selbst nicht befreien konnte. Dank der Freiwilligen Feuerwehren von Bassen, Oyten und Ottersberg konnte ich mit reichlich Brüchen und Schürfwunden gerettet werden, um mich an die elterliche Flüchtlingsfamilie zurückzugeben. Arschvoll mit dem Schneidermeistermaßband erfolgte dann am nächsten Tag nach meiner Heilung, Später dann erfolgte nach dem Umzug der Familie in die Großstadt eine weitere Sturzkatastrophe auf dem zugefrorenen Fleet in der Neuen Vahr Nord. Rausgerannt zum Glitschen und beim Betreten des Eises im Laufschritt sofort nach hinten auf den Hinterkopf weggestürzt. Gehirnerschütterung. 14 Tage Krankenhaus St.Joseph-Stift. Zum Glück hatte ich dort einen sehr musikalischen Bettnachbarn, der mir das Singen beigebracht hat: den damaligen Generalmusikdirektor von ganz Bremen und umzu. Dann bis 2019 mal hier runtergeflogen, mal dort. Auf dem Bauernhof, auf dem wir lebten, nur knapp am Absturz in die Jauchegrube vorbei gerauscht, hätte nicht Alfred, der Knecht, reaktionsschnell wie er immer war, mich am linken Arm in letzter Sekunde festgehalten. Wieder Arschvoll, Schneidermeistermaßband. Von der Cowboyspielaktion, bei der ich mit Vollkaracho hinten bei den Schweinen in den Stacheldrahtzaun reingerannt bin und mir die gesamte Kopfhaut blutig geschrammt habe, soll hier und heute einmal nicht die Rede sein. Lasst uns zu den Abstürzen in den Jahren 2003 und 2019 kommen, die bis heute nachwirken. Im Jahre 2003, kurz vor meiner beruflichen Absturztragödie, auf der Insel Fanö in Dänemark, wo ich nach einem herrlichen Fischessen, das ich zubereitet hatte, nach dem achten Aalborger mich plötzlich unterm Schwiegereltern-Esstisch wiederfand. Alle anderen, die 10-12 Schnäpse gesoffen hatten, hielten sich gerade noch auf ihren Stühlen und feixten sich ob meines Absturzes einen ab. Noch heute werde ich an den Vorgang, der einen ernsten psychisch-pathologischen Hintergrund hatte, von der Verwandtschaft erinnert und aufgefordert, nicht mehr als 6-7 Aquavit zu kippen. Die Aufforderungen haben nichts genützt. Irgendwann in den Jahren unseres Umzuges ins Buntentor’sche gab es wieder eine Schwiegerelternzusammenkunft, die für mich leider und bedauerlichweise in einem Zusammenbruch in der Garderobe des Hauses endete. Wieder wurde von der versammelten Verwandtschaft unterstellt, ich hätte zuviel vom Linie-Aquavit genommen, der auf dem Schwiegertochtertisch herumgereicht wurde. Was ein völliger Irrtum war, denn ich trank nur billigen untrockenen Weißwein, der allerdings mit meinem schwindelbedingten Garderobensturz in keiner Weise etwas zu tun hatte. Trocken hin, halbtrocken her: Kommen wir auf die Ereignisse am 17.Oktober 2019 zu sprechen. Eine Eisenbahnfahrt nach Hamburg-Horn samt Gattin. Einladung zur Verabschiedungsfeier eines Professors der Evangelischen Hochschule des Wichernstiftes. Eine sehr akademische Veranstaltung, an der sogar der Drogenbaron von Bremen teilnahm. Nach Abschluss der Reden und Würdigungen der Akademischen Karriere des Professors gab es ein opulentes Abschiedsmenü mit je einem Glas Prosecco (Aldi) pro Veranstaltungsteilnehmer. Die Rückfahrt nach Bremen hätten wir bequem im Wagen des Drogenbarons und seiner Assistentin mitmachen können, aber dafür gab es keine Einladung. Also zurück zum Hamburger Hauptbahnhof. Dort zu allem Überfluss, das Büfett des Professors war ja nun wirklich üppig genug, noch die Bahnhofs-Fisch-Gaststätte eines Sylter Fischkapitalisten aufgesucht, um Kabeljau und Hering nachzustopfen. Ein Gläschen Wein noch vor der Abfahrt des Zuges nach Bremen. Es war wohl angeblich Riesling trocken. Im Zug dann sehr müde, fast weggeschlummert. Ausstieg Bremen Hauptbahnhof, Gleis acht, Treppe runter. Ohne sich am Treppengeländer festzuhalten freischwebend in der Menge der Ausgestiegenen die lange Treppe herunter. Und schon war es passiert.  Volle Rolle die Treppe herunter, mit dem Kopf gegen die seitliche Wand geknallt. Ein Treppen-Passant rief: Oh Gott oh Gott, er wird wohl krepieren. Ein anderer kommentierte: Unkraut vergeht nicht. Ein Dritter: Keine Sorge. Das ist Pelz. Der steht immer wieder auf!            

 

 

Nr .3 fünf

 

Wochenendessen im Herbst Rinder-Gulasch mit Pilzen. Eines meiner Lieblingswochenendessen. Samstag zubereitet. Sonntags aufgewärmt. Aller am Sonntag mit Risiko. Seit Geburt höre ich die Lebensweisheit: Pilze nicht aufwärmen! Die ist in den Nachkriegsjahren aufgekommen nach all den Kriegsjahren, als die hungernde Bevölkerung massenweise in die Wälder und Felder strömte, um die Pilze aller Art zu sammeln und zu verspeisen. Da war es wohl so, dass am ersten Pilztag alle Esser die wild durcheinander gesammelten (auch giftige) Pilze überlebten, am zweiten Pilztag nach dem Aufwärmen dann jedoch hier und da Pilzopfer zu verzeichnen waren. Wir werden am Sonntagabend sehen, was aus der Pelzpilzparty an diesem Wochenende geworden ist. Tansanische getrocknete Pfifferlinge aus Afrika wurden mitverarbeitet. Kann das gutgehen?  

 


 

upzecke

 

eckEN-Nr. 2

 

  12.10.25 

  

Nr. 2 - 1

Wie immer montags. Totale Schlaffheit und Müdigkeit. Der ungezügelte Medienkonsum und die anstrengende Mediengestaltung am Wochenende bis Sonntagnacht hinein sind schlaf- und gesundheitsschädlich. In unruhiger Nachtwachheit die Fußballspiele noch einmal durchgespielt, die Schiedsrichterentscheidungen revidiert, die Nichtbesuche der Verwandtschaft durchgekaut, ebenso antizipativ das finnische Essen im November schon einmal vorgekostet. Auch wurde Tango getanzt nach den Kompositionen von Astor Piazzola, der in Argentinien, seinem Heimatland, am liebsten gegrillte dicke Steaks vom Rindvieh verdrückte. Mit scharfer finnischer Soße. Eigene Koch- und Grillerlebnisse sind leider sehr selten geworden. Schade, hätte nach mehr als 50 Jahren autodidaktischer Kochpanscherei noch viel Lust Spiegeleier zu braten und an die Wand zu nageln.  

 

 Nr. 2 - 2

Die beklemmenden Befürchtungen kommen näher. Heute Flugübungen der Deutschen Luftwaffe auf dem Bremer Flugplatz, original überlaut hier im Neustädter Wohngebiet zu hören. Soll einen das unberührt lassen, oder entstehen im Kopf bereits Visionen von schlimmen kriegerischen Auseinandersetzungen, die uns hier am Stillen See auch erreichen werden. Die Angst kriecht langsam in den Alltag hinein. Täglich schreckliche Bilder und Nachrichten, wohin man auch schaut und hört. – Zeitungen, Soziale Medien, Radio, Fernsehen, Wie lange kann man das noch aushalten. Auf die seelische Hilfe der Friedensgeistlichelt kann nicht gebaut werden, obwohl sie direkt bei mir um die Ecke wohnt. Die Geistlichkeit hat offensichtlich kein Interesse mit mir zu kommunizieren. Der Friedensparkpastor ist auch weit entfernt, er hat mit sich selbst und dem Friedensgarten zu tun. Stiefmütterchen und so. Gedanken an rechtzeitige Emigration kommen auf – aber wohin soll man mit seinen kaputten Beinen? Weit weg. Vielleicht Südafrika. Schlimme Haie! Nepal, Mont Everest. Massentourismus! Helgoland? Gefahr, dass die Engländer wieder bombardieren!  Also, was bleibt? O ja. Wir gehen nach Portugal. Nach Lissabon. Das ist weit genug im Westen. Dort werden die Angriffe aus dem Osten wohl nicht ankommen. Was ich da machen will dann? Ja, was wohl. Mit Pessoa und Saramago täglich im Café unter den Arkaden unten am Tejo sitzen, Kaffee und Tee trinken, hinausgucken auf den Schiffsverkehr und uns gegenseitig aus unseren Schriften vorlesen. Die Reise des Elefanten, das Buch der Unruhe, Die Fellstein-Fragmente. Vielleicht zwischendurch ein Gläschen Medronho oder ein Fläschchen Duas Quintas Douro Classico Branco. Oder beides.  Dazu im Hintergrund das leise Säuseln unserer portugiesischen Lieblingssängerin Mariza. Oh, minha terra.   

 

 

Nr. 2 - 3

Glücklich. Steuererklärung 2024. Elster. Elster vereinfacht für Rentner. Einfach mit Zugangsnummer mit 11 Großbuchstaben und 4 Zahlen einloggen, deine Identifikationsnummer eintragen und deine Steuernummer, und schon bist du drin. Und schon ist auf dem Formular das meiste schon eingetragen. Namen, Nummern, Identität, Körpergröße, Schuhgröße, Luftdruck, Sauerstoffsättigung, Lieblingsweinsorte usw. Jetzt nur noch die Sonderausgaben zusammenzählen: Gartenpflege, Wartung Aufzug, Forxiga, Biso, Wynzora, Accu Chek, Bepanthen usw. Eintragen und auf “Absenden” drücken. Und schon bist du in fröhlicher Erwartung von mindestens 1.000 - 3.000 Rückzahlung. Wunderbar. Endlich mal Kontoausgleich. Allerdings: die nächste 800ter Überweisung wartet schon. Mist.  

 

 

 Nr. 2 - 4

Heimatverbundenheit hat bei mir einen hohen Stellenwert. Deshalb lese ich online immer mit großem Vergnügen montags und donnerstags die Nachrichten aus dem Landkreis Verden im Achimer Kurier und die Vorkommnisse in den verschiedenen Bremer Stadtteilen in den Stadtteil-Kurieren des Weser-Kuriers. . Ich will immer wissen, was in den umliegenden Provinzen so abgeht. Dabei sind mir nicht nur die zurzeit enttäuschenden Nachrichten über meinen Kindheitsfussballverein TSV Gut Heil Bassen, abgerutscht in die 1.Kreisklasse Verden, wichtig, sondern z.B. auch Nachrichten aus Thedinghausen, wie zum Beispiel diese hier: “ Wie viele Bäume müssen am Sodenstich in Thedinghausen noch gepflanzt werden?”  Oder will ich auch immer gerne wissen, was so in Langwedel los ist; “Der Flecken Langwedel stellt den endgültigen Fahrbahnbelag an der L 158 Hauptstraße in Höhe Goldbergsring in Daverden her.” Und wer will nicht wissen, was in Dörverden so passiert. Also informiere ich mich über Dörverden und nehme beglückt zur Kenntnis, dass der diesjährige Herbstnachmittag des DRK am 25.10. Stattfindet.  

Wer weiß denn schon außer mir, der den Achimer Kurier liest, dass die Jugend der Fußballsparte des TV Oyten an diesem Sonnabend, 11. Oktober, ein weiteres Mal Altpapier sammelt. Oder dass die Windkraftpläne in Kirchlinteln auf Eis gelegt werden und somit ein Bürgerentscheid unnötig wird. Würden wir je von der Berg- und Talfahrt im Sauerland erfahren, wenn wir die Provinzblättchen nicht lesen würden, die die Prellballer und Prellballerinnen vom TV Sottrum durchgemacht haben. Nein, wir wüssten doch noch nicht einmal, wie Prellball gespielt wird. Ja, mit einem Ball! Aber sonst? Siehste! Auch die Nachrichten zum Thema Stadtteilverschönerung im Schweizer Viertel in Osterholz-Tenever sensationell. Die bekommen da jetzt neue Bänke, damit alle besser sitzen können.  Ebenso berauschend die Nachricht im Kurier West:  "Es hat immer Spaß gemacht". Nach 40 Jahren beendet BSV-Stadionsprecher Franz Roskosch seine Karriere als "Stimme des Panzenbergs" Nun gut – bei dieser Nachricht musste ich doch leicht schlucken, zumal ich wegen des dortigen Fotografierens vor Monaten einmal fürchterlich vom eigenen Familienkreis zusammengeschissen wurde. Der junge Fußballer übrigens, den ich dort damals fotografiert habe ohne Zustimmung der Mutter, spielt schon lange nicht mehr beim BSV. Er spielt jetzt bei Newcastle United. Oben in Nordengland. Fast Schottland- Kurz vor Island. Womit wir bei der Isländischen Fisch- und Pony-Zeitung wären - die ich übrigens auch im Internet lese.  

 

Nr. 2 - 5

Länderspielpause? Was soll das? Was haben sich DFB, UEFA und FIFA und die zugeschalteten Sendeanstalten dabei gedacht, einem der eifrigsten Sport-Medien-Konsumenten das gewohnte Fussballwochenende zu versauen? Das macht den Konsumenten doch psychisch völlig fertig, wenn er am Wochenende auf die 2.Bundesliga-Freitagskonferenz, auf die Samstags-2.Liga-Konferenz sowie auf die 2.Liga-Sonntagskonferenz verzichten muss! Kein Samstagabendspiel der 2.Liga im Freien Fernsehen. Soll man etwa “Verstehen Sie Spaß” als Alternativprogramm einschalten. Nö, da verstehe ich keinen Spaß. Auch das Wochenendspiel der 1.Liga-Heimmannschaft ist nicht zu sehen. Schlimm! Keine Sendung “Alle Spiele, alle Tore” Was soll das? Immerhin zahle ich für die Privatsender Sky und DAZN monatlich horrende Summen, um meinen Sportspaß zu haben. Stattdessen traurige Länderspiele. Slowakei-Deutschland 2:0. Deutschland-Griechenland 2:3. Furchtbar. Nun gut – gegen das Großherzogtum Luxemburg ein 4:0-Sieg. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Luxemburg ja eigentlich keine Fußball-Nation ist, sondern ein großherzogtümlicher Ableger der EU in Brüssel ist. Soll ich denn etwa auf schleswigholsteinischen Handball Kiel-Flensburg zurückgreifen. Nein, ich bin enttäuscht und werde das auch an geeigneter Stelle reklamieren. Trost: Zum Glück gibt es seit einigen Wochen Frauenfußball. Hamburg-Bremen heute Nachmittag zum Beispiel. Das werde ich mir allem Länderspielpausenfrust zum Trotze reinziehen.  Und der Höhepunkt des Skandals: Montags-Länderspiele. Und das in Nord-Irland. Wer weiß denn schon, wo das liegt. Wahrschein im Norden von Irland. Die Gegend da hinterm Ärmelkanal, wo in der Regel Rugby gespielt wird. Und wo sich Katholiken und Angelikale gegenseitig abnöcheln. Und wo sie dieses moorwasserartige Bier trinken. Schlimm, das alles! 

Das Sonntagspositive bei all dem Genörgel: Die Werderfrauen haben die Hamburgfrauen mit 2:0 geschlagen. Und noch positiver: Auf einem Selfifoto, aufgenommen im Bremer Weser-Stadion, zu dem ich über Facebook Zugang bekommen habe, ist der größte Frauenfussballverachter aller Zeiten zu erkennen, wie er da so sitzt und dem Frauenfußball zuschaut.     


 

upzecke 

 

eck-Nr. 1

5.10.25

 

 

Nr. 1 - 1

Herrlich. Goldener Oktober. Wie früher zu Wanderzeiten im Harz. Goslar, Rammelsberg, Schalke, Clausthal-Zellerfeld, Riefensbeek-Kammschlacken, Hanskühnenburg, Braunlage, Hohe Geiß und andere Ziele, Sorge und Elend. War das schön. Allein wie Wanderführer Michael mit offener Flamme des Kochers im Hotelzimmer Tee zubereitete. Oder wie er beim Aufstieg zur Hanskühnenburg den übergewichtigen Wanderkollegen einfach stehen ließ, um oben als Erster anzukommen, und um die Erbsensuppe mit Einlage wegzufressen. Schade, würde gerne noch einmal los. Wird wohl nichts von. Die Beine machen nicht mehr mit. Jetzt wohl eher mit dem Finger auf der abgewetzten Harz-Wanderkarte. Vielleicht noch einmal Tagesfahrt mit dem Bus bis Bad Harzburg. Im “Braunen Hirschen” Rehkeule an Rotkohl mit Pfanni-Klößen verdrücken - und zurück.   

 

 

 Nr. 1 - 2

Die Haut, die Haut. Überall Jucken und Kratzen. Schlangenhäutungen. Die ehemaligen hundertfachen Schuppenflechtestellen zerfallen dank der Creme von Herrn Dermatologe und Allergologe Dr.Bruns. Es bilden sich Hautneubildungen mit dem Abwurf der alten Schuppen. Es juckt überall, um das einmal schweinisch auszudrücken, wie Sau. Bei der Hautneubildung nehme ich das gesamte Sortiment der apothekischen völlig überteuerten Hautpflegemittel in Anspruch. Eincremen dort, Eincremen hier. Am Rücken auf die Mithilfe der Lebenspartnerin angewiesen, die keine Juckstellen hat. Ach, käme man doch nur aus seiner Haut heraus. Aber – es bewahrheitet sich immer wieder die Lebensweisheit: “Man kommt aus seiner Haut nicht heraus”. Im Übrigen: Die Nebenkostenabrechnung, die ich zufällig am späten Abend im Briefkasten vorfand, juckt doch auch keinen.  

 

 

Nr. 1 - 3

Immer jährlich wieder. Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Der Tag macht mich stolz. Denke ich doch mit innerer Aufwallung an die wunderbaren Zeiten der menschlichen Ost-West Begegnungen zurück, an denen ich aktiv beteiligt war als Experte für Jugendstraffälligenhilfe und als Bildungsreferent für die Ausbildung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in den damals so genannten “Neuen Bundesländern”. Ich denke mit Freude zurück an die Psychologin Vera aus Rostock, die an der Uni Jena nach 4 Semestern ihren Doktortitel erhielt und Geschäftsführerin der “Freien Hilfe Berlin” wurde. Mein Gott, was für eine unkontrollierte Garten-Grillparty damals im Kleingarten von Pankow. Mit anschließender Fortsetzung in der Bar oben im 25.Stock des Hotels da am Bahnhof bei der Weltzeituhr. Auch denke ich immer wieder gerne an Horst zurück, einen ehemaligen Grenz-Vopo im Gebiet Sachsen-Anhalt, der immer davon überzeugt war, dass alles so sein musste, wie es war, und dass es ja keine menschlichen Verluste gab. Und – welcher Pädagoge kann schon für sich in Anspruch nehmen, dass er in seinen Seminaren eine Schweinezüchterin aus dem Sächsischen, die auch genauso im Mundbereich aussah, zur Expertin für Jugendzucht umgebildet hat. Das waren alles herrliche menschliche deutsch-deutsche Begegnungen. Auch wenn sich, wie sich später herausstellte, bei den Begegnungen und Bildungsveranstaltungen immer eingeschleuste berichtspflichtige “Stasis” als Teilnehmer und Teilnehmerinnen zugegen waren. Möchte mal wissen, was das Langesjugendamt Chemnitz mit all den von der blonden mecklenburgisch-vorpommerschen Lehrgangsteilnehmerin, die in Leipzig lebte, mit den auf dem Rabenberg im Erzgebirge aufgenommenen und dann zugespielten Video-Aufnahmen gemacht hat. Immerhin – stolzes Honorar damals: 600 DDR-Reichsmark pro Lehrgangstag.  

 

 

Nr. 1 - 4

Nehmen wir einmal an, dass es in Zukunft in den letzten Lebensjahren an den Freitagen, Samstagen und Sonntagen keine Fussballübertragungen in den Medien mehr gäbe. Häufig auch dienstags, mittwochs, donnerstags. Was sollen die hunderttausende von älteren Menschen, die dem Fusballwochenende entgegenfiebern, dann stattdessen machen? Lasst ihnen doch das mediale Sportvergnügen, sie kommen ja selbst mit dem Arsch nicht mehr hoch –sie benötigen einfach durch mehr oder weniger qualifizierte Rufe und Beleidigungen vor den Apparaten die Partizipation an den Spielen. Sollen die Dauerkonsumenten sich alternativ etwa anmelden zum Preis-Skatturnier mit Schinkengewinn, oder soll man sie raustreiben auf die Golfplätze, um Abschlag zu üben? Auch könnten sie auf den Kleingarten-Parzellen die Schuppen wetterfest lackieren, oder im Freiwilligen Sozialen Dienst bei der Hoppendank den Gestrauchelten anständiges Verhalten beibringen. Nein, das wollen wir alles nicht!  Wir wollen verblöden vor den Fußball- Apparaten! Auch wenn der Heimatverein nur mit Mühe und einem einzigen Glückstor gegen die Hamburger von der Reeperbahn gewinnt.  

 

 

Nr. 1 - 5

 

Marathon. Wie jedes Jahr Anfang Oktober laufen tausende Läuferinnen und Läufer auf dem Deich an meinem Literaturcabufffenster vorbei. Mein Respekt allen, die mitlaufen. Egal, ob Schnelle, Langsame, Junge oder Alte. Dabei frage ich mich immer wieder, jedes Jahr aufs Neue, weshalb ich nicht dabei bin. Ich war doch früher so ein hervorragender Sportler in den Disziplinen Fußball, Handball, Rugby, Volleyball, Tischtennis, Sprint und Kugelstoßen und Schnell-Wandern ohne Stöcke. War ja sogar einmal Meister im Kugelstoßen beim Leichtathletikwettbewerb der Verwaltungsschule Bremen. Auch Schach soll nicht unerwähnt bleiben. Ich könnte doch zumindest, wie die Gleichaltrigen im letzten Viertel des Lauftrosses, mich auch auf die Laufbahn begeben und mich in 7 Stunden über die 42,195 km ins Ziel quälen. Hab’ ich denn kein Durchhaltevermögen mehr, früher war mir doch auch keine Strecke zu lang und keine Kugel zu schwer. Ich betrachte meine polymultiphysioneuropathischen Beine und komme zu der Erkenntnis, dass doch alles Bewegende für mich keinen Zweck mehr hat. Ich will doch nicht direkt nach dem Start nach nur wenigen Laufmetern vom Besenwagen aufgeladen werden und später bei der Siegerehrung auf dem Marktplatz als Looser des Tages vorgeführt werden. So sitze ich trocken am Deichfenster, beobachte die Quälereien in der letzten Qualgruppe des Wettbewerbs und sage mir klammheimlich nach innen gerichtet: Warum tun die sich das an? Ist es ungebändigter Ehrgeiz, ist es der reine Narzissmus, oder einfach nur die Unfähigkeit zum Faulpelzen und Nichtstun?